In dem ersten Kapitel des Buches „Vom Bürger“ in Thomas Hobbes’ Werk Elemente der Philosophie beschreibt Hobbes den Zustand der Menschen, wie er sich außerhalb von bürgerlichen Gesellschaften gestalten würde, d. h. den sogenannten Naturzustand. Hobbes nutzt seine Theorie über diesen Zustand um Staatlichkeit herzuleiten und zu begründen. Der Naturzustand und die anthropologischen Gedanken über den Menschen fungieren somit als das Grundgerüst für seine Staatstheorie. Seine zentrale These ist, dass dieser Zustand ein Kriegszustand ist, da er durch ständige Gewalt geprägt ist. Nur aus Furcht und zum Zweck der Selbsterhaltung verlassen die Menschen diesen Zustand und schließen sich zu bürgerlichen Gesellschaften zusammen.
Zur Erklärung dieser These werde ich näher auf Hobbes materialistisches Weltbild und mechanisches Denken eingehen, und daraus folgernd auch sein zugrunde liegendes Bild vom Menschen erläutern. Denn anhand der argumentationslogischen Verknüpfung von Physik und Anthropologie leitet Hobbes sein Konzept der Staatlichkeit her.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodischen Grundlagen der Hobbschen Staatstheorie
3. Der Naturzustand
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das menschliche Verhalten und die Entstehung von Staatlichkeit basierend auf Thomas Hobbes’ materialistischem Weltbild, mit dem zentralen Ziel, die Herleitung des Naturzustandes als Kriegszustand sowie die daraus resultierende Notwendigkeit der staatlichen Ordnung zu analysieren.
- Mechanistisches Menschenbild und physikalistische Anthropologie
- Das Selbsterhaltungsinteresse als primärer Antrieb menschlichen Handelns
- Die Analyse des Naturzustandes als Gedankenexperiment
- Die Überwindung des Krieges aller gegen alle durch bürgerliche Verträge
Auszug aus dem Buch
Der Naturzustand
Ausgehend von dieser materialistischen Grundhaltung und einem daraus folgendem negativen Menschenbild erklärt Hobbes den Naturzustand der Menschen. Dieser Zustand, bei dem es sich um ein Gedankenexperiment handelt, meint das Zusammenleben der Menschen ohne jegliche Gesetze und eine übergeordnete Macht, d. h. einen Staat. In einem solchen Zustand würden sich die Menschen, so Hobbes, nicht aus freien Stücken oder um der Gesellschaft willen zu bürgerlichen Gemeinschaften zusammentun. Dabei schließt er jedoch nicht aus, dass es zum Zusammenschluss kleinerer Gemeinschaften kommt, wie etwa Familien oder kleineren Banden (z.B. zur erhöhten Sicherheit), da die Menschen „unter dem Zwang ihrer Natur einander aufsuchen“6. Die bürgerlichen Gesellschaften aber seien keine „bloßen Zusammenkünfte, sondern Bündnisse zu deren Abschluss Treue und Verträge notwendig sind“ 7.
Anders als Aristoteles geht Hobbes nämlich nicht davon aus, dass der Mensch von Natur aus ein politisches Wesen (zoon politikon) sei, d. h. eine natürliche Veranlagung zur Staatsbildung habe. Der Mensch sei, so Hobbes, aufgrund seiner Anlagen zu einer Vergesellschaftung nicht fähig und muss erst „durch Zucht [dazu] geeignet werden“8.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein und erläutert die zentrale These, dass der Naturzustand aufgrund des menschlichen Strebens nach Selbsterhaltung ein Kriegszustand ist.
2. Methodischen Grundlagen der Hobbschen Staatstheorie: Hier wird Hobbes' Übertragung der naturwissenschaftlichen Methode auf die politische Philosophie dargelegt, wobei der Mensch als mechanisch beschreibbarer Körper in Bewegung betrachtet wird.
3. Der Naturzustand: Dieses Kapitel analysiert das Leben ohne staatliche Ordnung, in dem der Mensch als eigennütziges Wesen in einem ständigen Konflikt mit seinesgleichen lebt.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das Selbsterhaltungsinteresse sowohl die Ursache für den Kriegszustand als auch den Antrieb für dessen Überwindung durch die Gründung eines Staates darstellt.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Naturzustand, Selbsterhaltung, Kriegszustand, bellum omnium contra omnes, Staatstheorie, Mechanistisches Menschenbild, Homo homini lupus, Materialismus, Gesellschaftsvertrag, Politische Philosophie, Vernunft, Selbsterhaltungsinteresse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Philosophie von Thomas Hobbes und der Frage, wie er Staatlichkeit aus einem mechanistischen Menschenbild herleitet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die anthropologischen Grundlagen, die Methode der Zerlegung komplexer Systeme in Einzelteile sowie die theoretische Konstruktion des Naturzustandes.
Was ist das primäre Ziel dieser Analyse?
Ziel ist es zu erklären, warum Hobbes den Naturzustand als einen unvermeidlichen Kriegszustand begreift und wie Menschen diesen durch Vernunft und Verträge überwinden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wendet eine analytische, mechanisch-naturwissenschaftliche Methode an, die den Menschen als physikalisch beschreibbaren Körper betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung der Staatstheorie und die detaillierte Beschreibung des Naturzustandes sowie der menschlichen Natur als Triebfeder für gesellschaftliche Zusammenschlüsse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Selbsterhaltung", "Naturzustand", "Krieg aller gegen alle" und "mechanistisches Menschenbild".
Warum lehnt Hobbes die aristotelische Auffassung des „zoon politikon“ ab?
Hobbes argumentiert, dass der Mensch keine natürliche soziale Veranlagung besitzt, sondern erst durch Zucht und Notwendigkeit zur Bildung einer staatlichen Gemeinschaft gezwungen wird.
Inwiefern beeinflusst das Selbsterhaltungsinteresse die Moral in Hobbes' System?
Da alles Handeln durch Selbsterhaltung und den Nutzen getrieben ist, existieren außerhalb des Staates keine objektiven moralischen Normen; "gut" und "böse" sind rein subjektive Begriffe.
- Citation du texte
- Marieke Jochimsen (Auteur), 2008, Das (unbedingte) Streben nach Selbsterhaltung und seine Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152156