Der Einfluss der Medien auf die Kindheit


Hausarbeit, 2008

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terminologie
2.1 Medien
2.2 Kindheit

3 Geschichte der Kindheit in der historischen Darstellung
3.1 Die Kindheit in der Antike
3.2 Die Kindheit im Mittelalter
3.3 Der Buchdruck und seine Folgen

4 Kindheit und elektronische Medien
4.1 Das erste Kommunikationsmedium: Der Telegraf
4.2 Die Kindheit und das Fernsehen
4.3 Das Verschwinden der Trennungslinie zwischen Kindheit und Erwachsenenalter
4.4 Computer- und Internetnutzung im Internetzeitalter

5 Risiken und Chancen neuer Medien

6 Perspektive: Medienkompetenz vermitteln

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Fernsehen und Computer sind in vielen Kinderzimmern heute ganz selbstver- ständlich. Oft hört man in Gesprächen mit den Eltern, dass ihre Kinder in erheb- lichem Maße fernsehen, was vielen Erwachsenen Anlass zur Sorge gibt und Rat- losigkeit bewirkt. Sie fühlen sich meistens hilflos gegenüber der Macht neuer Medien. Hierzu empfiehlt die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen in einem Elternratgeber:

„Ein Fernseher gehört nicht ins Kinderzimmer! Kinder sollten nur zeitlich begrenzt vor einem Bildschirm sitzen - Eltern sollten mit den Kindern besprechen, wie lange der Bildschirm an ist und was gesehen oder gespielt wird“ (Baacke, 2008, S.4).

Solche Meinungen wie diese und weitere negative Einstellungen gegenüber dem Fernsehen gibt es heute zahlreich. Fraglich ist wiederum, ob diese immer berech- tigt sind. Insbesondere ist die vehemente Kritik des amerikanischen Medienwis- senschaftlers und Medienkritikers Neil Postman an den zeitgenössischen Medien, vor allem am Kommerzfernsehen, die in den 80er Jahren das öffentliche Echo in erheblichem Maße erreichte, allgegenwärtig. Auf der Grundlage seines Buches „Das Verschwinden der Kindheit“, das 1982 in der amerikanischen Originalaus- gabe erschien, soll in der vorliegenden Arbeit der Einfluss, den die Medien auf die Kindheit ausüben können und inwiefern diese die Kindheit verändern, erörtert werden.

Hierzu werden zunächst die grundlegenden Begriffe Medien und Kindheit defi- niert (Kapitel 2). Anschließend folgt nach Postman die Darstellung der Geschichte der Kindheit von der Antike bis zur Neuzeit (Kapitel 3). Im darauf folgenden Ka- pitel wird die Kindheit im Zusammenhang mit den elektronischen Medien, in erster Linie mit dem Fernseher und mit dem Computer, reflektiert, die laut Post- man Ursache für den Wandel der Kindheit sind (Kapitel 4). Die Chancen und Risiken, die von den neuen Medien ausgehen können, werden im anschließenden Kapitel 5 erläutert. Zum Abschluss wird in Kapitel 6 die Frage aufgeworfen, ob Medienkompetenz als eine Lösung im Umgang mit neuen Medien gesehen wer- den kann.

Um den Lesefluss nicht zu hemmen, soll durchgehend das männliche Genus ver- wendet werden. Gemeint sind aber in diesen Fällen beide Geschlechter.

2 Terminologie

Da die hier verwendeten Begriffe auch in der Alltagssprache häufig Anwendung finden, ist es erforderlich, zunächst das hier vorliegende Verständnis der zentralen Begriffe darzulegen. In diesem Zusammenhang bedeutet dies die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den Begriffen „Medien“, „Kind“ und „Kindheit“.

2.1 Medien

Der Begriff „Medien“ ist die Pluralform vom „Medium“. Er stammt aus dem lateinischen und lässt sich als „Vermittlungssysteme für Informationen aller Art (Nachrichten, Meinungen, Unterhaltung)“ übersetzen (Meyers Lexikon Online, 2008).

Heute begegnen uns Medien in erster Linie als technische Medien, unter denen beispielsweise Telefon, Rundfunk, Fernsehen, Mobiltelefon und Internet fallen. Dabei ist eine Differenzierung zwischen „alten“ und „neuen“ oder zwischen ana- logen und digitalen Medien kaum noch möglich, weil selbst Zeitungen oder Bü- cher mittels digitaler Technik gestaltet und hergestellt werden.

Nach Hunziker (1996, S.15f.) werden Medien als Mittel zur Kommunikation ver- standen. Er unterscheidet hierbei drei Arten von Kommunikationsmedien. Bei den primären Medien handelt es sich um die an den Körper des Senders gebundenen Übertragungswege, die im direkten menschlichen Kontakt genutzt werden. Diese sind beispielsweise die mündliche Rede, die Gestik oder Mimik, die nur einge- setzt werden können, wenn Sender und Empfänger zur selben Zeit am selben Ort anwesend sind.

Die sekundären Medien hingegen überwinden diese Schwierigkeit, indem sie Kommunikation mir Hilfe von Technik aufzeichnen. Um die Nachricht zu emp- fangen und zu entschlüsseln, braucht der Empfänger keine technischen Hilfsmit- tel. Klassische sekundäre Medien sind Zeitungen und Briefe.

Auch die tertiären Medien bedienen sich technischer Hilfen, um Kommunikation aufzuzeichnen und zu verbreiten. In Abgrenzung zu den sekundären Medien be- nötigt hier der Rezipient zusätzlich technische Hilfsmittel, um die Nachricht zu empfangen und zu dekodieren. Als Beispiel sind hier Fernseher, Radio und Tele- fon zu nennen. Im Folgenden beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf das hier relevante Verständnis von „Medien“, worunter alle Mittel fallen, „welche die zum Zwecke der Kommunikation erzeugten Signale übertragen, speichern und/oder aussenden“ (Glameyer, 2007, S.45).

2.2 Kindheit

Unter dem Begriff „Kind“ ist im Alltagsverständnis entweder der Nachkommen einer Person oder aber der Mensch bis zum Eintritt ins Jugendalter zu verstehen. Als Mensch befindet sich das Kind in der ersten Alters- und Entwicklungsphase. Die Entwicklungspsychologie differenziert sechs Entwicklungsphasen je nach dem Stand der biologisch- physiologischen, psychischen und sozialen Entwick- lung eines Kindes. Diese sind folgende: Neugeborenes (bis zum 28.Lebenstag), Säuglingsalter (1.Lebensjahr), Kleinkindalter (2.und 3. Lebensjahr), frühe Kind- heit (4.- 6. Lebensjahr), mittlere Kindheit (7.- 10. Lebensjahr) und späte Kindheit (11.-14. Lebensjahr). Im Anschluss an die Kindheit folgt die Phase der Adoles- zenz (Meyers Lexikon Online, 2008).

Der Terminus „Kindheit“ bezeichnet in der deutschen Sprache unterschiedliche Sachverhalte, die selten deutlich voneinander geschieden werden. Zum einen lässt sich Kindheit als „Kindesalter“ verstehen. Hier handelt es sich um (sozial-) psy- chologische, pädagogische und biologische Phasenmodelle sowie Altersnormkon- zepte der kindlichen Entwicklung. Zum anderen wird Kindheit unter historischem und sozialwissenschaftlichem Blickpunkt betrachtet. In dieser Sichtweise geht es um die Sozialstruktur einer Gesellschaft, die die soziale Lage und die verschiede- nen Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule, Peer-Groups bestimmt (Neu- mann-Braun, 2001, S.58). Außerdem modifiziert die Sozialstruktur „die zeitliche Dauer, den Verlauf, die Struktur, die Autonomie und selbst die biologischen De- terminanten jener Lebensphasen, die Kindheit und Jugend genannt werden“ (ebd., S.58). Des Weiteren wird Kindheit als ein kulturelles Muster interpretiert, d.h., dass gesellschaftliche Institutionen und Einzelpersonen wie Schule, Familie, Leh- rer eine Wahrnehmung zum Umgang mit Kindern entwickeln. Nach diesem Be- wusstsein stellt die Kindheit ein soziales Konstrukt der Gesellschaft und ein mentales Konstrukt der Erwachsenen dar, „indem Kinder zum Objekt von Erzie- hungs- und Bildungsbemühungen Erwachsener werden“ (ebd., S.58).

3 Geschichte der Kindheit in der historischen Darstellung

Postmans Buch „Das Verschwinden der Kindheit“ ist eines der Klassiker im Dis- kurs über die Kindheit, in dem die Frage diskutiert wird, ob die Kindheit als eine von anderen unterschiedene Lebensphase gegenwärtig nicht einer Modifikation unterliegt und ob nicht von einer Liquidierung der Kindheit gesprochen werden muss. Um diese These, die „verschwindende“ Kindheit nachzuvollziehen, wird im Folgenden die Entstehung der Idee der Kindheit, die Postman zu Beginn seines Buches vorstellt, dargelegt.

3.1 Die Kindheit in der Antike

In der Antike hatte die Kindheit keinen besonderen Stellenwert. Kinder waren Lebewesen ohne besonderen eigenen „Nutzen“, deshalb beschränkte sich die Aufmerksamkeit ihnen gegenüber eher auf ein Minimum. Bis zur Zeit des Aris- toteles gab es zum Beispiel keine moralischen und gesetzlichen Beschränkungen de Kindestötung (Postman, 1983, S.15-16). Über den Begriff „Kindheit“ hatten die Griechen lediglich undeutliche und unklare Vorstellungen, denn „ihre Wörter für „Kind“ und „Jugendlicher“ sind zumindest mehrdeutig und scheinen fast je- dermann zwischen dem Säuglings- und dem Greisenalter zu umfassen“ (ebd., S.16). Jedoch widmeten sich die Griechen mit viel Ehrgeiz der Erziehung junger Menschen. So versuchte beispielsweise Platon in mehreren Dialogen Erziehungs- fragen zu lösen und zu diskutieren und Vorschläge zur richtigen Erziehung der Jugend hervorzubringen. Die Idee der Schule basierte auf der Erfindung der Grie- chen, womit auch die Phase der Erziehung und Sozialisation zum ersten Mal ge- sellschaftlich institutionalisiert wurde. Trotz dessen ist deren Einstellung zur Kindheit mit der heutigen Konzeption von Kindheit nicht vergleichbar (ebd., S.17).

Die Römer nahmen die griechische Grundidee der Schulerziehung auf und entwi- ckelten sie weiter. Sie entfalteten den Zusammenhang zwischen dem Schamgefühl und dem heranwachsenden Kind, welcher nach Postman ein wesentlicher Schritt in Richtung Institutionalisierung der Kindheit darstellt. „Ohne entwickeltes Schamgefühl kann es Kindheit nicht geben“ (ebd., S.19). Die Idee des Schamge- fühls beruht auf Geheimnissen, und zwar auf solchen, die nur der Erwachsenenwelt vorbehalten sein sollten, wie etwa die Sexualität. So sollten die Heranwach- senden ihre Scham bewahren, in dem sie vor diesen Geheimnissen „abgeschirmt“ werden (ebd., S.19).

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Details

Titel
Der Einfluss der Medien auf die Kindheit
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V152084
ISBN (eBook)
9783640640898
ISBN (Buch)
9783640641024
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Kindheit, Neil Postman, Fernsehen
Arbeit zitieren
Tülay Bilgen-Yildiz (Autor), 2008, Der Einfluss der Medien auf die Kindheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152084

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