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Michael Fischer - ein Neurotiker?

Über die Thematik des Wahns in Alfred Döblins Erzählung "Die Ermordung einer Butterblume" (1913)

Title: Michael Fischer - ein Neurotiker?

Seminar Paper , 2010 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kristina Scherer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Alfred Döblin (1878-1957) schrieb seine Erzählung Die Ermordung einer Butterblume im Jahre 1905. Veröffentlicht wurde sie erstmals 1911 in der Zeitschrift „Sturm“, die von Herwarth Walden herausgegeben wurde und zunächst wöchentlich erschien. Im Jahre 1913 erfolgte die erste selbstständige Publikation in dem gleichnamigen Sammelband. Döblins wohl bekannteste Erzählung ist dem Expressionismus (ca.1910-1925) mit dem Zentrum Berlin zuzuordnen. Da sie keinerlei psychologische Deutungen beinhaltet, sondern sich auf Beschreibungen konzentriert und die Natur eine wichtige Rolle einnimmt, gilt sie als exemplarisch für diese Epoche. Der Literaturwissenschaftler Joris Duytschaever lobte sie 1973 als eine „Pionierleistung des Expressionismus“ . In der expressionistischen Literatur werden ebenfalls Motive wie Ich-Zerfall, Angst und Wahnsinn häufig behandelt, so auch in Die Ermordung einer Butterblume.
Im Zentrum der Erzählung steht der Geschäftsmann Michael Fischer, dessen Leben sich angesichts eines unbedeutenden Ereignisses, der Beschädigung einer Pflanze, vollständig verändert. Im Verlauf der Erzählung wird die psychische und durch seine seelischen Leiden ebenfalls verursachte körperliche Beeinträchtigung immer stärker. Es häufen sich Halluzinationen und Stimmungsschwankungen, die mit Gewichtsabnahme und Selbstmordgedanken einhergehen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die seelische Erkrankung Fischers zu untersuchen. Forscher wie etwa Joris Duytschaever oder Leo Kreutzer würdigten die Erzählung als realistische Beschreibung einer Zwangsneurose bzw. einer Schizophrenie. Diese Arbeit soll klären, ob die Aussagen zutreffend sind. Das erste Kapitel informiert über das Verständnis psychischer Störungen zu Lebzeiten Döblins. Um die Krankheitsbilder der Neurose und Schizophrenie besser verstehen zu können, behandelt das Kapitel ebenfalls aktuelle diagnostische Kriterien der jeweiligen Störungsbilder, von denen Duytschaever und Kreutzer ausgingen, die ihre Arbeiten in den 1970er Jahren verfassten. In einem zweiten Themenkomplex werden chronologisch die Textpassagen erläutert, in denen der Protagonist wahnsinniges Verhalten aufweist. Das dritte Kapitel verfolgt abschließend die Frage, inwiefern die seelische Zerrüttung Michael Fischers in der Naturbeschreibung Ausdruck findet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „Neurose“ und „Schizophrenie“

2.1 Das Verständnis psychischer Störungen zu Lebzeiten Döblins

2.2 Aktuelle Definitonen der Neurose und Schizophrenie

3. Michael Fischer als seelisch erkrankter Mensch

3.1 Anlass der Wahnzustände = „Ermordung“ einer Blume

3.2 Eine schizophrene Episode: Der Protagonist schaut sich selbst bei der Tat zu

3.3 Ambivalenz zwischen Schuldgefühlen und Sadismus

4. Falsche Wahrnehmung der Natur als Zeichen von seelischer Zerrüttung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das seelische Krankheitsbild des Protagonisten Michael Fischer in Alfred Döblins Erzählung „Die Ermordung einer Butterblume“. Dabei wird analysiert, ob die in der Forschung häufig angeführten Diagnosen einer Zwangsneurose oder Schizophrenie durch den Text und aktuelle psychiatrische Kriterien gestützt werden können.

  • Historische und moderne Definitionen von Neurose und Schizophrenie
  • Analyse der Wahnzustände und Verhaltensauffälligkeiten Fischers
  • Die Rolle der Natur als Projektionsfläche psychischer Zerrüttung
  • Untersuchung von Schuldgefühlen, Sadismus und dem Doppelgänger-Motiv

Auszug aus dem Buch

3.2 Eine schizophrene Episode: Der Protagonist schaut sich selbst bei der Tat zu

Nach der Köpfung der Blume setzt der Kaufmann seinen Spaziergang zunächst fort, als habe sich nichts ereignet. Doch unmittelbar nach der ‚Tat’ treten mehrere Sinnestäuschungen auf. Als Michael Fischer etwa an einigen Bäumen entlang geht scheint es ihm, als schritten diese an ihm vorbei. Er befindet sich während des gesamten Spaziergangs in einer nervösen Grundstimmung. Der Protagonist wischt sich „gereizt den Schweiß von der Nase“ und erlebt dabei eine weitere Wahnvorstellung: er hat das Gefühl, sein Gesicht sei verzerrt. Wie Kreutzer anmerkt, wird die Paramimie von Lehrbüchern „als Beginn einer Schizophrenie ausgewiesen“. Auch ein heftiges Keuchen nimmt er an sich wahr– vermutlich die Folge der körperlichen Betätigung während der Tat. Fischer bemüht sich darum, sich das Keuchen äußerlich nicht anmerken zu lassen. Auch scheint er gar nicht zu wissen, woher es rührt. Eine personale Erzählinstanz wirft die Frage nach der Ursache der veränderten Atemfrequenz explizit auf: „Warum keuchte er?“ In der Erzählung wird der Tathergang nun kurz beschrieben, an den sich Michael Fischer aber anscheinend nicht mehr erinnern kann. Nachdem er sich mit seinem Hut Luft zugefächert hat, verfällt er wieder in einen Zählzwang. Durch das Zählen und die Konzentration auf seine Bewegung versucht er offensichtlich, seine innere Sicherheit widerzuerlangen, welche ihm abhanden gekommen ist.

Genau in diesem Moment geschieht etwas Eigenartiges. Der Geschäftsmann sieht sich von außen selbst bei der Beschädigung der Blume zu: „Plötzlich sah Herr Michael Fischer, während sein Blick leer über den Wegrand strich, wie eine untersetzte Gestalt, er selbst, von dem Rasen zurücktrat, auf die Blumen stürzte und einer Butterblume den Kopf glatt abschlug. Greifbar geschah vor ihm, was sich vorhin begeben hatte auf dem dunklen Weg.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Werk von Alfred Döblin ein, verortet die Erzählung im Expressionismus und definiert die Zielsetzung, die psychische Erkrankung des Protagonisten Michael Fischer zu untersuchen.

2. Definition „Neurose“ und „Schizophrenie“: Hier wird das psychiatrische Verständnis zu Döblins Lebzeiten erläutert und mit aktuellen diagnostischen Kriterien für Neurosen und Schizophrenien kontrastiert.

3. Michael Fischer als seelisch erkrankter Mensch: Dieses Kapitel analysiert das Verhalten Fischers nach dem Schlüsselerlebnis der Blumenzerstörung, wobei insbesondere Wahnphänomene, Autoskopie und der innere Konflikt zwischen Schuld und Sadismus im Fokus stehen.

4. Falsche Wahrnehmung der Natur als Zeichen von seelischer Zerrüttung: Der Autor untersucht, wie die subjektiv verzerrte Wahrnehmung der Natur als Ausdrucksmittel für den fortschreitenden psychischen Zerfall des Protagonisten fungiert.

5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Fischer an einer komplexen psychischen Störung leidet, die zwischen Zwang, Neurose und schizophrenen Episoden oszilliert, wobei keine Aussicht auf Heilung besteht.

Schlüsselwörter

Alfred Döblin, Die Ermordung einer Butterblume, Expressionismus, Neurose, Schizophrenie, Psychose, Zwangsstörung, Autoskopie, Doppelgänger-Motiv, Wahnsinn, seelische Erkrankung, Naturdarstellung, literarische Analyse, psychologische Deutung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Verhalten des Protagonisten Michael Fischer in der Erzählung „Die Ermordung einer Butterblume“ von Alfred Döblin unter dem Gesichtspunkt seiner seelischen Erkrankung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen das Verständnis psychischer Störungen, die literarische Darstellung des Wahnsinns, das Motiv des Doppelgängers und die symbolische Bedeutung der Natur in expressionistischer Literatur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit soll klären, ob die Einschätzungen der Forschung, die in Fischer eine realistische Darstellung einer Zwangsneurose bzw. Schizophrenie sehen, wissenschaftlich fundiert sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Text mit zeitgenössischen und modernen psychiatrischen Krankheitsbildern sowie psychologischen Theorien, etwa von Sigmund Freud, abgleicht.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Neurose und Schizophrenie, eine detaillierte Fallanalyse von Michael Fischers Symptomen und eine Untersuchung seiner pathologischen Naturwahrnehmung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Alfred Döblin, Neurose, Schizophrenie, Wahnsinn und den expressionistischen Kontext definieren.

Wie deutet die Arbeit Fischers Erlebnis der Autoskopie?

Die Autoskopie, bei der Fischer sich selbst bei der Tat beobachtet, wird als Anzeichen einer fortgeschrittenen Psychose und als eine Form der pathologischen Selbstkonfrontation oder als Todesdrohung interpretiert.

Ist Michael Fischer am Ende der Erzählung geheilt?

Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass keine Heilung stattfindet, da Fischer seine zerstörerischen Tendenzen beibehält und sein seelischer Zustand eher eine Verschlechterung und eine fortschreitende Umnachtung zeigt.

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Details

Title
Michael Fischer - ein Neurotiker?
Subtitle
Über die Thematik des Wahns in Alfred Döblins Erzählung "Die Ermordung einer Butterblume" (1913)
College
Saarland University
Course
Seminar "Wahnsinn in der Literatur"
Grade
1,7
Author
Kristina Scherer (Author)
Publication Year
2010
Pages
22
Catalog Number
V152778
ISBN (eBook)
9783640645794
ISBN (Book)
9783640645534
Language
German
Tags
Michael Fischer Neurotiker Thematik Wahns Alfred Döblins Erzählung Ermordung Butterblume
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Scherer (Author), 2010, Michael Fischer - ein Neurotiker? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152778
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