Mit dem Beginn der 3. Stufe der EWU zum 01.01.1999 und der Errichtung eines einheitlichen Währungsraumes in Europa, begann auch im innereuropäischen Zahlungsverkehr ein neues Zeitalter. TARGET, das Zahlungsverkehrssystem der neuen Europäischen Zentralbank, das mit dem Start der 3. Stufe in Betrieb genommen wurde, tritt nun in den Wettbewerb mit anderen Zahlungsverkehrssystemen der nationalen Zentralbanken und der privaten Kreditwirtschaft.
Grund für die Entstehung dieses Wettbewerbs ist der Wegfall der nationalen Währungen. Die geographische Verknüpfung der Auftragswährung mit dem Abwicklungsplatz entfällt. Resultierend hieraus haben Geschäftsbanken nun die Möglichkeit, innerhalb der EU das Zahlungsverkehrsverfahren mit den für sie günstigsten Konditionen zur Abwicklung ihrer Zahlungen auszuwählen.
Im Laufe der Zeit wird die Verflechtung der EU-Güter- und Finanzmärkte weiter zunehmen und somit die Anzahl der grenzüberschreitenden Zahlungen ebenfalls steigen. International ausgerichtete Unternehmen werden immer stärker einen Zahlungsverkehrsservice fordern, der ,,der nationalen Abwicklung vergleichbar ist". Effizienz- und Preisunterschiede werden über Sieger und Verlierer in diesem Wettbewerb entscheiden. Gewinner sind zum einen die Banken, die durch geringere Kosten bei erhöhtem Service profitieren, aber auch die Kunden, die durch stark erhöhte Preistransparenz eine bessere Verhandlungsposition ihren Banken gegenüber erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung
1.2 Aufbau und Ziel der Arbeit
1.3 Erläuterung zur Auswahl der dargestellten Zahlungsverkehrssysteme
2 Allgemeine Entwicklungen im innereuropäischen Zahlungsverkehr
2.1 Die 3. Stufe der Europäischen Währungsunion
2.2 Steigerung der Anforderungen an die paneuropäische Zahlungsabwicklung
2.3 Das Europäische Währungsinstitut
2.4 Die Lamfalussy-Kriterien
3 Darstellung der wichtigsten Zahlungsverkehrssysteme in Europa
3.1 TARGET
3.1.1 Entstehung
3.1.2 Technische Abwicklung von Zahlungen
3.2 Euro-1-Clearing
3.2.1 Entstehung
3.2.2 Technische Abwicklung von Zahlungen
3.3 EAF2
3.3.1 Entstehung
3.3.2 Technische Abwicklung von Zahlungen
4 Stärken und Schwächen der Zahlungsverkehrssysteme im Vergleich
4.1 Ausschlaggebende Faktoren zur Auswahl von Zahlungsverkehrssystemen
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Zugangskriterien
4.1.3 Endgültigkeit der Zahlung
4.1.4 Liquidität
4.1.5 Schnelligkeit
4.1.6 Betriebszeiten
4.1.7 Kosten
4.2 Ansätze zur effizienten Nutzung von Unterschieden in den Leistungsmerkmalen der einzelnen Systeme
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die technischen Abwicklungsmechanismen paneuropäischer Interbankzahlungs-Systeme vor dem Hintergrund der Europäischen Währungsunion und analysiert, wie Banken durch systematisches Routing ihre Abwicklungsprozesse optimieren können.
- Vergleich der Leitsysteme TARGET, Euro-1-Clearing und EAF2
- Analyse der technischen Abwicklung in Brutto-, Netto- und Hybridsystemen
- Bewertung von Zugangskriterien, Liquiditätsanforderungen und Kostenstrukturen
- Optimierungsansätze für Kreditinstitute im innereuropäischen Zahlungsverkehr
Auszug aus dem Buch
Technische Abwicklung von Zahlungen
Die EAF2 ist ein sogenanntes Hybrid-System. Die Abwicklung von Zahlungen erfolgt in zwei Phasen, die ständig alternierend durchlaufen werden. In der ersten Phase, werden eingehende Zahlungen bilateral verrechnet. Die Hessische Landeszentralbank gibt an, daß 80% der Zahlungsströme in der 1. Phase durch bilaterale Gegenläufigkeit gedeckt sind. Zum Abschluß der 1. Phase erfolgt nur der Spitzenausgleich über die, bei der Hessischen Landeszentralbank geführten, Transaktionskonten. Sollsalden aus dieser Nettoverrechnung werden vom Clearingsystem nur insoweit zugelassen, als Deckung auf dem Konto besteht. Diese sogenannten Senderhöchstbeträge werden von jeder Bank individuell bestimmt. Der Betrag auf dem Transaktionskonto drückt somit die Bereitschaft einer Bank aus, mehr eigene Zahlungen abzusenden, als sie von der Gegenseite erwartet. Eine Rückabwicklung dieser Zahlungen ist nicht möglich.
Zahlungen, die aufgrund einer Unterdeckung des Transaktionskontos bilateral nicht verrechnet wurden, können nun in der 2. Phase multilateral verarbeitet werden. Wird auch hier aufgrund mangelnder Liquidität nicht ausgeführt, verbleibt die Zahlung bis zum nächsten Verrechnungslauf in einer Warteschleife. Erhielt die auftraggebende Bank bis zum Ende des letzten Clearingdurchgangs keine gegenläufige Zahlung oder hat Deckung auf dem Konto angeschafft, wird die Zahlung nicht ausgeführt. Auch bei der multilateralen Verrechnung ist eine Rückabwicklung der Zahlung ausgeschlossen. Zahlungen können in der EAF2 generell nur solange zurückgerufen werden, bis sie endgültig verrechnet wurden. Die Avisierung der Zahlungen erfolgt, wie bei TARGET und Euro-1-Clearing über S.W.I.F.T.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des innereuropäischen Zahlungsverkehrs mit Beginn der 3. Stufe der EWU und Definition des Forschungsziels.
2 Allgemeine Entwicklungen im innereuropäischen Zahlungsverkehr: Erläuterung der geldpolitischen Rahmenbedingungen sowie der sicherheitstechnischen Anforderungen an moderne Verrechnungssysteme.
3 Darstellung der wichtigsten Zahlungsverkehrssysteme in Europa: Detaillierte Beschreibung der Entstehungsgeschichte und der technischen Funktionsweise von TARGET, Euro-1-Clearing und EAF2.
4 Stärken und Schwächen der Zahlungsverkehrssysteme im Vergleich: Kritische Gegenüberstellung der drei Systeme basierend auf Kriterien wie Zugang, Liquidität, Schnelligkeit und Kosten.
5 Ausblick: Einschätzung der künftigen Entwicklung des Wettbewerbs unter Banken und Betreibern sowie der Rolle des "Least-Cost-Routers".
Schlüsselwörter
Zahlungsverkehr, Europäische Währungsunion, TARGET, Euro-1-Clearing, EAF2, Interbankzahlungen, Liquiditätsmanagement, RTGS, Netto-System, Hybrid-System, Routing, Zahlungsabwicklung, Euro, Zentralbank, Kosteneffizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der wichtigsten Zahlungsverkehrssysteme für den paneuropäischen Interbankzahlungsverkehr nach Einführung des Euro.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Abwicklungsmöglichkeiten, dem Systemvergleich anhand von Leistungsmerkmalen und der wirtschaftlichen Optimierung von Zahlungsströmen durch Kreditinstitute.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der Systeme TARGET, Euro-1-Clearing und EAF2 herauszuarbeiten, um Banken eine fundierte Entscheidungsgrundlage für ihr Zahlungsverkehrs-Routing zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachpublikationen, Systemanleitungen der Betreiber und Informationen von Banken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte technische Darstellung der drei Systeme sowie eine vergleichende Analyse bezüglich Zugang, Liquidität, Schnelligkeit, Betriebszeiten und Kosten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Euro-Zahlungsverkehr, Liquiditäts-Routing, Systemstabilität und die spezifischen Kriterien für den europäischen Zahlungsraum.
Warum wird die EAF2 als Hybrid-System bezeichnet?
Die EAF2 kombiniert Elemente des Bruttoverfahrens mit denen des Nettoverfahrens in zwei Phasen, um sowohl zeitnahe Verrechnungen als auch Liquiditätsvorteile durch bilaterale und multilaterale Prozesse zu erzielen.
Welche Rolle spielt TARGET für die anderen Systeme?
TARGET fungiert als Benchmark im europäischen Zahlungsverkehr und ist der Ankerpunkt für Betriebszeiten sowie den notwendigen Spitzenausgleich der Salden für die anderen Systeme.
- Quote paper
- Philipp Kurz (Author), 1999, Zahlungsverkehrssysteme für paneuropäische Interbankzahlungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1521