Das Drama des Mittelalters: Passion Jesus Christus


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,0

Madeleine Kunze (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Donaueschinger Passionsspiel
2.1 Charakteristika der Dramen im Mittelalter
2.2 Inhaltliche Abfolge im Vergleich zu den Evangelien der Bibel

3. Darstellung der Wunden und Leid Jesus Christus im Donaueschinger Passionsspiel im Vergleich zum Markusevangelium

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Hilfsmittel
5.3 Sekundärliteratur

1. Einleitung

„Heloy, heloy, lama sabatan! min got, wie hastu mich verlan!“[1] Jeder sowohl heute, als auch damals assoziiert mit diesem Ausruf eine grausame Szene. Sofort wird eine Verbindung zu Jesus am Kreuz gesucht und das Leiden nachvollzogen. Es ist eine zentrale und bedeutende Aussage des Leidensweges Jesus. Dieser Ausspruch ist auch heute Ausgangspunkt vieler Predigten und Diskussionsstoff. Auch im Mittelalter wurde der Leidensweg Jesus in der Literatur verarbeitet. So entstanden zahlreiche Passions- und Osterspiele, wie auch das Donaueschinger Passionsspiel, um das es im nachfolgenden Text gehen soll. Die Arbeit wird im Rahmen des Seminars „Aussatz, Wunden, Minneleid- Krankheitsdiskurse in der mittelalterlichen Literatur“ verfasst und bezieht sich auf den Aspekt der Wunden und Leiden in der mittelalterlichen Literatur. Dabei wurde das Donaueschinger Passionsspiel herangezogen, weil es nur neutestamentarische Ereignisse darstellt und sich dadurch zum Vergleich gut eignet. Aus diesem Grund steht die Christus- und Heilsbotschaft im Mittelpunkt und beschreibt detailgetreu den Weg Jesus, auf den vor allem durch die Wunden und Leiden eingegangen wird. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden Folterungsszenen und Hinrichtungsszenen detailgetreu dargestellt. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die Wunden und Leiden Jesus im Donaueschinger Passionsspiel mit dem Markusevangelium der Bibel übereinstimmen. Diese Frage stellt den Hauptschwerpunkt der Arbeit dar und wird auf den nächsten Seiten zu beantworten versucht. Zuvor werden allgemeine Gesichtspunkte zum Donaueschinger Passionsspiel analysiert und grundlegend für den weiteren Verlauf verwendet.

„Schon sehr viele Mediävisten haben, |…|, sich mit der angedeuteten Frage befassen müssen, wie aus dem einfachen Wort der Evangelisten, „sie kreuzigten ihn“, die oft seitenlangen Beschreibungen mittelalterlicher Texte |…| werden konnten.“ Auch diese Frage wird am Ende dieser Arbeit zu beantworten versucht.[2]

2. Donaueschinger Passionsspiel

2.1 Charakteristika der Dramen im Mittelalter

Dramen des Mittelalters waren überwiegend geistliche Spiele, wie das Oster- und Passionsspiel. Dabei werden das Oster- und das Passionsspiel nicht stark unterschieden.[3] Auch das Donaueschinger Passionsspiel steht in enger Beziehung mit dem Luzerner Osterspiel. Typisch für die geistlichen Spiele war die „…Umsetzung der realen Ängste und Hoffnungen in Aktion(en)…“[4], welche sich schriftlich nur schlecht darstellen lassen. Auch das Donaueschinger Passionsspiel besteht aus einer Vielzahl von Regieanweisungen, welche versuchen Gefühle, Ängste, Not und Leid zum Ausdruck zu bringen.

„Unter den deutschen Passionsspielen des Mittelalters nimmt das Donaueschinger Passionsspiel durch die Ausführlichkeit und Detailliertheit der Bühnenanweisungen eine Sonderstellung ein.“[5]

Quellen der geistlichen Spiele waren die Liturgie, die gottesdienstlichen Handlungen, Legenden und in seltenen Fällen die Bibel. Jedoch lassen sich dadurch auch viele Parallelen zur Bibel aufzeigen, wie es auch im Donaueschinger Passionsspiel der Fall ist. Dieser Aspekt wird aber an anderer Stelle näher zu analysieren versucht. Die geistlichen Spiele stellen eine kleine Missionierung dar und sollten das Volk zur Umkehr zu Gott bewegen. Dadurch, dass dem Betrachter „…in konkreter, aber realistischer Form eine Kopie des äußeren, historischen Verlaufs der Erlösungstatsache dargeboten wird“[6], wird dem Adressat ständig die Leidensgeschichte Jesus vor Augen gehalten. In den Spielen wird zudem oft Musik eingebunden, welche die Verbindung zum Gottesdienst deutlich macht und zur Dramatisierung beiträgt. Jedoch war die Handlung den meisten mittelalterlichen Zuschauern bekannt und eine grundlegende dramatische Spannung nur durch die Ausgestaltung der Spiele, der Kostüme, der Bewegtheit der Bühnenvorgänge und Variation umsetzbar. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in den meisten Spielen die Erlösungsbotschaft thematisiert und Christus in den Mittelpunkt gestellt wird. Außerdem fehlt in fast allen Dramen des Mittelalters die grundlegende Dramatisierung, aufgrund der Vorkenntnis aus gottesdienstlichen Handlungen.

2.2 Inhaltliche Abfolge im Vergleich zu den Evangelien der Bibel

Die Variation der inhaltlichen Vorgänge trägt zu einer wichtigen Dramatisierung des Stückes bei. So ist es auffällig, dass das Donaueschinger Passionsspiel mit keinem Ablauf der vier Evangelien übereinstimmt. Jedoch ist „ …die Anlehnung an die Evangelientexte |…| am ersten Spieltag besonders groß.“[7] Aber selbst die synoptischen Evangelien weisen keine Einheitlichkeit in der Abfolge des Inhaltes auf, jedoch stimmen sie überwiegend im Inhalt überein. Auffällig am Donaueschinger Passionsspiel ist, dass es, im Gegensatz zu anderen Spielen des Mittelalters, nur neutestamentarische Ereignisse darstellt und die Alttestamentarischen nicht weiter thematisiert. Schon zu Beginn des Donaueschinger Passionsspiels wird deutlich, dass es nicht nur aus den Quellen der Evangelien schöpft, sondern auch andere Quellen heranzieht. Dies wird zum Beispiel deutlich an dem zweiten Kapitel: Weltleben und Bekehrung der Maria Magdalena. Es wird eine ausführliche Darstellung über diese Person vorgenommen, obwohl in der Bibel im Lukasevangelium lediglich steht: Jesus

„|…| predigte |…| und die Zwölf waren mit ihm, dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern |…|, nämlich Maria Magdalena |…|.“[8]

Am ersten Tag des Donaueschinger Passionsspiels werden noch viele Parallelen zu den Evangelien aufgezeigt. Die Vielzahl der Heilungen, welche auch in der Bibel vorkommen, werden in unterschiedlicher Abfolge in einen Zusammenhang gebracht. Außergewöhnlich dabei ist, dass apokryphe Szenen verwendet wurden, wie zum Beispiel „Die Heilung des blinden Marcellus“. Am zweiten Tag des Donaueschinger Passionsspiels wird der Leidensweg und die Kreuzigung Christus beschrieben, um die es in dieser Arbeit schwerpunktmäßig gehen soll. Auch am zweiten Tag des Donaueschinger Passionsspiels wird viel Stoff aus Apokryphen und Legenden aufgenommen. Während der Leidensweg in der Bibel innerhalb zweier Kapitel abgearbeitet ist, erhält der Leidenweg im vorliegenden Passionsspiel eine zentrale und wichtige Bedeutung. Um die Dramatisierung zu steigern werden die Geißelung und Gespräche mit Pilatus ausführlich dargestellt. Dabei wird immer wieder deutlich, dass nicht einzig und allein die Bibel als Quelle verwendet wurde, sondern viel mehr die Liturgie, Legenden und Erzählungen.

[...]


[1] Hartl, Eduard: Deutsche Literatur: Sammlung literarischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Entwicklungsreihen: Das Drama des Mittelalters. Band 4. Leipzig: Philipp Reclam jun., 1942, S.230.

[2] Pickering, Frederick P.: Literatur und darstellende Kunst im Mittelalter. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 1966, S. 146.

[3] Vgl. Touber, Anthonius H.: Das Donaueschinger Passionsspiel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1985, S.12.

[4] Donaueschinger Passionsspiel, S. 10.

[5] Donaueschinger Passionsspiel, S. 35.

[6] Magnus, Rosemarie: Die Christusgestalt im Passionsspiel des deutschen Mittelalters. Rüdesheim, 1965 S. 147.

[7] Donaueschinger Passionsspiel, S. 15.

[8] Beck, C.H.: Die Bibel Luthertext. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 1999, S. 78.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Drama des Mittelalters: Passion Jesus Christus
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Aussatz, Wunden, Minneleid- Krankheitsdiskurse in der mittelalterlichen Literatur
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V152783
ISBN (eBook)
9783640647538
ISBN (Buch)
9783640647637
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediävistik, Mittelalter, Jesus, Donaueschinger Passionsspiel, Christus, Drama
Arbeit zitieren
Madeleine Kunze (Autor), 2009, Das Drama des Mittelalters: Passion Jesus Christus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152783

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Drama des Mittelalters: Passion Jesus Christus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden