Diese Dissertation untersucht die Diskurse um den EU-Beitritt der Türkei in ausgewählten deutschen und türkischen Printmedien und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der politischen Kommunikation im deutsch-türkischen Kontext. Die Studie deckt auf innovative Weise auf, wie rhetorische und sprachliche Strategien den politischen Diskurs beeinflussen und wie Medien Realitäten konstruieren. Durch eine vergleichende Diskursanalyse deutscher und türkischer Printmedien werden Argumentationslogiken, Identitätskonstruktionen und kulturelle Konzepte systematisch analysiert. Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie Medien durch spezifische Argumentationsstrategien und rhetorische Mittel politische Realitäten konstruieren und Legitimation für bestimmte Positionen schaffen. Dabei wird deutlich, wie kulturelle Differenz und Identität sprachlich konstruiert werden und welche Rolle dies im politischen Diskurs spielt. Die Untersuchung legt offen, wie die Diskriminationsansätze vollführt werden, welche Argumentationslogiken angewandt werden und mit welchen Identitäts- bzw. Kulturkonzepten dabei agiert wird. Die spezifischen Ausprägungen der Argumentationen tragen in der Öffentlichkeit dazu bei, eine von der Sachlage hervorgehende Pseudo-Logik als Tatsache bzw. Wirklichkeit zu akzeptieren. Die öffentliche Akzeptanz der zumeist mit emotional-rhetorischen Mitteln gestalteten Argumente beruht auf Gültigkeit, Glaubwürdigkeit und Betroffenheit. Diese wegweisende Forschungsarbeit ist unverzichtbar für Wissenschaftler im Bereich Medienlinguistik und politische Kommunikation, Experten für deutsch-türkische Beziehungen, Medienschaffende und Kommunikationswissenschaftler sowie alle, die sich für die mediale Konstruktion politischer Realität interessieren.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITENDE GRUNDÜBERLEGUNGEN ZU DEN GEGENSTANDSBEGRIFFEN
1. Die elementaren Zusammenhänge der Gegenstandsbegriffe Sprache – Kommunikation – Politik
II. DIE SPRACHWISSENSCHAFTLICH – THEORETISCHEN AUSGANGSEBENEN
1. Politische Kommunikation in der massenmedialen Diskursführung
1.1. Die Bezeichnung „politische Kommunikation“
1.2. Die sich auf die massenmedialen Gesellschaften beziehende politische Kommunikation
1.3. Das kollektive Bewusstsein und die öffentliche Wahrnehmung
1.4. Die Relationen zwischen politischer Kommunikation, Wirklichkeit, Kultur, Öffentlichkeit, Kognition, Massenmedien
1.4.1. Die Entstehung von sozialer Wirklichkeit
1.4.1.1. Die konstruktivistischen Aspekte
1.4.1.2. Das Entstehen wirklichkeitsrelevanter Bedingungen durch kognitive und kulturelle Prozesse
1.4.1.3. Die gesellschaftlich–kulturelle Konstruktion von Wirklichkeit
1.4.1.4. Konsequenzen für das Berichterstattungsthema „Der Beitritt der Türkei in die EU“
1.5. Theoretische Annäherungen bedeutender Persönlichkeiten und Konsequenzen für die politische Kommunikation im Feld „Beitritt der Türkei in die EU“
1.5.1. Argumentation- bzw. Begründungslogik
1.5.2 Kommunikatives Handeln
III. DIE DISKURSANALYSE
1. Entstehungsgeschichte und Vorgänger der Diskursanalyse
2. Der Diskursbegriff und die Diskurstheorie
2.1. Diskurstheorie
3. Wirklichkeitsbedingtheit, Kulturspezifizität und Macht in den Diskursen
4. Theorien zur Diskursanalyse
5. Zum Gegenstand der Diskursanalyse in der Sozial-, Sprach- und Literaturwissenschaft
6. Komponente der sprachwissenschaftlichen Diskursanalyse – Deutungsmuster in der politischen Kommunikation
7. Definition und Funktion der politischen Sprache als rationaler Komponente der politischen Kommunikation
7.1. Analysemethoden der politischen Sprache mit politolinguistischen Vorgaben
7.1.1. Rhetorik bzw. Rhetorizität
7.1.2. Konnotationen
7.1.3. Deontik
7.1.4. Rhetorische Figuren der politischen Sprache
IV. DIE ROLLE DER MASSENMEDIEN BEI DER POLITISCHEN KOMMUNIKATION
1. Der Einfluss der Massenmedien auf die soziale Wirklichkeitskonstruktion
2. Beziehungen zwischen Medien und Politik
3. Funktion der Massenmedien bei der politischen Vermittlung
3.1. Die gesellschaftliche bzw. politische Bedeutung der Medien
3.1.1. Politische Informations- und Meinungsbildungsfunktion
3.1.2. Kritik- und Kontrollfunktion
3.1.3. Ethische(moralische) Einstellung der Medien und Manipulation
3.1.4.Das Einflussvolumen der Medien
3.2. Medien und Sprache
3.2.1. Die Sprache der Medien bezüglich der Diskursanalyse
4. Der Vergleich der politischen Diskurse und der daraus resultierenden Befunde
V. RAHMENBEDINGUNGEN DES BEITRITTDISKURSES
1. Die die Eigentümlichkeit ausmachenden Komponente
1.1. Identität und Endgültigkeitsanspruch Europas
1.2. Geschichte und Religion
1.3. Philosophische Grundlagen der europäischen Identität
1.4. Der heutige Stand
1.5. Gründung der EU, Fortschritte und Beziehung zu der Türkei
1.6. Eignung der Türkei und Aspekte der Relation zwischen der Türkei und der EU
2. Die Auseinandersetzung in den Diskursen
3. Die Art der Diskursanalyse
3.1. Analyseleitfaden zur Materialaufbereitung
3.2. Einführung in die massenmedialen Hintergründe der Untersuchungsmaterialien
4. Diskursive Grundmerkmale der Nachrichtentexte einiger Medien Deutschlands und der Türkei
4.1. Ausprägung der konservativen "Milli Gazete" Zeitung
4.1.1. Moralische Werte und Kulturelle Fremdheit nach der MG
4.1.2. Die Rhetorik um das „Ende der EU“
4.1.3. Die EU ist gegen die Aufnahme der Türkei
4.1.4. Die Rhetorik von der mächtigen, selbstbewussten Türkei
4.2. Ausprägung der „Cumhuriyet“ Zeitung
4.3 Charakteristik der linksorientierten „Aydınlık" Zeitschrift
4.4. Charakteristik der liberal - konservativen, gewinnorientierten „Hürriyet"
4.4.1. Die Dramatisierung der Nicht-Mitgliedschaft in der Hürriyet
4.4.2. Die Skepsis der Türkei wegen den Unstimmigkeiten der EU
4.5. Kurzbeschreibung „Junge Freiheit“ Zeitung
4.5.1. Die Rhetorik über „das Ende der europäischen Identität“
4.5.2.Kulturelle Fremdheit
4.5.3.Die Historische Bezugsnahme
4.5.4. Verhinderung der Nationalen Interessen und Machtansprüche
4.5.5 Die Rhetorik bezüglich der Aussagen der Oppositionellen
4.6. Kurzbeschreibung „Tageszeitung“ (taz)
4.6.1. Die optimistische Bewertung der Bemühungen zur Umstellung
4.6.2. Die Harmonie zwischen Tradition und Westlichkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, am Beispiel des EU-Beitritts der Türkei eine analytisch-kritische Bewertung der medialen Diskurse vorzunehmen. Dabei wird untersucht, wie durch rhetorisch-sprachliche Strategien soziale Realitäten konstruiert und Meinungsbildungsprozesse in Deutschland und der Türkei beeinflusst werden.
- Die fundamentale Bedeutung von Sprache und Rhetorik für politische Prozesse
- Die konstitutive Rolle der Massenmedien bei der sozialen Wirklichkeitskonstruktion
- Komparatistischer Vergleich diskursiver Grundmerkmale in ausgewählten Printmedien
- Analyse von Argumentationslogiken und Deutungsmustern im Beitrittskontext
- Interdisziplinäre Verknüpfung von Diskursanalyse, Linguistik und Politikwissenschaft
Auszug aus dem Buch
1. Die elementaren Zusammenhänge der Gegenstandsbegriffe Sprache – Kommunikation – Politik
Die nachstehend aufgeführten Darstellungen einzelner wesentlicher Gedanken, die nur einen eventuellen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, zeigen den individuellen, sozialen, arbiträren und pragmatischen Charakter der Sprache und verdeutlichen die Anordnungsbeziehung der Sprache bzw. Kommunikation zur Politik.
Die theoretische Beschäftigung, mit der die eigentliche Untersuchung eine Basis bildet, soll die Thematik, die intellektuelle Grundlage der aufrecht kommenden Untersuchung später aufzeigen.
Darauf, dass Sprache multifunktionalen Charakter trägt und somit zur subjektiv – willkürlichen Bedeutungsdifferenzierung dient, wiesen schon Sprachphilosophen wie Hegel, Humboldt und Chomsky auf.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITENDE GRUNDÜBERLEGUNGEN ZU DEN GEGENSTANDSBEGRIFFEN: Einführung in das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Sprache, Kommunikation und Politik als Untersuchungsgegenstand.
II. DIE SPRACHWISSENSCHAFTLICH – THEORETISCHEN AUSGANGSEBENEN: Theoretische Fundierung der politischen Kommunikation innerhalb massenmedialer Diskurse und deren Bezug zur Wirklichkeitskonstruktion.
III. DIE DISKURSANALYSE: Methodische Erläuterung der Diskursanalyse und deren Anwendungsbereiche in der Sozial-, Sprach- und Literaturwissenschaft.
IV. DIE ROLLE DER MASSENMEDIEN BEI DER POLITISCHEN KOMMUNIKATION: Analyse der massenmedialen Einflussfaktoren und Manipulationsstrategien bei der Vermittlung politischer Sachverhalte.
V. RAHMENBEDINGUNGEN DES BEITRITTDISKURSES: Empirische Untersuchung der identitätsstiftenden Faktoren und diskursiven Merkmale in ausgewählten Zeitungen Deutschlands und der Türkei.
Schlüsselwörter
Diskurs, Rhetorik, Sprachwissenschaft, Literatur, Text, Politische Kommunikation, Printmedien, Europäische Union, Vergleich, Argumentationslogik, Wirklichkeitskonstruktion, Massenmedien, Deutungsmuster.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer analytisch-kritischen Bewertung der Diskurse um den EU-Beitritt der Türkei in ausgewählten deutschen und türkischen Printmedien.
Welche Felder deckt die Untersuchung ab?
Die zentralen Themenfelder sind die politische Kommunikation, die Diskursanalyse, die Rolle der Massenmedien sowie die Konstruktion politischer Identitäten und Wirklichkeiten im Kontext des EU-Beitrittsprozesses.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Hauptziel ist aufzuzeigen, wie rhetorisch-sprachliche Strategien und Argumentationslogiken in den Medien den öffentlichen politischen Diskurs beeinflussen und zur Konstruktion einer subjektiven sozialen Realität beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt Ansätze der Diskursanalyse, insbesondere die kritische Diskursanalyse, ergänzt um textwissenschaftliche und politolinguistische Methoden zur Untersuchung sprachlicher Strategien.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse und der politischen Sprache sowie auf eine vergleichende empirische Analyse spezifischer Zeitungen wie der "Milli Gazete", "Cumhuriyet", "Hürriyet", "Junge Freiheit" und der "taz".
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Diskurs, Rhetorik, Politische Kommunikation, Massenmedien, Europäische Union, Argumentationslogik und Wirklichkeitskonstruktion gehören zu den wichtigsten Begriffen.
Wie werden die türkischen und deutschen Printmedien im Vergleich bewertet?
Die Analyse zeigt, dass Zeitungen unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft ihre Argumentationslogik interessenspezifisch gestalten, um eine bestimmte, wirkungsorientierte Realität in den Köpfen ihrer Leser zu erzeugen.
Welche Rolle spielen "Deutungsmuster" in der Analyse?
Deutungsmuster dienen als kognitive Sinnschemata, die die Wahrnehmung von politischen Ereignissen wie dem EU-Beitritt vorprägen und es den Medien ermöglichen, komplexe Themen in einfacher und oft polarisierender Form zu vermitteln.
- Citar trabajo
- Yakup Kiris (Autor), 2010, Eine analytisch-kritische Bewertung der Diskurse um den EU-Beitritt der Türkei in ausgewählten deutschen und türkischen Printmedien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1524690