Kants Geschichtsphilosophie


Essay, 2008

5 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Der Begriff Geschichtsphilosophie wurde erstmals im 18. Jahrhundert von Voltaire geprägt und versucht als Wissenschaft über die Geschichte, gegenüber der bloßen Geschichts darstellung, allgemeine Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Geschichte aufzudecken und nachzuweisen. Sie widmet sich der Frage, ob der Gang der Geschichte kontingent, beziehungsweise zufällig ist, oder vielmehr einem vernünftigen Plan und Ziel gehorcht und so in ihrer Gesamtheit gedeutet werden kann.

In seiner Abhandlung „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ von 1784 liefert Kant in neun Sätzen eine formale und materiale Theorie der Geschichte. Kant stellt die These auf, dass die Geschichte nicht eine bloße Erzählung ist, sondern in ihr, trotz Zufälligkeiten und Kontingenzen, ein regelmäßiger Gang erkennbar sei. Die Weltgeschichte habe, so Kant, ein reales Ziel, auf das sie hinstrebt. Um diese teleologische Geschichtsdeutung zu bekräftigen, stellt Kant neun Sätze auf, in denen er die Natur als Movens der Geschichte erklärt, die alles Lebendige zur vollständigen Entwicklung seiner Anlagen bringe und somit die Entwicklung des Menschengeschlechts steuere und zu einem Ziel vorantreibe. Dieses Ziel sei eine allgemein das Recht verwaltende bürgerliche Gesellschaft.

Als Grundgerüst seiner Theorie beschreibt Kant die Zweckmäßigkeit der Natur. Jede Naturanlage habe ihren Zweck, den sie vollständig erfüllt. Gegenüber dem Tier ist der Mensch ein Mängelwesen, da er nicht bloß durch seinen Instinkt geleitet überleben kann. Er wurde mit der Vernunft ausgestattet, zu dem Zwecke, dass er diese Naturanlage entwickle und ausbilde: „Die Natur tut nämlich nichts überflüssig, […] da sie dem Menschen Vernunft und darauf gründende Freiheit des Willens gab, so war das schon eine klare Anzeige ihrer Absicht in Ansehung seiner Ausstattung.“[1] Er sollte alles aus sich selbst herausbringen und erarbeiten: Nahrungsmittel, Bedeckung, Sicherheit, Klugheit.

Die Entwicklung der menschlichen Anlagen erfolgt durch einen, von der Natur dazu eingesetzten gesellschaftlichen Antagonismus, nämlich dem natürlichen Widerstreit zweier Triebe: die Neigung zur Vergesellschaftung einerseits, und der Hang zur Isolierung im Sinne von Ehrsucht und Habsucht andererseits. Diese gesellige Ungeselligkeit sei, so Kant, die Quelle zur Entwicklung aller Talente und Fähigkeiten. Denn die Menschen sind aufeinander angewiesen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Alle Entfaltung der Talente, jeglicher Fortschritt und Kultur aber, entspringt aus der konkurrierenden Ungeselligkeit und der Rohigkeit der Menschen untereinander „[…] ohne sie würden alle vortrefflichen Naturanlagen ewig unentwickelt schlummern“[2]

[...]


[1] Kant Immanuel. „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ S. 36

[2] ebd. S. 38ff

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Kants Geschichtsphilosophie
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Zur Aktualität des ethischen Sozialismus: Neukantianismus und Marxismus
Note
1,9
Autor
Jahr
2008
Seiten
5
Katalognummer
V152150
ISBN (eBook)
9783640639489
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kants, Geschichtsphilosophie
Arbeit zitieren
Marieke Jochimsen (Autor), 2008, Kants Geschichtsphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152150

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