Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Lesekompetenz und der Lesemotivation im Kontext des Bildungssystems, insbesondere vor dem Hintergrund des PISA-Schocks. Zunächst werden grundlegende Begriffe wie Lesekompetenz und Lesemotivation erläutert sowie deren Zusammenhang untersucht. Es wird gezeigt, dass eine hohe Lesemotivation eng mit einer guten Lesekompetenz verbunden ist und beide Faktoren für den Bildungserfolg entscheidend sind.
Im zweiten Teil werden zwei Motivationstheorien im Detail vorgestellt und miteinander verglichen: Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1993) sowie das Erwartungs-Wert-Modell von Möller & Schiefele (2004). Beide Theorien bieten unterschiedliche Perspektiven auf die Entstehung und Förderung von Motivation, wobei der Vergleich auf ihre Relevanz für die Lesemotivation im schulischen Kontext eingeht.
Der dritte Abschnitt widmet sich der praktischen Bedeutung der Lesemotivation im Literatur- und Leseunterricht. Dabei werden soziale Einflussfaktoren und der sogenannte „Leseknick“ thematisiert, bevor konkrete Möglichkeiten zur Förderung der Lesemotivation, wie etwa durch gezielte Unterrichtsgestaltung, vorgestellt werden.
Abschließend wird ein Fazit gezogen, das die Wichtigkeit der Lesemotivation für den schulischen Erfolg unterstreicht und Ansätze zur effektiven Förderung dieser Motivation im Unterricht aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen und Begriffserläuterung
1.1 Die Bedeutung der Lesekompetenz hinsichtlich des PISA-Schocks
1.2 Zum Begriff der (Lese)Motivation
1.3 Der Zusammenhang zwischen Lesekompetenz und Lesemotivation
2 Vorstellung und Vergleich zweier Motivationstheorien
2.1 Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan (1993)
2.2 Das Erwartungs-Wert-Modell der Lesemotivation nach Möller & Schiefele (2004)
2.3 Vergleich der vorgestellten Motivationstheorien
3 Die Bedeutung der Lesemotivation im Literatur- und Leseunterricht
3.1 Soziale Einflussfaktoren auf die Lesemotivation und der Leseknick
3.2 Möglichkeiten für eine gezielte Lesemotivationsförderung
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Gefüge der Lesemotivation im Grundschulalter unter Rückgriff auf zwei zentrale motivationstheoretische Ansätze. Das primäre Ziel besteht darin, die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan sowie das Erwartungs-Wert-Modell nach Möller & Schiefele theoretisch zu fundieren, vergleichend gegenüberzustellen und ihre Relevanz für eine effektive Lesemotivationsförderung im schulischen Kontext herauszuarbeiten, um maßgeblich zur Entwicklung einer nachhaltigen Lesekompetenz beizutragen.
- Theoretische Fundierung von Lesemotivation und Lesekompetenz
- Vergleichende Analyse der Selbstbestimmungstheorie und des Erwartungs-Wert-Modells
- Einfluss sozialer Faktoren und des schulischen Kontextes auf das Leseverhalten
- Herausforderungen durch den sogenannten "Leseknick" ab der Primarstufe
- Pädagogische Interventionsmöglichkeiten zur gezielten Lesemotivationsförderung
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan (1993)
Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan (1993) stellt den Zusammenhang zwischen Motivation und Lernen dar und basiert auf einer Theorie des Selbst, bei der die menschlichen Grundbedürfnisse einen maßgeblichen Antrieb darstellen und die menschliche Motivation steuern (vgl. Deci & Ryan 1993, 223). Im Fokus steht der Begriff des Individuums, welches sich durch grundlegende Fähigkeiten und Interessen sowie angeborenen psychologischen Bedürfnissen entwickelt (vgl. ebd.). Letztere bestimmen laut den Theoretikern menschliches Verhalten und sind sowohl für intrinsische als auch extrinsische Motivation relevant; gemeint ist damit das Bedürfnis nach Kompetenz (oder Wirksamkeit), Autonomie (oder Selbstbestimmung) und sozialer Zugehörigkeit (vgl. ebd. S. 229). Die Theorie geht davon aus, dass der Mensch die angeborene motivationale Tendenz hat, das eigene Handeln selbst steuern zu wollen und sich in einem sozialen Milieu, mit welchem er oder sie sich verbunden fühlt, effektiv, selbstwirksam und bewusst erlebt (vgl. ebd.).
Hinsichtlich intrinsisch motivierter Handlungen kann ein selbstbestimmtes Verhalten beobachtet werden, da sich das Individuum „frei in der Auswahl und Durchführung seines Tuns“ (vgl. ebd. S. 226) fühlt; es wird nach einer Tätigkeit gestrebt, welche interessensbestimmt und aus Neugierde und Spontaneität entspringt. Zudem sind intrinsisch motivierte Verhaltensweisen mit dem Bedürfnis nach Kompetenz verbunden; die eigene Selbstwirksamkeit wird bewusst erlebt und den eigenen Interessen kann frei und engagiert nachgegangen werden. Bezüglich des sozialen Kontextes ist zudem ersichtlich geworden, dass druckerzeugende Situationen und kontrollierende Maßnahmen die intrinsische Motivation deutlich hemmen, wohingegen selbstständigkeitsfördernde Rückmeldungen, die die Eigeninitiative und Wahlfreiheit unterstützen, die intrinsische Motivation aufrechterhalten und zusätzliche verstärken sowie als autonomiefördernd wahrgenommen werden (vgl. ebd. S. 230).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die aktuelle Problematik sinkender Leseleistungen bei Grundschulkindern und betont die Relevanz der Lesemotivation für den schulischen Erfolg und die gesellschaftliche Partizipation.
1 Theoretische Grundlagen und Begriffserläuterung: Das Kapitel differenziert zwischen Lesekompetenz und Lesefertigkeiten unter Berücksichtigung von PISA-Ergebnissen und definiert den Begriff der (Lese)Motivation.
2 Vorstellung und Vergleich zweier Motivationstheorien: Hier werden die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan sowie das Erwartungs-Wert-Modell von Möller & Schiefele erläutert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Lesemotivation verglichen.
3 Die Bedeutung der Lesemotivation im Literatur- und Leseunterricht: Dieses Kapitel analysiert soziale Einflussfaktoren auf das Leseverhalten, diskutiert das Phänomen des Leseknicks und zeigt didaktische Möglichkeiten zur Motivationsförderung auf.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren Öffnung des Literaturunterrichts hinsichtlich eines Autonomie- und Kompetenzgedankens.
Schlüsselwörter
Lesemotivation, Lesekompetenz, Selbstbestimmungstheorie, Erwartungs-Wert-Modell, Grundschule, Literaturunterricht, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation, Leseförderung, Leseselbstkonzept, Sozialisation, Leseknick, Autonomie, Kompetenz, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle der Lesemotivation im Literatur- und Leseunterricht der Grundschule und untersucht, wie dieses psychologische Konstrukt zur Förderung der Lesekompetenz beitragen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Bedeutung von Lesekompetenz, die theoretische Analyse zweier prominenter Motivationstheorien sowie die praktische Umsetzung einer gezielten Lesemotivationsförderung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Hauptziel ist die theoretische Fundierung und der Vergleich der Selbstbestimmungstheorie sowie des Erwartungs-Wert-Modells, um daraus konkrete Schlussfolgerungen für die Stärkung der intrinsischen Lesemotivation bei Kindern zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturstudie relevanter aktueller und grundlegender pädagogischer und psychologischer Forschungsergebnisse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen gelegt, danach die beiden Motivationstheorien im Detail dargelegt und verglichen, gefolgt von einer Analyse der sozialen Einflussfaktoren und didaktischen Förderkonzepte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lesemotivation, Lesekompetenz, Selbstbestimmungstheorie, Förderungsprinzipien, soziale Einflussfaktoren und schulisches Selbstkonzept charakterisiert.
Was genau versteht die Autorin unter dem "Leseknick" bei Kindern?
Der "Leseknick" bezeichnet einen empirisch beobachtbaren, plötzlichen Rückgang des Leseinteresses und -verhaltens, der häufig bei Kindern zwischen zehn und vierzehn Jahren auftritt.
Welchen Einfluss haben Lehrkräfte konkret auf die Lesemotivation?
Lehrkräfte fungieren als Lernmodelle und Gestalter der Lernumgebung; unterstützende, an den Belangen der Kinder interessierte Lehrkräfte erhöhen die intrinsische Lesemotivation, während lehrkraftzentrierte Methoden diese eher hemmen können.
- Arbeit zitieren
- Lena Jüdt (Autor:in), 2023, Lesemotivation als bedeutsame Aufgabe des Literaturunterrichts. Die Selbstbestimmungstheorie und das Erwartungs-Wert-Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1519412