In dieser Arbeit soll es allerdings ausschließlich um die staatliche Verwaltung gehen, die als ausführende Organe des Staates, neben Legislative und Judikative, die Exekutive des Staates darstellen. Als Exekutive ist die Verwaltung an Recht und Gesetz gebunden. So darf in der öffentlichen Verwaltung z.B. ausschließlich die deutsche Sprache verwendet werden, wie es in § 23 Abs. 1 VwVfG festgeschrieben ist (Vgl. Bundesministerium der Justiz). Dies, und der Umstand der Rechtsgebundenheit erschweren die Kommunikation zwischen Behörde und Bürger – vor allem, weil die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürger meist schriftlich abläuft. Diese Schriftsprache der Verwaltung scheint oft eine andere zu sein, als die der Bürgerinnen und Bürger. Sie ist schwer verständlich, unpersönlich und enthält vielleicht komplizierte Paragraphen, mit denen die Leser nichts anfangen können.
Ist dies ein Phänomen unserer Zeit, oder gab es diese Probleme im Verstehen der Verwaltungssprache schon immer? Wie sieht die Sprache der Verwaltung genau aus und wie kann die Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern erleichtert, vielleicht sogar verbessert werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Verwaltung und ihrer Sprache
3. Textarten der Verwaltung
3.1 Das Formular
3.2 Der Bescheid
4. Die Sprache in Verwaltungstexten
4.1 Wortwahl
4.1.1 Ungeläufige und veraltete Wörter
4.1.2 Verwendung von langen Wörtern
4.1.3 Modewörter, Sinndoppelungen und Superlative
4.1.4 Abkürzungen und wissenschaftlicher Stil
4.1.5 Nominalisierungen
4.1.6 Verfahrenstechnische Floskeln
4.1.7 Kanzleisprache
4.1.8 Fachsprache/Fachausdrücke/Gesetze
4.2 Satzbau
4.2.1 Obrigkeitsstil
4.2.2 Unpersönlicher Stil
4.2.3 Verschachtelte Sätze/breite Formulierungen
4.2.4 Höflichkeitsmerkmale
4.2.5 Verneinungen
5. Bürgernahe Verwaltungssprache
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung staatlicher Verwaltungstexte und analysiert, wie diese für Bürger verständlicher gestaltet werden können, um das Vertrauensverhältnis zwischen Behörde und Klient zu stärken. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Überwindung komplexer, unpersönlicher Kanzleisprache zugunsten einer bürgernahen Kommunikation.
- Historische Entwicklung der Verwaltungssprache
- Analyse zentraler Textarten wie Formulare und Bescheide
- Kritische Untersuchung von Wortwahl und Satzbau in Behördenschreiben
- Identifikation von Barrieren durch Fachtermini und Obrigkeitsstil
- Strategien zur Optimierung behördlicher Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Formular
Als eine der wichtigsten Textsorten im Verwaltungsbereich ist das Formular zu nennen. Formulare sind nicht nur an unterschiedliche Klientengruppen adressiert, sondern können innerhalb der Verwaltung von verschiedenen Stellen bearbeitet werden. Das Formular kann als eine der typischsten und aber gleichzeitig schwierigsten Erscheinungen der Verwaltungssprache bezeichnet werden. So weisen Formulare eine hohe Komplexität auf, was den Benutzern zu Weilen Schwierigkeiten bereitet. Formulare sind sehr weit verbreitet und besitzen eine Doppelfunktion, da sie sowohl zur Kommunikation mit dem Bürger als auch der verwaltungsinternen Bearbeitung einzelner Vorgänge dienen. Hat das Formular diese Doppelfunktion erfüllt, wird es zu einem wesentlichen Bestandteil der Akte, der verwaltungstypischen Form der Vorgangsbearbeitung. Deshalb müssen Formulare verschiedene Ansprüche erfüllen; in der Kommunikation mit dem Bürger sollten sie möglichst allgemein verständlich sein, zudem müssen sie als Bestandteile von Verwaltungsakten den juristischen Ansprüchen genügen und als Verwaltungsinstrument den technischen Erfordernissen gerecht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Verwaltungssprache als Kommunikationsmittel zwischen Behörde und Bürger ein und definiert das Ziel der Arbeit, Optimierungspotenziale aufzuzeigen.
2. Geschichte der Verwaltung und ihrer Sprache: Das Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Verwaltung von mittelalterlichen Strukturen bis hin zur modernen rechtsstaatlichen Verwaltung und deren Einfluss auf die Sprachkultur.
3. Textarten der Verwaltung: Hier werden zentrale Textsorten, speziell Formulare und Bescheide, in ihrer Funktion und Struktur für die behördliche Praxis analysiert.
4. Die Sprache in Verwaltungstexten: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Bestandsaufnahme problematischer Merkmale der Verwaltungssprache, insbesondere hinsichtlich Wortwahl und Satzbau.
5. Bürgernahe Verwaltungssprache: Hier werden konkrete Konzepte und Handlungsempfehlungen präsentiert, um Schreiben verständlicher, höflicher und persönlicher zu gestalten.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine bürgernahe Sprache als wichtige Investition in das Image der Behörde und in eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürger zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Verwaltungssprache, Behördenkommunikation, Textsorten, Formular, Bescheid, Sprachverständlichkeit, Bürgerorientierung, Kanzleisprache, Fachtermini, Obrigkeitsstil, Verwaltungsakt, Textoptimierung, Rechtsstaatlichkeit, Behördenimage, Korrespondenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse und Optimierung der Sprache, die in der staatlichen Verwaltung gegenüber Bürgern verwendet wird, um Verständnisprobleme abzubauen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese, den spezifischen Textstrukturen von Formularen und Bescheiden sowie einer linguistischen Untersuchung behördlicher Schreibstile.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Strategien zu identifizieren, mit denen Verwaltungstexte bürgernäher, verständlicher und kooperativer gestaltet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie auf die Analyse textlinguistischer Merkmale von Verwaltungsschreiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Textarten sowie eine detaillierte Kritik an Wortwahl- und Satzbaumerkmalen, die typisch für die Verwaltung sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Verwaltungssprache, Bürgerorientierung, Textsorten, Sprachverständlichkeit und Behördenkommunikation.
Warum sind Formulare für Bürger oft schwer verständlich?
Formulare müssen gleichzeitig juristische Anforderungen erfüllen und verwaltungsinternen technischen Prozessen genügen, was oft zu einer hohen Komplexität führt, die für Laien schwer nachvollziehbar ist.
Welche Rolle spielt der sogenannte Obrigkeitsstil?
Der Obrigkeitsstil verstärkt durch bestimmte Floskeln eine empfundene Distanz zwischen der Behörde und dem Bürger als "Untergebenen", was die Akzeptanz von Schreiben mindert.
Was empfiehlt die Autorin zur Verbesserung der Gleichbehandlung?
Zur Gleichbehandlung wird der Verzicht auf diskriminierende Sprachformen sowie die Nutzung von Paarformen oder geschlechtsneutralen Begriffen empfohlen, um alle Bürger gleichermaßen direkt anzusprechen.
- Citar trabajo
- Anne Nickel (Autor), 2010, Bürgernahe Verwaltungssprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152642