Die Häftlinge vom Konzentrationslager Mauthausen


Seminararbeit, 2008

17 Seiten

Markus Santner (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Entstehung des Konzentrationslagers Mauthausen

2. Die Häftlinge des Konzentrationslagers

3. Die Bewacher

4. Die „Funktion des Lager“ und dessen Bedingungen

5. Überlebensdauer im Konzentrationslager Mauthausen

6. Anzahl der Toten

7. Die Nebenlager Gusen I, II, III und Ebensee

8. Änderung des „Anforderungsprofils“

9. Tagesablauf eines Häftlings

10. Häftlingsgesellschaft

11. Die Helfer der SS
11.1. Die Bewachungsmannschaft
11.2. Fluchtversuche

12. Die Befreiung

13. Resümee

14. Literaturverzeichnis

1. Die Entstehung des Konzentrationslagers Mauthausen

Am 30. Jänner 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Damit fand der Aufstieg der NSDAP und des Personenkreises um Hitler seinen vorläufigen Höhepunkt. (vgl. Die vergessenen Frauen von Mauthausen, S. 11)

Die Errichtung des Konzentrationslagers Mauthausen durch die SS erfolgte im August 1938, fünf Monate nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Der Grund für die Wahl Mauthausens als Standort eines Konzentrationslagers waren die sich dort befindenden Granitsteinbrücke.

Die SS eigene Firma DEST sollte die Steinbrüche erwerben und wirtschaftlich nützen. Der zu erwartende Bedarf an Granitsteinen für die von Adolf Hitler geplanten Grossbauten in den einzelnen Führerstädten wie beispielsweise Linz, das zur Kunst und Kulturmetropole ausgebaut werden sollte, versprach riesige Gewinne. Die KZ Häftlinge konnten als billige Arbeitskräfte im Steinbruch eingesetzt werden. (vgl www.mauthausen-memorial.gv.at)

Am 8. August 1938 wurden in den Steinbruch „Wiener Graben“ Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau überstellt und es begann der Aufbau des Konzentrationslagers Mauthausen. Das Lager Mauthausen (von der SS Mannschaft „Mutterlager“ genannt) für das gesamte Österreichische Gebiet. Der Lagerverwaltung Maushausen unterstanden 49 ständig existierende Nebenlager. (vgl.Mauthausen 8.8.1938-5.5.1945 S.7)

Die Geschäftsführung der DEST übernahm SS-Obergruppenführer Oswald Pohl. Arthur Ahrens und Dr. Walter Salpeter, ebenfalls zwei hochrangige SS-Offiziere zeichneten als erste Gesellschafter treuhändisch für je 10.000 Reichsmark des zur Verfügung gestellten Anfangskapitals. Dass sich die SS in der Wirtschaft engagierte, war nichts Außergewöhnliches. Am Höhepunkt ihrer ökonomischen Machtenfaltung kontrollierte sie über das SS- Wirtschaftsverwaltungshauptamt ein Firmenimperium von rund 150 Werken in den verschiedensten Branchen.

Bevor nach mit dem Bau des Konzentrationslagers begonnen wurde, erwarb die DEST die Steinbrüche „Wiener Graben“ und „Marbacher Bruch bei Mauthausen. Nach kurzen Verhandlungen wurde man sich einig und am 16. Mai 1938 nahm die SS mit dreißig Mitarbeiten den Betrieb auf.

2. Die Häftlinge des Konzentrationslagers

Drei Monate später, am 8. August, wurden als erste Lagerhäftlinge 300 Mann aus dem Konzentrationslager Dachau nach Mauthausen überstellt. Einige Deutsche, aber zum allergrößten Teil Österreicher, die wegen ihrer Vorstrafen im Sommer 1938 im Zuge der vorbeugenden Verbrecherbekämpfung verhaftet worden waren und nun für Aufbauarbeiter in der Heimat eingesetzt wurden.

Hitler, dessen Leibarchitekt Albert Speer und der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, so sagt man, waren gemeinsam auf die Idee gekommen, Häftlinge zu verschiedensten Arbeiten heranzuziehen. Die waren nicht teurer und gleichzeitig konnten unerwünschte Volkstumangehörige durch Arbeit zum Tobe befördert werden. Die Rechnung stimmt allemal. Die SS-Lagerverwaltung kostete ein Häftling keine Mark vierzig pro Tag, an Firmen wurde ein Häftling jedoch um bis zu fünf Reichsmark vermietet.

Genommen wurde selbst von den Toten. Mit Menschenhaar wurden Matratzen gefüllt und Filzstiefel hergestellt. Jede Leiche wurde vor ihrer Einäscherung nach Goldplomben überprüft. Selbst die Asche aus den Krematorien wurde genutzt und fand zusammen mit Schlacke und Kohlenresten beim Straßenbau Verwendung. (vgl. Die Hatz, S 10.)

Zur Umsetzung dieser Vernichtungsmaschinerie sollten Konzentrationslager an Orten errichtet werden, an denen die Gräueltaten der Nationalsozialisten ungestört vollzogen werden konnten. Die Ermordung von Häftlingen unter Ausschöpfung ihrer Arbeitskraft, der sog. „Vernichtung durch Arbeit“ wurde eine große „Bedeutung“ zugemessen. . (vgl. Die Organisierte Massenvernichtung, S. 11ff)

Es begann der Aufbau des Hauptlagers Mauthausen und im Herbst 1939 der Bau des Nebenlager Gusen. Das Mauthausener Lager wuchs. Im Spätsommer 1939 war mit der Errichtung von zwanzig Baracken der Aufbau des Lagers 1 abgeschlossen. 1941 und 1944 wurde das Stammlager um zehn weitere Baracken, die Lager 2 und Lager 3 erweitwert. Um die drei Lager eine zweieinhalb Meter hohe Steinmauer, siebenhundert Meter lang, obendrauf Stacheldraht geladen mit 380 Volt. Wachtürme mit MG Posten sowie Tiefstrahler versuchten Ausbrüche zu verhindern. (vgl. Die Hatz, S 10.)

Im Konzentrationslager Mauthausen waren außer österreichischen und deutschen Gefangenen alle europäische Nationen vertreten, als Tschechoslowaken, Polen Dänen; Norweger, Belgier, Franzosen, Holländer, Engländer, Luxemburger, Jugoslawen, Griechen, Albaner, Sowjetbürger, Italiener; Ungarn, aber auch einzelne Staatsbürger von neutralen oder mit Deutschland befreundeten Staaten. So gab es einige Bulgaren, Schweizer, Rumänen, Araber, Chinesen und etwa 7200 Spanier, vorwiegend Soldaten der republikanischen Armee, im Jahre 1939 nach Frankreich emigriert waren.

Im Jahr 1938 wurden in das Konzentrationslager Mauthausen 1030 Häftlinge eingewiesen. Es waren Häftlinge die sich in arbeitsfähigem Alter befanden und die entweder wegen ihrer kriminellen Vorstrafen (nicht wegen strafbarer Handlungen) oder als Asoziale qualifiziert, im Jahre 1938 festgenommen wurden.

Im Frühjahr 1939 kamen aus dem damaligen Sudetengebiet kommunistische und einzelne sozialistische Funktionäre und dann mehrere Hundert aus rassischer Gründen festgenommen und als Asozial eingestufte burgenländische Zigeuner. Im September 1939 sind aus dem vorübergehend aufgelassen KL Dachau 749 politische Häftlinge, etwas 1000 Asoziale sowie Kriminelle und der erste jüdische Häftlinge überstellt worden. Unter den Dachauer Häftlingen waren etwas 13o Österreicher, weiters einzelne Priester und kommunistische Aktivisten. (Mauthausen S.9ff)

Die Abbildung zeigt die Erkennungsmerkmale an der Kleidung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Lager wurde das so genannte Dachauer System eingeführt. Für die Inhaftierten bedeutete dies eine grausame Disziplinär und Strafordnung, die vom Essensentzug bei gleichzeitiger Strafarbeit, über Arreststrafen, Dunkelarrest und körperlichen Züchtigungen reichte. So verstarben die Häftlinge in Mauthausen an Misshandlungen, der Minderversorgung bei gleichzeitiger Schwerstarbeit, fielen Krankheiten zum Opfer, oder wurden als Angehörige bestimmter Häftlingsgruppen getötet.

3. Die Bewacher

Ab Beginn des Jahres 1939 arbeiteten die Häftlinge in den Steinbrüchen unter der Bewachung von 80 Angehörigen des Dachauer SS-Totenkopfverbandes. Bei zur Befreiung am 5. Mai. 1945 gab es insgesamt zwei Lagerkommandanten. Der erste war Albert Sauer und sein Nachfolger ab Februar 1939 war Franz Hiereis. . ( Die Organisierte Massenvernichtung, S. 11ff). Albert Sauer war anscheinend zu wenig streng, deswegen wurde er von Hiereis abgelöst.

4. Die „Funktion des Lager“ und dessen Bedingungen

Das Konzentrationslager Mauthausen war in erster Linie als Vernichtungslager errichtet worden. Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, Richard Haydrich, hatte am 1. Jänner 1941 die Einteilung der Konzentrationslager in die 4 Lagerstufen: I, Ia, II, III verfügt. Das Stammlager von Mauthausen mit seinem Nebenlager Gusen war das einzige Lager der Stufe III, vorgesehen für schwerbelastete, unverbesserliche, kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge. In den Häftlingsakten fand sich nicht selten der Vermerk „RU“- Rückkehr unerwünscht.

Neben der Internierung sollten die Häftlinge unter Ausnützung ihrer Arbeitskraft zu Tode gebracht werden. Zu dieser sog. Vernichtung durch Arbeit zählten brutale Behandlung, Schwerstarbeit, die Unterversorgung an Lebensmitteln, sowie sehr eingeschränkte medizinische Betreuung. Bei gleichzeitiger Kosteneinsparung konnte dadurch die Vernichtung der Internierten beschleunigt werden. Die Zuteilung der männlichen Gefangenen zur Zwangsarbeit in den Mauthausener Steinbrüchen bedeute meist deren Tod nach wenigen Tagen oder Wochen.

In der Strafkompanie mussten sie schwere Granitbrocken mit primitiven Traggestellen die gefürchtete Todesstiege hinauftragen. Viele von ihnen verloren das Gleichgewicht und stürzten auf die unter ihnen Nachkommenden, die sie mitrissen. Die Häftlinge wurden auch von SS- Männer hinten gestossen und erschossen. Besondern Juden und Zigeuner waren dieser Vernichtungspraxis ausgesetzt. Das Töten wurde in Mauthausen auf vielfältige Weise praktiziert: Die SS erschlug, erhängte, erschoss, ließ arbeitsunfähige und kranke Häftlinge erfrieren, verhungern oder tötete sie durch Herzinjektionen oder Giftgas.

Torturen und Ermordungen beschränkten sich aber nicht nur auf das Hauptlager. Auch den Nebenlagern, wie bspw. In Gusen kamen tausende Häftlinge ums Leben.

Neben der sog. Vernichtung durch Arbeit kamen viele Häftlinge ausschließlich zu ihrer Exekution nach Mauthausen. Ein kleinerer Teil von ihnen wurde im Lager erschossen er erhängt, der Großteil vergast.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Häftlinge vom Konzentrationslager Mauthausen
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V152632
ISBN (eBook)
9783640650859
ISBN (Buch)
9783640651153
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
kz mauthausen, konzentrationslager mauthausen, häftlinge kz mauthausen
Arbeit zitieren
Markus Santner (Autor), 2008, Die Häftlinge vom Konzentrationslager Mauthausen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152632

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