Die von Samuel Huntington erwähnte Dritte Welle der Demokratisierung, deren Anfang in den Siebzigern liegt, zog sich hin bis in die Neunziger und zeichnete den Zerfall des Totalitarismus in Ländern Lateinamerikas, Süd- und Osteuropa sowie in Ostasien auf. Die Demokratisierung trat jedoch in diesen Regionen in unterschiedlicher Art und Weise auf. So ist beispielsweise in den meisten osteuropäischen Staaten der Regimeübergang durch einen allmählichen "von unten erzwungenen Systemwechsel" (Merkel 1999, zit. nach Hoffmann 2008) hervorgerufen worden, welcher von den Massenprotesten der Bevölkerung unterstützt wurde und somit in die Transformationsphasen dieser Systeme einfließt.
Dem Transformationsprozess eines politischen Systems werden oft in der Transformationsforschung nicht nur interne sondern auch externe Faktoren beigemessen. Dazu zählen die politische Kultur, die Zivilgesellschaft, sowie die Internationale Unterstützung. Diese Faktoren spielen eine erhebliche Rolle in dem Transformationsverlauf eines Landes.
Davon ausgehend wird es Gegenstand dieser Arbeit sein den Transformationsprozess Albaniens näher zu durchleuchten. Dabei wird zunächst auf die kommunistische Vorgeschichte eingegangen um damit die Ursachen und Problematik des Regimeübergangs aufzuzeigen. Die in der Literatur verwendeten Transformationsphasen, wie z.B. das Ende des autokratischen Systems, die Institutionalisierung (Demokratisierung) und die Konsolidierung der Demokratie dienen zur Transformationsanalyse, wobei politische und wirtschaftliche Instabilitäten seit den Neunzigern hervorgehoben werden. Die theoretischen Modellen der Transformationsforschung werden hierbei auf die Rahmenbedingungen Albaniens übertragen, worauf Bezug auf Fragestellung genommen wird:
Ist die neu entstandene Demokratie in Albanien nach einem langjährigen kommunistischen Erbe als liberal oder als defekt einzuschätzen?...
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das totalitäre Regime (1945-1990)
2. Die Phasen des Transformationsprozesses
2.1 Die Liberalisierung und das Ende des autokratischen Regimes (1986-1992)
2.2 Institutionalisierung der Demokratie: ökonomische und politische Entwicklungen
2.2.1. Die politischen Unruhen im Jahr 1997
2.3 Demokratische Konsolidierung oder Fortsetzung der Institutionalisierung?
2.3.1. Politische Kultur und Zivilgesellschaft
2.3.2 Rechtsstaatlichkeit
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Transformationsprozess Albaniens in den 1990er Jahren mit der zentralen Forschungsfrage, ob die neu entstandene Demokratie nach dem langen kommunistischen Erbe als liberal oder als defekt einzuschätzen ist.
- Analyse der kommunistischen Vorgeschichte und deren Auswirkungen auf den Regimeübergang.
- Untersuchung der Transformationsphasen: Liberalisierung, Institutionalisierung und Demokratisierung.
- Beleuchtung der politischen und wirtschaftlichen Instabilitäten seit den 1990er Jahren.
- Rolle der Zivilgesellschaft und der politischen Kultur im Demokratisierungsprozess.
- Bewertung der Rechtsstaatlichkeit und der Hindernisse durch Korruption und Klientelismus.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Liberalisierung und das Ende des autokratischen Regimes (1986-1992)
„Von System- bzw. Regimewandel kann erst dann gesprochen werden, wenn sich grundlegende Funktionsweisen und Strukturen eines Systems zu verändern beginnen. Ein solcher Veränderungsprozess verläuft evolutionär, d.h. allmählich und nicht abrupt“ (Merkel 2006:155). Im Fall Albaniens strebte der damalige Präsident Alia einige Veränderungen an, die aber in seiner Regierungszeit keinen bahnbrechenden Richtungswechsel in der Politik hervorrief.
Dahingehend konnte das zunehmende Bedürfnis an einer allmählichen Annäherung Albaniens an andere Balkanländer betrachtet werden. Deutlich wurde dies insbesondere an der Teilnahme von Albanien in der Außenminister Konferenz der Balkanländer im Februar 1988 in Belgrad. Dies „signalisiert Albaniens Abkehr von seiner bisherigen Isolationspolitik bzw. die Bereitschaft, einen ersten Schritt in Richtung auf eine Eingliederung in die internationale Gemeinschaft zu wagen“ (Reuter-Hendrichs 1990:79). Somit traten einige Veränderungen in der politischen Kultur Albaniens auf.
Liberalisierungsmaßnahmen beinhalten nach Huntington jedoch keinesfalls eine vollständige Demokratie. Sie werden von den Reformern oder Gemäßigten eher als ein Mittel zur Beschwichtigung der Opposition benutzt. Dennoch haben diese Reformer nicht vor, transparente Wahlen zu präsentieren, weil dadurch ihre bisherige Führungsmacht abhanden kommen kann (Vgl. Huntington 1991:129). Wenngleich Alia eine lockerere Politik unternahm, in dem er Reformen in dem wirtschaftlichen Sektor einleitete und gewissermaßen die Religionsfreiheit zuließ, blieb das von Hoxha „geerbte“ autoritäre System in anderen Bereichen trotzdem intakt (Vgl. Biberaj: 1990).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand des albanischen Transformationsprozesses von 1990 bis 2001 und stellt die Forschungsfrage nach dem Charakter der albanischen Demokratie.
1. Das totalitäre Regime (1945-1990): Dieses Kapitel analysiert die stalinistische Herrschaft unter Enver Hoxha, die durch eine extreme Isolationspolitik und totale staatliche Kontrolle geprägt war.
2. Die Phasen des Transformationsprozesses: Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die den Weg von der ersten Liberalisierung über die politisch-ökonomische Institutionalisierung bis hin zur schwierigen Konsolidierung der demokratischen Ordnung nachzeichnet.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Albanien aufgrund von Instabilität, Korruption und einem autoritären Erbe noch weit von einer gefestigten liberalen Demokratie entfernt ist.
Schlüsselwörter
Albanien, Transformationsprozess, Demokratisierung, Totalitarismus, Enver Hoxha, Sali Berisha, Institutionalisierung, Demokratische Konsolidierung, Zivilgesellschaft, Rechtsstaatlichkeit, politische Kultur, Korruption, Postkommunismus, Systemwechsel, defekte Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Transformation Albaniens vom totalitären stalinistischen System hin zu einer demokratischen Ordnung in den 1990er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf das kommunistische Erbe, die verschiedenen Phasen des Demokratisierungsprozesses, die wirtschaftliche Instabilität und die Entwicklung demokratischer Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die nach dem Kommunismus entstandene Demokratie in Albanien als liberal oder als defekt einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine politikwissenschaftliche Transformationsanalyse angewandt, die theoretische Modelle auf die albanische Realität überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Zusammenbruch des alten Systems, die schwierige Etablierung neuer Parteien und Institutionen sowie die Auswirkungen der Staatskrise von 1997 untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Transformation, Demokratisierung, Defekte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Zivilgesellschaft und politische Elite.
Warum war die Ära unter Enver Hoxha für den späteren Prozess so prägend?
Die stalinistische Isolation und das zentralistische Machtmonopol hinterließen tief verwurzelte autoritäre Strukturen, die den späteren demokratischen Übergang massiv erschwerten.
Welchen Einfluss hatten die Ereignisse des Jahres 1997?
Die Krise der betrügerischen Pyramidengesellschaften führte zu anarchischen Zuständen, schwächte das Vertrauen in staatliche Institutionen nachhaltig und verlangsamte den Konsolidierungsprozess erheblich.
Warum wird die albanische Demokratie als „defekt“ bezeichnet?
Trotz formaler demokratischer Strukturen behindern Korruption, Klientelismus und die mangelnde Unabhängigkeit der Judikative die Etablierung einer voll funktionsfähigen liberalen Demokratie.
- Citation du texte
- Alma Bocaj (Auteur), 2010, Der Transformationsprozess Albaniens in den Neunzigern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152812