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Der Aufstieg der Samurai

Skizze einer Erosion vormoderner Staatlichkeit

Title: Der Aufstieg der Samurai

Seminar Paper , 2009 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ramy Youssef (Author)

Politics - History of Political Systems
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In dieser Arbeit wird zunächst ein Überblick über die Entwicklung der Gewaltordnungen Japans von der Entstehung vormoderner Staatlichkeit im sogenannten ritsuryo-System der zweiten Hälfte
des 7. Jahrhunderts, über die Heian-Zeit (794-1185) bis zur Entstehung des Kamakura-Shogunats im späten 12. Jahrhundert geboten werden – über jenen Zeitraum also, in welchem sich ausgehend von funktionierender, vormoderner Staatlichkeit ein Prozess des Zerfalls staatlich dominierter Gewaltordnung bzw. eine Privatisierung militärischer Gewalt vollzieht. Von staats- und gesellschaftstheoretischen Überlegungen ausgehend soll dabei die Frage erläutert werden, wie es in Japan im beobachteten Zeitraum zu einer Erosion intakter vormoderner Staatlichkeit kommen konnte, wobei das Hauptaugenmerk auf jene Institutionen
gelegt werden soll, die im besonderen Maße auf die Problematik von Gewalt in Gesellschaften direkt bezogen sind, nämlich das Gerichtswesen und das Heeres- bzw. Polizeiwesen.

Die hier vertretene These lautet, dass schon beim Entstehungsprozess vormoderner Staatlichkeit das Machtgefälle zwischen Zentrum und Peripherie eher gering war und nach dem Wegfall externer militärischer Bedrohung eine Dynamik entstand, welche die evolutorische Errungenschaft vormoderner Staatlichkeit überflüssig machte und somit eine Entwicklung in Richtung vorstaatlicher, patrimonialer Strukturen in der japanischen
Gesellschaft stattfand. Wesentliche Institutionen von Staatlichkeit (insbesondere die politische Führungsspitze, das Heereswesen und das Gerichtswesen) konnten aufgrund dieser Dynamik
wichtige Strukturprobleme und Konfliktpotenziale nicht mehr allgemeinverbindlich stabilisierend regeln, was einen gravierenden Strukturwandel in der japanischen Gesellschaft
ermöglichte, nämlich die Entstehung des Shogunats.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Entstehung vormoderner Staatlichkeit - das ritsuryō-System

a.) VERWALTUNG UND STEUERWESEN

b.) DAS RITSURYŌ-HEERESWESEN

c.) DAS RITSURYŌ-GERICHTSWESEN

III. Die Erosion des ritsuryō-Systems

a.) DIE MILITÄRISCHE EROSION – DIE PRIVATISIERUNG DES HEERESWESENS

b.) DIE ÖKONOMISCHE EROSION – DIE ENTSTEHUNG DER SHŌEN

IV. Der Aufstieg der Krieger (bushi)

V. Staat und Staatlichkeit in der Heian-Zeit (794-1185)

VI. Die Entstehung des Kamakura-Shogunats

a.) ZENTRALISIERUNG DES VASALLENSYSTEMS

b.) YORITOMOS VERWALTUNGS- UND RECHTSREFORMEN

c.) SAMURAI-AUTONOMIE UND FEHDEWESEN

d.) ANMERKUNGEN ZU STAAT UND STAATLICHKEIT IN DER KAMAKURA-ZEIT (1185-1333)

VII. Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und den anschließenden Zerfall vormoderner Staatlichkeit im historischen Japan vom 7. bis zum 13. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie ein ursprünglich zentralisiertes System durch die Privatisierung militärischer und administrativer Aufgaben in vorstaatliche, patrimoniale Strukturen überging und wie dies zur Entstehung des Shogunats sowie einer Kriegerklasse beitrug.

  • Analyse der fünf Institutionen vormoderner Staatlichkeit (Führung, Verwaltung, Recht, Steuern, Heereswesen).
  • Untersuchung der Erosion staatlicher Gewaltordnungen zugunsten eines "Gewaltmarktes".
  • Darstellung des Aufstiegs der Samurai-Klasse als Folge gesellschaftlicher Strukturwandlungen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der "Staatlichkeit" in der japanischen Geschichtsschreibung.

Auszug aus dem Buch

Die Entstehung des Kamakura-Shogunats

Von allen Anbietern auf dem Gewaltmarkt erlangten insbesondere zwei große bushi-Familien große Bedeutung, da sie es verstanden, eine große Zahl von Vasallen um sich zu scharen, nämlich die Taira und die Minamoto. Schließlich sollten es nach dem Gempei-Krieg (1180-85), in welchem beide Familien jeweils einen legitimen Nachfolger für den Kaiserthron militärisch unterstützten, die Minamoto sein, welche ihre Konkurrenten besiegen konnten. Dies gelang vor allem deshalb, da der Anführer der Minamoto, Yoritomo, aus einer Außenseiterposition heraus viele Verbündete für sich gewinnen konnte, denen er im Falle des Sieges Landrechte zusicherte. Er erkannte also die gemeinsamen ökonomischen Interessen der bushi, insbesondere deren Hoffnung auf offizielle Besitztitel für ihre Ländereien, und verstand es, diese Interessen für seinen Machtkampf zu instrumentalisieren. Nach seinem Sieg über die Taira schuf er von seinem Hauptquartier in Kamakura aus eine Organisation, der alle bushi-Familien untergeordnet wurden: das sogenannte Shogunat (bakufu) als politischem Entscheidungszentrum einer „Militärregierung“. Mit der Etablierung des Shogunats änderte sich auch die Sozialstruktur der bushi, die fortan über einigermaßen sichere Landrechte verfügten und zu niedergelassenen Landherren wurden sowie Teil eines Vasallensystems wurden. Um den Unterschied zu früheren bushi zu verdeutlichen, wird hier für diesen neuen Typus eines landbesitzenden Kriegers fortan eine Bezeichnung gewählt, die auch jenseits Japans wohl bekannt ist: der Samurai.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung definiert den theoretischen Rahmen und die fünf Variablen vormoderner Staatlichkeit, mit denen die japanische Geschichte vom 7. bis 13. Jahrhundert kritisch betrachtet wird.

II. Die Entstehung vormoderner Staatlichkeit - das ritsuryō-System: Dieses Kapitel erläutert die Implementierung staatlicher Institutionen nach chinesischem Vorbild zur Zentralisierung der Herrschaft und Etablierung einer staatlich dominierten Gewaltordnung.

III. Die Erosion des ritsuryō-Systems: Hier wird der Prozess beschrieben, in dem externe Bedrohungen wegfielen, das Milizsystem ineffektiv wurde und eine Privatisierung militärischer und polizeilicher Macht einsetzte.

IV. Der Aufstieg der Krieger (bushi): Zusammenfassung der Faktoren, die zur Herausbildung einer privilegierten Kriegerklasse führten, insbesondere durch neue Militärtechnologien und die Verwaltung von Latifundien.

V. Staat und Staatlichkeit in der Heian-Zeit (794-1185): Kritische Analyse der literarischen Bezeichnung "Heian-Staat" vor dem Hintergrund des tatsächlichen Verlusts zentralstaatlicher Steuerungs- und Gewaltmonopol-Funktionen.

VI. Die Entstehung des Kamakura-Shogunats: Darstellung der Institutionalisierung der Kriegermacht unter den Minamoto und der Etablierung eines Vasallensystems anstelle staatlicher Verwaltung.

VII. Conclusio: Abschließendes Resümee, das den Wandel Japans von einem Staat hin zu einer vorstaatlichen, patrimonialen Gesellschaftsordnung bestätigt und den Ausblick auf spätere Bürgerkriegsepochen gibt.

Schlüsselwörter

Vormoderne Staatlichkeit, Ritsuryō-System, Gewaltmonopol, Heian-Zeit, Kamakura-Shogunat, Samurai, Bushi, Shōen, Privatisierung, Gewaltmarkt, Feudalismus, Vasallensystem, Zentralisierung, Militärregierung, Erbadel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung Japans zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert und prüft, inwieweit die dortigen politischen Organisationsformen tatsächlich als "Staat" im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet werden können.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Im Zentrum stehen die Entwicklung staatlicher Institutionen, der Zerfall dieser Strukturen durch Privatisierung von Gewalt, das Aufkommen der Kriegerklasse (bushi) sowie die Entstehung des Shogunats.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Erosion vormoderner Staatlichkeit zu skizzieren und zu zeigen, dass die Existenz von Staatlichkeit in Japan eher die Ausnahme als die Regel darstellte, wobei der Fokus auf dem Wandel der Gewaltordnung liegt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine staats- und gesellschaftstheoretische Perspektive, wobei er fünf definierte Variablen (Führung, Verwaltung, Recht, Steuern, Heereswesen) heranzieht, um Staatlichkeit messbar und vergleichbar zu machen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des ritsuryō-Systems, den Prozess der militärischen und ökonomischen Erosion, den Aufstieg der bushi und schließlich die Transformation zur Militärregierung unter dem Kamakura-Shogunat.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Vormoderne Staatlichkeit, Gewaltmonopol, Samurai, Ritsuryō-System, Privatisierung und Gewaltmarkt.

Warum ist das ritsuryō-System nach Ansicht des Autors für die Definition von Staatlichkeit so wichtig?

Es stellte die erste Institution dar, in der politische Führung, Verwaltung, Recht, Steuern und Heereswesen zentral organisiert waren, was die notwendigen Kriterien für eine staatlich dominierte Gewaltordnung erfüllte.

Welche Rolle spielten die sogenannten shōen für den Zerfall staatlicher Strukturen?

Die als Latifundien fungierenden shōen entzogen sich zunehmend der staatlichen Kontrolle und Besteuerung, was die Machtbasis des Kaiserhofs aushöhlte und zur Auslagerung von Gewalt an private Kriegerfamilien zwang.

Warum konnte das Kamakura-Shogunat die staatliche Ineffektivität nicht beheben?

Das Shogunat fungierte zwar als Koordinator zwischen den Samurai, aber die eigentlichen Mittel der Gewaltanwendung verblieben bei den privaten Kriegerfamilien, was die Bildung eines stabilen staatlichen Gewaltmonopols verhinderte.

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Details

Title
Der Aufstieg der Samurai
Subtitle
Skizze einer Erosion vormoderner Staatlichkeit
College
University of Vienna  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Seminar Gewaltmonopol des Staates
Grade
1,0
Author
Ramy Youssef (Author)
Publication Year
2009
Pages
26
Catalog Number
V152733
ISBN (eBook)
9783640645015
ISBN (Book)
9783640645176
Language
German
Tags
Aufstieg Samurai Skizze Erosion Staatlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ramy Youssef (Author), 2009, Der Aufstieg der Samurai, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152733
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