Kants "Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?" im Spiegel der Dialektik der Auflärung


Hausarbeit, 2006
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Die Fähigkeit sich seiner Freiheit zu bedienen
2.2 Die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang

3. Horkheimer/ Adorno: Dialektik der Aufklärung
3.1 Warum Aufklärung
3.1.1 Vom Mythos zur Aufklärung
3.1.2 Von der Aufklärung zum Mythos
3.2 Emanzipation und Glück
3.2.1 Was kann unter dem Glück des Menschen verstanden werden
3.2.2 Glücksbegriff in Über Pädagogik
3.2.3 Glücksbegriff in der Dialektik der Aufklärung
3.3 Menschenbild
3.3.1 Menschenbild in der Dialektik der Aufklärung
3.3.2 Menschenbild bei Kant
3.4 Bildungsaspekte bzw. Bildungsverständnis
3.4.1 Ordo
3.4.2 Déformation professionelle
3.4.3 Bedingungen der Selbstermächtigung des Educandus
3.4.3.1 bei Kant
3.4.3.2 bei Horkheimer/Adorno

4. Diskussion

Literatur:

Erklärung:

1. Einleitung

Erziehungsprozessen sind spezifische Probleme und Problemfelder immanent. Teilweise erreichen diese Probleme den Status eines Dilemmas. Kant führt in seiner Schrift „Über Pädagogik[1] “ ein klassisches Dilemma an, das mit der Erziehung zur Mündigkeit einhergeht: Das Gewähren/Ermöglichen von Freiheit im Erziehungsprozess bei gleichzeitiger Lenkung durch den Lehrer/Erzieher darauf hin. Mit dem Eintreten für die mündige, aufgeklärte Person eröffnen sich spezifische Konfliktfelder, die sich zwischen den Polen Individualismus und Sozialismus[2], Autonomie und Heteronomie, Egoismus und Altruismus sowie Freiheit und Zwang formieren.

Horkheimer und Adorno greifen diese Konfliktfelder in Ihrer Publikation: „Dialektik der Aufklärung“ auf. Kurz nach dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte veröffentlicht, fragen die Autoren nach dem Stand der Aufklärung, die, wäre sie erfolgreich in dem menschlichen Verstand formiert gewesen, den Faschismus verhindert hätte. In Anbetracht jahrzehntelanger Barbarei, Menschenverachtung und Terror im Nationalsozialismus, dürfte Aufklärung –sofern sie wirklich stattgefunden habe- als gescheitert angesehen werden müssen.

In der vorliegenden Arbeit soll die Dialektik der Aufklärung zu den genannten Konfliktfeldern hin, unter Fokussierung der des Kantschen Dilemmas auf Beiträge hinsichtlich des Scheiterns der Aufklärung, zum Glück des Menschen, zum Menschenbild und zu den Bedingungen von Bildung unter Bezug/verweis auf Kants Schrift „Über Pädagogik“, analysiert werden.

2. Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange

In seiner Schrift „Über Pädagogik“ führt Kant vier zentrale Elemente der Erziehung an: Disziplinierung, Kultivierung, Civilisierung und Moralisierung[3]. Das zentrale Ziel jedoch, wird jedoch deutlich, wenn er anführt, dass der Mensch: “… entweder bloß dressiert, abgerichtet, mechanisch unterwiesen oder wirklich aufgeklärt werden…“, kann. Um die Aufklärung des Menschen verwirklichen zu können, bedarf es nach Kant bestimmter Lernbereiche. So führt er zwei Epochen an, in denen der Zögling jeweils verschiedenen Zwängen begegnen muss. Die erste Epoche ist durch Unterwürfigkeit gekennzeichnet, wobei unter positiver Unterwürfigkeit (=mechanischer Zwang) die Kompensation seiner (unterstellten) Urteilsunfähigkeit durch den Lehrer und unter negativer Unterwürfigkeit (=moralischer Zwang) das Befolgen von Vorschriften des Erziehers bei divergierender eigener Urteilsfähigkeit verstanden wird. Unter dem Aspekt „Kultur der Seele“ unterscheidet Kant weiter zwischen Natur und Freiheit. Die physische Bildung des Geistes sei demnach der Natur, hingegen die moralische Bildung des Geistes der Freiheit, unterworfen. „Eines der größten Probleme der Erziehung ist, wie man die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang mit der Fähigkeit, sich seiner F R E I H E I T zu bedienen, vereinigen könne. Denn Zwang ist nötig! Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?[4]

Damit eröffnet Kant hinsichtlich der genannten Lernbereiche zur Zielerreichung Aufklärung ein pädagogisches Reflexionsfeld, das im Folgenden näher zu konkretisieren ist.

2.1 Die Fähigkeit sich seiner Freiheit zu bedienen

Kant gilt die Freiheit als Grundbedingung der Aufklärung, somit hat er das Menschenbild des frei handlungsfähigen Menschen, wobei sich aus seiner transzendentalphilosophischen Perspektive die Freiheit definiert als die Unabhängigkeit von Ursache-Wirkungs-Prinzipien[5].

Um frei handeln zu können bedarf es der Verwendung der Vernunft, denn „die unteren Kräfte haben für sich allein keinen Wert … Verstand ist die Erkenntnis des Allgemeinen. Urteilskraft ist die Anwendung des Allgemeinen auf das Besondere. Vernunft ist das Vermögen, die Verknüpfungen des Allgemeinen mit dem Besonderen einzusehen. Die freie Kultur geht ihren Gang fort von Kindheit auf, bis zu der Zeit, da der Jüngling aller Erziehung entlassen wird.[6] “ Systematisch führt Kant auf, wie die zu erreichen ist:

1.) allgemeine Kultur der Gemütskräfte i.S. von Geschicklichkeit und Vervollkommnung
a) physisch (passiv, der Lehrling befolgt Maxime des Lehrers) und
b) moralisch (aktiv, der Lehrling handelt aus eigenen Maximen) sowie
2.) besondere Kultur der Gemütskräfte (Kultur des Erkenntnisvermögens)[7].

„Die M a x i m e n müssen aus dem Menschen selbst entstehen.[8] “ Um diese Fähigkeit nun erreichen zu können, bedarf es eines pädagogischen Szenarios, das dieses ermöglicht. Gestaltet der Lehrer nun Lernarrangements derart, dass hieraus eine „freie Handlung“ des Lehrlings/Zöglings/Schülers resultiert, ist dieses Verhalten aus empirischer Perspektive sowohl erklärbar als auch prognostizierbar und somit fragwürdig frei. In Unterrichtsszenarien besteht demnach die Möglichkeit den Zögling entweder unter dem Aspekt der Herausbildung von Freiheit und ihn somit als Subjekt oder diesen lediglich als Erziehungsobjekt, welches es via Didaktik/Methodik zu manipulieren gilt, zu betrachten. Auf gesamtgesellschaftliche Perspektive übertragen handelt es sich hierbei um den Dualismus zwischen den Menschen als frei handelndes, unabhängiges Wesen (unbedingt) einerseits und dem beeinflussten (bedingten) Wesen. Es ist demzufolge unabdingbar vom Menschen als Subjekt, das sich aus Freiheit heraus seiner Vernunft ermächtigt auszugehen.

2.2 Die Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang

Menschliches Handeln (und somit auch moralisches Handeln), als das sich den Sinnen des Anderen Zeigende, geschieht aus Freiheit und Spontaneität, die sich wiederum aus Regeln der Vernunft ableiten, welche dem Anderen/dem Beobachter nicht zugänglich sind. Dies kann zu erheblichen Missverständnissen bei der Interpretation von (vermuteten) Intentions-Verhaltens-Kausalitäten des Beobachters führen und charakterisiert das potentielle (wahrscheinliche) Auseinandertreten von Innen- und Außenperspektive. Hieraus lässt sich die Frage ableiten, ob sich überhaupt Aussagen über eine Kausalität zwischen (pädagogischer) Umwelt und Intentionalität des Subjektes herstellen lässt.

Entscheidende Bedeutung erlangt dieses Problem, wenn bei pädagogischer Theoriebildung auf pädagogische Erfahrung zurückgegriffen wird. Dies widerspricht dem unter 1.1 genannten Subjektmodell. „Die Logik der Erklärung im Gegenstandsbereich widerspricht der Logik der Handlungsmodelle für den Gegenstandsbereich.[9]

Verkürzt lässt sich an dieser Stelle zur Lösung dieses Problems die Kantsche Antinomie anführen, die besagt, dass bei dem genannten Problem sauber zwischen Naturkausalität und Freiheit zu trennen ist. D.h., dass die Kausalität der Erscheinungen (Verhalten; Empirie) nicht auf die intelligible Welt (Intention; Freiheit) übertragen werden darf.

3. Horkheimer/ Adorno: Dialektik der Aufklärung

An Schlüsselbegriffen kristallisieren sich aus den bisherigen Ausführungen u.a.: Freiheit, Aufklärung, Vernunft und Bedingtheit. Diese sollen als grobe Begrenzung des Gegenstandsbereiches fungieren und ihre Bezüge untereinander als Reflexionsmatrix. Auf dieser Reflexionsmatrix entfalten Horkheimer/Adorno in philosophischen Fragmenten ihre Analyse der Aufklärung.

Zur Konzeption der Dialektik der Aufklärung bedarf es einiger Anmerkungen, da sie sich in dieser sowie auch in ihrem theoretischen Hintergrund von allgemeiner wissenschaftlichen Publikationen unterscheidet. Skizzenhaft sei angeführt, dass:

- sich bei Horkheimer tendenziell eher „das Bild eines Denkens in unabgeschlossenen komplexen Totalitäten, das sich von Adornos Programm einer deutenden Philosophie weniger durch den ganz untheologischen und gesellschaftlich-historischen Charakter der Wirklichkeit, um deren Erfassung es ging[10] “, ergibt. Adorno hingegen sah sich als theologisch inspirierten Denker eher in der Tradition allegorischer Philosophie[11].
- sich die Dialektik der Aufklärung in Rückgriff auf die Kritische Theorie speziell der Methode der Negation bedient, „negativ in dem Sinne, daß sie sich genauer Definition verweigerte[12] “.

[...]


[1] Dass diese Schrift durch einen seiner Schüler lediglich aus Vorlesungen Kants zusammengefasst wurde und keine eigene systematische Abhandlung der Pädagogik von Kant selbst ist, soll hier lediglich kurz angemerkt und als gegeben angenommen werden.

[2] Hier nicht im politischen Sinne zu verstehen.

[3] Vogt, T.(Hrsg.) 1901: Immanuel Kant – Über Pädagogik. Langensalza: Hermann Beyer & Söhne. (§18) S. 77

[4] Vogt, T.(Hrsg.) 190, (§29) S. 81

[5] vgl. Vogt, T.(Hrsg.) 1901, S. 426 ff

[6] Vogt, T.(Hrsg.) 1901, (§68) S. 101

[7] vgl. Vogt, T.(Hrsg.) 1901, (§§72 – 73) S. 104 f.

[8] Vogt, T.(Hrsg.) 1901, (§78) S. 107

[9] Vogel, P. 2003: Zur Wirkungsgeschichte Kants in der Pädagogik. FernUniversität Hagen, S. 57

[10] Wiggershaus, R. 1986: Die Frankfurter Schule. München: Carl Hanser, S. 213

[11] vgl. Wiggershaus, R. 1986, S. 213

[12] Jay, M. 1981: Dialektische Phantasie. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 89

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kants "Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?" im Spiegel der Dialektik der Auflärung
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Systematische Pädagogik)
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V152241
ISBN (eBook)
9783640641628
ISBN (Buch)
9783640645923
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Freiheit, Horkheimer, Adorno, Dialektik der Aufklärung, Mythos, Déformation professionelle, Selbstermächtigung, Menschenbild, Glück, Ordo, Über Pädagogik, Bildung, Mündigkeit
Arbeit zitieren
M.A. Oliver Landau (Autor), 2006, Kants "Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?" im Spiegel der Dialektik der Auflärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152241

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