Denkt man an die Tropen, so hat man schnell das Bild von allerlei tropischen Früchten, überfüllten Marktständen mit exotisch aussehendem Gemüse und duftenden Gewürzen vor Augen. Schier grenzenlos sind die Möglichkeiten des Anbaus von Pflanzenarten in den Tropen. Oftmals gibt es sogar regionale Sorten, die nur in einem Gebiet angepflanzt werden. Die Agrarbiodiversität spiegelt sich nicht nur in einer großen Arten- und Sortenvielfalt wider, auch die Form des Mischanbaus ist ein Ergebnis der besonderen Agrarbiodiversität in den Tropen. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, warum es gerade in den Tropen eine solch große Anzahl an Nutzpflanzen gibt und ob die traditionelle Form des Mischanbaus noch zeitgemäß ist. Desweiteren sollen Möglichkeiten und Institute, die für einen Erhalt dieser Diversität kämpfen, vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Nutzpflanzen
2.2 Biodiversität
3. Agrarbiodiversität in den Tropen
3.1 Landsorten
3.2 Gründe für eine besonders hohe Agrarbiodiversität in den Tropen
4. Praxis des biodiversen Anbaus in den Tropen
4.1 Mischanbau
5. Gründe für den Erhalt von Agrarbiodiversität in den Tropen
5.1 Erhöhter Ertrag an Nahrung bei Mischkultur
5.2 Erhalt der Landsorten für zukünftige Zuchtprogramme
5.3 Ungenutzte Potentiale tropischer Feldfrüchte
6. Die Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität
6.1 Die Ex sito-Konservierung
6.2 Die In sito-Konservierung
7. Institutionelle Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität
7.1 Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)
7.2 International Rice Research Institute (IRRI)
7.3 Centro Internacional de Agricultura Tropical (CIAT)
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung der Agrarbiodiversität in den tropischen Regionen, analysiert die Vorteile der traditionellen Mischanbauweise gegenüber Monokulturen und beleuchtet die Rolle verschiedener internationaler Institutionen bei der Bewahrung dieser genetischen Vielfalt für zukünftige Zuchtprogramme.
- Grundlagen der Agrarbiodiversität und Nutzpflanzendefinition.
- Ökologische und sozioökonomische Vorteile des Mischanbaus.
- Die Bedeutung von Landsorten für die globale Ernährungssicherheit.
- Strategien der Ex-situ- und In-situ-Konservierung.
- Institutionelle Ansätze zur Erhaltung tropischer genetischer Ressourcen (FAO, IRRI, CIAT).
Auszug aus dem Buch
4. Praxis des biodiversen Anbaus in den Tropen
„Die vorherrschende Anbauweise in der shifting cultivation ist ein ungeregelter Mischanbau" (Caesar 1986: 156). Unter diesen Mischanbau ist kein ganz willkürliches Anbauen von verschiedenen Pflanzen gemeint. Das Wort „ungeregelt“ bezieht sich hier nur auf die räumliche Einteilung, nicht auf die zeitliche Abfolge von Saat, Pflanzung und Ernte. Hier ist sehr wohl eine geregelte Ordnung festzustellen. Das Feld beherbergt deshalb eine große Arten und Sortendichte, da es sich beim Wanderfeldbau meist um Subsistenzwirtschaft handelt und der Landwirt alles was er an Nahrung benötigt selbst anbauen muss. Es ist daher von Vorteil, wenn auf dem Feld immer etwas geerntet werden kann, zumal die Vorratshaltung in den Tropen aufgrund der hohen Temperaturen Probleme mit sich bringt (Caesar 1986: 146, 156).
Damit der Mischanbau eine ordentliche Ernte abwirft, werden zu erst die Pflanzen angebaut, die am empfindlichsten gegenüber Konkurrenz sind. Dies ist z.B. Reis, Soghum oder Sesam. Haben diese Pflanzen eine Bestimmte Wuchshöhe erreicht, kann damit begonnen werden, Kulturen zu pflanzen, die eine langsame Jugendentwicklung haben und den Boden erst nach der Ernte der Konkurrenzempfindlichen Pflanzen bedecken und ausnutzen wie z.B. Maniok, Yams und Bananen. Es ist auch möglich zwischen diesen Gewächsen Mais, Süßkartoffeln und Bohnen anzubauen. Neben der bereits erwähnten gleichmäßigen Haushaltsversorgung sind als weitere Vorteile noch eine Senkung des Ertragsrisikos und eine Verringerung des Befalls von Krankheiten und Schädlingen zu nennen. Doch diese Form des Anbaus bringt auch Nachteile mit sich. Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel wird erschwert, da jede Pflanze andere Bedürfnisse hat. Das Ernten mit Arbeitshilfsmitteln wird zudem erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht (Caesar 1986: 156-157).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der tropischen Agrarbiodiversität ein und formuliert die Zielsetzung, die Relevanz der Mischanbauweise sowie die Bedeutung der Erhaltungsbemühungen zu analysieren.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Nutzpflanzen und Biodiversität im Kontext der landwirtschaftlichen Nutzung.
3. Agrarbiodiversität in den Tropen: Es werden die historischen Ursprünge der Pflanzendomestikation und die Gründe für die besonders hohe Arten- und Sortendichte in tropischen Gebieten beleuchtet.
4. Praxis des biodiversen Anbaus in den Tropen: Das Kapitel beschreibt den Mischanbau als traditionelle Anbauform, deren ökologische Logik und Vorteile für die Subsistenzwirtschaft erläutert werden.
5. Gründe für den Erhalt von Agrarbiodiversität in den Tropen: Hier werden die ökonomischen, agrarwirtschaftlichen und genetischen Argumente für den Erhalt der biologischen Vielfalt dargelegt.
6. Die Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität: Das Kapitel vergleicht die Methoden der Ex-situ-Konservierung (Genbanken) mit der In-situ-Konservierung (on-farm) hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile.
7. Institutionelle Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität: Es wird die Rolle internationaler Forschungseinrichtungen wie CGIAR, FAO, IRRI und CIAT bei der Sicherung genetischer Ressourcen aufgezeigt.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Erhalt der Agrarbiodiversität für eine nachhaltige Zukunft essenziell ist und die traditionelle Diversität als "Schatzkammer" für die Welternährung dient.
Schlüsselwörter
Agrarbiodiversität, Tropen, Mischanbau, Landsorten, Nutzpflanzen, Nachhaltigkeit, Genetische Ressourcen, Subsistenzwirtschaft, FAO, IRRI, CIAT, Pflanzenzüchtung, Artenvielfalt, Sortendiversität, Ernährungssicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der biologischen Vielfalt in der tropischen Landwirtschaft und der Notwendigkeit, diese durch geeignete Anbaumethoden und institutionelle Unterstützung zu bewahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen der Vergleich zwischen Mischanbau und Monokultur, der Wert von Landsorten für die Züchtung sowie die Rolle internationaler Organisationen bei der Gen-Konservierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, warum tropische Regionen eine solch hohe Agrarbiodiversität aufweisen, ob traditionelle Mischanbauweisen zeitgemäß sind und wie diese Vielfalt langfristig erhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung von Fallbeispielen sowie Daten internationaler Forschungsinstitute.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Analyse der landwirtschaftlichen Praxis (Mischanbau), die Argumentation für den Erhalt der Sortenvielfalt und eine Vorstellung institutioneller Erhaltungsstrategien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Agrarbiodiversität, Landsorten, Mischanbau, genetische Ressourcen und Nachhaltigkeit.
Warum wird der Mischanbau in den Tropen als überlegen gegenüber Monokulturen dargestellt?
Der Mischanbau bietet ein geringeres Ertragsrisiko, fördert die Bodenfruchtbarkeit und ermöglicht die kontinuierliche Nahrungsmittelversorgung, was für die Subsistenzwirtschaft in den Tropen entscheidend ist.
Welches Paradoxon beschreibt der Autor in Bezug auf moderne Pflanzenzüchtung?
Das Paradoxon besteht darin, dass hochgezüchtete moderne Sorten die Landsorten verdrängen, welche jedoch gleichzeitig die genetische Basis für zukünftige, stressresistente Züchtungen bilden.
Wie unterstützen Institutionen wie das IRRI die lokale Landwirtschaft in Krisenzeiten?
Das IRRI greift auf seine umfangreichen Sammlungen an Landsorten zurück, um beispielsweise bei Umweltkatastrophen wie Versalzung oder Virusbefall schnell angepasste, widerstandsfähige Sorten bereitzustellen.
- Quote paper
- Steffen Bauer (Author), 2009, Agrarbiodiversität in den Tropen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152977