Globalisierung - Europäisierung in ethischer Perspektive

Kontexte für eine Ethik der Arbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
23 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Globalisierung – Begriffsklärung und Geschichte

3 Europäisierung – Begriffsklärung und Geschichte

4 Globalisierung – Chancen und Gefahren
4.1 Finanzmärkte
4.2 Waren- und Dienstleistungsmärkte
4.3 Arbeitsmärkte
4.4 Globale Wissensgesellschaft
4.5 Geschlechtergerechtigkeit

5 Kontexte für eine Ethik der Arbeit

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang
8.1 Verwendete Internetseiten
8.2 Abbildungen

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema der Globalisierung und den damit verbundenen Chancen und Gefahren für die Arbeitswelt. Die Vernetzung der Welt hat viele Möglichkeiten geschaffen, die Import und Export erleichtern und den Menschen zum Teil die Arbeitssuche und im Allgemeinen die Flexibilität im Berufsleben erleichtern und ermöglichen. Wichtige neue Schlagwörter für Berufstätige wurden Flexibilität und Mobilität, als die Vernetzung immer weiter voranschritt. Doch brachte die Globalisierung nicht nur die positiven Effekte, die man sich erhoffte. Probleme und Gefahren kamen auf, die man bisher nur am Rande behandelt hat und denen entgegenzuwirken eine immer wichtigere Aufgabe geworden ist. Dabei sind natürlich Unternehmen gefragt und Politiker, Lösungen zu finden und den zum Teil wirklich gravierenden Missständen Abhilfe zu schaffen. Aber auch die Kirchen dürfen nicht tatenlos zusehen und alles Handeln Politik und Wirtschaft überlassen. Immer mehr sind wir gefragt, um einzugreifen, um auf Missstände aufmerksam zu machen, Diskussionen anzustoßen und Problembewältigung voranzutreiben. In Handreichungen und Denkschriften werden Bedenken der Kirchen laut und die Brisanz verdeutlicht. Es muss gehandelt werden, um die Globalisierung als das zu nutzen, was sie eigentlich ist: Eine Chance zur Vernetzung der Welt, zur Stärkung der Schwachen und zu einer ausgeprägten Pluralität von Möglichkeiten. Diese Arbeit stützt sich hauptsächlich auf den „Schlussbericht der Enquete-Kommission. Globalisierung der Weltwirtschaft“[1] des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 2002. Dabei werden einzelne Bereiche, beispielsweise die Finanzmärkte, der Arbeitsmarkt und die Geschlechtergerechtigkeit, angesprochen und deren Probleme und Chancen aufgezeigt. Was wäre ethisches Handeln in diesen Bereichen und wo besteht dringender Handlungsbedarf, wo müssen wir als Kirche auch darauf achten, dass diese Probleme nicht beiseite geschoben werden? Das sind einige der Fragen, die nachfolgend bearbeitet werden sollen.[2]

2 Globalisierung – Begriffsklärung und Geschichte

Der Begriff ‚Globalisierung’ stammt aus den 1990er Jahren. Er verdrängt veraltete Begriffe wie ‚Industrialisierung’, ‚Kapitalismus’ und ‚Postmoderne’. Vier Entwicklungen werden hier vereint, die zum Teil noch bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen:

- Die Industrialisierung, „die weltweite Vernetzung und Beschleunigung technischer Infrastrukturen“[3].
- Die Transnationalisierung, die den „Einflussgewinn transnationaler Akteure“[4] meint und sowohl die Willensbildung der Menschen verschiedener Länder als auch diverse nationale politische Entscheidungen beeinflusste.
- Die Internationalisierung, die eine nationale Autonomie zum Teil stark einschränkte und politische Grenzen überschritt.
- Zuletzt der Globalismus, der ein globales Bewusstsein forcierte und Umwelt- und Klimadiskussionen veranlasste. Auch Partnerschaften mit der Dritten Welt wurden geschlossen und ein internationales Interesse für Belange anderer Länder zählen dazu.

Die daraus entstandene Globalisierung betrifft aber nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern nahezu jeden Lebensbereich. Durch die zunehmende Mobilität wurde der Austausch zwischen Kulturen, Religionen und der Bevölkerung ermöglicht und verstärkt. Man kann dies vor allem an den Trends einer Gesellschaft feststellen. Gerade Deutschland ist ‚anfällig’ für Trends aus den USA, sei es Mode, Musik, Technik oder die Lebensweise. Auf der anderen Seite sind berufliche Chancen vergrößert worden. Die Zahl der Auswanderer ist gestiegen, da die Arbeitssuche erleichtert wurde und – wie im nächsten Kapitel noch einmal angesprochen werden wird – die Ausübung der beruflichen Tätigkeit im Ausland nicht mehr so vielen Einschränkungen unterliegt, wie früher. Zwischen 1991 und 2007 stieg die Zahl der Auswanderer aus Deutschland um 68,94 %, von 98.915 auf 161.105 an.[5] Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 3,09 %.

Zwischen 1980 und 2000 ist die Zahl der Zuwanderer in Industrieländer von 48 auf 110 Millionen angestiegen.[6] Dies ist vor allem auch durch die Globalisierung möglich geworden. Hier kann man aber auch gleichzeitig sehen, dass in der gleichen Zeitspanne die Zahl der Zuwanderer in Entwicklungsländer nur von 52 auf 65 Millionen gestiegen ist.[7] Positiv natürlich, dass es Zuwanderer in diesen Länden gibt, negativ allerdings, dass es nur vergleichsweise wenige sind und die Entwicklungsländer damit wenig von der Globalisierung profitieren können. Historisch betrachtet, ist eine Vision der Welteinheit seit dem Altertum bekannt. Schon der Missionsbefehl in Mt 28,19 und Mk 16,15 spricht von einer Expansion. Die europäische Aufklärung gilt als Wegweiser für das weltgesellschaftliche Verständnis, auch wenn gegenwärtig nur ansatzweise den aufklärerischen Prinzipien entsprochen wird.

Die Globalisierung konnte vor allem so stark voranschreiten, weil das Ende des Kalten Krieges die bipolare Weltauffassung beendete und so die Multipolarität der Weltentwicklung ins westliche Bewusstsein dringen konnte. Auch die Fortschritte der Digitalisierung waren von Bedeutung. Konnten vor allem durch das Internet Daten leichter ausgetauscht und die Kommunikation über große Distanzen erleichtert werden. Schließlich führte die Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs „zu einer rasanten Expansion weltweiter Finanztransaktionen [und] einer hohen Mobilität des Geldkapitals“[8].

3 Europäisierung – Begriffsklärung und Geschichte

Zum einen werden die Veränderungen der politischen und wirtschaftlichen Systeme innerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) im Sinne der sogenannten Europäischen Integration als ‚Europäisierung’ bezeichnet.

Zum anderen bezeichnet man ebenso die Übernahme von politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Strukturen europäischer Länder durch andere Staaten, ehemals auch Kolonialisierung oder Verwestlichung genannt. Europäische Integration beginnt 1954 mit der Gründung der Westeuropäischen Union, die 1993 in die Europäische Union übergeht. Die Verknüpfung europäischer Staaten erstreckt sich auf die Bereiche der Politik, der Wirtschaft, des Rechtswesens und des Militärs. Nach dem Vorbild der USA soll Europa vereint werden. Ein wichtiger Schritt war die Einführung einer einheitlichen Währung, des Euros im Jahre 2001. Die Flexibilität innerhalb der Mitgliedsstaaten stieg stark an. Vor allem die beruflichen Möglichkeiten und gewonnenen Freiheiten werden seitdem stark genutzt. 2007 wanderten 64.735 Deutsche in das europäische Ausland aus. Der Hauptgrund sind berufliche Veränderungen, die Lieblingsziele Schweiz, Österreich und Groß Britannien.[9]

4 Globalisierung – Chancen und Gefahren

In den folgenden Unterkapiteln werden verschiedene Themenbereiche angesprochen, die von der Globalisierung betroffen und teilweise stark beeinflusst sind. Dabei werden die Möglichkeiten und Chancen, die durch die Globalisierung entstanden sind genannt, aber auch die Probleme und möglichen Gefahren werden angesprochen.

4.1 Finanzmärkte

Finanzmärkte tragen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes bei. Dabei werden sowohl private als auch öffentliche Investitionen unterstützt. Zudem ermöglichen sie die Vermögensbildung auf privater und öffentlicher Seite. Aber schon hier treten Probleme auf, denn Kredite müssen bedient werden. Dies kann ein Unternehmen oder ein Land nur leisten, wenn der Export und der damit erwirtschaftete Betrag größer ist, als das Importgeschäft. Hier wird deutlich, wie sehr der globale Finanzmarkt von funktionierender nationaler Ökonomie abhängig ist. Länder mit vernünftiger Wirtschaftpolitik können trotzdem von internationalen Finanzkrisen betroffen sein, starke negative Auswirkungen hat eine solche Krise vor allem auf die Entwicklungsländer, die keinen Ausgleich schaffen können. Kredite können nicht mehr bedient werden von diesen Ländern. Es ist ein Problem, dass zu schnell geöffnete nationale Finanzmärkte zu hohe Kredite bewilligt bekommen, die in erster Linie zwar hilfreich für das jeweilige Land erscheinen, deren Bedienung aber nicht geleistet werden kann.

Wie auffällig ist es, dass es „in keinen Jahrzehnt nach dem zweiten Weltkrieg […] so viele Finanzkrisen wie in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts gegeben“[10] hat. Natürlich waren hiervon vor allem die oben genannten Länder mit schwächeren Kapitalmärkten negativ betroffen.[11]

Aktueller ist die derzeitige Weltwirtschaftskrise, die sich durch die globalen Finanzmärkte derart entwickeln konnte. Ihre Auswirkungen sind vor allem für ärmere Länder katastrophal. Auch viele Unternehmen und Privatleute sind von der Krise betroffen und müssen Insolvenz anmelden, weil die ausstehenden Verbindlichkeiten nicht mehr gedeckt werden können. Das ganze Ausmaß der derzeitigen globalen Finanzkrise ist noch nicht absehbar.

Abgesehen davon wird noch etwas deutlich: Die Verteilung des Kapitals weist ein Nord-Süd-Gefälle auf. In nur zwölf Länder fließen 75%, in 140 Länder hingegen gerade einmal fünf Prozent des globalen privaten Kapitals. Deutlich erkennbar ist die Polarisierung zwischen Norden und Süden, denn beispielsweise südlich der Sahara gelangt nur ein Prozent des Kapitals. Diese Instabilität polarisiert und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Einkommensschere zwischen Arm und Reich stark geöffnet.[12]

[...]


[1] Deutscher Bundestag (Hrsg.), Schlussbericht der Enquete-Kommission. Globalisierung der Weltwirtschaft, Opladen 2002.

[2] Vgl.: Lexikon der christlichen Ethik, Bd. 1, Sp.722 – 727.

[3] Lexikon der christlichen Ethik, Bd. 1, Sp. 722.

[4] Lexikon der christlichen Ethik, Bd. 1, Sp. 722.

[5] Vgl.: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2534/umfrage/entwicklung-der-anzahl-deutscher-auswanderer/#stat.

[6] Vgl.: GCIM, S. 11.

[7] Vgl.: GCIM, S. 11.

[8] Lexikon der christlichen Ethik, Bd. 1, Sp. 724f.

[9] Vgl.: http://auswandern.suite101.de/article.cfm/auswandern_in_zahlen.

[10] Enquete, S. 61.

[11] Vgl.: Enquete, S. 61.

[12] Vgl.: Enquete, S. 62.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Globalisierung - Europäisierung in ethischer Perspektive
Untertitel
Kontexte für eine Ethik der Arbeit
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Kirche und Arbeitswelt – Einführung in die Sozialethik
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V152683
ISBN (eBook)
9783640648160
ISBN (Buch)
9783640647750
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stützt sich hauptsächlich auf folgende Literatur: DEUTSCHER BUNDESTAG (HRSG.), Schlussbericht der Enquete-Kommission. Globalisierung der Weltwirtschaft, Opladen 2002.
Schlagworte
Globalisierung, Europäisierung, Perspektive, Kontexte, Ethik, Arbeit
Arbeit zitieren
Annette Petry (Autor), 2009, Globalisierung - Europäisierung in ethischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152683

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