Die Gründung von Alexandreia in Ägypten


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ägyptenfeldzug Alexanders des Großen
2.1 Die Intention Alexanders
2.2 Die Haltung der Ägypter

3. Alexander der Große – ein Städtegründer par excellence?

4. Die Gründung des antiken Alexandreias
4.1 Gründungsmythen der antiken Metropolis
4.2 Geographische Aspekte der Prosperität

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Gründung von Alexandreia in Ägypten stellte Alexanders erste große Stadtgründung auf seinem Weg durch den Orient und Pars pro Toto ein immerwährendes Denkmal seines Lebenswerkes dar. „Der gewaltige Eroberungszug Alexanders, durch den er sich in einer Zeitspanne von nur zehn Jahren zum Herrn der gesamten vorderasiatischen Länder einschließlich Ägyptens machte, lebt in Geschichte und Sage als eine der größten Kriegstaten der Menschheit fort.“[1] Jeder wusste von der magischen Anziehungskraft, die von der Stadt der Städte ausging zu berichten und jeder wollte ein Teil dieser Magie spüren. So brachte ein kleiner Junge seinen Zorn gegenüber seinem Vater trotz grammatikalischer Schwächen unmissverständlich zum Ausdruck, als dieser ihn nicht mit nach Alexandreia nehmen wollte:

„Das hast Du schön gemacht! Nicht mitgenommen hast Du mich mit Dir in die Stadt! Wenn Du mich nicht mit Dir nach Alexandria nimmst, dann werde ich Dich weder einen Brief schreiben noch spreche ich mit Dich, noch wünsche ich Dich Gesundheit! Wenn Du nach Alexandria gehst, nehme ich keine Hand von Dir und grüße Dich nie wieder! Wenn Du mich nicht mitnehmen willst, wird es so!“[2]

Diese Arbeit beschäftigt sich mit neben dem Modus Procedendi der Gründung des antiken Alexandreias in Ägypten auch mit deren Sinn und Zweck und soll darüber hinaus die Frage aufwerfen, inwieweit sich der Anteil Alexanders an dem uns bekannten Alexandreia – „die Herrin, berühmte Mutter der Städte und glänzend in Schönheit, das größte Handelshaus der bewohnten Welt“[3] bemessen lässt.

Der Forschungsstand bezüglich Alexanders des Großen und seiner Stadt in Ägypten ist beträchtlich, jedoch nicht erschöpft und schon gar nicht immer wahrheitsgetreu, wenn man bedenkt, dass einerseits die Archäologie – ohnehin kein schnelllebiges Metier – das antike Alexandreia aufgrund von schweren Naturkatastrophen und chaotischen Bebauungen im Laufe der Historie nur schwer rekonstruieren kann. Zum einen hatte die Lage der Stadt unmittelbar am Meer in der Hinsicht ihre Nachteile, dass Erdbeben im Mittelmeer einen so starken Wogengang verursachten, so dass die Fluten wesentliche Tempelanlagen und Denkmäler unter sich begruben und heutzutage nur durch die Unterwasserarchäologie begutachtet werden können. Zum anderen wuchs Alexandreia – nachdem es im Mittelalter kurz vor der Aufgabe stand und von den Gründern der neuen Dynastie – zuerst der Khediven und später der ägyptischen Könige –, Mohammed Ali, der Entschluss zum Bau eines neuen Alexandreias mit einem großen Seehafen gefasst wurde, im Verlauf von weniger als hundert Jahren zur neuen Handelsmetropole am Mittelmeer empor. „Diese schnelle Entwicklung hatte zur Folge, dass das antike Alexandria für die systematische archäologische Erforschung verloren ging.“[4]

Andererseits sind die rhetorischen Fähigkeiten der griechischen Geschichtsschreiber der Antike so ausgeprägt, dass der Forschende im Schwange der Begeisterung die Fakten schnell mal aus dem Blickfeld verlieren kann.

Die Arbeit wird sich eingangs mit der Intention Alexanders bezüglich des Ägyptenfeldzuges und der wider erwartend freundlich gestimmten Haltung der Ägypter beschäftigen, um im weiteren Verlauf der Arbeit aufzuzeigen, dass Ägypten kein fremdes Land und Alexandreia keine gewöhnliche Stadtgründung gewesen ist. Ein Gang durch die griechische Mythologie wird dabei unumgänglich sein, da das antike Leben vom Willen des Gottes bestimmt wurde. Nichtsdestotrotz werden auch irdische Aspekte herangezogen, die für die Gründung des antiken Alexandreias von höchster Priorität waren.

Abschließend soll ein Resümee gegeben werden, ob Alexander in weiser Voraussicht oder vielmehr im Auftrag des Herrn gehandelt hat.

2. Der Ägyptenfeldzug Alexanders des Großen

„Es war ein schönes Werk, vielleicht das schönste im Leben Alexanders, und echtes Friedenswerk. Geschaffen in einer schöpferischen Pause zwischen den Schlachten, geschaffen in Ruhe und Überlegung, als gäbe es keinen Dareios und keine feindliche Rüstung.“[5] Ägypten, das im Jahr 404 v. Chr. erfolgreich die Fremdherrschaft der Perser abschütteln, jedoch nicht lange unter einheimischen Herrschern leben konnte, wurde 343 v. Chr. durch die Perser wieder gewaltsam unterworfen.[6] „The long bitter history of Egyptian resistance to Persian rule had ended shortly before Alexander’s invasion of Asia with two episodes of severe repression, first in 343 B.C. when Artaxerxes III reconquered Egypt after half a century of independence and probably again in the mid-330s B.C. when the revolt of Khabbash was crushed.“[7] Alexander konnte nach seinen Erfolgen zu Tyros und Gaza auf eine Gewinnung Ägyptens nicht verzichten; war dieses doch noch immer persische Provinz und letztes Glied im Kreis der Levante. Darüber hinaus wusste man um die Verdienste der Ägypter als Begründer der Zivilisation und betrachtete sie als Lehrmeister der Hellenen; auch versäumten die antiken Autoren nicht zu berichten, wie sehr Alexander durch die Natur Ägyptens beeindruckt gewesen ist.[8] Hatten es doch schon Platon und Herodot bereist und schwärmten von dem „Land uralter Kultur und unerhörten Reichtums.“[9]

2.1 Die Intention Alexanders

Welche Absichten verfolgte Alexander mit der Gewinnung Ägyptens? Sah er die Bezwingung Ägyptens als Prämisse jedes weiteren Wirkens gen Osten, „im Hinblick auf ein innerasiatisches Reich“[10], wie auch Arrian den Modus Procedendi des großen Makedonen später interpretieren und wiedergeben sollte[11], oder wollte er vielmehr die Gefahr der Ausrufung eines ägyptischen Nationalstaates bannen? Waren die Selbständigkeitsbestrebungen durch die persische Herrschaft doch nie völlig gebrochen worden und Ägypten im persischen Reich nie völlig integriert gewesen. Die Motive Alexanders scheinen jedoch komplexer als angenommen. So sei der Ägyptenfeldzug nach V. Ehrenberg über das rein Militärische weit hinausgegangen:

„Das bisher von Alexander Geschaffene sei noch kein Ganzes gewesen, sondern nur Bruchstücke. Das bisher Eroberte musste er zur Einheit umschaffen, zum Reich vereinen. Alexander habe als erster abendländisch-antiker Mensch in Kontinenten gedacht, doch habe er auch im Bannkreis eines geographisch-politischen Denkens gestanden, das in immer neuen Formen um das Meer als Mitte kreist. Dieses thalassokratische Denken habe zur Gründung des Reiches geführt, für das Ägypten ein notwendiges Endglied gewesen ist. Damit war das östliche Mittelmeer militärisch wie politisch eine Einheit.“[12]

Dieser großartigen Konstruktion Ehrenbergs stellt D. Cohen jedoch zwei reale Gründe gegenüber: einen politischen und ökonomischen. Alexander musste wie oben bereits erwähnt nicht ein persisches Ägypten fürchten, sondern vielmehr die Erhebung einer nationalen Dynastie, die sich mit den Griechen verbünden hätte können. Die ökonomische Seite der Medaille war die vollständige Abschneidung der Kornzufuhr nach Griechenland, denn er hatte den Hellespont bereits in seiner Macht.[13]

J. G. Droysen sieht im ägyptischen Feldzug Alexanders gar einen Verschmelzungsgedanken. So sollten den Ägyptern der Genuss und das Bewusstsein ihrer durch persische Restriktionen zurückgedrängten Volkstümlichkeit unter der Ägide des griechischen Lebens zurückgegeben werden, damit der zentrale Gedanke der Verschmelzung beider leichter Raum und Kraft gewönne.[14] Die Ausbreitung der griechischen Welt in bis dahin unbekannte Kulturräume, die Vernetzung und Vereinheitlichung der griechischen Kultur und die verstärkte Ausbildung von Kontaktzonen zu den indigenen Bevölkerungen des Nahen Ostens waren zwar zentrale Charakteristika der hellenistischen Zeit, die von Alexander angestrebte und erfolgreich betriebene multikulturelle Konvivenz war jedoch von Austauschprozessen geprägt, die in der gegenseitigen Offenheit gründeten und nicht die Verschmelzung von kulturellen und ethnischen Identitäten vorsahen. Kam doch eine Verschmelzung schon alleine wegen der Gesellschaftsstruktur nicht infrage, denn in der Grundtendenz bildeten die Griechen und Makedonen als kleine, in sich geschlossene Gruppe und Fremdherrscher die gesellschaftliche Oberschicht der Reichen, die seit den Eroberungen Alexanders entstanden.[15] „Die unteren Schichten der Eingeborenen jedoch hingen zäh an ihrer eigenen Sprache und Schrift – so etwa am Ägyptischen [...] –, und das war das offenkundigste äußere Anzeichen für die tief greifende Spaltung in der Bevölkerung.“[16] Die griechischen und ägyptischen Gesittungen sollten vielmehr nebeneinander erblühen; „sie um jeden Preis zu vermischen, beabsichtigte er nicht.“[17]

Der ägyptischen Mythologie zufolge, kehrte Alexander jedoch als makedonischer Pharao heim, stammte er doch von Nectanebos, dem letzten Pharao Ägyptens ab, der Olympias als Schlange in Erscheinung getreten und sie in Phillips Abwesenheit verführt haben soll. Alexanders Intention sollte also vielmehr die Wahrung der ägyptischen Kontinuität sein.

2.2 Die Haltung der Ägypter

Dem letzten persischen Satrap Ägyptens, Mazakes, blieb aufgrund der anti-persischen Stimmung im Lande nichts anderes übrig, als Ägypten kampflos an Alexander zu übergeben. „Alexander had been peacefully admitted with the collusion of the Persian satrap.“[18] Mazakes war seiner Unterwerfung gewiss und stand darüber hinaus mit Alexander schon seit seinem Aufenthalt in Phoinikien in Kontakt. „So konnte es Alexander wagen, schon im Voraus für Ägypten manches zu bestimmen, und sogar die griechischen Künstler dahin zu bestellen, für Festlichkeiten, welche er in Memphis abzuhalten dachte.“[19]

[...]


[1] Berve, Helmut: Gestaltende Kräfte der Antike, München2 1966, S. 333

[2] Hengstl, Joachim: Griechische Papyri aus Ägypten als Zeugnisse des öffentlichen und privaten Lebens.

Griechisch-deutsch, München 1978, Nr. 82

[3] Schneider, Carl: Der Raum der hellenistischen Kultur – Reiche, Länder, Städte, in: Carl Schneider, Kulturgeschichte des Hellenismus, Band 1, München 1967, S. 528

[4] Michałowski, Kazimierz: Alexandria, Leipzig 1971, S. 9

[5] Schachermeyr, Fritz: Alexander der Große – Ingenium der Macht, Graz, Salzburg und Wien, 1949, S. 218

[6] Vgl. Siewert, Peter: Geschichte Alexandrias und seiner antiken Bibliothek, in: Biblos, Jg. 39, Nr.4, 1990,

S. 274

[7] Burstein, Stanley M.: Alexander in Egypt: Continuity or Change, in: Heleen Sancisi-Weerdenberg u.a. (Hrsg.), Achaemenid History VIII: Continuity and Change, Leiden 1994, S. 381

[8] Vgl. Schachermeyr, Fritz: Alexander der Große – Ingenium der Macht, Graz, Salzburg und Wien, 1949,

S. 196f.

[9] Bethe, Erich: Tausend Jahre altgriechischen Lebens. Mykene – Sparta – Milet – Athen – Alexandria,

München 1933, S. 107

[10] Berve, Helmut: Gestaltende Kräfte der Antike, München2 1966, S. 318

[11] Vgl. Arrian, Anabasis 2, 17, 4

[12] Seibert, Jakob: Alexander der Große, Darmstadt 1972, S. 110

[13] Vgl. ebd. S. 110f.

[14] Vgl. Droysen, Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen, Leipzig2 1931, S. 197

[15] Vgl. Finley, M.I.: Die Griechen – Eine Einführung in ihre Geschichte und Zivilisation, München 1976, S. 126

[16] Ebd. S. 127

[17] Schachermeyr, Fritz: Alexander der Große – Ingenium der Macht, Graz, Salzburg und Wien, 1949, S. 198f.

[18] Bosworth, A. B.: Conquest and Empire – The reign of Alexander the Great, Cambridge 1988, S. 234

[19] Schachermeyr, Fritz: Alexander der Große – Ingenium der Macht, Graz, Salzburg und Wien, 1949, S. 197

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Gründung von Alexandreia in Ägypten
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V152318
ISBN (eBook)
9783640640515
ISBN (Buch)
9783640640270
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alexandreia, Ägypten, Alexander der Große
Arbeit zitieren
Alexis Demos (Autor), 2006, Die Gründung von Alexandreia in Ägypten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152318

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