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Die konstitutionelle italienische Demokratie

Verfassungsstaat wider Willen? Von der kulturellen Diversität und unzureichenden nationalen Identität

Title: Die konstitutionelle italienische Demokratie

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 21 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Alexis Demos (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Der Diktatur folgt Demokratie, so das Credo dreier großer Demokratisierungswellen, doch was folgt auf die Demokratie? Können Populismen und Neopatrimonialismen heutzutage als grundsätzliche Tendenzen dieser politischen Systeme gelten, so muss gesagt werden, dass das politische System Italiens mit dessen Paradoxien einen Sonderfall darstellt. Es sind Fragen nach der Legitimität und Effizienz, der institutionellen Struktur, der politischen Partizipation und den formalen Prozeduren und inhaltlichen Entscheidungen, die über den Gehalt einer Demokratie entscheiden. Ausgehend von der Fragestellung, wonach sich dieser inhomogene und inkonstante Nationalcharakter mit der konstitutionellen Demokratie und dem Einheitsstaat kleidet, sollen nicht nur die Auswirkungen der Diskrepanz von Verfassungstext und Verfassungspraxis auf den italienischen Staat aufgezeigt, sondern auch deduktiv der Ursprung der gespaltenen politischen Kultur und schwachen nationalen Identität ergründen werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Potential italienischer Geschichte zur nationalen Einheit

2.1 Risorgimento als Ursprung nationaler Identität?

2.2 Der Faschismus als triumphaler Höhepunkt der Nationalgeschichte

3. Die blockierte Demokratie Italiens

3.1 Die demokratischen Fesseln der Ersten Republik

3.2 Die Zweite Republik – Politischer Wandel und historische Kontinuität

4. Die Zivilgesellschaft – horizontale Solidarität statt vertikale Loyalität

4.1 Konzeptlosigkeit des aktivierenden Staates

4.2 Demokratische Krise oder postdemokratisches Phänomen?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Paradoxien der italienischen Demokratie unter dem Aspekt der Diskrepanz zwischen Verfassungstext und politischer Praxis. Ziel ist es, die Ursachen für die gespaltene politische Kultur und die schwach ausgeprägte nationale Identität zu ergründen und die Auswirkungen auf die Stabilität des Staates zu analysieren.

  • Historische Voraussetzungen nationaler Identität und das Erbe des Faschismus
  • Die systemischen Pathologien der Ersten Republik und die "blockierte Demokratie"
  • Transformationen und Kontinuitäten in der Zweiten Republik unter Berücksichtigung des Modells Berlusconi
  • Die Rolle der Zivilgesellschaft und das Problem des "amoralischen Familismus"
  • Die Qualität institutioneller Fitness und Transparenz im politischen Entscheidungsprozess

Auszug aus dem Buch

Die blockierte Demokratie Italiens

Die italienische Verfassung, die zweifelsohne die demokratische Identität hervorgehoben und den Faschismus negiert hat, trat am 1. Januar 1948 in Kraft, nachdem sich die Bevölkerung in einem Referendum am 2. Juni 1946 für die Republik und gegen die Monarchie ausgesprochen hatte. Es war der Versuch, widerstreitende Ziele zu vereinen, denn die opponierenden Fronten zwischen Katholizismus und Kommunismus wurden von den Idealen der Resistenza und der antifaschistischen Einheit zunächst überlagert. Der offene Ausbruch des Kalten Krieges im Jahre 1947 und der neben dem ideologischen nun auch militärische Ost-West-Konflikt wirkten sich zunehmend auf Italien aus. Die Wahlen von 1948 waren somit auch Ausdruck der Verbundenheit mit den Amerikanern. Die Klasse christdemokratischer Spitzenpolitiker schuf aus Angst vor den Kommunisten, die zunehmend denunziert wurden, Kriterien des Machterhalts. Es wäre jedoch falsch, „die Geschehnisse lediglich als eine Projektion des Gegensatzes zwischen den Supermächten auf italienischem Boden zu interpretieren. Vielmehr handelt es sich um einen hauptsächlich innenpolitischen Konflikt, der von internationalen Spannungen in ideologischer und organisatorischer Hinsicht beeinflusst wurde“.

Was folgte, war eine Parteienherrschaft, die Konflikte informell löste. Die zum Teil ideologische Fixierung bewirkte eine politische Stagnation, die dazu führte, dass sich die christdemokratische Partei als Partei der „Ferien von der Geschichte“ erwies. Die historischen Wurzeln des Risorgimento und der Resistenza wurden sukzessive durch die Westbindung überlagert. Die nationale Gemeinschaft und Identität waren somit vielmehr ein Resultat der Umstände und basierten weniger auf Willen und Bewusstsein. Daraus ergab sich eine politische Immobilität, die einherging mit dem Rückzug der Gesellschaft in die apolitischen Subkulturen des Katholizismus und Kommunismus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die theoretische Problematik der italienischen Demokratie als Sonderfall und legt die Forschungsfrage zur Diskrepanz zwischen politischer Kultur und Verfassungspraxis dar.

2. Das Potential italienischer Geschichte zur nationalen Einheit: Dieses Kapitel analysiert das historische Fundament Italiens, wobei das Risorgimento und der Faschismus als prägende, jedoch ambivalente Elemente für die nationale Identitätsbildung kritisch beleuchtet werden.

3. Die blockierte Demokratie Italiens: Hier wird der Parteienstaat der Ersten Republik sowie der politische Wandel zur Zweiten Republik thematisiert, wobei insbesondere die Rolle von Korruption, Klientelismus und die Macht von Massenmedien hervorgehoben werden.

4. Die Zivilgesellschaft – horizontale Solidarität statt vertikale Loyalität: Das Kapitel untersucht das Defizit an zivilgesellschaftlichem Engagement und die Auswirkungen des amoralischen Familismus sowie die Anforderungen an einen aktivierenden, modernen Staat.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die mangelnde institutionelle Fitness und das Legitimationsdefizit in der italienischen Politik auf tiefgreifende historische und soziokulturelle Ursachen zurückzuführen sind.

Schlüsselwörter

Italienische Demokratie, Verfassungskultur, Risorgimento, Faschismus, Parteienherrschaft, Zivilgesellschaft, Politische Identität, Klientelismus, Berlusconi, Postdemokratie, Sozialkapital, Institutionelle Fitness, Nord-Süd-Gefälle, Amoralischer Familismus, Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum das politische System Italiens trotz einer demokratischen Verfassung als Sonderfall gilt und unter welchen historischen sowie soziokulturellen Bedingungen sich die heutige italienische Demokratie entwickelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen Verfassungsanspruch und politischer Realität, die historische Wurzelbildung der nationalen Identität sowie die Auswirkungen klientelistischer Strukturen auf die Zivilgesellschaft.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob die konstitutionelle italienische Demokratie aufgrund kultureller Diversität und mangelnder nationaler Identität ein "Verfassungsstaat wider Willen" ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit demokratietheoretischen Ansätzen verbindet, um die strukturellen Defizite des italienischen Staates zu deduzieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Potentials zur nationalen Einheit, die Analyse der blockierten Demokratie der Ersten Republik und die Transformation zur Zweiten Republik unter Einbeziehung des Phänomens Berlusconi.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Politische Kultur, Konstitutionalismus, Clientelism (Klientelismus), Postdemokratie, nationale Identität und soziale Integration.

Welche Rolle spielt das "Risorgimento" in der Argumentation des Autors?

Das Risorgimento wird als ambivalenter Ursprung der nationalen Identität gesehen, der heute oft romantisiert wird, obwohl die Einigung 1861 eher ein "Kompromiss von oben" war.

Was versteht der Autor unter dem "amoralischen Familismus" als Grundübel?

Es bezeichnet ein Phänomen, bei dem die Gesellschaft entpolitisiert und isoliert ist, was eigennützige klientelistische Beziehungen fördert und die Bildung eines stabilen Sozialkapitals in Italien massiv behindert.

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Details

Title
Die konstitutionelle italienische Demokratie
Subtitle
Verfassungsstaat wider Willen? Von der kulturellen Diversität und unzureichenden nationalen Identität
College
Dresden Technical University
Grade
2,3
Author
Alexis Demos (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V152332
ISBN (eBook)
9783640640805
ISBN (Book)
9783640640836
Language
German
Tags
Italien Demokratie Politische Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexis Demos (Author), 2008, Die konstitutionelle italienische Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152332
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