Das deutsche und amerikanische Hochschulsystem im Vergleich


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dimensionen des Hochschulsystems

3. Analyse des amerikanischen Hochschulsystems

4. Analyse des deutschen Hochschulsystems

5. Struktureller Vergleich

6. Zusammenfassung

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das deutsche Hochschulbildungssystem befindet sich derzeit im Umbruch; nach immer lauter werdender Kritik aus Wissenschaft, Gesellschaft und Politik an bürokratischen Strukturen, mangelnden Leistungsanreizen und zu langen Studienzeiten im Zusammenhang mit fortschreitender Globalisierung und Internationalisierung des Bildungsmarktes sowie daraus resultierendem steigendem Wettbewerb und der Forderung nach mehr Mobilität führte die Umsetzung des Bologna-Prozesses zu umfassenden Reformen. Die Umstellung der Studiengänge von Diplom- auf Bachelor- und Masterabschlüsse, die –vergleichbar mit dem amerikanischen Modell- das Sammeln von Credit Points und die Hoffnung auf größere Mobilität –Hochschulwechsel und die Anerkennung im Ausland erworbener Leistungen sollen damit erleichtert werden- beinhalten sowie die Einführung von Studiengebühren bedeuten einschneidende Veränderungen im traditionell gewachsenen, von gesellschaftlichen und spezifisch deutschen kulturellen Werten geprägten Hochschulwesen. Aufgrund der im Rahmen der Mediendiskussion geforderten oder im Zuge des Bologna-Prozesses schon umgesetzten „Amerikanisierung“ deutscher Universitäten soll die vorliegende Arbeit einen Vergleich der beiden Hochschulsysteme anstellen, allerdings auf Grundlage der Strukturen vor Beginn des Reformprozesses. Diese Herangehensweise soll mögliche Hindernisse auf dem Weg zur Angleichung und Unvereinbarkeiten beider Systeme, aber auch Gemeinsamkeiten herausstellen, so dass die folgenden Ausführungen als Grundlage und Maß für spätere Vergleiche und Analysen, die sich mit den Auswirkungen der Reformen beschäftigen, dienen können.

Zunächst werden zur Vorbereitung der Analyse des deutschen und amerikanischen Bildungssystems verschiedene Dimensionen der Betrachtung eingeführt, um die komplexen Strukturen durch Kategorisierung benennbar und verständlicher zu machen, auch wenn dies eine Vereinfachung und den Ausschluss bestimmter Aspekte zur Folge hat, was aber für den Rahmen einer Hausarbeit geboten scheint. Anschließend wird die Analyse bezüglich der eingeführten Dimensionen durchgeführt, wonach die Strukturen des tertiären Bildungswesens beider Länder zum Zeitpunkt vor den Reformen verglichen werden. Schließlich werden in der Zusammenfassung noch einmal die wichtigsten Punkte herausgestellt und ein abschließendes Fazit gegeben. Außerdem beinhaltet diese Arbeit einen Exkurs zur Chancengleichheit auf dem Bildungssektor im Amerika der 1960er Jahre.

2. Dimensionen des Hochschulsystems

Im folgenden Kapitel sollen zum Zwecke der vereinfachenden Kategorisierung verschiedene Dimensionen der Betrachtung eines Schulsystems vorgestellt werden, die gleichzeitig auch die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit der anschließenden Analyse unterstützen sollen.[1]

Zunächst einmal muss ein zu vergleichendes Bildungssystem auch aus der historischen Perspektive betrachtet werden, da die Ausbildung und Gestaltung des Hochschulwesens pfadabhängig ist und somit geschichtliche Ereignisse und traditionelle Überzeugungen, Normen und Werte einer Kultur, eines Landes und seiner Gesellschaft eine maßgebliche Rolle spielen.

In modernen Gesellschaftssystemen gewinnt das höhere Bildungswesen zunehmend an Bedeutung; dieser Umstand ist auch dem wachsenden internationalen Wettbewerbsdruck und höheren Qualitätsansprüchen an Universitätsabsolventen seitens des Arbeitsmarktes geschuldet. Aufgrund des Interesses einer Gesellschaft an der Optimierung seines Bildungssystems, der Positionierung der nationalen Institutionen höherer Bildung auf dem globalen Bildungsmarkt und der dazu erforderlichen Veränderungen versteht sich die Betrachtung der tertiären Ausbildung aus der gesellschaftlichen Perspektive.

In engem Zusammenhang hierzu steht die kulturelle Dimension. Der Einbezug kultureller Aspekte ist eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis der gewachsenen Strukturen und Abläufe innerhalb eines Bildungssystems.

Unter den Überbegriff der institutionellen Dimension lassen sich die politische, individuelle und personale Dimension fassen. Die politische Dimension beinhaltet eine hochschulpolitische Perspektive, betrachtet aber auch die Einflussmöglichkeiten des übergeordneten politischen Systems und die Abhängigkeiten oder Freiheiten öffentlicher und privater Bildungseinrichtungen. Auf individueller Ebene beeinflusst Bildung die Lebenssituation und hieraus entsteht ein persönliches Interesse. Als Arbeitgeber für Wissenschaftler, Lehrpersonal und Verwaltungsangestellte agiert die Universität auf personaler Ebene.

Zu guter Letzt ist auch noch eine ökonomische und finanzielle Betrachtungsperspektive einzunehmen, da die verschiedenen öffentlichen und privaten Finanzierungsformen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung, Ausgestaltung und Qualität des Hochschulsystems haben.

Zu dieser kategorialen, für die Analyse relevanten Einteilung ist zu sagen, dass die Dimensionen einer gewissen Interdependenz unterliegen, jedoch eine umfassende Analyse des komplexen Gegenstands Hochschulsystem durch sie wesentlich erleichtert wird.

3. Analyse des amerikanischen Hochschulsystems

In diesem Abschnitt wird das amerikanische Hochschulsystem unter Bezugnahme auf die oben genannten Dimensionen analysiert und dargestellt.

Historische Dimension

In der amerikanischen Gesellschaft spielten Hochschulen bis zur Gründung der Republik 1776 keine Rolle. Während der Kolonialzeit existierten erste klerikale Colleges, die am Vorbild englischer oder holländischer Universitäten orientiert waren. Harvard wurde 1636 als erste Universität gegründet und ist bis heute eine der renommiertesten Bildungseinrichtungen der Vereinigten Staaten.

Die Entwicklung des Hochschulsystems lässt sich in drei Phasen (vgl. Scott 1983, S. 29 ff) einteilen. Nach dem Bürgerkrieg (ab 1865) erwies sich die Industrialisierung als stärkste Triebfeder; zumeist Unternehmer und Bankiers gründeten eigene Hochschulen, die dem eigenen Ansehen, aber auch der Arbeitnehmerqualifikation dienen sollten. So wandelte sich das – durch die Gründerväter übernommene deutsche - humanistische Ideal der höheren Bildung zu einem utilitaristisch geprägten Konstrukt. Zwischen der Jahrhundertwende und dem Ende des Zweiten Weltkriegs differenzierte sich das akademische System in Amerika durch die Gründung von Stiftungen mit Hilfe privater Mittel, die einen Bildungsauftrag erfüllen sollten. Diese private finanzielle Unterstützung begünstigte auch die Anhebung akademischer Standards. Dennoch blieb die staatliche Hochschulpolitik bis Mitte des 20. Jahrhunderts unbedeutend. Erst der Higher Education Act von 1965, der staatliche Universitäten finanziell förderte und der Ansturm der geburtenreichen Jahrgänge des Babybooms auf akademische Einrichtungen verstärkten das staatliche Engagement.

Aus diesen historischen Entwicklungen erklärt sich zum Einen die nachrangige Bedeutung öffentlicher Kontrolle und Trägerschaft akademischer Institutionen in Amerika und zum Anderen begründen sie die weitere Entwicklung des Hochschulsystems und seine heutige Ausgestaltung.

Gesellschaftliche Dimension

Die amerikanische Gesellschaft ist stark von wettbewerblichen, freiheitlichen Idealen geprägt, denen auch das Bildungssystem unterliegt. So stehen sowohl die Universitäten im Werben um vielversprechende, talentierte High-School-Absolventen als auch die Studienbewerber im Rennen um den attraktivsten Studienplatz in Konkurrenz. Doch nur wenige Universitäten –etwa 175 von über 3000 - können sich den Luxus der Bewerberauswahl nach strengsten Kriterien leisten; in jedem Bundesstaat gibt es Universitäten, deren einziges Zulassungskriterium das bestandene High-School-Diplom ist. Theoretisch kann also jeder Absolvent einen Studienplatz bekommen. Da viele Hochschulen nicht geringfügige Schulgebühren verlangen ist der finanzielle Hintergrund der Bewerber jedoch von großer Bedeutung, weshalb es eine Vielzahl öffentlicher und privater Fördermittel (beispielsweise in Form finanzieller Nachlässe oder Bonuspunkte) gibt.

Kulturelle Dimension

Amerikanische Universitäten kann man im Gegensatz zu den deutschen als weitgehend unpolitisch bezeichnen, von einer intensiven, aber kurzen Phase des studentischen Widerstands gegen den Vietnamkrieg einmal abgesehen.

Auffällig ausgeprägt ist dagegen das ehrenamtliche Engagement amerikanischer Studenten. Religion und kirchliche Aktivitäten spielen in der Familie und Gemeinde und weiter an der Hochschule eine bedeutende Rolle, was auch auf die strengen Aufnahmekriterien beliebter (Elite-)Universitäten zurückzuführen ist. Unentgeltliche, soziale Tätigkeit ist neben überdurchschnittlicher akademischer Leistungsfähigkeit eine Voraussetzung für das Studium an einer der „selective“ Universitäten. Eine weitere Besonderheit im Vergleich mit der deutschen Hochschulkultur ist der sogenannte „school spirit“, ein stark ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl, die Identifikation mit den Angehörigen und Traditionen einer Universität. Dies wird besonders deutlich bei der Betrachtung des Hochschulsports und der Vielfalt an käuflich zu erwerbenden Artikeln – ein Teil der finanziellen Mittel wird oft selbst erwirtschaftet - in den Farben und mit dem Logo der jeweiligen Institution. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hochschule wird zur Schau getragen und stolz präsentiert, auch über das aktive Studium hinaus. Alumni sind großzügige finanzielle Unterstützer ihrer Universität.

[...]


[1] Die Darstellung der Dimensionen und ihre anschließende Analyse erfolgt in Anlehnung an Wentzel (2000).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das deutsche und amerikanische Hochschulsystem im Vergleich
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V152820
ISBN (eBook)
9783640646753
ISBN (Buch)
9783640647095
Dateigröße
2880 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochschulsystem, deutsch, amerikanisch, Hochschulvergleich
Arbeit zitieren
Nadja Belobrow (Autor), 2009, Das deutsche und amerikanische Hochschulsystem im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152820

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