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Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund

Title: Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund

Examination Thesis , 2010 , 69 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Peter Dähn (Author)

Sociology - Children and Youth
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Die Wanderungsbewegung von Menschen auf der ganzen Welt hat in den letzten 20 Jahren zugenommen und somit an Bedeutung für Politik, Wirtschaft und das Sozialwesen gewonnen. Allein zwischen 1990 und 2000 ist die Migration um etwa 46 Prozent angestiegen. Dieser Anstieg resultiert aus unterschiedlichen Gründen, wie beispielsweise dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion und somit des gesamten Ostblocks. Ungünstige wirtschaftliche Veränderungen, schlechte soziale Bedingungen oder aber auch Kriege ließen die Menschen aus ihren Heimatländern fliehen, um in anderen Ländern ein besseres Leben führen zu können.

Diese Menschen müssen im Aufnahmeland integriert werden, was durch Einbürgerung, soziale Sicherung oder auch mit dem Zugang zum Arbeitsmarkt geschehen kann. Wichtig ist insbesondere für die Kinder, dass diese Zugang zum Bildungssystem erhalten, um somit die nötigen Kompetenzen zu erwerben, die sie auf ein Leben in der Gesellschaft und ein weiteres Lernen in Ausbildung bzw. Beruf vorbereiten.
Aus welchen Gründen jedoch werden Migrantenkinder in deutschen Schulen benachteiligt? Zuerst wäre einerseits der soziale Hintergrund als Benachteiligungsfaktor anzugeben, da ein Großteil dieser Schülerpopulation aus sozial schwachen Verhältnissen stammt und der soziale Faktor schwerer wiegt, als der kulturelle. Weiterhin wäre die Benachteiligung zu nennen, die eben durch den Migrationshintergrund selbst entsteht. Ebenfalls wäre in diesem Zusammenhang der sprachliche Hintergrund zu erwähnen und die Unkenntnis über die deutsche Kultur, aber auch der kurze Schulbesuch bei später Einwanderung und auch die unsicheren Perspektiven für einen Aufenthalt, führen durchaus zu Benachteiligungen. Als letzter Punkt kann noch die Benachteiligung aufgrund der Situation in Schulen betrachtet werden, dabei in Form von absichtlicher bzw. unabsichtlicher institutioneller Diskriminierung.

Hauptanliegen der Arbeit soll sein, zu erörtern, ob Schüler mit Migrationshintergrund ausschließlich durch gesellschaftliche oder politische Bedingungen im Bildungssystem benachteiligt sind, oder ob auch persönliche Faktoren zur Benachteiligung beitragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Definitionen

II.I Migrationshintergrund

II.2 Integration

II.3 Bildungsbenachteiligung / Bildungsbarrieren

III Migration in Deutschland

III.1 Geschichte der Migration

III.2 Migration und Schule - Von der Ausländerpädagogik zum Integrationskonzept

III.3 Migrationshintergründe

III.3.1 Asylanten und Asylrecht, Flüchtlinge

III.3.2 Aussiedler und Spätaussiedler

III.3.3 Gastarbeiter

IV Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund

IV.1 Das Problem mit der Heimatkultur

IV.2 Deutsche Sprache und Spracherwerb

IV.3 Bildungsbenachteiligung aufgrund sozialer Faktoren

IV.3.1 Die Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu

IV.3.2 Reproduktion sozialer Ungleichheit und schulische Integration

IV.4 Bildungsbenachteiligung durch institutionelle Diskriminierung

IV.4.1 Institutioneller Rassismus

IV.4.2 Institutionelle Diskriminierung

IV.4.3 Institutionelle Diskriminierung durch die Institution Schule

IV.4.4 Institutionelle Diskriminierung in der Phase der Einschulung / Grundschule

IV.4.5 Institutionelle Diskriminierung beim Übergang in die Sekundarstufe

IV.5 Segregation in der Sekundarstufe I

IV.6 Weitere Formen von Bildungsbenachteiligung

V Schüler mit Migrationshintergrund innerhalb der einzelnen Schulformen

V.1 Vorschulische Bildung und der Besuch der Grundschule

V.2 Die Überrepräsentation von Schülern mit Migrationshintergrund auf Schulen zur Lernförderung (Sonderschulen)

V.3 Schüler mit Migrationshintergrund in den neuen Bundesländern

VI Schüler mit Migrationshintergrund im Blickpunkt der PISA-Studien (Programme for International Student Assessment)

VI.1 PISA 2000

VI.2 PISA 2003

VI.3 PISA 2006

VII Möglichkeiten zur Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund

VII.1 Bildungssprache als Voraussetzung für Schulerfolg

VII.2 Bilingualität

VII.3 Interkulturelle Pädagogik und weitere Fördermaßnahmen

VIII Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem. Ziel ist es zu erörtern, ob diese Benachteiligung primär auf institutionelle oder politische Bedingungen zurückzuführen ist oder inwiefern individuelle sowie familiäre Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf den Schulerfolg haben.

  • Analyse der historischen Entwicklung von Ausländerpädagogik zu Integrationskonzepten
  • Untersuchung von Sprachbarrieren und soziokulturellen Einflüssen auf den Lernerfolg
  • Erörterung institutioneller Diskriminierungsmechanismen im Bildungssystem
  • Reflexion der Rolle des sozioökonomischen Kapitals nach Pierre Bourdieu
  • Evaluation von Fördermaßnahmen wie Sprachunterricht und interkultureller Pädagogik

Auszug aus dem Buch

IV.1 Das Problem mit der Heimatkultur

Ein wichtiger Punkt, der bei Migrationskindern beachtet werden muss, ist die verschiedene Kultur, die innerhalb des schulischen und des heimischen Umfeldes vorherrscht. Kinder türkischer Eltern verlaufen eine andere Sozialisation als ihr deutsches Pendant. Viele Eltern sind aus verschiedensten Motivationen heraus nach Deutschland gekommen, vor allem aber, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Dies führt allerdings nicht zwangsläufig zur Anpassung an die traditionelle deutsche Kultur. Häufig leben die Einwanderer in ihrer Häuslichkeit die eigene Kultur weiter, wodurch die Kinder vor ein großes Problem gestellt werden, sie leben in zwei verschiedenen Welten, morgens in Deutschland, abends in der Türkei.34 Das Aufziehen der Kinder erfolgt in völlig anderer Weise als bei uns in Deutschland. Vorrangig bis zum sechsten Lebensjahr sind sie ausschließlich dem Umfeld der Mutter zugeordnet und genießen hohe gefühlsmäßige Aufmerksamkeit. Unterschiede findet man auch hier bei dem Aufwachsen von Kindern aus städtischer bzw. dörflicher Gegend.

Ab dem sechsten Lebensalter beginnt die eigentliche geschlechtsspezifische Erziehung der Kinder, bei der die Jungen dem Vater zugeordnet werden und die Mädchen bei der Mutter verbleiben. Auch die Ausbildung nach islamischen Verhaltensregeln ist ein Pflichtprogramm bei der Erziehung der Kinder.35 Behr schreibt in ihrem Aufsatz, dass türkische Kinder durchaus mehr Freiraum genießen, als deutsche Kinder, und vielmehr am Erwachsenenleben teilnehmen und somit auch eher eigenverantwortlich Tätigkeiten ausüben dürfen. Diese unterschiedlichen Erziehungsausrichtungen und Wertevorstellung können nach einer Einwanderung nach Deutschland zu inneren Konflikten bei den Kindern und Jugendlichen führen, bis dahin, dass sowohl das Wertesystem der türkischen, aber auch das der deutschen Kultur abgelehnt werden können. Wichtig ist hier dann darauf zu achten, dass man versucht die Kinder zu unterstützen, sich in beiden Wertesystemen zurechtzufinden.36

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern ein und skizziert das Ziel, den Anteil persönlicher versus institutioneller Faktoren zu ergründen.

II Definitionen: Hier werden zentrale Begriffe wie Migrationshintergrund, Integration und Bildungsbarrieren definiert, um eine theoretische Grundlage für die Analyse zu schaffen.

III Migration in Deutschland: Dieses Kapitel behandelt die historische Genese der Zuwanderung und die Entwicklung pädagogischer Konzepte, ergänzt durch eine Differenzierung verschiedener Migrantengruppen.

IV Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund: Im Hauptteil werden kulturelle, sprachliche und soziale Faktoren analysiert sowie Mechanismen institutioneller Diskriminierung und Segregation kritisch beleuchtet.

V Schüler mit Migrationshintergrund innerhalb der einzelnen Schulformen: Dieser Abschnitt untersucht die ungleiche Verteilung ausländischer Schüler auf verschiedene Schulformen mit einem Fokus auf die Überrepräsentation an Sonderschulen.

VI Schüler mit Migrationshintergrund im Blickpunkt der PISA-Studien: Die PISA-Ergebnisse werden herangezogen, um das Abschneiden von Schülern mit Migrationshintergrund empirisch zu untermauern und den Einfluss des sozialen Status zu diskutieren.

VII Möglichkeiten zur Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund: Das Kapitel evaluiert Interventionsmöglichkeiten, insbesondere sprachliche Förderung, Bilingualität und interkulturelle pädagogische Ansätze.

VIII Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit einer aktiven Kooperation aller Akteure zur Überwindung der Bildungsbarrieren.

Schlüsselwörter

Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Integration, Schulerfolg, Schule, Soziologie, institutionelle Diskriminierung, PISA-Studien, Sprachbarrieren, Kapitaltheorie, Sonderschule, interkulturelle Pädagogik, Bildungsbarrieren, Segregation, soziale Ungleichheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Hintergründe, die zu einer Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem führen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind Sprachförderung, der Einfluss des sozialen Herkunftsmilieus, die Rolle der Heimatkultur sowie die Analyse von institutionellen Diskriminierungsprozessen in der Schule.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuklären, in welchem Maße politische und institutionelle Bedingungen versus persönliche oder familiäre Faktoren für das schlechtere Abschneiden von Schülern mit Migrationshintergrund verantwortlich sind.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Theorien sowie der Auswertung empirischer Schulleistungsstudien wie PISA.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert kulturelle Konflikte, sprachliche Defizite, die Kapitaltheorie von Bourdieu und wie Schulen durch Selektionsentscheidungen institutionell zur Benachteiligung beitragen.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Begriffe wie Migrationshintergrund, Habitus, institutioneller Rassismus, Bildungssprache, Segregation und Sonderschule sind zentral für das Verständnis der Argumentation.

Welche Rolle spielt die Koranschule laut dem Text?

Die Koranschule wird als eine dem deutschen Schulsystem konträre Einrichtung beschrieben, deren Besuch kulturelle Konflikte bei Kindern verschärfen kann, was sich negativ auf den Schulerfolg in der Regelschule auswirkt.

Wie bewertet der Autor den Übergang in die Sekundarstufe?

Der Übergang wird als selektiver Prozess dargestellt, bei dem Kinder aus Migrantenfamilien aufgrund von Stereotypen, Vorurteilen und mangelnden sprachlichen Voraussetzungen häufiger auf niedere Schulformen gelenkt werden.

Inwiefern beeinflusst das ökonomische Kapital den Erfolg?

Gemäß Bourdieu fehlt es vielen Migrantenfamilien an ökonomischem Kapital, um schulische Zusatzförderungen oder Lernmaterialien zu finanzieren, was ihre Möglichkeiten zur Aufstiegsmobilität innerhalb des Bildungssystems einschränkt.

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Details

Title
Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund
College
University of Leipzig  (Institut für Soziologie)
Course
-
Grade
1,5
Author
Peter Dähn (Author)
Publication Year
2010
Pages
69
Catalog Number
V152157
ISBN (eBook)
9783640641567
ISBN (Book)
9783640642151
Language
German
Tags
Bildungsbenachteiligung Migrationshintergrund Schüler Kinder und Jugendliche Pierre Bourdieu
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Dähn (Author), 2010, Die Bildungsbenachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152157
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