Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Staat mit teils erheblichen regionalen Disparitäten. So ist die Wirtschaftsstruktur im Bereich großer Agglomerationsräume wie z.B. München oder Hamburg vergleichsweise viel stärker und natürlich auch anders ausgeprägt als in ländlichen Regionen.
Das schlägt sich auch auf weitere Bereiche nieder, wie Sozialstruktur, Siedlungsstruktur usw.
Die Verantwortung und die Aufgabe, gleichwertige Lebensbedingungen in allen Regionen Deutschlands zu schaffen, liegt in der Hand der Raumordnungspolitik und somit auch in
der des Bundes. Eine Möglichkeit räumliche Disparitäten abzubauen oder zumindest deren weitere Verschärfung zu stoppen und annähernd gleichwertige Lebensbedingungen für alle
Bürger zu schaffen, sind die Raumordnungsmodelle des Bundes.
Diese sollen in dieser Arbeit näher betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen
2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart
2.1. Ausgangssituation
2.2. Dezentrale Konzentration
2.3. Städtenetze
2.4. Dispersion – ein raumordnerischer Prozeß
2.5. Zusammenfassung
3. Vergleich
4. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Raumordnungsmodelle und -konzepte des Bundes, um deren Unterschiede, Möglichkeiten und Grenzen im Hinblick auf das Ziel gleichwertiger Lebensbedingungen in Deutschland zu analysieren und kritisch zu bewerten.
- Analyse der gesetzlichen Grundlagen zur Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen.
- Untersuchung der Konzepte „Dezentrale Konzentration“ und „Städtenetze“.
- Betrachtung des raumordnerischen Prozesses der „Dispersion“ als unerwünschte Entwicklung.
- Vergleich der Modelle anhand von Kriterien wie Flächenverbrauch, Umweltbelastung und Infrastrukturbedarf.
Auszug aus dem Buch
2.2. Dezentrale Konzentration
Dezentrale Konzentration bedeutet eine starke Konzentration von Bevölkerung in den Oberzentren als auch den Mittelzentren im Umland bzw. eine geringe Zunahme in den Kerngebieten der hochverdichteten Räume und eine sehr geringe Zunahme in Gemeinden ohne jegliche zentralörtliche Funktion. Die dezentrale Konzentration ist eine Entlastungsstrategie, die den immer größer werdenden Siedlungsdruck in den größeren Städten auf die dezentral gelegenen Umlandsgebiete lenken soll um dort wieder einen gewissen Konzentrationsgrad zu erreichen.
Innerhalb des Raumordnungskonzeptes der dezentralen Konzentration sind somit zwei Prozesse am Wirken. Zum einen ist dies der Prozeß der Konzentration, in welchem die Städte gestärkt werden sollen und zum anderen der Prozeß der Dekonzentration, in welchem die ländlichen Räume besser entwickelt werden sollen. Von Konzentration spricht man, wenn der Anteil des Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum in hochverdichteten Gebieten vergleichsweise höher als in anderen Gebieten ist. Für die Dekonzentration gilt das vorhergehende in umgekehrter Weise.
Ziel der dezentralen Konzentration ist es, Synergieeffekte zu erzielen, Freiflächen zu erhalten, Entwicklungspotentiale zu bündeln, räumliche Arbeitsteilung zu vermindern und Funktionsmischungen fördern. Gelänge es, diese Ziele zu erreichen, oder wenigstens im Ansatz zu realisieren, wäre ein Schritt in die richtige Richtung aus raumordnerischer Sicht erreicht, denn diffuser Verkehr würde abnehmen und die Umwelt entlastet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen: Dieses Kapitel erläutert das verfassungsrechtliche Sozialstaatsprinzip als Grundlage für den staatlichen Auftrag, einheitliche Mindeststandards für räumliche Lebensbedingungen zu schaffen.
2. Raumordnungskonzepte in der Gegenwart: Hier werden aktuelle Leitbilder der Raumplanung wie die dezentrale Konzentration und Städtenetze vorgestellt, die dem problematischen Trend der Verstädterung und Dispersion entgegenwirken sollen.
3. Vergleich: In diesem Abschnitt erfolgt eine kritische Gegenüberstellung der vorgestellten Konzepte anhand von Bewertungskriterien wie Flächenverbrauch, Bodenpreisen und Umweltbelastungen.
4. Ausblick: Das Fazit beschreibt die Diskrepanz zwischen planerischer Theorie und der Realität, in der disperse Siedlungsstrukturen weiterhin dominieren, und befürwortet die dezentrale Konzentration als effektivsten Ansatz.
Schlüsselwörter
Raumordnung, Sozialstaatsprinzip, Dezentrale Konzentration, Städtenetze, Dispersion, Siedlungsstruktur, Flächenverbrauch, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Umweltbelastung, Regionalplanung, Lebensbedingungen, Agglomerationsraum, Pendler, Individualverkehr
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte der Bundes-Raumordnung und bewertet deren Wirksamkeit bei der Bewältigung aktueller siedlungsstruktureller Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Schwerpunkte liegen auf der Siedlungsentwicklung, der Infrastrukturplanung, dem Spannungsfeld zwischen Stadt und Umland sowie der Frage nach der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Untersuchung der Unterschiede, Möglichkeiten und Grenzen der Raumordnungsmodelle, um festzustellen, welches Modell zur Vermeidung einer Zersiedelung am besten geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor nutzt eine theoretische Analyse sowie eine vergleichende Bewertung (Kriterienvergleich) der verschiedenen Raumordnungskonzepte auf Basis vorliegender Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe Dezentrale Konzentration, Städtenetze und Dispersion detailliert definiert, erläutert und anschließend in einem direkten Vergleich gegenübergestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Zentrale Begriffe sind Raumordnung, Dezentrale Konzentration, Dispersion, Siedlungsdichte und interkommunale Kooperation.
Wie unterscheidet sich die „Dispersion“ von den anderen Konzepten?
Im Gegensatz zu den normativen Leitbildern der Raumordnung beschreibt Dispersion einen unerwünschten, real stattfindenden Prozess der Flächenzersiedelung, der die Verkehrsbelastung erhöht und die Effizienz des ÖPNV mindert.
Warum wird die „Dezentrale Konzentration“ im Vergleich als am besten bewertet?
Sie schneidet im Vergleich am besten ab, da sie Synergieeffekte durch Bündelung nutzt, den Flächenverbrauch stärker begrenzen kann und tendenziell eine bessere Auslastung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglicht.
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- Ron Klug (Autor), 2003, Raumordnungsmodell und Raumordnungskonzepte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152520