Schopenhauer hatte eine hohe Meinung von Kunst, besonders instrumentell zur Einsicht in die Ideen und folglich als Grundlage für seine gesamte Philosophie. Wie wirkt sich diese Bedeutung auf den Stil Schopenhauers aus? Kann sein Werk als Kunst betrachtet werden? Zweifelsohne beschreibt er eine Philosophie, doch in dieser lassen sich ästhetische Elemente feststellen. Die Gründe in seiner Philosophie für die besondere Stellung der Kunst sowie mögliche Auswirkungen auf sein eigenes Schreiben sind Thema dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Differenz zwischen Philosophie und Literatur
3 Kunst in Schopenhauers Philosophie
4 Einfluss der Kunst auf die Form des Werkes ‚Die Welt als Wille und Vorstellung’
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Schopenhauers philosophischem System und seiner literarischen Darstellungsform. Ziel ist es, den Einfluss der hohen Wertschätzung der Kunst auf seinen Schreibstil zu analysieren und zu klären, inwieweit sein Hauptwerk selbst als Kunst betrachtet werden kann.
- Differenz zwischen philosophischem Inhalt und literarischer Form
- Die Rolle der Kunst in der Erkenntnistheorie Schopenhauers
- Einfluss ästhetischer Elemente wie Gleichnisse und Zitate
- Die Bedeutung des Geniekults und die Objektivität im Stil
- Philosophie als Mitte zwischen Wissenschaft und Kunst
Auszug aus dem Buch
3 Kunst in Schopenhauers Philosophie
Ästhetik nimmt einen zentralen Stellenwert in Schopenhauers Philosophie ein. Dies wird zu allererst ersichtlich durch die mehr als ein Viertel seines Hauptwerk einnehmende Beschäftigung mit der Ästhetik (Foster 213). Sie nimmt das dritte Buch in beiden Ausgaben von ‚Die Welt als Wille und Vorstellung’ ein. Zu Beginn von Paragraph 34 im dritten Buch findet dabei zunächst die Erklärung ihren Platz, wie die Veränderung des Subjektes zum reinen, willenlosen Subjekt stattfindet (Schopenhauer WI S. 256). Um zu der Erkenntnis der Ideen zu gelangen, ist es vonnöten die Betrachtung der Welt als Individuum zu beenden.
So lange ein Mensch in seiner Individualität verbleibt, richtet sich seine gesamte Erkenntnis nach dem Satz vom Grunde, welcher wiederum immer den Willen als Endzweck hat. Bei der Veränderung des Subjektes muss also eine Loslösung von relationalen Bestimmungen erfolgen, die dazu führen kann, dass Erkenntnis ohne Willen erreicht werden kann. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist eine Erkenntnis der Ideen möglich. Diese Einsicht geschieht plötzlich (WI §34). Der Kunst fällt dabei die Aufgabe zu, die Möglichkeit zu bieten, Einsicht in die wahren Ideen der betrachteten Objekte zu eröffnen. Gute Künstler haben die Ideen bereits erfahren und sind in der Lage diese in ihren Kunstwerke erfahrbar zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik ein, indem es die Verflechtung von Schopenhauers Philosophie mit der Kunst sowie den Einfluss seiner Gedanken auf die Literatur aufzeigt.
2 Differenz zwischen Philosophie und Literatur: Hier wird der prinzipielle Widerspruch zwischen dem philosophischen Gehalt und der notwendigen, aber begrenzten Form der sprachlichen Vermittlung thematisiert.
3 Kunst in Schopenhauers Philosophie: Dieses Kapitel erläutert den Stellenwert der Ästhetik und die Rolle der Kontemplation bei der Erkenntnis der Ideen.
4 Einfluss der Kunst auf die Form des Werkes ‚Die Welt als Wille und Vorstellung’: Untersucht wird, wie Schopenhauer durch Gleichnisse, Zitate und einen objektiven Stil den Spagat zwischen philosophischer Strenge und künstlerischer Anschaulichkeit zu meistern versucht.
5 Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt die Bedeutung der Ästhetik als integralen Bestandteil von Schopenhauers Schaffen.
Schlüsselwörter
Schopenhauer, Philosophie, Literatur, Kunst, Ästhetik, Wille, Vorstellung, Idee, Kontemplation, Gleichnis, Zitat, Objektivität, Erkenntnistheorie, Genie, Schreibstil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Philosophie und Literatur bei Arthur Schopenhauer und analysiert, wie er ästhetische Mittel in seine philosophischen Texte integriert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Differenz zwischen philosophischem Inhalt und literarischer Form, die Ästhetik, die Rolle des Genies und die Funktion von Kunst als Erkenntnisquelle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schopenhauer die ästhetischen Elemente als Werkzeug nutzt, um seine Philosophie der Welt als Wille und Vorstellung für den Leser verständlicher und lebendiger zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die Schopenhauers Primärtexte, insbesondere sein Hauptwerk, mit der existierenden Sekundärliteratur vergleicht und interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ästhetischen Komponenten von Schopenhauers Schreiben, wie die gezielte Verwendung von Gleichnissen und Zitaten, sowie sein Konzept der objektiven, willenlosen Erkenntnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Schopenhauer, Ästhetik, Wille, Vorstellung, Kontemplation, Objektivität und die Verbindung von Literatur und Philosophie.
Welche Funktion haben die Gleichnisse bei Schopenhauer?
Gleichnisse dienen als „mächtiger Hebel für die Erkenntnis“, da sie abstrakte philosophische Begriffe anschaulich machen und den Leser bei der Kontemplation unterstützen.
Warum verwendet Schopenhauer Zitate in ihrer Originalsprache?
Schopenhauer möchte die Autoren ehren und gleichzeitig die präziseste und klarste Ausdrucksweise für seine Gedanken finden, da er die Feinheiten der Sprache für unerlässlich hält.
Wie bewertet Schopenhauer die Rolle des Genies?
Für Schopenhauer zeichnet sich ein Genie dadurch aus, dass sein Intellekt so weit von seinem Willen entfernt ist, dass es unabhängig von der Alltagssituation Einsicht in die wahren Ideen gewinnen kann.
Welche Rolle spielt die Zeit in der Kontemplation?
In der tiefen Kontemplation ist das Individuum laut Schopenhauer vom Satz vom Grunde gelöst, wodurch Zeit, Raum und Kausalität an Bedeutung verlieren und eine rein objektive Schau möglich wird.
- Citation du texte
- Eric Busse (Auteur), 2008, Über die Beziehung zwischen Philosophie und Literatur bei Schopenhauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152810