Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Sociología - Relaciones y Familia

Verwandtschaft - ein soziales Ordnungsprinzip zwischen Determinismus und freier Wahl?

Título: Verwandtschaft - ein soziales Ordnungsprinzip zwischen Determinismus und freier Wahl?

Trabajo , 2009 , 23 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Annegret Schulze (Autor)

Sociología - Relaciones y Familia
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

"Aus der Verwandtschaft kann man Wohlwollen entfernen, nicht aus der Freundschaft." Bereits Cicero weist mit dem ersten Teil seines Zitats auf etwas hin, das Nina Jakoby als Merkmale von Verwandtschaft in modernen Gesellschaften darstellt: Wählbarkeit und Optionalität. Das heißt, dass Verwandtschaft in der Moderne durch Freiwilligkeit und Entscheidungen der Individuen gekennzeichnet sein muss (vgl. Jakoby 2008, S. 211). Diese These der Soziologin Nina Jakoby mag zunächst befremden, wenn man beispielsweise vom Begriff der Blutsverwandtschaft ausgeht. Hinzu kommt, dass die Soziologie das Thema Verwandtschaft lange in ihren theoretischen Überlegungen vernachlässigt hat. „Die Verwandtschaft wird aus sozialwissenschaftlicher Sicht weder als soziale Gruppe noch als eine organisierte Aggregation von Individuen beschrieben. Es sind soziale Normierungen, die die herausragende Stellung der Familie betonen und den Blick darauf lenken, so dass verwandtschaftliche Netzverbindungen in den Hintergrund treten“ (Ecarius 2007, S.221). Aus diesen sich widersprechenden Meinungen ergibt sich eine Notwendigkeit sich in der Soziologie detaillierter mit Verwandtschaft zu beschäftigen und Verwandtschaftsbeziehungen hinsichtlich ihres Einflusses auf das Handeln von Individuen und ihrer Wählbarkeit zu betrachten. Jedoch stellt sich die Schwierigkeit, dass eine theoretische Betrachtung von Verwandtschaft in der Soziologie bislang nur wenig Beachtung gefunden hat. Das liegt daran, dass sich maßgebend die Wissenschaften Ethnologie und Anthropologie auf Basis ihrer Forschungen im Bereich so genannter primitiver Gesellschaften damit beschäftigten. Nichtsdestotrotz kann Verwandtschaft als ebenso wesentlich wie andere soziale Beziehungen in der Soziologie angesehen werden. Daher stellt diese Arbeit einen Versuch dar, die Frage zu beantworten, was im Kern Verwandtschaft in der Soziologie bedeutet und in welchen Aspekten der Verwandtschaftsbegriff eine gewählte oder deterministische Sozialbeziehung darstellt.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Verwandtschaft - zwischen Wahlfreiheit und Zwang?

1.Versuch einer sozialwissenschaftlichen Definition von Verwandtschaft

1.1.Verwandtschaft aus ethnologischer und anthropologischer Sicht

1.2.Soziologische Definition(en) von Verwandtschaft

2.Deterministische Elemente des Verwandtschaftsbegriffs

2.1.Blutsverwandtschaft

2.2.Verwandtschaft als ordnendes Prinzip von Ähnlichkeiten

2.3.Das Vorhandensein gegenseitiger Rechte und Pflichten

3.Wählbare Elemente des Verwandtschaftsbegriffs

3.1.Aktivieren und Aufrechterhalten der Verwandtenbeziehung

3.2.Interkation zwischen Verwandten

3.3.Herstellung der Verwandtschaft durch Heirat

4.Das Konzept der Wahlverwandtschaft

4.1.Das chemische Verwandtschaftskonzept zur Zeit Goethes

4.2.Die Adaption des naturwissenschaftlichen Prinzips auf die soziale Welt

5.Soziologischer Verwandtschaftsbegriff vs. Konzept der Wahlverwandtschaft

6.Wählbarkeit von Verwandtschaft als praktische Illusion in der Moderne?

7.Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Determinismus und Wahlfreiheit innerhalb des soziologischen Verwandtschaftsbegriffs in der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, die Komplexität verwandtschaftlicher Beziehungen zu analysieren und zu klären, inwieweit diese gewählte oder deterministische Sozialbeziehungen darstellen.

  • Sozialwissenschaftliche Definition von Verwandtschaft
  • Differenzierung zwischen deterministischen und wählbaren Elementen
  • Analyse des Konzepts der Wahlverwandtschaft nach Goethe
  • Vergleich von soziologischem Begriff und literarischem Konzept
  • Die Rolle der Wählbarkeit in der modernen Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

4.1.Das chemische Verwandtschaftskonzept zur Zeit Goethes

Es bedarf keiner detailgetreuen Darstellung des Inhalts von Goethes „Wahlverwandtschaften“ (1809), um das gleichnamige Konzept aus der damaligen Chemie darzustellen. In der sogenannten Gleichnisrede treffen drei Personen aufeinander im Roman. Durch eine dieser Personen, den Hauptmann, wird in diesem Gespräch das Konzept der chemischen Wahlverwandtschaften dargestellt. Den Begriff der Wahlverwandtschaften übernahm Goethe aus Torbern Olof Bergmans Werk „De attractionibus electivis“ von 1775 (vgl. Jeßing 2007, S.278). Im Gleichnisgespräch des Romans bringt der Hauptmann den Zuhörern Eduard und Charlotte den Begriff der chemischen Wahlverwandtschaft so näher:

„Zum Beispiel was wir Kalkstein nennen ist eine mehr oder weniger reine Kalkerde, innig mit einer zarten Säure verbunden, die uns in Luftform bekannt geworden ist. Bringt man ein Stück solchen Steines in verdünnte Schwefelsäure, so ergreift diese den Kalk und erscheint mit ihm als Gips; jene zarte luftige Säure hingegen entflieht. Hier ist eine Trennung, eine neue Zusammensetzung entstanden und man glaubt sich nunmehr berechtigt, sogar das Wort Wahlverwandtschaft anzuwenden, weil es wirklich aussieht als wenn ein Verhältnis dem andern vorgezogen, eins vor dem andern erwählt würde.“ (S. 36, Goethe 1809)

Dieser Textabschnitt des Romans stellt das Prinzip der Wahlverwandtschaft in der Chemie dar, welches zu Lebzeiten Goethes in den Naturwissenschaften diskutiert wurde. Grundlegend meinten die Chemiker der Goethezeit damit Erscheinungen wie Magnetismus (Adler 1987, S.37). Verwandtschaft soll dabei verstanden werden, als sich gegenseitig zueinander hingezogen zu fühlen, da bestimmte Ähnlichkeiten bzw. eine Anziehung zwischen den einzelnen Stoffen vorhanden sind (vgl. Adler 1987, S. 37). Im Textabschnitt ist dieses Prinzip aber noch verbunden mit der Tatsache, dass ein Element ein anderes bewusst, durch Wahl, verlassen hat, um sich mit einem nächsten zu verbinden. Das chemische Konzept der Wahlverwandtschaften soll scheinbar darauf verweisen, dass bestimmte Elemente sich eher zu einander hingezogen fühlen als andere.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Versuch einer sozialwissenschaftlichen Definition von Verwandtschaft: Erörterung der unterschiedlichen Perspektiven von Ethnologie, Anthropologie und Soziologie auf Verwandtschaft als soziale Institution.

2.Deterministische Elemente des Verwandtschaftsbegriffs: Analyse von Aspekten wie Blutsverwandtschaft und ordnenden Prinzipien, die das Individuum kaum beeinflussen kann.

3.Wählbare Elemente des Verwandtschaftsbegriffs: Untersuchung von variablen Bestandteilen wie der Aktivierung von Beziehungen und der Heirat, die Handlungsspielräume eröffnen.

4.Das Konzept der Wahlverwandtschaft: Ein Exkurs zu Goethes Roman, der die Adaption chemischer Wahlprinzipien auf soziale Verhältnisse illustriert.

5.Soziologischer Verwandtschaftsbegriff vs. Konzept der Wahlverwandtschaft: Gegenüberstellung beider Konzepte zur Spezifizierung des soziologischen Begriffsverständnisses.

6.Wählbarkeit von Verwandtschaft als praktische Illusion in der Moderne?: Kritische Prüfung, ob die Wählbarkeit von Verwandtschaft in der Moderne tatsächlich existiert oder eine Illusion darstellt.

7.Resümee: Zusammenfassung der Erkenntnisse über das Spannungsfeld zwischen Zwang und Freiheit innerhalb der Verwandtschaftsbeziehungen.

Schlüsselwörter

Verwandtschaft, Wahlverwandtschaft, Soziologie, Determinismus, Wahlfreiheit, Blutsverwandtschaft, Sozialbeziehung, Affinalverwandtschaft, Inzesttabu, Interaktion, Moderne, Netzwerke, Sympathie, Ethnosoziologie, Soziale Ordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie der soziologische Verwandtschaftsbegriff zwischen deterministischen Vorgaben und persönlicher Wahlfreiheit vermittelt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die soziologische Definition von Verwandtschaft, der Unterschied zwischen gewählten und nicht gewählten Elementen sowie der Vergleich mit literarischen Konzepten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erweiterung des Blickwinkels auf den soziologischen Verwandtschaftsbegriff und die Klärung, inwieweit Wählbarkeit ein konstitutives Merkmal darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur sowie einen Exkurs zu einem literarischen Roman als Vergleichsobjekt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert Verwandtschaft in deterministische und wählbare Elemente und analysiert diese anhand soziologischer und literarischer Konzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Verwandtschaft, Wahlverwandtschaft, Soziologie, Determinismus, Wahlfreiheit und soziale Netzwerke.

Inwiefern beeinflusst das Inzesttabu die Wählbarkeit?

Das Inzesttabu stellt aus Sicht der Arbeit eine moralisch und juristisch regulierte Grenze dar, die den Aspekt der Wahlfreiheit bei verwandtschaftlichen Interaktionen determiniert.

Ist Verwandtschaft in der Moderne nur noch eine Illusion?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Wählbarkeit von Verwandtschaft eine Realität darstellt, insbesondere da Individuen zu mehr Flexibilität und individuellen Entscheidungen gezwungen sind.

Final del extracto de 23 páginas  - subir

Detalles

Título
Verwandtschaft - ein soziales Ordnungsprinzip zwischen Determinismus und freier Wahl?
Universidad
http://www.uni-jena.de/
Calificación
1,7
Autor
Annegret Schulze (Autor)
Año de publicación
2009
Páginas
23
No. de catálogo
V152630
ISBN (Ebook)
9783640643875
ISBN (Libro)
9783640644285
Idioma
Alemán
Etiqueta
Verwandtschaft Soziologie Wahlfreiheit Zwang soziales Ordnungsprinzip
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Annegret Schulze (Autor), 2009, Verwandtschaft - ein soziales Ordnungsprinzip zwischen Determinismus und freier Wahl?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152630
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  23  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint