Politische Systeme - Transition, Klassifikation

Theorie, Praxis, Probleme


Seminararbeit, 2008
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Klassifikation bei Linz
1.1.) Totalitarismus
1.2) Aurotitarismus
1.2.1.) Subtypen autoritärer Systeme

2.) Definition des Totalitarismus bei Hannah Arendt

3.) Demokratische Transition
3.1.) Grundannahmen
3.1.1.) Zentrale Fragestellung
3.1.2.) Kriterien für abgeschlossene Transition
3.1.3.) Staatsbildung und Nationenbildung
3.2.) Systemspezifische Transitionswege und Kriterien dafür
3.3.) Notwendige Minimalbedingungen für demokratische Transition nach Regimetypen

4.) Fallbeispiele
4.1.) Spanien
4.2.) Chile

5.)Schlussfolgerungen und Kritik

6.) Literaturverzeichnis

1.) Klassifikation bei Linz

Politische Systeme zu klassifizieren gestaltet sich als schwierig. Unterschiedliche Autoren definieren und klassifizieren bestimmte Länder und Systemtypen unterschiedlich. Totalitäre Länder, der Definition nach Linz folgend, weisen auch Merkmale autoritärer Systeme auf und umgekehrt. Auch Linz selbst ist dieses Dilemma bekannt, er selbst weist darauf hin, dass Übergänge zwischen autoritären und totalitären Regimen fließend sind. Trotz unseres Wissens, dass Definitionen und Klassifikationen nicht immer vollständig und erschöpfend die Realität beschreiben, stellt Linz` Klassifikationssystem dennoch ein unabdingliches Werkzeug für ein besseres Verständnis der politischen Prozesse in einem politischen System dar.

1.1.) Totalitarismus

Linz definiert ein politisches System als totalitär, wenn folgende Merkmale gemeinsam auftreten: das Vorhandensein einer Ideologie, einer Einheitspartei mit Massencharakter, weiterer mobilisierender Organisationen und letztlich konzentrierte Macht einer Person oder Gruppe. Beteiligung und aktive Mobilisierung der Massen in allen gesellschaftlichen Bereichen, Politisierung durch eine auf Propaganda und Konformität basierenden Partei und ein starker Personenkult sichern die Verfestigung der Ideologie im Bewusstsein der Bevölkerung. Im Totalitarismus verschwindet die Trennung zwischen Staat, Ökonomie und Privatem. Eine Parteikarriere ist langfristig geplant und innerparteilicher Aufstieg erfordert viel Zeit und konformes Verhalten. Linz` Definition folgend, können also Faschismus und Stalinismus als totalitäre Systeme bezeichnet werden.

1.2) Aurotitarismus

Autoritär nennt Linz politische Systeme, welche über keine ausgearbeitete und leitende Ideologie verfügen, in denen ein begrenzter politischer Pluralismus besteht “und in denen keine extensive oder intensive politische Mobilisierung… stattfindet und in denen ein Führer oder manchmal eine kleine Gruppe die Macht innerhalb… vorhersagbarer Grenzen ausübt“ (siehe Linz (2003): S.129). Während totalitäre Regime durch das Vorhandensein einer Ideologie charakterisiert sind, sind im Autoritarismus Mentalitäten vorhanden, welche die Sichtweise der herrschenden Gruppe reflektieren. Das Fehlen einer Ideologie erschwert die Mobilisation der Massen und deren Identifikation mit dem Regime. Eine Inklusion des Volkes ist im Autoritarismus auch nicht intendiert, sondern Autoritarismus sichert die Herrschaft einer bestimmten Elite.

Als wichtigste Subtypen autoritärer Regime erachte ich bürokratisch-militärische Regime, postkoloniale autoritäre Regime, insbesondere deren Subtyp der Rassen- oder ethnischen Demokratien und posttotalitäre Regime. Im Folgenden werde ich kurz diese Subtypen des Autoritarismus näher behandeln.

1.2.1.) Subtypen autoritärer Systeme

Übernahme der Regierung durch Militär oder Bürokratie oder Teile dieser stellt die häufigste Form autoritärer Regime dar. Obwohl offiziell in bürokratisch- militärischen Regimes keine Einheitspartei besteht, werden andere Parteien durch Manipulation, Korruption und politische Morde für das Regime ungefährlich gemacht. Beispiele für diesen Typus stellten die Militärregime in Chile und Argentinien dar.

Vom Subtyp Rassen- oder ethnische Demokratien der postkolonialen autoritären Regime spricht man, wenn zwar für eine ethnische Gruppe demokratische Rechte bestehen und ebensolche Prozesse stattfinden, eine andere Ethnie aber von diesen Rechten ausgeschlossen wird. Herrschaft wird “allein zum Wohl einer regierenden rassischen Minderheit“ ausgeübt. (siehe Linz (2003): S.215 ) Als Beispiel für diesen Typus galt lange Zeit das Apartheitsregime in Südafrika.

Im Posttotalitarismus setzt zuerst eine Liberalisierungsphase ein. Dieser zunehmender Pluralismus und dessen revolutionäres Moment werden jedoch von der bürokratisch und technokratisch agierenden Führung gebremst. Osteuropäische Transitionen zeugen von diesem Prozess.

2.) Definition des Totalitarismus bei Hannah Arendt

Hannah Arendts politischer Philosophie folgend, klassifiziert sie Antisemitismus, Nationalismus und Imperialismus als Vorläufer des Totalitarismus. Totalitarismus umfasst auch bei Arendt Stalinismus und Faschismus und bezeichnet ein System, in dem alle politischen Möglichkeiten durch die totale Herrschaft zerstört wurden. Zerstörung der Privatsphäre, ständiges Töten und Terror kennzeichnen den Totalitarismus. Im Totalitarismus leben die Menschen unter ständiger Todesangst, die permanent drohende Denunziation und Deportation ins KZ sichert totalen Gehorsam. (vgl. Arendt (2006): S. 958) Daher endet der Terror auch nicht, wenn die Opposition vernichtet ist, da der Gehorsam der Bevölkerung nur mittels Terror aufrechterhalten werden kann. Die Verhinderung von Unkonformismus ist zentrales Element des Totalitarismus, auch konforme Mitglieder können exemplarisch-präventiv bestraft werden, niemand ist im Totalitarismus sicher. Totalitarismus ist in seinem Charakter expansiv, in seiner Bestrebung, eine Ideologie zu verwirklichen, sind seine Ziele erst verwirklicht, wenn er die Weltherrschaft erlangt hat.

Arendt erkannte wichtige Charakteristika des Totalitarismus, auf ihre Erkenntnisse bauten viele spätere Arbeiten zum Thema Totalitarismus auf. In ihrem erstmals 1951 erschienen Buch “Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ beschreibt sie unter anderem die Partei im Totalitarismus, die Zwiebelstruktur der Organisationen und die Rolle der Geheimorganisationen. (vgl. Arendt (2006): S. 814ff.)

Nationalismus als Politisches Konzept des Nationalstaates, welcher auf der Einheit von Volk, Territorium und Staat beruht, hielt nie der Wirklichkeit stand, da es immer ethnische Minderheiten in einem bestimmten Staatsgebiet gibt. Hier stimmt Arendt mit den Ansichten von Linz und Stepan überein, dass eine der gefährlichsten Ideen für eine Demokratie jene Ansicht darstellt, dass sich jeder Staat in einen Nationalstaat entwickeln solle und dass jede Nation ihren eigenen Staat bekommen solle. (vgl. Linz/Stepan (1996): S. 29f.)

Imperialismus war die in der zweiten Hälfte des 19en Jahrhunderts dominierende Herrschaftsform und entsprang den Bedürfnissen eines expandierenden Kapitalismus nach neuen Absatzmärkten, Kolonien. Diese Dominanz wirtschaftlicher Interessen untergräbt demokratische Prozesse.

Im Totalitarismus entsteht eine Partei neuen Typs, in dem Sinne, dass diese Partie mittels Propaganda einer Ideologie vorgibt, nicht partikulare Interessen zu sprechen, sondern “jenseits der Klassen“ zu stehen und für alle zu sprechen. (siehe Arendt (2006): S. 104) Erklärungen mit Berufung auf die Ideologie verhindern individuelles, reflektiertes Handeln.

Weiters sind totalitäre Bewegungen durch eine Zwiebelstruktur gekennzeichnet. Die Bewegung teilt sich in Führungselite, einfache Mitglieder und Sympathisanten; nur langfristig und schrittweise erfolgt der Aufstieg in innere Parteikreise. (vgl. Arendt (2006): S. 903) All diese Annahmen über die Merkmale des Totalitarismus sind ident mit jenen von Linz und Stepan.

3.) Demokratische Transition

3.1.) Grundannahmen

3.1.1.) Zentrale Fragestellung

In ihrem Buch “Problems of democratic transition and consolidation“ stellen Linz und Stepan zu Beginn die Frage, wann von einer vollendeten demokratischen Transition gesprochen werden kann und welche Kriterien dafür erfüllt werden müssen.

“Eine demokratische Transition ist vollendet, wenn genügend Übereinstimmung über die politischen Prozesse um eine gewählte Regierung zu produzieren erreicht wurde, wenn eine Regierung an die Macht kommt, die das Resultat einer freien Volkswahl ist, wenn diese Regierung de facto die Autorität hat, neue Gesetze zu entwickeln, und wenn exekutive, legislative und judikative Macht, die aufgrund der neuen Demokratie entstanden sind, ihre Macht nicht mit anderen Körpern teilen müssen.“ (siehe Linz/Stepan (1996): S. 3)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Politische Systeme - Transition, Klassifikation
Untertitel
Theorie, Praxis, Probleme
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Veranstaltung
Politische Soziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V153036
ISBN (eBook)
9783640648863
ISBN (Buch)
9783640648702
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Soziologie, Politik, politische Soziologie, Transition, Transitionsforschung, Juan Linz
Arbeit zitieren
Katharina Bergmaier (Autor), 2008, Politische Systeme - Transition, Klassifikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153036

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politische Systeme - Transition, Klassifikation


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden