Gegenstand dieser Arbeit ist es, die Armut Südafrikas in der Postapartheid auf multidimensionaler Ebene zu analysieren und ihre Manifestation in Wohnformen und Wohnprozessen zu erfassen. Um kontemporäre Armutswerte und Entwicklungen nachvollziehen zu können, bedarf es zu Beginn der Klärung des historischen Kontextes der Apartheid, der ökonomischen Situation des Landes sowie der Terminologie, der im Zusammenhang mit Armut verwendeten Begriffe. Daraufhin wird ein Armutsprofil Südafrikas generiert, in welchem Messwerte und Entwicklungen der letzten Jahre dargelegt werden. Im nächsten Schritt werden die wichtigsten Wohnformen der Armutsbevölkerung vorgestellt und Wohnprozesse, die aus migratorischen, politischen und familiären Strukturen resultieren, fokussiert.
Der empirische Teil „Household structures of economically disadvantaged settlements“ präsentiert Ergebnisse einer eigens durchgeführten Untersuchung von Siedlungsgebieten der in Stellenbosch (Western Cape) ansässigen Armutsbevölkerung, anhand deren Erhebungskriterien ein Bild der vorgefundenen Lebens- und Wohnsituation gezeichnet werden kann. Zum Schluss werden die Themengebiete dieser Arbeit im Bildungsplan der Werkrealschulen Baden-Württembergs (2012) verortet und didaktische Umsetzungsmöglichkeiten dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Südafrikas Apartheid
1.1 Terminologie und Überblick
1.2 Population Registration Act
1.3 Job Reservation
1.4 Natives Land Act
1.5 Abolition of Passes
1.6 Bantu Education
1.7 Monetärer Vergleich
1.8 Fazit
2 Wirtschaftssituation Südafrikas
2.1 Ökonomische Entwicklungen in den Folgejahren der Apartheid
2.2 Ökonomische Strukturen
2.3 Korruption
3 Armutsprofil Südafrikas
3.1 Terminologie und Messung
3.2 Südafrikas Armut im Überblick
3.3 Südafrikas Armut im internationalen Vergleich
3.4 Provinzielle Armutsunterschiede
3.5 Armutsrate nach Siedlungstyp
3.6 Ethnische Armutsverteilung
3.7 Armutsrate nach Altersgruppen
3.8 Armut nach Bildungsniveau
3.9 Arbeitslosigkeit
3.10 Genderspezifische Armutsunterschiede
4 Wohnformen der Armutsbevölkerung Südafrikas
4.1 Informelle Siedlungen und Shacks
4.2 RDP-Programme und sozialer Wohnungsbau
5 Wohnprozesse der Armutsbevölkerung Südafrikas
5.1 Urbanisierung südafrikanischer Metropolen
5.2 Urbanisierung als Vehikel informeller Siedlungsexpansion
5.3 Translokale Livelihood-Systeme
6 Gesamtfazit der Wohnformen und Wohnprozesse
7 Household structures of economically disadvantaged settlements
7.1 Verortung
7.2 Forschungsstand
7.3 Hypothesen-Formulierung
7.4 Erhebungsverfahren
7.5 Forschungsdesign
7.5.1 Studiendesign
7.5.2 Untersuchungshergang
7.5.3 Messinstrument
7.6 Fehleranalyse
7.7 Auswertung der Ergebnisse in Groendal
7.7.1 Fazit der Ergebnisse Groendals
7.8 Auswertung der Ergebnisse in Cloetesville
7.8.1 Fazit der Ergebnisse Cloetesvilles
7.9 Auswertung der Ergebnisse in Kayamandi
7.9.1 Fazit der Ergebnisse Kayamandis
7.10 Gesamtfazit der Erhebung
8 Lösungsansätze
8.1 Reduktion der Kluft zwischen ruralen und urbanen Zonen
8.2 Paradigmenwechsel im sozialen Wohnungsbau
8.3 Intelligente urbane Verkehrssysteme
9 Schulische Umsetzungsmöglichkeiten
9.1 Schulbuchanalyse „Terra 6“
9.2 Zeitschrift „Politik & Unterricht“ – Südafrika, Land der Gegensätze
9.3 Didaktisches Resümee
10 Gesamtfazit dieser Arbeit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die multidimensionale Analyse der südafrikanischen Armutssituation während der Postapartheid und deren Manifestation in spezifischen Wohnformen und Wohnprozessen. Die Arbeit untersucht dabei den historischen Kontext der Apartheid, die aktuelle Wirtschaftslage sowie die Migrationsdynamiken zwischen ländlichen und städtischen Räumen. Im empirischen Teil werden Haushaltsstrukturen in Siedlungen der Gemeinde Stellenbosch erhoben, um abschließend didaktische Möglichkeiten für den Geographieunterricht in Schulen abzuleiten.
- Historische Grundlagen der Segregation und Apartheid in Südafrika
- Strukturanalyse der südafrikanischen Wirtschaft und Armutsindikatoren
- Wohnformen der Armutsbevölkerung und staatliche LDP-Programme
- Translokale Migrationsdynamiken und Urbanisierungsprozesse
- Empirische Fallstudien zu Haushaltsstrukturen in Stellenbosch
- Integration der Thematik in den Bildungsplan der Werkrealschulen
Auszug aus dem Buch
1.2 Population Registration Act
Grundlage der Apartheid bildete der Population Registration Act im Jahre 1950, der der Gesamtbevölkerung Südafrikas ein willkürliches Klassifizierungssystem oktroyierte, aus dem eine rassistische Segregation von Weißen, Schwarzen, Coloureds und Asiaten resultierte. Der Begriff „Weiße“ bezieht sich dabei auf den Bevölkerungsanteil, der sich auf die beiden europäischen Kolonialmächte der Buren und Briten zurückführen lässt. Die bantusprachige Mehrheitsbevölkerung der Schwarzen wurde als Natives tituliert. Dieser Begriff wurde aber in Kürze durch Bantu ersetzt und propagiert, da die Regierung mit diesem ihr Klassifizierungssystem nach objektiven ethnologischen Kriterien begründet und gerecht-fertigt sah. Die Bestimmung der Coloureds hingegen erfolgte wesentlich komplizierter. Gemeint waren alle Einwohner Südafrikas, die sich nicht eindeutig der schwarzen oder weißen Bevölkerung zuordnen ließen, ohne das hierbei kulturelle oder biologische Charakteristika zur Klassifizierung eines Coloureds beitragen konnten. Unmittelbare Konsequenz waren willkürliche Tests, um zwischen Schwarzen und Coloureds zu differenzieren (vgl. Marx 2012, S. 225). Ein bekanntes Beispiel ist der Bleistifttest, bei dem einem Probanden ein Bleistift ins Haar gesteckt wurde. Fiel dieser heraus, wurde die Person als Coloured klassifiziert. Blieb dieser jedoch in den Haaren stecken, war diese der Bevölkerungsgruppe der Natives zuzuordnen.
Irrtümlich wird oft das Wort Mischling im Deutschen synonym mit dem Begriff Coloured verwendet. Gegen die Verwendung dieses Terminus sprechen zwei Argumente. Erstens sind alle Menschen Mischlinge, es sei denn, man grenzt zwischen mehreren Rassenkategorien ab. Zweitens ist nur ein geringer Prozentsatz der Coloureds aus Mischehen von Weißen und Schwarzen hervorgegangen. Der Großteil der Coloureds stammt von der Khoisan-Bevölkerung und südafrikanischen Sklaven ab. Hierin begründet sich auch das gegenwärtige positive Bekenntnis vieler Coloureds zu ihrer einst als willkürlich oktroyiert empfundenen Bevölkerungsgruppe. Diese Rasseneinteilung bildete die rechtliche Grundlage für Gesetze, die die dunkelhäutige Mehrheitsbevölkerung hinsichtlich ihrer sozialen und räumlichen Mobilität massiv beschränkte (vgl. ebd., S. 226).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Südafrikas Apartheid: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der rassistischen Segregation und deren Auswirkungen auf die soziale und räumliche Mobilität bis in die heutige Zeit.
2 Wirtschaftssituation Südafrikas: Hier wird die ökonomische Entwicklung nach der Apartheid sowie aktuelle Herausforderungen durch Arbeitslosigkeit und Korruption dargelegt.
3 Armutsprofil Südafrikas: Dieses Kapitel analysiert Armutsindikatoren und -verteilungen auf nationaler und provinzieller Ebene unter Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren.
4 Wohnformen der Armutsbevölkerung Südafrikas: Fokus auf informelle Siedlungen (Shacks) und staatliche RDP-Wohnbauprogramme als Reaktionen auf die Wohnungsnot.
5 Wohnprozesse der Armutsbevölkerung Südafrikas: Untersuchung der Urbanisierung und der translokalen Migrationssysteme zwischen ländlichen und urbanen Räumen.
6 Gesamtfazit der Wohnformen und Wohnprozesse: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Persistenz sozioökonomischer Disparitäten trotz politischer Transformation.
7 Household structures of economically disadvantaged settlements: Empirische Untersuchung der Lebens- und Wohnsituation in den Siedlungen Groendal, Cloetesville und Kayamandi.
8 Lösungsansätze: Diskussion von Strategien zur Reduktion der Armut durch rurale Entwicklung, sozialen Wohnungsbau und verbesserte Verkehrssysteme.
9 Schulische Umsetzungsmöglichkeiten: Didaktische Aufarbeitung der Thematik für den Unterricht an Werkrealschulen im Fächerverbund WZG.
10 Gesamtfazit dieser Arbeit: Abschließende Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur südafrikanischen Armutsdebatte und deren bildungsrelevante Bedeutung.
Schlüsselwörter
Südafrika, Armut, Postapartheid, Wohnformen, Wohnprozesse, Informelle Siedlungen, RDP-Häuser, Urbanisierung, Segregation, Soziale Mobilität, Migrationssysteme, Stellenbosch, Schulische Umsetzung, Geographieunterricht, Haushaltsstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Zulassungsarbeit befasst sich mit der multidimensionalen Armut in Südafrika nach dem Ende der Apartheid, insbesondere damit, wie sich diese Armut in Wohnformen und Prozessen wie der Urbanisierung manifestiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Folgen der Apartheid-Gesetze, ökonomische Strukturen nach 1994, verschiedene Armutsprofile, informelle Siedlungsszenarien sowie didaktische Konzepte zur Vermittlung dieser komplexen Inhalte in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Wohn- und Lebenssituationen der südafrikanischen Armutsbevölkerung zu analysieren, durch eine eigene empirische Untersuchung zu verifizieren und didaktische Möglichkeiten für ein "ganzheitliches Lernen" im Geographieunterricht zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen empirischen Studie mittels standardisierter Fragebögen in drei Siedlungsgebieten in Stellenbosch sowie auf der theoretischen Analyse aktueller Statistiken und Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der historischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, eine detaillierte Auswertung der Wohnverhältnisse (Informelle vs. RDP-Siedlungen) und eine empirische Analyse der Haushaltsstrukturen in Stellenbosch, abgerundet durch Lösungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Südafrika, Armut, Postapartheid, Wohnformen, Informelle Siedlungen, Urbanisierung und Soziale Mobilität charakterisiert.
Welchen Einfluss haben soziale Hilfsgelder in den untersuchten Gebieten?
Sozialleistungen stellen eine essenzielle und oftmals die primäre Einnahmequelle für Haushalte in armen Siedlungen und ruralen Gebieten dar, was das Ausmaß der bestehenden Erwerbslosigkeit unterstreicht.
Warum ist das "Kapstadt-Phänomen" im Bereich der Migration so wichtig?
Die Arbeit zeigt auf, dass sich Migrationsströme in der Postapartheid verstärkt in Richtung Western Cape bewegen, um informelle Wohnmöglichkeiten in der Peripherie zu nutzen, da der dortige Arbeitsmarkt als attraktiver im Vergleich zu ökonomisch schwächeren Provinzen angesehen wird.
- Citation du texte
- Max Leonard Mettang (Auteur), 2016, Südafrikas Armut in der Postapartheid und ihre Manifestation in Wohnformen und Wohnprozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1525717