Der afrikanische Kontinent ist seit geraumer Zeit Austragungsort diverser globaler Konflikte. Ausgangspunkt ist der europäische Imperialismus, der im Zuge der Kolonialpolitik tiefe Gräben durch den Kontinent zog und diesen gravierend prägte. Mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, die den Kolonialmächten zum Teil deren Verhandlungsmacht und Finanzkraft raubten, wurde die Phase der Dekolonisation eingeläutet, die Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Entwicklung versprach. Neben den ideologischen Ost-West-Konflikt trat jedoch zunehmend der militärische. Diese Faktizität hatte zur Folge, dass Unabhängigkeitsbewegungen und Entwicklungshilfe nicht selten durch den Kalten Krieg überlagert und instrumentalisiert wurden. Mit dem offiziellen Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 sollte Afrika eine neue Chance der Entwicklung bekommen, da Entwicklungsprojekte nicht mehr ideologisch motiviert, sondern überwiegend ökonomisch orientiert waren. Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass nicht selten ein Nexus zwischen Entwicklungs-, Energie- und Sicherheitspolitik besteht und somit nimmt es nicht wunder, dass aufgrund des Ressourcenreichtums Afrikas zwischen der USA und China ein neues great game heraufbeschworen wird. Die Kosten dieses „Spiels“ tragen die afrikanischen Länder respektive deren Bevölkerung, da die zum Teil umfangreiche Entwicklungshilfe von den Potentaten zweckentfremdet wird und eo ipso nicht den Bedürftigen zugute kommt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Erbe des Kolonialismus
2.1 Afrikas Unterentwicklung – historischer Determinismus?
2.2 Exportorientierte Wirtschaft – Abhängigkeit oder Chance?
3. Das Erbe des Ost-West-Konflikts
3.1 Sicherung des Status quo als afrikanisches Regierungsprinzip
3.2 Politische Konditionalität – Nachhaltigkeit oder Nachsehen?
4. Neukolonialisierung Afrikas
4.1 Ressourcen – strategische Güter der Weltwirtschaft
4.2 Fluch oder Segen? – Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung
4.3 Der Nexus von Entwicklungs-, Energie- und Sicherheitspolitik
4.4 Afrika – Schauplatz eines great game zwischen den USA und China?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Nexus zwischen Entwicklungs-, Energie- und Sicherheitspolitik der USA und Chinas in Afrika. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Aktivitäten als ein "great game" um Ressourcen zu werten sind oder ob sie Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents bieten.
- Historische Prägung Afrikas durch Kolonialismus und den Kalten Krieg
- Die Rolle natürlicher Ressourcen als Auslöser globaler Interessenkonflikte
- Strategien der USA und Chinas zur Sicherung ihrer Energieversorgung
- Möglichkeiten und Hindernisse für eine nachhaltige wirtschaftliche Diversifizierung
- Vergleich der sicherheitspolitischen Ansätze beider Großmächte in Afrika
Auszug aus dem Buch
4. Neukolonialisierung Afrikas
Dem afrikanischen Kontinent wird gemeinhin nachgesagt, „Nährmutter der Welt für Kalorien aller Art“ (Kappeler; Janowski und Leuenberger 2008: 17) zu sein. Mit dem Ressourcenreichtum steigt jedoch auch das Begehren diverser Staaten, an diesem Überfluss teilzuhaben. So spielt im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit die Schaffung struktureller Stabilität eine große Rolle. Diese kann zum Beispiel strukturbildende Maßnahmen sowie die Förderung friedlicher Konfliktregulationsmodi und Stärkung institutioneller Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse beinhalten (Vgl. Schulte 2004: S. 117). Dieser Nexus zwischen Entwicklungs- und Friedenspolitik lässt sich auf die jeweiligen nationalen Sicherheitsinteressen zurückführen. Im Zuge der angestrebten Energiesicherheit soll in Afrika eine Versorgungsstabilität gewährleistet werden, um die eigene industrielle Produktion und die damit eng verknüpfte soziale Stabilität nicht zu gefährden.
Darüber hinaus bezweckt die wirtschaftliche Neukolonialisierung Afrikas sowohl die Reduzierung der Abhängigkeit von beispielsweise arabischem Öl und die damit einhergehende Diversifizierung der Ölimporte als auch die Verkürzung der Transportwege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den afrikanischen Kontinent als Ort globaler Konflikte dar und führt in die Fragestellung bezüglich der Auswirkungen der US-amerikanischen und chinesischen Energie- und Sicherheitspolitik ein.
2. Das Erbe des Kolonialismus: Dieses Kapitel analysiert, wie koloniale Strukturen und der daraus resultierende Dekolonisationsprozess die wirtschaftlichen Voraussetzungen afrikanischer Staaten nachhaltig negativ beeinflusst haben.
3. Das Erbe des Ost-West-Konflikts: Hier wird untersucht, wie die Instrumentalisierung von Entwicklungshilfe im Kalten Krieg zu autoritären Regierungsstrukturen und Abhängigkeiten führte, die bis heute nachwirken.
4. Neukolonialisierung Afrikas: Das Hauptkapitel beleuchtet den Wettlauf um Ressourcen zwischen den USA und China und die damit verbundenen geo-ökonomischen sowie sicherheitspolitischen Strategien beider Akteure.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Ergebnisse und schlägt Kooperationsmodelle vor, um das Konfliktpotential zu mindern und afrikanische Staaten in eine nachhaltigere wirtschaftliche Entwicklung zu führen.
Schlüsselwörter
Afrika, Neukolonialisierung, Energiepolitik, Sicherheitspolitik, USA, China, Rohstoffe, Entwicklungshilfe, Nachhaltigkeit, Geopolitik, Good Governance, Ressourcenreichtum, Handel, Globalisierung, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne Rolle Afrikas im Kontext der globalen Energie- und Sicherheitspolitik, insbesondere mit Blick auf die konkurrierenden Interessen der USA und Chinas.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem historischen Erbe des Kolonialismus und des Kalten Krieges, der strategischen Bedeutung von Ressourcen und den verschiedenen Entwicklungskonzepten der beiden Großmächte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob die aktuellen Wirtschafts- und Politikstrategien der USA und Chinas in Afrika ein schädliches "great game" darstellen oder ob sie eine Basis für nachhaltige Entwicklung bieten können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse internationaler politischer und wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, um die komplexen Zusammenhänge und Handlungslogiken der beteiligten Staaten aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die Ressourcenabhängigkeiten, die energetischen Sicherungsstrategien (z.B. AFRICOM vs. chinesische Staatsunternehmen) und den Umgang mit politischer Konditionalität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Analyse wird durch Begriffe wie Neukolonialisierung, Energiesicherheit, Ressourcen, geopolitische Rivalität und nachhaltige Entwicklung geprägt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle Chinas in Afrika?
China wird als pragmatischer Akteur dargestellt, der zwar Ressourcen und Absatzmärkte sucht, aber durch Investitionen in Infrastruktur indirekt zur Stabilisierung beiträgt, auch wenn ökologische und menschenrechtliche Standards dabei oft vernachlässigt werden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Zukunft Afrikas?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass nachhaltige Entwicklung nur durch eine Entspannung der globalen Rivalität und eine verstärkte Kooperation möglich ist, wobei afrikanische Staaten ihre Einnahmen verstärkt in lokale Infrastruktur und Diversifizierung investieren müssen.
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- Alexis Demos (Author), 2008, Neukolonialisierung Afrikas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152331