Das Zusammenwirken von Gott und Geistern

Grundlagen, Aufbau und Funktion der ethischen Gemeinschaft der Monaden


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Monadologie
1.1 Entstehung und Zweck
1.2 Aufbau und Inhalt

2 Die Grundlagen der ethischen Gemeinschaft
2.1 Die Hierarchie der Monaden
2.1.1 Einfache Monaden
2.1.2 Seelen und Geister
2.2 Die Rolle(n) Gottes
2.2.1 Gott als Architekt
2.2.2 Gott als Gesetzgeber

3 Die ethische Gemeinschaft
3.1 Das Zusammenwirken von Gott und Geistern .
3.1.1 Gottes Ruhm
3.2 Der Gottesstaat
3.3 Dynamik der Moral
3.3.1 Dreistufiges Naturrecht
3.3.2 Idealer Staat als Orientierung

4 Folgerungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll die Moraltheorie, die Leibniz in seiner so genannten Monadologie in den abschließenden Paragraphen darlegt, näher untersucht werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Gemeinschaft der Geister mit Gott, die Leibniz als Grundlage der moralischen Welt heraushebt. Die Frage, die sich dabei eröffnet, ist: Inwiefern eine solche Gemeinschaft einen Einfluss auf die Moral haben kann und welche Rolle der von Leibniz erwähnte ›Gottesstaat‹ für eben diese spielt.

Dazu soll im Folgenden zunächst skizzenhaft auf das Werk eingegangen werden, um einen kurzen Überblick zu geben und die Stellung der abschließenden Paragraphen her- auszuarbeiten. Bereits in diesem Teil dürfte deutlich werden, dass - auch wenn an sich nur die M §§ 83 - 90 explizit die Gemeinschaft betreffen - zum besseren Verständnis immer wieder verschiedene vorangehende Teile der Monadologie herangezogen wer- den müssen. Dieser erste Teil bietet damit die Grundlage für die weitere Arbeit und verweist vor allem auch auf die Schwierigkeiten, die das Werk schon auf Grund seiner Entstehung mit sich bringt.

Im Anschluss daran wird das Hauptaugenmerk auf die so genannte ›ethische Gemein- schaft‹ gerichtet. Damit beginnend, dass die Grundlagen dieser Gemeinschaft heraus- gearbeitet werden, indem zunächst die einzelnen Mitglieder und ihre Beziehung zu- einander näher zu beleuchten sind. Weiterhin ist es auch notwendig, die Abgrenzung derjenigen Monaden, welche Teil der Gemeinschaft sind, von den anderen, welche nicht daran teilnehmen, aufzuzeigen. Nachdem darauf folgend näher auf die Rolle Gottes ein- gegangen wurde, rückt anschießend das Zusammenwirken der Geister mit Gott in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Hierbei wird besonderer Wert auf die Beziehung zwi- schen Geistern und Gott gelegt sowie deren gegenseitige Wechselwirkungen untersucht, um darauf aufbauend auch die Rolle des ›Gottesstaates‹ näher vorzustellen.

Schließlich sollen aus den erarbeiteten Zusammenhängen und Erklärungen die sich daraus ergebenden Folgerungen gezogen und vorgestellt werden. Dabei wird auch darauf einzugehen sein, welche Tragweite die Thesen Leibnizens haben.

1 Die Monadologie

1.1 Entstehung und Zweck

Die Monadologie war von Leibniz ursprünglich weder für ein breiteres Publikum be- stimmt, noch trug sie ihren heutigen Namen.1 Vielmehr war es eine reine Gelegen- heitsschrift für den französischen Adligen Rémond und sein philosophisch interessiertes Umfeld.2 Dieser hatte Leibniz darum gebeten, eine Zusammenfassung seiner Metaphy- sik zu verfassen. Daraufhin schrieb Leibniz 1714 sein eclaircissement sur les Monads, in welchem er auf recht knappe Weise der Bitte des Adligen nachkam.3 Erst einige Jahre später erhielt die sogenannte Monadologie ihren bis heute geläufigen Namen durch den ersten Übersetzer ins Deutsche, den zeitgenössischen Völkerrechtler Heinrich Köhler.

1.2 Aufbau und Inhalt

Vor diesem Hintergrund wird die Problematik und Schwierigkeit der Monadologie als Text deutlich. Leibniz legt in diesem Werk von nur 90, meist sehr kurzen, Paragraphen seine gesamte Metaphysik dar. Angefangen mit der Definition der ›Monade‹ als ein- facher Substanz ohne Teile und Ausdehnung, ohne Möglichkeit zur Entstehung oder Auflösung und ohne die Beeinflussung von außerhalb.4 Weiterführend über die An- häufung von einfachen Substanzen, die dadurch wiederum Zusammengesetztes bilden.5 Ferner über die Fragen nach der Seele,6 ebenso wie über die Prinzipien des Vernunftge- brauchs, die sich im ›Satz vom Widerspruch‹ und im ›Satz vom zureichenden Grund‹ ausdrücken.7 Zudem behandelt Leibniz den Unterschied zwischen unbelebten Dingen, Das Zusammenwirken von Gott und Geistern 1 Die Monadologie Tieren und Menschen,8 der sich durch die individuellen Qualitäten des Bewusstseins der Monaden ergibt. Ebenso versucht Leibniz das Theodizeeproblem zu lösen, indem er Gottes Wahl eben auf die bestmögliche Welt9 mit dem größtmöglichen Maß an Voll- kommenheit fallen lässt. Schließlich zieht Leibniz die „moralischen Konsequenzen“10 aus seiner vorgelegten Metaphysik und stellt die Pfeiler seiner Moraltheorie ebenso vor, wie deren Verknüpfung mit Religion und Naturwissenschaft.11 In diesem Abschnitt, der als Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit zu Grunde liegt, behandelt Leibniz den Unter- schied zwischen den Seelen und Geistern, deren Beziehungen zu Gott und das Verhält- nis der moralischen Welt zur Natürlichen. Ebenso geht er auf Sünden und gute Taten sowie deren Würdigung durch Gott ein und stellt so heraus, dass selbst eine Zerstörung des Erdballs durchaus auf natürlichem Wege stattfinden würde und im Sinne der Moral sei.12

Aufgrund der schon angesprochenen Knappheit des Werkes, der dennoch gegebenen und eben dargestellten großen inhaltlichen Fülle und dem ursprünglich nur kleinen und ausgewählten Adressatenkreis, enthält die Monadologie zwar die großen Thesen der Philosophie von Leibniz, jedoch fehlen Erklärungen, Begründungen und genauere Ana- lysen fast völlig.13 Somit bleiben einige Stellen der Monadologie auch nach intensivem Lesen unklar,14 da diese nicht selbsterklärend sind. Ebenso wird auf viele Zusammen- hänge - wie zum Beispiel das Hinzutreten der Monaden zu einem Zusammengesetz- ten,15 oder die Bildung von ausgedehnten zusammengesetzten Substanzen, wenn doch die einfachen Substanzen selbst keine Ausdehnung haben16 - nicht näher eingegangen. Viele der in diesem Werk genannten Probleme und Ideen werden jedoch von Leibniz in anderen Schriften detaillierter behandelt. Somit liegt es nahe, dass die Monadologie „nur“ eine Zusammenfassung der Leibnizschen Gedanken sein kann, bei intensiverer Beschäftigung jedoch die jeweilige, den Themenkreis behandelnde, Einzelschrift her- angezogen werden muss.

2 Die Grundlagen der ethischen Gemeinschaft

Die Monaden existieren nicht einfach so, sondern sind trotz ihrer Fensterlosigkeit 1 in einem System der prästabilisierten Harmonie organisiert. Auch sind die Monaden voneinander unterschieden, keine gleicht der anderen, da es „in der Natur niemals zwei Wesen, die vollkommen gleich sind“2 geben könne.

Die Unterschiede zwischen den Monaden bestehen in ihrer Möglichkeit, das Universum zu erkennen.3 Es ist also der Grad der Erkenntnis, der die unzähligen Monaden unter- scheidet und nach dem sie in einer Hierarchie den verschiedenen Stufen zugeordnet werden können.

2.1 Die Hierarchie der Monaden

Um die ethische Gemeinschaft und das „Zusammenwirken“ der Monaden mit Gott näher betrachten zu können, ist es zunächst erforderlich, etwas genauer auf die Unterschiede und die Stufen der Monaden einzugehen. Leibniz sieht die Verschiedenheit der Monaden - wie oben bereits erwähnt - durch die individuellen Qualitäten des Bewusstseins gegeben. Ihre jeweilige Beschränktheit diesbezüglich führt zur Abstufung zwischen unbelebten Dingen, Tieren und Menschen.4

2.1.1 Einfache Monaden

Es mag verwundern, dass an dieser Stelle etwas umständlich von ›unbelebten Dingen‹ gesprochen wird, statt schlicht von (toter) ›Materie‹. Weiterhin erscheint es zunächst rätselhaft, dass auch eben diesem Unbelebten - über die Unterscheidung der Mona- den durch die Erkenntnisfähigkeit - eine Perzeption zugesprochen wird. Dies jedoch ist Leibnizens Theorie vom Aufbau des Universums geschuldet. So bestehen alle zusam- mengesetzten Dinge aus den kleinsten, unausgedehnten und unteilbaren, das heißt ein- fachen, Substanzen - den Monaden.5 Folglich besteht auch jegliche Materie aus eben diesen. Leibniz geht nun davon aus, dass auch unterhalb des Bewusstseins Wahrneh- mungen möglich sind,6 womit eben auch die unbelebte Materie solche haben muss. Ferner sind diese einfachen Substanzen, also Monaden der niedersten Stufe, auch nicht unbelebt im Sinne von tot, vielmehr sind diese Monaden lediglich betäubt,7 was sich in ihrer beschränkten Perzeption ausdrückt.8

2.1.2 Seelen und Geister

Die nächst höhere Stufe der Monaden sieht Leibniz in den Seelen, welchen er zusätz- lich zu den einfachen Perzeptionen auch herausgehobene Wahrnehmungen zuschreibt.9 Damit sind in erster Linie die Eindrücke der Sinnesorgane wie das Erfassen von Ge- rüchen und Geschmack, aber auch Tastsinn und Lichtempfindlichkeit gemeint.10 Der deutlichste Unterschied zwischen den einfachen Monaden und den Seelen aber ist das Gedächtnis, über welches nur Letztere verfügen.11 Die Seelen wiederum unterteilt Leib- niz nochmals in ›gewöhnliche Seelen‹ und ›vernünftige Seelen‹, welche er auch als ›Geister‹ bezeichnet.12 Letztere haben neben den bereits angesprochenen Fähigkeiten ein noch höheres Erkenntnisvermögen als die einfachen Seelen, indem sie in der Lage sind, zur „Erkenntnis der notwendigen und ewigen Wahrheiten“13 befähigt zu sein. Da- hinter verbirgt sich sowohl das Erkennen des ›Ich‹ ebenso wie die Erfahrung, dass Gott existiere. Diese Fähigkeit, durch die Vernunft zu Selbstreflexion zu gelangen und Theo- logie zu betreiben, trennt somit wiederum die Tierseelen (gewöhnliche Seelen) von den Seelen der Menschen (Geister).

Ein weiterer Unterschied der Geister zu den Seelen besteht darin, dass Letztere ein Abbild des Universums, Erstere aber ein Abbild Gottes sind. Damit seien die Geis- ter selbst „kleine Gottheiten“.14 ›Klein‹ deshalb, weil nur Gott selbst allein fähig ist, alles zu erkennen15 und die Geister in der Perzeption den oben genannten Einschrän- kungen unterliegen.16 Als ›Gottheiten‹ bezeichnet Leibniz die menschlichen Seelen je- doch, weil sie in der Lage sind „das System des Universums zu erkennen und davon etwas in architektonischen Proben nachzuahmen.“17 Die Fähigkeit, das „System des Universums“ zu erkennen, versetzt die Geister in die Lage, einerseits Wissenschaft zu betreiben und Kenntnisse zu erlangen, andererseits diese aber auch anzuwenden. So ist auch die „Nachahmung“ zu verstehen, die sowohl das Erstellen von technischen und künstlerischen Werken wie auch das Aufbauen politischer und sozialer Gesellschaften beinhaltet.18

Durch eben diese, scheinbar typisch menschlichen, Tätigkeiten ahmen die Geister Gott nach, stellen selbst kleine Gottheiten dar und werden schließlich dazu befähigt, - wie noch zu zeigen sein wird - mit Gott eine moralische Gemeinschaft zu bilden.19

Zusammenfassend lässt sich somit als Abschluss dieses Teiles sagen, dass die hetero- gene Unvollkommenheit der Monaden notwendig für die Ordnung des Universums ist. Wenn alle Monaden alles erkennen könnten, also den höchsten Grad der Erkenntnis hätten, dann wäre jede einzelne Monade eine Gottheit.20 Daraus folgt einerseits, dass nur allein Gott in der Lage ist, das gesamte Universum zu erkennen. Denn alle anderen Monaden haben ein weniger ausgeprägtes Erkenntnisvermögen und eben dieses unter- scheidet die Monaden nicht nur voneinander, sondern stuft sie auch hierarchisch ein. Andererseits bedeutet diese Aussage des M § 60 in Zusammenhang mit M § 83, dass eine Monade Gott um so ähnlicher wird, je mehr Erkenntnis sie erlangen kann.

[...]


1 Vgl. BUSCHE, Hubertus: Einführung. In: Ders. (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz, Monadologie. Berlin 2009. (Klassiker Auslegen; 34), S. 1-34, S. 3f.

2 Vgl. HECHT, Hartmut: Nachwort. In: Gottfried Wilhelm LEIBNIZ: Monadologie. Stuttgart 2005, 98f.

3 Vgl. BUSCHE, Einführung, S. 3.

4 Vgl. LEIBNIZ, Gottfried Wilhelm: Monadologie - französisch - deutsch. hrsg. u. übers. von Hartmut HECHT. Stuttgart 2005, §§ 1-7.

5 Vgl. ebd., § 2.

6 Vgl. ebd., §§ 14-17, 79-83.

7 Vgl. ebd., §§ 29-32.

8 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, §§ 24, 26-29, 82f.

9 Vgl. ebd., §§ 53-55.

10 PIRO, Francesco: Die ethische Gemeinschaft der Geister mit Gott. In: BUSCHE, Hubertus (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz, Monadologie. Berlin 2009. (Klassiker Auslegen; 34), S. 245-259, S. 245.

11 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, §§ 83-90.

12 Vgl. ebd., § 88.

13 Vgl. BUSCHE, Einführung, S. 6f.

14 Vgl. ebd., S. 6.

15 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, § 1.

16 Vgl. ebd., §§ 2f.

1 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, § 7.

2 Ebd., § 9.

3 Vgl. ebd., § 60.

4 Vgl. ebd., §§ 24, 26-29, 82f.

5 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, §§ 1f.

6 Vgl. ebd., § 14.

7 Vgl. ebd., §§ 19-24. Sowie weiterführend dazu, insbesondere die Unsterblichkeit betreffend: Vgl. LEIBNIZ, Gottfried Wilhelm: Die Theodizee - Von der Güte Gottes, der Freiheit des Menschen und dem Ursprung desübels. hrsg. u. übers. von Herbert HERRING. 2 Bde. Frankfurt am Main 1986, § 89.

8 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, § 21.

9 Vgl. ebd., §§ 19, 25.

10 Vgl. ebd., § 25.

11 Vgl. ebd., § 19.

12 Vgl. ebd., §§ 29, 83.

13 Ebd., § 29.

14 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, § 83.

15 Vgl. ebd., § 60.

16 Vgl. weiterhin: ebd., § 42.

17 Ebd., § 83.

18 Vgl. SAVILE, Anthony: Leibniz and the Monadology. London 2000. (Routledge Philosophy Guide- Books), S. 214f.

19 Vgl. Abschnitt 3.1, S. 10.

20 Vgl. LEIBNIZ, Monadologie, § 60.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Zusammenwirken von Gott und Geistern
Untertitel
Grundlagen, Aufbau und Funktion der ethischen Gemeinschaft der Monaden
Hochschule
Universität Mannheim  (Philosophische Fakultät, Lehrstuhl Philosophie I )
Veranstaltung
Oberseminar: Die Monadologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V153064
ISBN (eBook)
9783640649419
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leibniz, Monadologie, Gottesstaat, Theodizee, Rationaltheologie
Arbeit zitieren
Lutz Spitzner (Autor), 2009, Das Zusammenwirken von Gott und Geistern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153064

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