„Gemeinsam sind wir stark!“ - ein viel zitierter Spruch, der mit regelmäßigen Abständen immer wieder Verwendung findet. Das gerade dieser Gemeinschaftsbegriff einen starken Pfeiler des Konstrukts einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft darstellt, gerät gerade vor dem Hintergrund der Begriffe wie dem Individualismus und einer stärker werdenden Ellenbogen-Mentalität schnell in Vergessenheit. Insbesondere die Schule als bildende Institution, die sich immer mehr dem zeitlichen Druck des Arbeitsmarktes und der reinen fachlichen Wissensvermittlung unterwirft, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, durch das Schaffen von Konkurrenzdenken eben jenem Gemeinschaftsgefühl entgegen zu wirken, obgleich es sich doch als derart wichtig herausstellt.
Die vorliegende Arbeit soll nun der Fragestellung nachgehen, welche didaktischen Methoden insbesondere der Rahmen des politischen Unterrichts bietet, um entweder das nicht mehr vorhandene Gefühl eines gemeinschaftlichen Seins innerhalb einer Lerngruppe zurück zu holen, oder das bereits Existierende weiter auszubauen. Dabei werden zunächst die allgemeinen Lehrziele des politischen Unterrichts illustriert, um im Anschluss daran den Wert eines Gemeinschaftsgefühls für das Leistungsvermögen einer Lerngruppe zu hinterfragen und abschließend alle didaktischen Zugänge hinsichtlich ihrer Effektivität zu untersuchen und abzuwägen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele des politischen Unterrichts
2.1 Die Bedeutung von Gemeinschaft im politischen Unterricht
3. Methoden zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls
3.1 Gesprächsformen
3.2 Arbeit mit Medien
3.3 Spielerische Formen
3.4 Sonstige Formen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche didaktischen Methoden im Rahmen des politischen Unterrichts geeignet sind, ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Lerngruppe aufzubauen oder zu stärken. Dabei wird analysiert, wie politische Bildung durch gezielte Methodenwahl dem zunehmenden Individualisierungsdruck und Konkurrenzdenken in der Schule entgegenwirken kann, um die Voraussetzungen für ein demokratisches Miteinander zu schaffen.
- Bedeutung des Gemeinschaftsbegriffs in der politischen Bildung
- Lehrziele des politischen Unterrichts und deren Bezug zur Gemeinschaft
- Methoden der Gesprächsführung zur Förderung von Zusammenhalt
- Einsatz von Medien (Text, Bild, Film, Digitales) zur Gemeinschaftsbildung
- Spielerische Lernformen und deren soziale Interaktionspotenziale
- Relevanz von Exkursionen und forschendem Lernen für das soziale Gefüge
Auszug aus dem Buch
3.3 Spielerische Formen
„Die Praxis der politischen Bildung verfügt über ein breites Methodenrepertoire, in dem Spiele und spielerische Lernformen zum festen Bestandteil gehören“ (Scholz, 2007, S. 547). Diese sollen insbesondere der eintönigen Monokultur entgegenwirken, die anhand vieler Studien im Sozialkunde- und Politikunterricht festgestellt werden konnten (vgl. Scholz, 2007, S. 548). Insbesondere durch die Lerngelegenheit der sozialen Interaktion, die sie bieten (vgl. Scholz, 2007, S. 554), ist eine Einbindung spielerischer Formen zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls denkbar.
Die exemplarisch dargestellte Spielform basiert von ihrer Grundidee her auf einen möglichen Erfahrungswert der Schüler, sodass sie als „Erfahrungsspiel“ auch Art Unterkategorie mehrerer oben angegebener Varianten widerspiegelt. Den Rahmen stellt eine Art „politischer Vokabeltest“, bei dem die Schüler allerdings vorher in zwei identische Gruppen aufgeteilt und gebeten werden, vor dem Raum zu warten. Die restlichen Schüler übernehmen nun eine beobachtende Funktionen und sollten im Zweifel schriftlich ihre Eindrücke festhalten.
Ruft man nun die erste Gruppe herein, bittet man sie, vor der Klasse Platz zu nehmen und sich jeder Einzelne ein Blatt Papier und ein Schreibutensil zu nehmen. Sie werden in ihre Aufgabe eingewiesen, im nun folgenden Vokabeltest jeder für sich so viele politische Definitionen wie möglich aufzureihen, wobei ein Gewinner ermittelt werden soll. Auf diese Weise kommt es zu einer Konkurrenzsituation, die vielen Schülern bereits bekannt ist.
Das Verfahren mit der zweiten Gruppe ist allerdings ein anderes: auch sie werden gebeten, vor der Klasse Platz zu nehmen, wobei es nur ein Blatt Papier und einen Stift für die gesamte Gruppe gibt. Ihre Aufgabe besteht nun darin, zusammen so viele politische Definitionen wie möglich niederzuschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass das Gemeinschaftsgefühl in der Schule durch Leistungsdruck und Konkurrenzdenken gefährdet ist, und skizziert das Ziel der Arbeit, geeignete didaktische Gegenmaßnahmen zu prüfen.
2. Ziele des politischen Unterrichts: Hier werden die Kernkompetenzen politischer Bildung, wie die Mündigkeit und Urteilsfähigkeit des Bürgers, erläutert.
2.1 Die Bedeutung von Gemeinschaft im politischen Unterricht: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit von Gemeinschaft für ein lernförderliches Klima und definiert Faktoren wie gegenseitigen Respekt und geteilte Verantwortung.
3. Methoden zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über verschiedene didaktische Ansätze, die zur Erzeugung von Zusammenhalt in Lerngruppen beitragen können.
3.1 Gesprächsformen: Das Kapitel differenziert zwischen offenen und gebundenen Gesprächsformen und deren jeweilige Auswirkung auf das soziale Miteinander.
3.2 Arbeit mit Medien: Es wird analysiert, inwieweit die Arbeit mit Texten, Bildern, Filmen und digitalen Medien zur Förderung des Gemeinschaftsgefühls beitragen kann.
3.3 Spielerische Formen: Dieser Teil beleuchtet das Potenzial von Spielen als Interaktionsmöglichkeit, um Kooperation statt Konkurrenz zu fördern.
3.4 Sonstige Formen: Hier werden forschendes Lernen und Exkursionen als Methoden vorgestellt, die das räumliche Zusammenleben und das gemeinschaftliche Erleben stärken können.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine stärkere Einbindung interaktionsorientierter Methoden notwendig ist, um in der Schule das Fundament für ein solidarisches demokratisches Miteinander zu legen.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Gemeinschaftsgefühl, Didaktik, Politikunterricht, soziale Interaktion, demokratische Gesellschaft, Lernumwelt, Gesprächsformen, Medienarbeit, spielerisches Lernen, forschendes Lernen, Partizipation, Urteilsfähigkeit, Kooperation, Klassengemeinschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der politischen Didaktik bei der Förderung eines Gemeinschaftsgefühls innerhalb von schulischen Lerngruppen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Ziele des Politikunterrichts, die Bedeutung einer positiven Lernumwelt sowie verschiedene methodische Ansätze von der Gesprächsführung bis hin zu Exkursionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch spezifische didaktische Methoden dem Konkurrenzdenken entgegenwirken und das Gefühl der Gemeinsamkeit unter Schülern stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse didaktischer Konzepte und deren Überprüfung hinsichtlich ihrer Eignung zur Stärkung sozialer Kohärenz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Gemeinschaftsbildung sowie eine methodische Klassifizierung und Bewertung von Gesprächsformen, Medienarbeit, Spielen und weiteren Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie politische Bildung, soziale Interaktion, Kooperation und didaktische Methoden zur Gemeinschaftsförderung geprägt.
Warum spielt das "reisende Lernen" laut Autor eine besondere Rolle?
Exkursionen werden als besonders wirksam eingestuft, da sie das Verlassen des Klassenzimmers erfordern und durch das räumliche Zusammenleben eine engere soziale Bindung auf der Mikroebene ermöglichen.
Welche Rolle spielt die Konkurrenz im Vergleich zur Kooperation im behandelten Vokabeltest-Beispiel?
Das Beispiel verdeutlicht, dass allein durch die Änderung der Arbeitsbedingungen (ein Stift für alle statt für jeden) eine Kooperationspflicht entsteht, die das Gemeinschaftsgefühl explizit fördert.
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- Daniel Wehnhardt (Author), 2009, Gemeinschaft lehren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152257