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Menschenrechte als Basis eines Weltethos?

Vorbehalte aus Afrika gegenüber dem Universalitätsanspruch der Menschenrechte

Titel: Menschenrechte als Basis eines Weltethos?

Examensarbeit , 2009 , 32 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Benjamin Pommer (Autor:in)

Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es gibt in großen Teilen der Kontinente Südamerika, Asien und vor allem Afrika aus der Wahrnehmung der dortigen Bevölkerungen heraus Vorbehalte gegenüber Einheitsbestrebungen, die einer westlichen Dominanz entsprangen und diese Dominanz auch behalten. Im Bereich der Menschenrechte gibt es grob gesagt zwei Strömungen, die sich der Universalisierung der Verbreitung und ihrer Bewahrung widmen. Es handelt sich zum einen auf geopolitische Ebene um die Vereinten Nationen und zum anderen auf religiöser Ebene um die Bestrebungen eines interreligiösen Austausches mit dem Ziel eines Weltethos. Jedoch tragen die Initiativen auf beiden Ebenen nicht zum gewünschten Ergebnis bei, weshalb der Bogen wieder zur Rezeption der am Prozess der Vereinheitlichung nur marginal beteiligten Gesellschaften der so genannten Dritten Welt zu spannen ist.
Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Vorbehalte aus der Dritten Welt aus welchen Gründen an die westlich dominierte Vereinheitlichung von Ethos und Menschenrechtsgedanken herangetragen werden und wie sie ethisch-theologisch zu lokalisieren und Lösungsansätze zu erarbeiten sind. Als These liegt dieser Arbeit die Annahme zu Grunde, dass theologische und kulturelle Differenzen das Ergebnis einer fehlerhaften Kommunikation sind, bestehend aus dem historischen Verhältnis zwischen Westen und Afrika mit dementsprechend gering ausgeprägter Empathie, und eine Lösungsmöglichkeit über die Form eines flexiblen Konsenses auf Basis der gegenseitigen Anerkennung von Differenzen und Gemeinsamkeiten zu erreichen ist. Um die These zu begründen wurde in dieser Arbeit ein vergleichender Ansatz gewählt, der mit der Betrachtung des historisch belasteten Verhältnisses zwischen Westen und Afrika beginnt.
Danach werden die bereits erwähnten Konzepte auf politischer und theologischer Ebene ausführlicher betrachtet, um neben den historischen Voraussetzungen noch die universalistischen Bestrebungen einordnen zu können. Den Hauptteil bildet die Analyse von Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Konzeption von Menschrechten und Ethik (Westen, Afrika) anhand ausgewählter theoretischer Grundlagen, die versucht werden, auf Ansatzpunkte für die Begründung der These zu untersuchen. Im letzten Teil erfolgt eine Gegenüberstellung der Arbeitsergebnisse aus der vergleichenden Analyse zum Zwecke der Erfassung und Konkretisierung von Möglichkeiten zur Problemlösung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Problematik des interkulturellen Nord-Süd-Dialogs

2.1. Folgen des Kolonialismus

2.2. Ausprägungen von Inkulturation

3. Grundfragen an universale Menschenrechte

3.1. Rolle der Vereinten Nationen

3.2. Staatsrechtliche Problematik der Implementierung

3.3. Weltethos und interreligiöser Dialog

4. Theoretische Konzeptionen für universale Menschenrechte

4.1. Entwicklungsstufen und Ausprägungen westlicher Ethik

4.1.1. Naturrechtslehre

4.1.2. Vernunftrecht nach Kant

4.1.3. Die christliche Mission

4.1.4. Das Zweite Vatikanische Konzil

4.2 Grundpfeiler einer afrikanischen Ethik

4.2.1. Diskursethik nach Apel

4.2.2. Palaver als Teil kultureller Kommunikation

4.2.3. Formen der Transzendenz und des Ahnenkults

5. Realität des westlich-afrikanischen Menschenrechtsdiskurses

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gründe für afrikanische Vorbehalte gegenüber dem westlich geprägten Universalitätsanspruch der Menschenrechte. Ziel ist es, theologische und kulturelle Differenzen zwischen westlichen und afrikanischen Konzeptionen als Ergebnis historisch gewachsener, fehlerhafter Kommunikation zu identifizieren, um ethisch-theologische Ansätze für einen konstruktiven Dialog zu entwickeln.

  • Historisches Verhältnis zwischen Westen und Afrika
  • Westliche ethische Grundlagen (Naturrecht, Kant, Christentum)
  • Afrikanische Ethik und Gemeinschaftsdenken
  • Der Ansatz des Palavers als kulturelle Kommunikation
  • Interkultureller Dialog und globale Menschenrechtskonzeptionen

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Diskursethik nach Apel

Bei der Beschäftigung mit der Diskursethik sei vorangestellt, dass sie nicht der afrikanischen Theologie entsprungen ist. Vielmehr kommt es bei der Einbeziehung im Kapitel über die afrikanische Ethik darauf an, Ansatzpunkte für eine Ethik zu finden, die eine Grundlage für westlich afrikanische Menschenrechte sein kann. Auch wenn die Diskursethik nach Karl-Otto Apel auf den ersten Blick einen einfachen Zugang in die Problematik dieser Arbeit bereithält, steht der Aspekt des Moralischen in den Vorstellungen in der Kritik und muss zunächst differenziert werden. Die Grundforderung des Diskurses ist dabei die Beendigung von Differenzen auf Basis eines Konsenses der Gesprächspartner, was in der Literatur zu Kritik an der Praxis von Konfliktbeilegung in dauerhaften Diskursen sowohl im Rechtsbereich als auch im Bereich wissenschaftlicher Forschung führte.

Dies trifft auf die Auslegung des Moralischen in Teilen zu, eröffnet aber den Zugang zu afrikanischen Grundsätzen, wie der Beteiligung der Gemeinschaft an Entscheidungen. Berücksichtigung finden aber im Besonderen die Folgen der Diskussion und die Betonung der Differenz zwischen einer moralischen Einsicht und einer willentlichen Entscheidung in der Ergebnisfindung. Dabei kommt nach Apel und in Kritik an Kant vor allem die Unabhängigkeit des moralischen Prinzips, das heißt die Prüfung einer entsprechenden Gesinnung, von dem Zwang einer „konkreten Normenbegründung“. Jedoch führen auch die Regeln des Diskurses nach Apel zu nicht minderen Schwierigkeiten bei der Berücksichtigung der Vernunft, wenn es um die Befolgung dieser geht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Bedarf eines Weltethos zur Reduzierung von Konfliktpotenzial und stellt die Forschungsfrage nach den afrikanischen Vorbehalten gegenüber westlich dominierten Menschenrechtskonzeptionen.

2. Problematik des interkulturellen Nord-Süd-Dialogs: Dieses Kapitel analysiert die historisch belastete Beziehung zwischen Westen und Afrika, insbesondere die Folgen des Kolonialismus und die eurozentrische Perspektive auf afrikanische Kulturen.

3. Grundfragen an universale Menschenrechte: Der Autor untersucht die Rolle internationaler Organisationen wie der UN bei der Menschenrechtsimplementierung und hinterfragt die Interkulturalität des Weltethos-Projekts.

4. Theoretische Konzeptionen für universale Menschenrechte: Das umfangreiche Kapitel vergleicht westliche ethische Traditionen – wie Naturrecht und kantianisches Vernunftrecht – mit afrikanischen Ethikpfeilern, darunter die Diskursethik und die Praxis des Palavers.

5. Realität des westlich-afrikanischen Menschenrechtsdiskurses: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengeführt und die Notwendigkeit einer neuen Hermeneutik betont, um den interkulturellen Dialog auf Augenhöhe zu ermöglichen.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine universale Menschenrechtskultur nur durch gegenseitige Anerkennung von Differenzen und eine Abkehr von westlicher Ignoranz sowie durch konkrete, vertrauensvolle Zusammenarbeit gelingen kann.

Schlüsselwörter

Menschenrechte, Weltethos, Afrika, Interkultureller Dialog, Kolonialismus, Diskursethik, Palaver, Gemeinschaftsdenken, Naturrecht, Universalität, Ethik, Inkulturation, Nord-Süd-Dialog, Identität, Gerechtigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen universalen Menschenrechtsansprüchen und afrikanischen kulturellen sowie religiösen Vorstellungen im Kontext des Nord-Süd-Dialogs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das historische Erbe des Kolonialismus, die theoretische Begründung von Ethik im Westen und in Afrika sowie die Möglichkeiten eines interkulturellen Konsenses.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Welche Vorbehalte werden aus der Dritten Welt an die westlich dominierte Vereinheitlichung von Ethos und Menschenrechten herangetragen und wie lassen sich ethisch-theologische Lösungsansätze für diesen Diskurs finden?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz, der theologische und theoretische Konzepte beider Kulturräume analysiert, um Anknüpfungspunkte für einen interkulturellen Diskurs auf Augenhöhe zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert westliche Ethikansätze wie die Naturrechtslehre und das Vernunftrecht nach Kant sowie afrikanische Ethikkonzepte, insbesondere die Diskursethik und das Palaver-Prinzip.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Menschenrechte, Weltethos, Afrika, Interkultureller Dialog, Diskursethik, Palaver und Gemeinschaftsdenken.

Warum wird auf eine Analyse der nordafrikanisch-islamischen Sicht verzichtet?

Der Autor begründet dies damit, dass die Problematiken der westlichen Bevormundung primär im subsaharischen Afrika auftreten und die Berücksichtigung der islamischen Theologie den Rahmen dieser spezifischen Arbeit sprengen würde.

Welche Rolle spielen die Ahnen in der afrikanischen Ethik laut dieser Arbeit?

Ahnen sind in subsaharischen Gemeinschaften als „würdige Vorfahren“ integraler Bestandteil der Gemeinschaft, deren Ratschläge und Werte (z.B. im Palaver) in den Prozess der Normenbildung einfließen.

Was versteht der Autor unter „Palaver“ in diesem Kontext?

Das Palaver wird als afrikanische Form der kulturellen Kommunikation beschrieben, die auf ganzheitlicher Integration basiert, keine individuelle Dominanz zulässt und der konsensualen Problemlösung dient.

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Details

Titel
Menschenrechte als Basis eines Weltethos?
Untertitel
Vorbehalte aus Afrika gegenüber dem Universalitätsanspruch der Menschenrechte
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Benjamin Pommer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V152217
ISBN (eBook)
9783640640485
ISBN (Buch)
9783640640614
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltethos Menschenrechte Afrika
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Benjamin Pommer (Autor:in), 2009, Menschenrechte als Basis eines Weltethos? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152217
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Leseprobe aus  32  Seiten
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