Globales Lernen und die Thematik der Weltstädte im Unterricht


Hausarbeit, 2008
52 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorwort

2 Global City/Weltstadt
2.1 Definition – Global City oder Weltstadt ?
2.2 Historische Dimension
2.2.1 Weltstädte im Altertum
2.2.2 Weltstädte im Mittelalter? – Kaum vorhanden!
2.2.3 Weltstädte um 1900 bis 2015 – demographische Dimension
2.3 Funktionale Dimension
2.4 Globale Dimension – Globales Lernen im Unterricht

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Textverzeichnis

Bildverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit werden zunächst einmal verschiedene Definitionen, die in der Fachliteratur zu den Begriffen Global City und Weltstadt zu finden sind, vorgestellt.

Im Anschluss daran erfolgt eine Betrachtung der historischen Dimension von Weltstädten. Das Augenmerk liegt hierbei auf den Zeitepochen des Altertums und des Mittelalters.

In einem weiteren Schritt geht es um die demographische Dimension von Weltstädten um 1900 bis 2015.

Danach wird die Weltstadtforschung hinsichtlich ihrer funktionalen Dimension beurteilt. Die letzten Abschnitte der Hausarbeit beschäftigen sich mit der unterrichtlichen Methode des globalen Lernens. Hier stellen sich unter anderem die Fragen, wie man die Thematik der Weltstädte in einen didaktisch sinnvollen Zusammenhang mit dem globalen Lernen in der Schule bringen kann und welche Lernziele die Fachliteratur dafür festlegt sowie auf welche Art und Weise das eben Gesagte vonstatten geht.

Zu guter Letzt schließt sich ein Fazit an, welches noch einmal die wesentlichen Gesichtspunkte der Arbeit zusammenfasst.

1.1 Vorwort

Der Begriff Globales Lernen unterliegt in der Fachliteratur einer umfassenden bzw. facettenreichen Darstellung und kann daher nur schwer in einigen kurzen Sätzen zusammengefasst werden. Ein Definitionsaspekt besagt, dass das Globale Lernen als eine Antwort auf den Globalisierungsprozess und dessen Folgen verstanden werden kann[1].

Die Begrifflichkeit Globalisierungsprozess ist ebenfalls sehr vielfältig definierbar, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass diese in der Fachliteratur leider oftmals nur einseitig betrachtet wird. Es erfolgt eine Beschränkung des Globalisierungsprozesses auf wirtschaftliche Aspekte, was inhaltlich betrachtet untragbar ist, da wirtschaftliche Modifikationen immer auch gesellschaftliche sowie politische Veränderungen nach sich ziehen, aber auch globale ökologische Probleme, die mit dem Globalisierungsprozess eng verbunden sind, müssen in das Zentrum der Betrachtung gestellt werden[2].

Sogar der renommierte Brockhaus definiert das Phänomen der Globalisierung einseitig, sprich konzentriert sich nur auf ökonomische Aspekte (,,Globalisierung, schlagwortartig benutzte Bez. für die weltweite Durchdringung von Märkten, v. a. bewirkt durch die wach-

sende Bedeutung der internat. Finanzmärkte, den Welthandel und die intensive internat. Ausrichtung von (multinationalen) Unternehmen (»Global players«) und begünstigt durch neue Telekommunikationstechniken sowie durch Finanzinnovationen. Diskutiert wird u. a., inwieweit die Einflussmöglichkeit einer nationalen (Wirtschafts-) Politik durch die G. eingeschränkt wird und welche Beschäftigungseffekte daraus erwachsen")[3].

Fakt ist, dass der Globalisierungsprozess wesentlich mehr darstellt, als es viele Definitionen hergeben, was im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit ersichtlich wird.

Zudem ist zu nennen, dass das Kernproblem des Globalisierungsprozesses darin besteht, dass das Wohlstandswachstum auf der Welt ungleichmäßig verteilt ist. Zieht man die städtische Ebene in Betracht, so kann hier unter anderem die soziale Polarisierung der Gesellschaft in so genannte Weltstädte herausgestellt werden[4].

Um das Vorwort nun abschließen zu können, sollte noch das Folgende festgehalten werden:

Die Thematik der Weltstädte in das unterrichtliche Geschehen einzubeziehen fördert das Globale Lernen bzw. unterstützt die Fähigkeit diverse Chancen, aber auch Probleme, in einem weltweiten Zusammenhang zu sehen. Der berühmte Blick über den eigenen Tellerrand ist für jeden Menschen außerordentlich wichtig, wenn es beispielsweise darum geht, die Verhaltensweisen anderer Kulturen zu verstehen und erklären zu können, was wiederum unter anderem einen bedeutenden Beitrag zur weltweiten Friedenssicherung liefert.

2 Global City/Weltstadt

2.1 Definition – Global City oder Weltstadt ?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass in der Fachliteratur verschiedene Definitionen zu den Begriffen Global City und Weltstadt existieren. Die Begrifflichkeit Global City, die sich in den 1980er Jahren in den Fachwissenschaften etablierte, beschreibt die weltökonomische Bedeutung von Städten in der anthropogeographischen Literatur.

Der Wissenschaftler Zehner verwendet hingegen lieber den Begriff Weltstädte, um das eben Genannte zu definieren, da seiner Meinung nach nicht das Wort Weltstad t, sondern erst der Begriff Weltstädte das riesige Ausmaß bzw. die große weltweite Vernetzung verdeutlichen kann.

Traurigerweise wird in der Fachliteratur sehr oft nicht ersichtlich, warum die Autoren den einen oder den anderen Begriff verwenden oder auch, ob sie die Begriffe Global City und Weltstadt als Synonyme ansehen. Nur wenige Wissenschaftler wie Bronger oder Heineberg bejahen das Letztgesagte bzw. äußern sich überhaupt zu ihrer Wortwahl[5].

Fakt ist, dass die meisten Autoren den Begriff Weltstadt verwenden und diesen mit der Begrifflichkeit Global City gleichsetzen. Deshalb soll auch in der vorliegenden Hausarbeit der Begriff Weltstadt primär genannt werden.

Weltstädte stellen unter anderem wichtige wirtschaftliche sowie politische, internationale Knotenpunkte dar, so der Wissenschaftler Olbricht in den 60er Jahren[6].

In den 70er Jahren knüpft Schultze an Olbrichts Arbeiten zum Thema Weltstädte an, um diese zu erweitern. Schultze entwirft mehrere Kriterien, die darüber Auskunft geben sollen, ob eine Stadt eine normale Stadt oder eine Weltstadt ist. Hierbei sind zum Beispiel die Gesichtpunkte wie Einwohnerzahl, Verkehr, baulich-funktionale Struktur einer Stadt, Sitz internationaler Einrichtungen (Versicherungen, Verlagswesen etc.), Umlandsgröße und vieles mehr zu nennen[7].

Die Kriterien eine Stadt zu einer Weltstadt zu ernennen wurden und werden im Laufe der Jahre immer wieder verfeinert, besonders wenn es um kulturelle Aspekte geht.

So besitzen Weltstädte laut Heineberg 2001 die folgenden funktionalen Merkmale:

- große Einwohnerzahl (meistens Millionenstadt) [Anmerkung: Die Fachliteratur ist sich allerdings nicht über die exakte Höhe der Einwohnerzahl einig, so reicht laut Bronger 1996[8] bereits eine Einwohnerzahl von 5 Millionen aus (Mindestdichte: 2000 Einw./km²)[9] ; laut den Vereinten Nationen müssen es 8 Millionen Einwohner sein]

- Sitz bedeutender nationaler und internationaler Institutionen
- internationales Finanzzentrum (Banken, Börsen, Versicherungen)
- Sitz von Konzernzentralen
- Publikations-, Kommunikationszentrum (Verlage, Rundfunk- und Fernsehveransta-ltungen) von Weltrang
- kulturelle Institutionen von Weltrang
- Zahl ausländischer Touristen
- sehr günstige Verkehrslage mit großem Anteil am nationalen Verkehr und mit
- bedeutendem internationalen Verkehr (internationaler Flughafen, großer Hafen)
- weltweiter Bekanntheitsgrad[10]

Zusammenfassend ist zu diesem Abschnitt zu sagen, dass in der Fachliteratur oftmals keine eindeutige Trennung zwischen den Begriffen Weltstadt, Metropole, Megastadt und Global City vorgenommen wird und dass eine Stadt niemals ausschließlich aufgrund demographischer Beschaffenheiten zu einer Weltstadt kategorisiert werden darf.

2.2 Historische Dimension

2.2.1 Weltstädte im Altertum

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit Brongers These, die besagt, dass alle Hochkulturen wie Mesopotamien, Indien oder China Stadtkulturen darstellten. Weiterhin behauptet der Wissenschaftler, dass das Phänomen der Weltstädte uralt ist. Wird die Zahl der Gesamtbevölkerung als Weltstadtindikator verwendet, so kann festgehalten werden, dass bereits im Altertum Weltstädte existierten, so Bronger. Das letzt Genannte trifft vor allem auf den asiatischen Raum zu, auch wenn die jeweiligen Einwohnerzahlen nicht mit den heutigen vergleichbar sind, stellen diese für die damalige Zeit dennoch enorme Menschenansammlungen dar. Laut Chandler/Fox zählen außerhalb der Hochkulturen nur Athen und Syracus, später Rom und Karthago, zu den zehn größten Städten der Welt (siehe An-hang Seite 38, Tabelle 1)[11].

Dass Städte für die Menschen seit jeher wichtige Rollen spielen, wird beispielsweise in der

altindischen Literatur ersichtlich. So erfolgt in dem indischen Staatslehrbuch Kautilya (um 300 v. Chr.) eine funktionale stadttypologische Unterscheidung zwischen nagara (Residenzstadt), pattana (Handelsstadt) und pura (Festungsstadt).

China verfügt zwar, im Gegensatz zu Indien, über spätere Stadtentwicklungen, besitzt hierbei allerdings einen viel längeren historischen Zeitraum. Aufgrund der Kontinuität der großen chinesischen Regionalreiche waren 2000 Jahre lang ein Drittel aller irdischen Stadtbewohner Chinesen, wobei erwähnt werden muss, dass in diesem Kontext unter dem Begriff Städte Siedlungen mit über 10.000 Einwohnern gemeint sind, so Weggel. Über 1000 Jahre lang stellte Chang`an (heute: Xi`an) die größte Stadt der Welt dar. Chang`an besaß im 8. Jahrhundert v. Chr. circa zwei Millionen Einwohner. Selbst London verfügte erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts über eine vergleichbar hohe Einwohnerzahlen, so

Schinz. Der Motor hierfür war die Industrialisierung.

Festzuhalten ist, dass das überaus hoch entwickelte Land China lange Zeit über die metropolisierteste Gesellschaft der Erde verfügte (heute existieren in China 40 Millionenstädte, die nicht einmal neun Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen).

Mit der Etablierung des Römischen Reiches wurde Rom, nach Chang`an, die zweitgrößte Stadt der Welt. Rom besaß 100 n. Chr. circa 650.000 Einwohner (siehe Anhang, Tabelle 2)[12].

Bronger macht in seinem Buch Metropolen, Megastädte, Global Cities – Die Metropolisierung der Erde – darauf aufmerksam, dass der Begriff Hochkultur im Zusammenhang mit Entwicklung differenziert sowie kritisch betrachtet werden muss, auch wenn mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die Mehrheit der Menschen in armen Verhältnissen, oft als Sklaven, lebten.

2.2.2 Weltstädte im Mittelalter? – Kaum vorhanden!

Mit dem Ende des Römischen Reiches und dem Islameinbruch nach Europa kam es zur Trennung West- und Mitteleuropas vom mediterranen Raum und seinen Handelswegen, was den Untergang der antiken Stadtkultur einleitete. Aus europäischer Sicht betrachtet fungierten um 900/1000 n. Chr. nur Konstantinopel und Cớrdoba als große Städte (siehe Anhang, Tabelle 3).

Im 12. bis zum 14. Jahrhundert gab es in Mitteleuropa zwar einige große Städte wie Paris (rund 200.000 Einwohner), Neapel (rund 110.000 Einwohner), Venedig (rund 110.000 Einwohner) oder Mailand (rund 90.000 Einwohner), doch diese erreichten nicht annähernd die Größe der antiken Weltstädte. Ein wesentlicher Grund hierfür war die fehlende überregionale Staatenbildung. Asiatische Weltstädte nahmen bis zum Beginn der Neuzeit führende Rollen bezüglich städtischer Lebensformen ein (siehe Anhang, Tabelle 4).

Auf dem amerikanischen Kontinent waren im Mittelalter bis weit in die Neuzeit keine Weltstädte vorhanden. Erst im 18. Jahrhundert zählte Mexico City mit seinen 100.000 Einwohnern zu den größten Städten der Erde. Anfang des 19. Jahrhunderts löste New York die eben genannte einzige amerikanische Weltstadt ab. Die damalige fehlende Existenz von amerikanischen Weltstädten lag wie in Europa zum größten Teil an dem Ausbleiben überregionaler Staatenbildungen. Weiterhin muss in diesem Zusammenhang die geringe amerikanische Bevölkerungszahl genannt werden. Im 19. Jahrhundert besaß Amerika nur 24,6 Millionen Einwohner, was 2,8% der Erdbevölkerung und 4% der asiatischen Bevölkerung ausmacht.

Ab dem 18. Jahrhundert gewannen Paris und London für Europa an städtischer Bedeutung. Paris wurde 508 n. Chr. zu Frankreichs und London 1100 n. Chr. zu Englands Hauptstadt ernannt. Unter Ludwig XIV. entwickelte sich Paris zu einer geistigen und kulturellen europäischen Weltstadt.

Dadurch, dass Großbritannien im 17./18. Jahrhundert zu einer bedeutenden Kolonialmacht heranwuchs, stellte London das wirtschaftliche Zentrum Westeuropas dar, was wiederum zur Folge hatte, dass sich London nun als größte Stadt der Welt bezeichnen konnte (siehe Anhang, Tabellen 5, 6). Ebenso darf nicht unerwähnt bleiben, dass Frankreich Mitte des 18. Jahrhunderts an Großbritannien nordamerikanische Kolonialgebiete verlor und dies zur wirtschaftlichen Stärke der Briten enorm beitrug. In der Fachliteratur wird London oftmals als die erste wirkliche Weltstadt in der Historie angesehen[13].

Nun stellen sich die Fragen, welche Weltstädte um 1900 existierten, welche es heutzutage gibt und welche Kriterien, neben den bereits erwähnten Demographischen, die Fachliteratur explizit ansetzt (siehe auch Hausarbeit S. 4f.: Heineberg und seine funktionalen Merkmale einer Weltstadt), um Städte bezüglich ihres Rangs zu bewerten. Da die Fachliteratur Städte leider oftmals primär aufgrund ihrer Demographie beurteilt, wird noch einmal vertieft auf die demographische Dimension der Städte eingegangen. Danach erfolgt die städtische Betrachtung auf der funktionalen sowie auf der globalen Ebene.

2.2.3 Weltstädte um 1900 bis 2015 – demographische Dimension

Das Wachstum der Erdbevölkerung nahm von 1900 bis 2005 stetig zu. Allein von 1950 bis 2000 wuchs die Erdbevölkerung von 2,5 Milliarden auf 6,1 Milliarden. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leisteten in den letzten 30 Jahren die so genannten Entwicklungsländer. Um 1900 besaßen die Industrieländer noch die vierfache Zahl an Weltstädten, heute hingegen hat sich das Verhältnis mit 119:221 für eine enorm erhöhte Weltstädteanzahl auf Seiten der Entwicklungsländer gewandelt (siehe Anhang, Abbildung 1). Daher kann man behaupten, dass die eigentliche Bevölkerungsexplosion in den Entwicklungsländern vonstatten ging bzw. noch geht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten weltweit nur die zwei Weltstädte London und Tokyo. Circa 50 Jahre später waren es bereits 6 Weltstädte, wobei Shanghai die Einzige war, die sich in einem Entwicklungsland befand, so Bronger[14].

Je nach Fachliteratur oder anhand von Projektarbeiten gibt es gegenwärtig zwischen 20 bis 50 Weltstädte. Die 10. Klasse eines Bremer Gymnasiums beispielsweise startete 2001 ein regionales fächerübergreifendes Projekt mit der Thematik Umwelt & Entwicklung. Die Recherche der Klasse zum Thema Weltstädte ließ unter anderem die folgenden Ausschnitte einer Weltkarte vom Vorschein kommen (siehe Anhang, Abbildungen 2, 3, 4):

Auf der Abbildung 2 wird ersichtlich, dass im asiatischen Raum eine Vielzahl von Weltstädten wie Tokyo (2000: 27,7 Millionen Einwohner), Mumbai (2000: 16,9 Millionen Einwohner), Shanghai (2000: 13,9 Millionen Einwohner) usw. existieren und mindestens bis 2015 weiterhin ein enorm starkes Städtewachstum stattfinden wird.

Für den afrikanischen Kontinent wird Lagos als Weltstadt im Jahre 2015 sehr wahrscheinlich an Bedeutung stark zunehmen (2000: 12,2 Millionen Einwohner vs. 2015: 24,4 Millionen Einwohner, siehe Anhang, Abbildung 3).

In Europa gibt es laut der oben genannten Arbeitsgruppenrecherche allerdings keine einzige Weltstadt.

Die Weltstädte in Nord- und Südamerika werden 2015 allerdings keine große Bevölkerungszunahme mehr erwarten (siehe Anhang, Abbildung 4, Mexico City: 2000: 17,6 Millionen Einwohner vs. 2015: 19 Millionen Einwohner; New York: 2000: 16,5 Millionen Einwohner vs. 2015: 17,6 Millionen Einwohner; Buenos Aires 2000: 12,2 Millionen Einwohner vs. 2015: 13,9 Millionen Einwohner etc.)[15].

Fakt ist, dass die Einstufungen/Rangfolgen von global cities in der Fachliteratur nicht einheitlich sind. Je nach Fachliteratur gibt es also weitaus mehr Megastädte, als auf den eben abgebildeten Ausschnitten einer Weltkarte ersichtlich wird. So hat die Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2007 einige interessante Artikel zum Thema Megastädte herausgebracht. In einem Artikel wird davon berichtet, dass die Vereinten Nationen im Jahr 2005 weltweit von 20 Megastädten sprachen. Hierbei handelt es sich um Städte, in denen mindestens zehn Millionen Menschen leben (siehe Anhang, Abbildung 5).

Im Gegensatz zu den voran gegangenen Abbildungen werden auf der Abbildung 5 unter anderem die Städte Moskau (mit 11 Millionen Einwohnern), Peking (ebenfalls mit 11 Millionen Einwohnern) , Manila (auch mit 11 Millionen Einwohnern) in die Kategorie der Weltstädte eingeordnet[16].

Für Bronger beispielsweise waren im Jahre 2000 45 Städte als Weltstädte zu bezeichnen, wobei 34 von diesen in Entwicklungsländern ihren Sitz hatten (siehe Anhang, Abbildung 6). Welche Mindestgröße in Bezug auf die Einwohnerzahl eine Stadt aufweisen muss, um sich als Weltstadt betiteln zu dürfen, ist umstritten, wie bereits auf Seite 4 erwähnt wurde[17]. Im Jahre 2004 äußert sich Bronger hierzu wie folgt: ,,Wichtiger als die statistische Festlegung ist das Problem einer Veränderung der Größenbewertung im Zeitablauf: Eine ,,Megastadt“ mit ›5 Mio. Einw. im Jahre 1940 hat einen anderen Stellenwert als eine von heute mit gleicher Größe, und erst recht einer Megastadt in weiteren 50 Jahren, wenn es statt 4 (1940) 100 (oder mehr) geben wird […] ist ein zweiter Aspekt wichtiger: die regional unterschiedliche Siedlungsstruktur der Riesenstädte[18].“ Weltstädte können bezüglich ihrer Größenordnung weltweit nur miteinander verglichen werden, wenn die Angabe sowie die Bezeichnung der für die Bevölkerungszahl zugrunde gelegten Bezugsfläche vorliegt (siehe Anhang, Tabellen 7, 8).

In der Fachliteratur wird der eben genannte Aspekt leider oftmals völlig vernachlässigt bzw. ganz außer Acht gelassen. Die heutigen administrativen Stadtgrenzen stellen eben nicht die wirklichen Stadtgrößen dar, so Bronger[19].

2.3 Funktionale Dimension

Die Bedeutung einer Stadt darf nicht nur, wie bereits erwähnt, über die Bevölkerungszahl ihre Definition erfahren. Die funktionale Dimension muss ebenfalls in die Weltstadtbewertung miteinbezogen werden. Europa, mit London und Paris, stellte bis Anfang des 20. Jahrhunderts das wichtigste funktionale Zentrum auf der Erde dar. London war um 1800, demographisch und funktional betrachtet, die größte bzw. bedeutendste Stadt der Welt (1.097.000 Einwohner, siehe Hausarbeit Seite 7; Hauptstadt von kolonialen Weltreichen).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaßen die Städte New York und Tokyo, neben London und Paris, ebenfalls einen hohen bzw. bedeutenden Funktionalitätsgrad. Bis in die 1940er Jahre hat der kausale Zusammenhang zwischen Entwicklungsstand eines Landes und der demographischen und funktionalen Dominanz der Weltstädte Bestand. Von den 20 größten und funktional wichtigsten Weltstädten hatte die Mehrheit zu dieser Zeit ihren Sitz in den Industriestaaten. Ab 1950 änderte sich jedoch das eben Genannte auf der demographischen

Ebene (siehe Anhang, Tabelle 9).

Nun stellt sich Bronger die Fragen, ob mit der demographischen Veränderung eine funktionale Aufwertung einhergeht und wenn ja, auf welcher räumlichen Maßstabsebene dies vonstatten geht und ob die Weltstädte in den Entwicklungsländern, wie in den Industriestaaten, als Synonym für ökonomischen, kulturellen sowie sozialen Fortschritt angesehen werden können.

Weiterhin macht Bronger in seinem Buch Metropolen, Megastädte, Global Cities. Die Metropolisierung der Erde darauf aufmerksam, dass die funktionale Dimension den wesentlichen Unterschied zwischen den Weltstädten in den Industrieländern und den Weltstädten in den so genannten Entwicklungsländern hervorbringt. In den Industrieländern ist die funktionale Dimension bezogen auf die internationale Ebene viel stärker ausgeprägt als in den Entwicklungsländern. Die Industrieländer besitzen eine Überkonzentration in fast allen Lebensbereichen (außer in der Landwirtschaft) von politisch-administrativen, wirtschaftlichen, sozialen sowie kulturell-wissenschaftlichen Funktionen.

Betrachtet man allerdings die nationale Ebene, so ist zu sagen, dass die Weltstädte in den Entwicklungsländern meistens alleinige funktionale Zentren sind und die anderen übrigen Regionen des jeweiligen Landes rückständige Peripherien darstellen. Die eben erwähnte Tatsache entstand sehr oft aufgrund kolonialer Tätigkeiten und ist bis in die Gegenwart in jedem Entwicklungsland in einem hohen Maße zu finden. Daher werden seit geraumer Zeit kontroverse Diskussionen darüber geführt, welche Rolle eine Weltstadt bzw. die Metropolisierung im Entwicklungsprozess eines Staates spielt und ob sie die Entwicklung der übrigen Landesteile fördert oder hemmt.

[...]


[1] Vgl. MEYER 2005, 32

[2] Vgl. http://lernen.bildung.hessen.de/global/glob_einf/gbein_01/print_all, vom 06.01.2008

[3] A.a.O., vom 06.01.2008

[4] Vgl. MEYER 2005, 32

[5] Vgl. ZEHNER 2001, 6

[6] Vgl. ebd. zit. n. ZEHNER, 7f.

[7] Vgl. SCHULTZE 1959, 11f.

[8] Vgl. PILZ 2001, 46

[9] Vgl. HEINEBERG 2000, 27

[10] MEYER 2005, 32

[11] Vgl. BRONGER 2004, 36

[12] Vgl. a.a.O., 37

[13] Vgl. BRONGER 2004, 39f.

[14] Vgl. a.a.O., 78f.

[15] Vgl. http://www.schule.bremen.de/schulen/szobraun/umwelt_entwicklg/megastaedte/mega_

globalisierung.htm, vom 03.01.2008

[16] Vgl. http://www.bpb.de/themen/TFUJPW,0,Megast%E4dte.html, vom 03.01.2008

[17] Vgl. BRONGER 2004, 78f.

[18] Ebd. zit. n. BRONGER, 78

[19] Vgl. ebd. zit. n. BRONGER, 78

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Globales Lernen und die Thematik der Weltstädte im Unterricht
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Globales Lernen als Herausforderung für den Geographieunterricht
Autor
Jahr
2008
Seiten
52
Katalognummer
V152350
ISBN (eBook)
9783640645657
ISBN (Buch)
9783640645510
Dateigröße
3108 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Global, Lernen, Weltstädte, Global Cities, Unterricht, Megastädte, Großstädte
Arbeit zitieren
Andrea Drobny (Autor), 2008, Globales Lernen und die Thematik der Weltstädte im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152350

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