Raumordnungsmodell und Raumordnungskonzepte

Bundes-Raumordnungmodelle und –konzepte. Unterschiede, Möglichkeiten und Grenzen


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen

2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart
2.1. Ausgangssituation
2.2. Dezentrale Konzentration
2.3. Städtenetze
2.4. Dispersion - ein raumordnerischer Prozeß
2.5. Zusammenfassung

3. Vergleich

4. Ausblick

Literatur

1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen

In der Bundesrepublik Deutschland herrscht das Sozialstaatsprinzip. Auch wenn diese Sozialstaatlichkeit durch einen fortdauernden Trend des Abbaus sozialer Leistungen und eine Tendenz hin zu sozial eher belastenden und benachteiligenden Reformen wie etwa Steuer-, Renten- und Gesundheisreform, mehr denn je gefährdet erscheint, ist sie dennoch real existent.

Die Sozialstaatlichkeit ist ein institutionell und verfassungsgegebenes, den Bund verpflichtendes Prinzip. Demzufolge ist unter den Artikeln 20 Abs.1 und 28 Abs.1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland folgendes verankert: „Die Bundesrepublik ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ (Art.20 Abs.1 GG) und „ Die verfassungs- mäßige Ordnung in den Ländern muß den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen “(Art.29 Abs.1 GG) Verfassungsrechtler schließen aus diesen zu Grunde gelegten Grundsätzen, daß der Staat dazu verpflichtet ist, einheitliche Mindeststandards für die räumlichen Lebensbedingungen der Bürger zu schaffen und diese auch einzuhalten. Durch die Festlegung und Schaffung von Mindeststandards für die Versorgung der Bevölkerung, soll dann die Gestaltung einer gleichwertigen Lebensqualität für jeden Bürger erreicht und gesichert werden.1

Diese Mindeststandards sollen für alle Bereiche des öffentlichen Lebens gelten und betreffen neben der Sozialstruktur (Einkommenssicherung...), Siedlungsstruktur (Erreichbarkeit der Zentren...), Infrastruktur (Verkehrswesen...) auch die Wirtschaftsstruktur (Qualität der Arbeitsplätze...) und die Umweltqualität (natürliches Potential...).2

Die Bundesrepublik Deutschland ist jedoch ein Staat mit teils erheblichen regionalen Disparitäten bezogen auf die zuvor genannten Mindeststandards. So ist die Wirtschafts- struktur im Bereich großer Agglomerationsräume wie z.B. München oder Hamburg vergleichsweise viel stärker und natürlich auch anders ausgeprägt als in ländlichen Regionen. Das schlägt sich dann auch auf weitere Bereiche nieder, wie Sozialstruktur, Siedlungsstruktur usw.

Um dem entgegen zu wirken legte der Beirat für Raumordnung 1976 verschieden Prinzipien fest, von denen eins lautet: „Darüber hinaus muß es ... mehr denn je Aufgabe der Raumordnungspolitik sein, die verbleibenden ökonomischen, ökologischen und sonstigen Chancen aller Teilräume voll auszuschöpfen ...“3

Die Verantwortung und die Aufgabe, gleichwertige Lebensbedingungen in allen Regionen Deutschlands zu schaffen, liegt also in der Hand der Raumordnungspolitik und somit auch in der des Bundes. Eine Möglichkeit räumliche Disparitäten abzubauen oder zumindest deren weitere Verschärfung zu stoppen und annähernd gleichwertige Lebensbedingungen für alle Bürger zu schaffen, sind die Raumordnungsmodelle des Bundes. Diese sollen nun in dieser Arbeit näher betrachtet werden.

2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart

2.1. Ausgangssituation

Der Prozeß der Verstädterung ist ein aktuell fortschreitender Prozeß der Siedlungsstruktur, einhergehend mit der Zersiedlung der Landschaft, mehr Aufwendungen für Infrastruktur und immer mehr Verkehrsproblemen.4 Dieser Dekonzentrationsprozeß von Bevölkerung und Industrie birgt demnach neben den vermeintlichen Vorteilen in der Peripherie auch negative Aspekte, bezogen auf die Beanspruchung der Umwelt.

Um den raumordnerisch unerwünschten Folgen dieses Prozesses entgegenzuwirken, legte das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau 1993 den ORA (raumordnungspolitischen Orientierungsrahmen) vor. Im ORA werden Leitbilder und Strategien vorgestellt, unter anderem das der dezentralen Konzentration, die als Prozeß wirken sollen.5

Hierbei sei angemerkt, daß diese Leitvorstellungen keine Erfindungen einer einzelnen Institution sind, sondern im Prinzip an die real existierenden Siedlungstrukturbilder der Bundesrepublik Deutschland angelehnt sind.

Diese Siedlungsstruktur verändert sich nun zum einen dadurch, daß Freiflächen in Siedlungsflächen umgewandelt werden und zum anderen, durch den Umbau schon vorhan- dener Flächen, die dann anders genutzt werden. Die Siedlungsentwicklung schreitet somit aus ökonomischen, demographischen, gesellschaftlichen und politischen Gründen kontinuierlich voran.6

Diese Art der Siedlungsstrukturveränderung impliziert nun eine kaum aufhaltbare Eigendynamik, denn einer Erweiterung von Flächen für Wohnen und Gewerbe in ländlichen Räumen folgt meist eine weitere Expansion.7

2.2. Dezentrale Konzentration

Dezentrale Konzentration bedeutet eine starke Konzentration von Bevölkerung in den Oberzentren als auch den Mittelzentren im Umland bzw. eine geringe Zunahme in den Kerngebieten der hochverdichteten Räume und eine sehr geringe Zunahme in Gemeinden ohne jegliche zentralörtliche Funktion.8

Die dezentrale Konzentration ist eine Entlastungsstrategie, die den immer größer werdenden Siedlungsdruck in den größeren Städten auf die dezentral gelegenen Umlandsgebiete lenken soll um dort wieder einen gewissen Konzentrationsgrad zu erreichen.9

Innerhalb des Raumordnungskonzeptes der dezentralen Konzentration sind somit zwei Prozesse am Wirken. Zum einen ist dies der Prozeß der Konzentration, in welchem die Städte gestärkt werden sollen und zum anderen der Prozeß der Dekonzentration, in welchem die ländlichen Räume besser entwickelt werden sollen. Von Konzentration spricht man, wenn der Anteil des Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum in hochverdichteten Gebieten vergleichsweise höher als in anderen Gebieten ist. Für die Dekonzentration gilt das vorhergehende in umgekehrter Weise.10

Ziel der dezentralen Konzentration ist es, Synergieeffekte zu erzielen, Freiflächen zu erhalten, Entwicklungspotentiale zu bündeln, räumliche Arbeitsteilung zu vermindern und Funktionsmischungen fördern.11 Gelänge es, diese Ziele zu erreichen, oder wenigstens im Ansatz zu realisieren, wäre ein Schritt in die richtige Richtung aus raumordnerischer Sicht erreicht, denn diffuser Verkehr würde abnehmen und die Umwelt entlastet werden.

Das Hauptziel der dezentralen Konzentration ist es, einer dispersen Siedlungsstruktur entgegenzuwirken durch normative Siedlungsstrukturmodelle. Damit ist eine Siedlungs- entwicklung gemeint, die sich auf Mittelzentren im Agglomerationsraum bezieht, welche ein Wachstum an Bevölkerung verkraften, ohne das die Umwelt massiv beansprucht würde, in denen freie Infrastrukturkapazitäten existieren oder ohne großen Aufwand vorhandene Infrastrukturflächen erweitert werden können und in denen ein gut funktionierendes ÖPNV- Netz erschlossen ist, das über eine gute Anbindung zum Zentrum des Agglomerationsraumes verfügt, bzw. eine positive Vermischung von Wohnen und Arbeit vorliegt, die den Individual- verkehr verringert. Die Forderung der Kommision Zukunft Stadt 2000 entspricht den genannten Aspekten, wonach ein Siedlungsstrukturmodell angestrebt wird, welches aus kompakten, gut durchmischten Städten in polyzentralen Regionen besteht.12

Allerdings führt das Konzept der dezentralen Konzentration nicht zu einer Verringerung der Inanspruchnahme von Siedlungsflächen. Die Einsparung des Flächenverbrauchs, die in den Kernstädten und den sonstigen Gemeinden des ländlichen Raumes geleistet wird, verliert ihren Effekt bei der Erschließung von Siedlungsflächen in den Ober- und Mittelzentren des Umlandes.13

2.3. Städtenetze

Unter dem Konzept der Städtenetze versteht man eine räumlich funktionale Vernetzung zwischen verschiedenen Kommunen.14 Durch diese Vernetzung kommt es zu einer Distanzverminderung durch moderne Transport-, Kommunikations-, und Informationsmittel, die sich günstig auf die interkommunale Kooperation auswirkt.15

Dabei entstehen Synergieeffekte in Form von gegenseitiger Unterstützung bei ökonomischen und infrastrukturiellen Problemen. Mit gegenseitiger Unterstützung sind Austauschbezie- hungen gemeint, die physischer oder auch organisatorischer Art sein können. Physische Austauschbeziehungen beinhalten räumlich funktionale Verkehrsbeziehungen und organisatorische Austauschbeziehungen sind Koordinations- und Kooperationsbeziehungen.16 Städtenetze haben das Ziel, die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wichtige entwicklungsrelevante Aufgaben sind zum Beispiel: Verkehr, Wohnen, Umwelt und Kultur, Wirtschaft und Arbeit.

[...]


1 ARL: Gleichwertige Lebensbedingungen durch eine Raumordnungspolitik des mittleren Weges. (1982) Bd.140 (S.26)

2 ebd. (S.28)

3 ARL: Gleichwertige Lebensbedingungen durch eine Raumordnungspolitik des mittleren Weges. (1982) Bd.140 (S.26)

4 Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.): Dezentrale Konzentration, in: Informationen zur Raumentwicklung H.7/8 (1994), Bonn 1994, (S.VIII)

5 ARL (1994) H7/8, (S.1)

6 ARL (1994), (S.489)

7 ARL (1994), (S.492)

8 ARL (1994), (S.494)

9 ARL (1994), (S.II)

10 ARL (1994), (S.446)

11 ARL (1994), (460)

12 ARL (1994), (S.492-493)

13 ARL (1994), (S.494)

14 ARL (1994), (S.X)

15 ARL (1994), (S.V)

16 ARL (1994), (S.427-428)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Raumordnungsmodell und Raumordnungskonzepte
Untertitel
Bundes-Raumordnungmodelle und –konzepte. Unterschiede, Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Mittelseminar Raum- und Umweltplanung
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V152520
ISBN (eBook)
9783640646555
ISBN (Buch)
9783640646883
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Raumordnung, Raumplanung, dezentral, räumliche Konzentration, Umweltplanung, Dispersion, Siedlungsentwicklung, Stadtnetz
Arbeit zitieren
Ron Klug (Autor:in), 2003, Raumordnungsmodell und Raumordnungskonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152520

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