Heutzutage ist es für die meisten IT-Abteilungen selbstverständlich, sich transparent und offen darzustellen. Aus verschiedenen Gründen ist es aber für Vorstände und Mitarbeiter nach wie vor nicht klar, was die IT denn eigentlich leistet und welchen Beitrag zum Erfolg die IT beigetragen hat. Da der Geschäftsbereich IT vielfach nicht als Profit- sondern als Cost-Center gesehen beziehungsweise betrieben wird, ist er demnach auch nicht in der Lage, seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg in Zahlen auszuweisen. Es werden zwar IT Dienstleistungen von Abteilungen und Mitarbeitern bezogen, doch können diese nicht verursachergerecht abgerechnet werden. Somit entsteht zwar ein nachweisbarer Mehrwert, der jedoch oftmals nicht gegenüber den Vorständen vermittelt werden kann. In Zeiten knapper Budgets wird deshalb gerne nach „kostengünstigeren“ Lösungen gesucht. Outsourcing-Überlegungen werden als dominierende Zielsetzungen angeführt, um gewünschte Kosteneinsparungen und Transparenz zu erhalten. Diese Sichtweise greift jedoch in vielen Fällen zu kurz, da sie meistens nur Teilbereiche beleuchten und den ganzeinheitlichen Ansatz vernachlässigen. Deshalb sollte dieser für alle Seiten unbefriedigende Zustand dringend thematisiert werden. Dazu bedarf es Techniken, die sich im praktischen Leben bewährt haben und generell anerkannt sind. Als Erstes muss sich die bankinterne IT-Abteilung ihrer eigenen Position bewusst werden. Will sie als reiner Dienstleister oder als Qualitätsanbieter wahrgenommen werden. Sie muss zukünftig in der Lage sein, konkret und plausibel Auskunft über ihr Dienstleistungsangebot zu geben. Auch die Kommunikation gegenüber den Vorständen und Mitarbeitern ist wichtig. Vielfach leistet die IT zwar gute Arbeit, vergisst aber diese Arbeitsleistung entsprechend zu verpacken und zu transportieren. Diese Herausforderung ist sicherlich nicht von heute auf morgen zu bewältigen sondern bedarf eines kontinuierlichen ganzheitlichen Prozesses. Vielleicht erkennt man für sich selbst die Chance, nicht externe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und wichtige Bereiche auszugliedern, sondern als wirtschaftlich interessanter Qualitätsanbieter mit ausgewiesenem Mehrwert für andere Banken und Unternehmen tätig zu werden. Über ein konkretes Projekt soll eine Anregung sowie ein praxisnaher Leitfaden gegeben werden, wie man sich als IT-Abteilung den neuen Herausforderungen stellen kann. Schwerpunktmäßig wird dieses Thema unter dem Aspekt der Effektivität betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1 Hintergrund
1.2 Motivation
1.3 Zielstellung
1.4 Abgrenzung
2. Grundlagen zum Bankenumfeld
2.1 Trendstudie „Bank & Zukunft 2009“
2.2 Der genossenschaftliche Finanzverbund
2.3 Der BVR
2.3.1 Herausforderung der Zukunft
2.3.2 Leitlinie des BVR
2.3.3 Studie IT-Benchmarking
2.4 IT-Dienstleister FIDUCIA IT AG
2.4.1 Technische Systemarchitektur
2.4.1.1 Das Banksystem agree
2.4.1.2 Kompetenzsystem
2.4.1.3 IT-Kontrollsystem
2.4.2 IT-Bankenumfeld
2.4.2.1 IT-Strategie
2.4.2.2 IT-Infrastruktur
2.4.2.3 Datenschutz
2.4.2.4 Datensicherheit
2.4.2.5 Überwachungsmaßnahmen
2.4.2.6 IT-Organisation
2.4.2.7 IT-Anwendungen
2.4.2.8 IT-Geschäftsprozesse
3. Corporate Governance Gedanke
3.1 IT Governance
3.1.1 Begriffsbestimmung
3.1.2 Aufgaben und Zielsetzung
3.1.2.1 Strategische Ausrichtung
3.1.2.2 Schaffen von Werten / Nutzen
3.1.2.3 Risikomanagement
3.1.2.4 Ressourcenmanagement
3.1.2.5 Messen der Performance
3.1.3 Einführung
3.2 Methoden, Referenzmodelle und Standards
3.2.1 COBIT
3.2.1.1 Der COBIT-Informationsraum
3.2.1.2 Geschäftsorientierung
3.2.1.3 Reifegradmodell
3.2.1.4 Ziele und Metriken
3.2.2 ITIL
3.2.2.1 Zielsetzung
3.2.2.2 Prozesse, Services und Rollen unter ITIL
3.2.2.3 Die Struktur gemäß ITIL Version 2
3.2.2.4 Service Support (Serviceunterstützung)
3.2.2.5 Service Delivery (Servicebereitstellung)
3.2.2.6 Einordnung und Bewertung
3.2.2.7 Die Struktur gemäß ITIL Version 3
3.2.3 ISO/IEC 20000
3.2.3.1 Die Struktur gemäß ISO/IEC 20000
3.2.3.2 Der PDCA-Zyklus gemäß ISO/IEC 20000
3.3 Mapping
3.3.1 IT-Governance als Mapping-Grundlage
3.3.2 Effektivität als Mapping-Kriterium
4. Untersuchung der IT-Konzeptionen
4.1 Aktuelle IT-Struktur
4.1.1 Client-System
4.1.2 Mobilität
4.1.3 Applikationen
4.1.4 Drucker
4.1.5 Administration
4.2 Client-Server-Lösung (Windows Server 2008 R2)
4.3 Microsoft Terminal Services (TS)
4.3.1 Das Prinzip der Terminaldienste
4.3.2 Terminaldienste-Sitzungsbroker
4.3.3 Terminaldienste-Remoteanwendung
4.3.4 Drucken in der Terminal-Umgebung
4.4 CITRIX Technologie
4.4.1 Die Farm als zentrale Verwaltungseinheit
4.4.2 Das Verwaltungswerkzeug unter CITRIX
4.4.3 Das ICA-Protokoll
4.4.4 Drucken unter CITRIX
4.5 Optimierung der Switch-Infrastruktur
4.6 Ökologie und Nachhaltigkeitskonzepte
4.6.1 Energieverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnik
4.6.2 Mögliche Maßnahmen
4.6.2.1 IT-Geräte mit problematischen und gefährlichen Stoffen
4.6.2.2 Serverbereich
4.6.2.3 Computer und Notebook
4.6.2.4 Bildschirme
4.6.2.5 Multifunktionsgeräte
4.6.2.6 Administrative Stromsparmaßnahmen
4.6.3 Zukünftige Anforderungen
5. Das perfekte IT-Konzept für die „Filiale der Zukunft“?
5.1 Entscheidungskriterien
5.2 Wirtschaftlichkeitsanalyse
5.2.1 Ausgangssituation
5.2.2 Vorbereitende Schritte
5.2.3 Schaffung von Grundlagen
5.2.3.1 Serverstruktur
5.2.3.2 Softwarestruktur
5.2.3.3 Dienstleistungs- und Betreuungsstruktur
5.2.4 Voranalyse
5.2.5 Kriterien der Wirtschaftlichkeit
5.2.6 Beurteilen der Wirtschaftlichkeit
5.2.6.1 Kostenanalyse
5.2.6.2 Nutzenanalyse
5.2.6.2.1 Direkter Nutzen
5.2.6.2.2 Indirekter Nutzen
5.2.6.3 Gesamtbeurteilung
6. Praxis
6.1 Ein Vorgehensmodell zur praktischen Umsetzung
6.1.1 Standortbestimmung, Ist-Analyse („Health Check“)
6.1.2 IT-Strategie über IT Balanced Scorecard (IT-BSC)
6.1.3 Erstellen von Key Performance Indicators (KPIs)
6.1.4 Aufbau eines Service-Portfolio
6.1.5 Festlegen von Service Level Agreement (SLA)
6.2 Best Practices und IT-Grundschutz
6.3 Prozessveränderungen steuern
6.4 Zusammenfassung / Schlussfolgerung
6.5 Ausblick
6.5.1 Nutzungspotentiale durch Telearbeit
6.5.2 Strategische Qualitätsoptimierungsansätze
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anforderungen und Möglichkeiten für die IT-Struktur der „Filiale der Zukunft“ bei Genossenschaftsbanken unter Berücksichtigung von Effektivität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
- IT-Governance als Rahmen für eine prozessorientierte IT-Steuerung
- Einsatz bewährter Frameworks wie COBIT, ITIL und ISO/IEC 20000
- Vergleich und Bewertung von Client-Server-Lösungen, Microsoft Terminal Services und CITRIX Technologie
- Analyse ökologischer Nachhaltigkeitskonzepte für die IT-Infrastruktur
- Praxisnaher Leitfaden zur Optimierung der IT-Service-Leistung
Auszug aus dem Buch
3.1 IT Governance
Ein wertorientiertes Informationsmanagement erfordert den entsprechenden organisatorischen Rahmen, der die Informationsverarbeitung insbesondere befähigt, die Kluft zwischen den Informatik-Spezialisten in den IT-Bereichen und den Nutzern in den Anwenderbereichen (Geschäftsbereiche) zu überbrücken. Erst ein derartiger struktureller Rahmen ermöglicht der Informationsverarbeitung den erforderlichen Einfluss auf die Entscheidungsinstanzen im Unternehmen. Dieser Rahmen wird durch die IT Governance geschaffen, in der die Steuerung der gesamten Informationsverarbeitung im Gesamtunternehmen quasi als „Metaplanung“ der Informationsverarbeitung definiert wird. Das Kosten- Nutzenpotential der Informationstechnologie (IT) kann nur dann vollständig erschlossen werden, wenn die IT-Seite („Supply“-Seite) die Bedürfnisse der Anwenderseite („Business“-Seite) kennt.
Im Allgemeinen werden unter IT Governance „Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen zusammengefasst, die sicherstellen, dass mit Hilfe der eingesetzten IT die Geschäftsziele abgedeckt, Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt und Risiken angemessen überwacht werden“ (vgl. [ITGOV03b], S. 445 - 448). IT Governance ist also in erster Linie eine Managementaufgabe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Herausforderungen des modernen Bankenmarktes ein und erläutert die Motivation sowie die Forschungsfragen für die Untersuchung der "Filiale der Zukunft".
2. Grundlagen zum Bankenumfeld: Hier werden das Umfeld der Genossenschaftsbanken, die Rolle des BVR sowie die technische Systemarchitektur der FIDUCIA IT AG als Basis für die weiteren Analysen beschrieben.
3. Corporate Governance Gedanke: Dieses Kapitel definiert IT-Governance und stellt relevante Referenzmodelle wie COBIT, ITIL und ISO/IEC 20000 vor, die als Grundlage für die IT-Steuerung dienen.
4. Untersuchung der IT-Konzeptionen: Der Hauptteil analysiert aktuelle IT-Strukturen und vergleicht verschiedene technologische Lösungsansätze wie Terminaldienste und CITRIX sowie ökologische Nachhaltigkeitsaspekte.
5. Das perfekte IT-Konzept für die „Filiale der Zukunft“?: Hier wird ein entscheidungsunterstützender Prozess basierend auf einer Wirtschaftlichkeitsanalyse und Nutzwertanalyse entworfen, um das geeignetste IT-Konzept zu ermitteln.
6. Praxis: Das abschließende Kapitel bietet ein Vorgehensmodell für die praktische Umsetzung, inklusive Prozessmanagement, Kennzahlensystemen (KPIs) und Service-Portfolios.
Schlüsselwörter
IT-Governance, Genossenschaftsbanken, Filiale der Zukunft, COBIT, ITIL, ISO/IEC 20000, Terminal Services, CITRIX, Wirtschaftlichkeitsanalyse, Nutzwertanalyse, Service Delivery, Green IT, IT-Strategie, Prozessorientierung, Banken-IT
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert Möglichkeiten und Grenzen einer effektiven IT-Struktur für zukünftige Filialkonzepte bei Genossenschaftsbanken unter Anwendung von IT-Governance-Frameworks.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf IT-Management-Standards, der Evaluierung von IT-Infrastruktur-Lösungen (Terminaldienste vs. Client-Server), Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und ökologischen Aspekten der IT.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines praxisnahen Leitfadens und Servicemodells, das Genossenschaftsbanken bei der technischen Umsetzung der neuen "Filiale der Zukunft" unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Literaturanalysen, der Einsatz von IT-Governance-Frameworks (Mapping) sowie eine Wirtschaftlichkeits- und Nutzwertanalyse zur Bewertung technischer IT-Konzeptionen verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Untersuchung aktueller IT-Strukturen, der Analyse von Terminal- und CITRIX-Technologien sowie der Bewertung nach Kosten- und Nutzenkriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind IT-Governance, Filiale der Zukunft, COBIT, ITIL, Wirtschaftlichkeit und Prozessmanagement.
Wie unterscheidet sich die "Filiale der Zukunft" von heutigen Filialen?
Sie setzt auf modularere Filialtypen, bei denen Servicetätigkeiten zentral in einem ServiceCenter gebündelt werden, um die Filialen von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten zu entlasten.
Welche Rolle spielt die FIDUCIA IT AG in dieser Untersuchung?
Die FIDUCIA ist der zentrale IT-Dienstleister für Genossenschaftsbanken, dessen technische Vorgaben und Standardlösungen den Rahmen für die in der Arbeit untersuchten IT-Konzeptionen bilden.
Warum ist das Mapping von Standards in der Arbeit wichtig?
Das Mapping dient als Entscheidungshilfe, um Transparenz über die Abdeckung von IT-Governance-Aufgaben durch verschiedene Frameworks wie COBIT, ITIL und BSC zu schaffen und Lücken zu identifizieren.
- Quote paper
- Peter Wolff (Author), 2010, Möglichkeiten und Grenzen einer effektiven IT-Struktur für die "Filiale der Zukunft" bei Genossenschaftsbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152592