Die Einrichtung der ASEAN Free Trade Area

Polit-Ökonomische Entwicklungen und der „ASEAN-WAY“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Analyseebene: Polit-ökonomische und intergouvernementale Überlegungen
2.1. Die Wirtschaft als Triebkraft: Der polit-ökonomische Ansatz
2.2. Intergouvernementale Argumente

3. Theoriegeleitete Analyse: Wirtschaftsintegration in der AFTA
3.1. Starke Potenziale im südostasiatischen Wirtschaftsraum
3.2. Das Primat der Regierungen und Staatsspitzen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn heutzutage von Asien und seinen Volkswirtschaften gesprochen wird, finden sich die Diskutierenden nach einer gewissen Zeit meist an einem Punkt wieder, an dem sie über die enorme Dynamik der chinesischen oder indischen Ökonomie staunen und neue Wirtschaftsmächte in unserer globalisierten Welt propagieren. Doch die Globalisierung hat seit den 1970er Jahren in Asien noch weitere Effekte erzielt, bevor es zur ökonomischen Dynamik besagter Wirtschaften kam. In Südostasien nämlich schlossen sich bereits 1967 einige Staaten[1] zur Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) zusammen. So wurde auch der südostasiatische Raum vom Regionalismus der Zeit erfasst. Dieser beschreibt die damals auftretende Tendenz der geographischen Manifestation der Verbindung internationaler ökonomischer und politischer Prozesse.[2] Ein loser Staatenbund, dessen Entwicklung im ursprünglichen Sinne sicherlich nicht auf die ökonomische Zusammenarbeit ausgerichtet war, aber spätestens nach Ende des Kalten Kriegs und der wachsenden Interdependenz der Märkte sich doch genau in diese Richtung verstärkt vollzog. Aufgrund der starken kulturellen, religiösen und wertemäßigen Heterogenität und dem Fehlen eines Bewusstseins einer gemeinsamen Geschichte der Staaten in Südostasien, trat echte Kooperation, wie sie aus Europa bekannt ist, nur sehr schleppend und erst sehr spät zu Tage.[3] Die genannte Entwicklung gipfelte 1992 in der Gründung der ASEAN Free Trade Area (AFTA). Diese stellte alle bisherigen Versuche ökonomischer Integration in Südostasien in den Schatten und sollte durch eine schrittweise Abschaffung der Binnenzölle, später auch durch Abschaffung nicht-tarifärer Handelshemmnisse, den Handel liberalisieren, Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Effizienz gegenüber anderen Wirtschaften (China, Indien) oder Wirtschaftsblöcken (EU, NAFTA) steigern und als Fernziel einen gemeinsamen Markt begründen.

Als Motor dieser Integration sollte ein Zollpräferenzabkommen (CEPT = Agreement on Common Effective Preferential Tariff) die Zölle bestimmter Güter schrittweise auf Null senken, wobei schwächeren Wirtschaften, wie denen Kambodschas, Laos´, Vietnams und Myanmars, längere Fristen zur Umsetzung eingeräumt wurden. Dies geschah sogar schneller als ursprünglich geplant, so dass die AFTA bereits 2003 als visuell abgeschlossen betrachtet wurde. Bei allen Entwicklungen und Abschlüssen wurden aber die souveränitätswahrenden Prinzipien des „ASEAN Way“ von Verhandlungen und Entscheidungen immer stark betont.

Diese Arbeit soll nun die integrationstheoretischen Ursachen der Gründung und Entwicklungen der AFTA analysieren. Um dies zu erreichen, werde ich zunächst einen kurzen Rückgriff auf den Intergouvernementalismus vollziehen der für die Erklärung von staatlichen Handlungsweisen wichtig ist, um daraufhin die Überlegungen der polit-ökonomischen Ansätze darzulegen. In einem weiteren Abschnitt soll dann anhand dieser Ansätze eine theoriegeleitete Analyse der AFTA vollzogen werden, in der ich die genannten Faktoren am Beispiel herauszuarbeiten versuche. Meine Arbeitshypothese ist dabei, dass die institutionell sehr schwach ausgestattete AFTA, sehr stark durch ökonomische Zwänge, nicht zuletzt die der Auswirkungen der Asienkrise, globale Interdependenzen und durch die Bedenken, von anderen Wirtschaften oder Wirtschaftsblöcken abgehängt zu werden, geprägt ist. Durch die meist schwach ausgeprägten Möglichkeiten nationaler Eliten oder Lobbygruppen, Einfluss zu nehmen, und in einigen Ländern noch immer vorherrschenden semi-demokratischen oder autoritären Strukturen, ist die Einführung, Gestaltung und Durchsetzung der AFTA allerdings ausschließlich von den Regierungen und Staatsspitzen geprägt. Daher ist meine These weiterhin, dass der Intergouvernementalismus als Transmissionsriemen dient, um die Koordination staatlicher Interessen im ökonomischen Sektor zu erklären.

Zu beachten ist im Verlauf der Analyse, dass sich die gesamte Arbeit mit ökonomischen Aspekten von Integration befasst und der zweite große Sektor der sicherheitspolitischen Überlegungen mangels Umfang der Analyse nicht mit einbezogen wird, wobei deren Bedeutung selbstverständlich nicht angezweifelt werden soll. Aufgrund des begrenzten Umfangs können sicherlich nicht alle Argumente ihrer Wirkung entsprechend ausreichend berücksichtigt werden, daher soll sich hier auf die Wichtigsten konzentriert werden.

2. Theoretische Analyseebene: Polit-ökonomische und intergouvernementale Überlegungen

In diesem Kapitel soll der theoretische Rahmen für die Untersuchung der ökonomischen Integration in der AFTA aufgezeigt werden. Als Basis dieser Analyse wird der polit-ökonomische Ansatz der internationalen Beziehungen zu Grunde gelegt. Daraufhin werde ich eine kurze Darstellung des Intergouvernementalismus vollziehen.

2.1. Die Wirtschaft als Triebkraft: Der polit-ökonomische Ansatz

In unserer globalisierten und wirtschaftlich interdependenten Welt werden Staaten und ihre Regierungen in ihrem außenpolitischem und -wirtschaftlichem Handeln häufig einem Druck ausgesetzt, von protektionistischen oder nationalistischen Maßnahmen abzusehen und sich und ihre Märkte für andere Akteure, Güter, Dienstleistungen oder Kapitalströme zu öffnen, um am wirtschaftlichem Fortschritt teilzuhaben und von anderen Märkten nicht abgehängt zu werden. Dabei geht es, anders als zu Kolonialzeiten, nicht mehr ausschließlich darum, Macht zur Akquisition ökonomischer Ressourcen zu mobilisieren, sondern darum, ökonomische Ressourcen zur Erweiterung der eigenen Macht- und Gestaltungspotentiale einzusetzen. Ökonomische Macht ist für politische Macht von großer Bedeutung. Staatsmacht und Staatshandeln ist insofern auch nicht mehr nur territorial, sondern vor allem funktional gestaltet, das heißt als Einfluss auf strukturelle Rahmenbedingungen in der internationalen Ökonomie.[4] Der polit-ökonomische Ansatz verfolgt diesen Argumentationsstrang bei dem Versuch, die wachsende Ausprägung des ökonomischen und politischen Regionalismus auf der Welt zu erklären. Regionalismus ist nach Schirm in diesem Sinne ein intergouvernementales Regime-Design, mit welchem auf die Herausforderungen der ökonomischen Interdependenz reagiert werden soll.[5]

In Mattli´s Argumentation lassen sich die Vorraussetzungen für einen Erfolg von Integration in Angebots- und Nachfragefaktoren systematisieren. Diesem stellt er allerdings voran, dass es überhaupt signifikante ökonomische Gewinne zu erwirtschaften geben muss, beziehungsweise dass das Potential dafür in der Region vorhanden ist. Dafür sollte es eine gewisse Komplementarität der zu integrierenden Märkte geben, um Gewinne erzielen zu können.[6]

Die Nachfrage nach Integration erfolgt dabei vor allem aufgrund der Erwartung von Skaleneffekten. Da regionale Integration meistens auch eine Frei- oder zumindest Präferenzhandelszone für die entsprechende Region bedeutet, gibt es einen vergrößerten Markt der ohne, oder mit geringen Zöllen, versorgt werden kann und muss. Das bedeutet, dass die Produktion ausgeweitet, die Stückkosten gesenkt, und auf diese Weise höhere Gewinne erzielt werden können. Zweitens sind mögliche komparative Kostenvorteile ein Grund für Nachfrage nach Integration. Dazu zählt die Möglichkeit von Spezialisierungsgewinnen durch Arbeitsteilung in der Region oder durch Austausch von Wissen, Arbeitskräften, Ressourcen oder Technologien. Einige Volkswirtschaften werden möglicherweise der bessere Produktions-, andere wiederum der bessere Dienstleistungs- oder Investitionsstandort sein. Durch ökonomische Integration wird ebenso und daraus resultierend die Auslagerung bestimmter Prozessbereiche oder ganzer Produktionsfaktoren ins Ausland attraktiver.[7] Drittens ist es folglich auch für ausländische Unternehmen in regional integrierten Märkten weitaus attraktiver, seine Direktinvestitionen in einem dieser Märkte zu platzieren. Je größer das Ausmaß dieser grenzüberschreitenden Aktivitäten, also der Grad der wirtschaftlichen Integration, desto höher ist dann auch die Notwendigkeit von Koordination in der Währungspolitik.[8] Dies wiederum führt zu mehr Planungssicherheit der Wirtschaftsakteure und dadurch zu einer weiteren Vertiefung der Integration. Um die Attraktivität für alle Teilnehmer zu steigern, ist es notwendig, bestehende, aus tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnissen resultierende Markt-Asymmetrien zwischen den kooperierenden Märkten abzuschaffen und diese Bereiche zu harmonisieren oder zumindest anzugleichen. Diese Forderung wird dabei wohl eher von den Staaten oder Wirtschaftsakteuren kommen, welche ansonsten durch ihre vergleichsweise niedrigen Standards oder liberalen Gesetze weitaus weniger von der Integration profitieren würden als andere.[9]

Ein weiterführender Gedanke ist der, dass die Nachfrage aber nicht zwingend von privaten (Wirtschafts-) Akteuren ausgehen muss. Vielmehr scheint es auch möglich, dass Regierungen oder deren Vertreter von sich aus die Zeichen der stetig interdependenteren und globalisierten Zeit erkennen und dementsprechende integrationsfördernde Politik betreiben. Selbst wenn die Nachfrage von privaten Akteuren ausgehen muss, bedeutet es wohl nicht, dass dies nur in demokratischen Staatswesen möglich ist. Sicherlich ist es hier am einfachsten, die eigenen Ideen und Wünsche einzubringen, aber prinzipiell scheint es auch möglich, dass die Regierung eines autoritären oder weniger demokratischen Staates auf die Wünsche der Bevölkerung eingeht, und diese mit in internationale Verhandlungen trägt.

Auf jeden Fall ist eine Nachfrage nach Integration eine absolute Grundvorrausetzung für den Erfolg dergleichen, da ohne sie kein ökonomischer Nutzen aus Integration entstehen kann und diese somit zum Scheitern verdammt ist, wenn beispielsweise der zu erschaffende Markt zu klein ist oder keine Skaleneffekte beziehungsweise komparative Kostenvorteile zu erwarten sind.

Neben der Nachfrage nach regionaler Integration ist es von größter Wichtigkeit, dass dieser auch durch ein entsprechendes Angebot der nationalen Regierungen entsprochen wird. Sie sind es, die den Rahmen für die Kooperation schaffen müssen.

Als Angebot ist dabei vor allem die Bereitschaft und die Möglichkeit der Politik gemeint, der Nachfrage nach funktionaler Integration nachzukommen. Diese hängt aber stark davon ab, wie sich der pay-off aus der Integration für die einzelnen Regierungen darstellt. So wird eine Regierung der Integration nicht zustimmen, wenn sie mehr Gewicht auf die Wahrung ihrer politischen Autonomie legt. Oder sie stimmt einer wenig tief greifenden Integration, ohne jegliche Souveränitätsabgabe an supranationale Institutionen, zu. Ebenso kann die Integration fehlschlagen, wenn die Regierungen ihr zwar zustimmen, sie aber durch Probleme kollektiven Handelns scheitert. Mattli führt dazu zum einen das Gefangenendilemma auf, wonach Staaten einen starken Defektionsanreiz haben und Kooperation erschwert wird. In diesem Fall sei demnach die Lösung, erstens das Integrationsabkommen so komplex und detailliert wie möglich zu gestalten, um den Teilnehmern jegliche Chance zu nehmen, durch „Vertragsschlupflöcher“ oder ähnliches das Abkommen in ihrem Sinne auszulegen. Weiter müsste eine Institution als Informations-, Überwachungs-, Durchsetzungs- und Sanktionsstelle gebildet werden, um die Zugeständnisse der Staaten zu fixieren. Zum anderen führt er die so genannten Koordinationsspiele auf, in denen es um die Verteilung der Kosten und Nutzen aus der Kooperation geht. In diesem Fall bräuchte es für Mattli bestenfalls eine Institution oder einen mächtigen Staat, der die Verteilung und die Koordination in die Hand nimmt, um Differenzen zu überbrücken und Transaktionskosten zu senken.[10] Allerdings sollte die Vorraussetzung eines hegemonialen Staates nicht zu stark betont werden, da es auch unter Staaten „auf einer Ebene“ zu Koordination kommen kann, sofern die Integration ernsthaft intendiert und angestrebt wird. Dies ist am Beispiel der Europäischen Union zu beobachten, in der es zweifelhaft ist, ob Deutschland und Frankreich wirklich, wie so oft angenommen, eine hegemoniale Stellung einnehmen.[11]

An die obigen Argumente knüpft die Tatsache an, dass Integration durch die Angebotsseite, also durch Staaten und Regierungen, forciert wird, wenn es der Weiterentwicklung der heimischen Wirtschaft dienen könnte. Davon hängt weiter nämlich in nicht unerheblichem Maße der Erhalt der politischen Macht ab[12], sei es in demokratischen Staaten in Form der Wiederwahl oder in weniger demokratischen Staaten durch allgemeine Zustimmung und Folgsamkeit des Volkes. So wird eine Regierung wohl keiner sehr tief greifenden Integration zustimmen, wenn die eigene Wirtschaft selbst prosperitär und der zu erwartende Nutzen aus der Kooperation zu niedrig ist, als das er die Abgabe nationalstaatlicher Souveränität und Regelungsmacht aufwiegen könnte.

In Übereinstimmung mit diesen Grundannahmen gilt als zentrales Strukturelement der politischen Ökonomie für Schirm die regionale Wirtschaftskooperation. Dabei spielt die weltweite markt- und wettbewerbsorientierte Liberalisierung und Deregulierung für die Herbeiführung von Wachstum eine entscheidende Rolle. Denn die ökonomischen Ordnungskonzepte beeinflussen das Handeln staatlicher und privater Akteure und strukturieren die internationale Politik in wachsendem Ausmaß.[13] Die Frage ist nun auch hier: Warum schränken Staaten ihren ohnehin schrumpfenden Handlungsspielraum noch weiter ein, in dem sie regionale Verträge abschließen?

Eine Antwort darauf ist die Bildung einer neuen Regelungsebene durch die Staaten, mit der sie sich zusätzliche Handlungsinstrumente gegen neue Akteure, Situationen oder Prozesse erarbeiten sowie sich gegen zuviel Einflussnahme seitens Lobbygruppen auf nationaler Ebene schützen. Darüber hinaus erhoffen sich die betreffenden Regierungsvertreter eine größere ökonomische Effizienz ihrer marktliberalen Reformen durch die bereits aufgeführten Skalen- und Spezialisierungseffekte, beispielsweise einer Freihandelszone, da einzelstaatliches Vorgehen in dieser Richtung als weniger adäquat angesehen wird. Die Attraktivität und Wahrscheinlichkeit einer solchen Kooperation steigt umso mehr, je größer die Wirkungen globaler Märkte und deren Prozesse auf eine ganze Gruppen von Staaten, vielleicht sogar auf einen ganzen Kontinent oder Subkontinent, sind. In unserer stark interdependenten Wirtschaftswelt werden Staaten umso schneller kooperieren um besagte Effekte zu erzielen, und damit mögliche Kritiken der eigenen Bevölkerung, und eventuell sogar einen Machtverlust, zu verhindern, je stärker die nationale Wirtschaft, und damit die Wohlfahrt, an Kraft und Substanz verliert.[14] Regierungen kleinerer oder schwächerer Volkswirtschaften werden Kooperationsarrangements eingehen, um den Sprung auf ausländische Märkte zu schaffen, möglicherweise weil sie Bedenken vor zukünftigen, eventuell steigenden Zolltarifen haben und ihre eigenen Exportmöglichkeiten gefährdet sehen.[15] Aus diesem Aspekt leiten Hindley/ Messertim eine „Versicherungshypothese“ ab: Durch regionale Integration wird der Zugang auf andere Märkte garantiert, der nicht durch Vorgaben anderer Organisationen, wie GATT/WTO, sichergestellt ist. Daher wird ein Akteur auch umso mehr Kosten für den Abschluss oder späteren Beitritt zu einem solchen Arrangement auf sich nehmen, je größer der Abstand zwischen den momentanen Zolltarifen und den aus der GATT/WTO hervorgegangenen, ist.[16] An dieser Stelle ist zu beachten, dass regionale Integration nur stattfinden wird, wenn alle Teilnehmer, also auch die mit hohen Tarifen, daraus einen Nutzen ziehen können.[17]

Nach Mansfield/Milner hängt die Entscheidung eines Staates, wirtschaftliche Kooperation einzugehen, sowie die Entwicklung derselben, stark von politischen Bedingungen im und um den betreffenden Staat ab. Zu den innenpolitischen Faktoren zählen erstens der mögliche Einfluss von Lobbygruppen und ihre Präferenzen. Fordern sie protektionistische oder liberale Maßnahmen? Je mehr die Regierung dabei von diesen Gruppen abhängig ist, beispielsweise durch demokratische Wahlen oder Korruption, desto weiter wird sie auf diese Forderungen eingehen (müssen). Um bei der Freihandelszone zu bleiben, werden export-orientierte Akteure wohl darauf drängen, diese zu bilden, um Zugang zu anderen Märkten zu erlangen. Gruppen mit protektionistischen Interessen werden darauf drängen, eine Freihandelszone diskriminierender Natur zu errichten, mit dem Ziel, Nichtmitgliedern den Eingang in den gemeinsamen Markt, beispielsweise durch hohe Außenzölle, zu erschweren. Zweitens sind die Art und Weise der nationalen Institutionen und die Charaktere der Regierung und deren Vertreter von Bedeutung. So können Beitritte zu Freihandelszonen oder Abkommen über Zoll- und Handelspräferenzen dazu „benutzt“ werden, um notwendige, aber vermeintlich unpopuläre Reformen im Innern durchzuführen. Neben den innerstaatlichen Faktoren sind auch internationale oder supranationale Gegebenheiten vor allem für die so genannte Angebotsseite zu betrachten. So ist es denkbar, dass regionale oder globale Großmächte versuchen, durch Abkommen mit weniger mächtigen Staaten, deren Abhängigkeit von ihnen noch weiter auszubauen. Wenn also beispielsweise ein vermeintlich schwächerer Staat ein Präferenzabkommen mit einem Starken schließt, dann werden sich Dritte automatisch durch die Nichtberücksichtigung der Vertragsstaaten andere Handelspartner suchen, wodurch dann die Schwächeren nur noch mit den Großmächten des Vertrages handeln (können). Diese haben aber aufgrund ihrer Macht noch weitere Handelsmöglichkeiten, können also eine relative Verhandlungsmacht aufbauen. Nicht zuletzt sind die zu schaffenden Institutionen der Kooperationsarrangements ein Erklärungsfaktor.[18] Je schwächer diese sind, und je weniger Souveränität die Staaten an sie abgeben (müssen), desto eher werden Staaten bereit sein, sie zu bilden.

Daher weist Schirm korrekterweise auch selbst darauf hin, dass die Effekte globaler Märkte nicht als die einzige Ursache des Regionalismus zu sehen sind.

[...]


[1] Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand. Später traten Brunei (1984), Vietnam (1995), Laos, Myanmar (jeweils 1997) und Kambodscha (1999) bei.

[2] Vgl.: Katzenstein, Peter J.: Regionalism and Asia. In: New Political Economy 5(3) 2000, Seite 354

[3] Vgl.: Katzenstein: Regionalism in Asia, Seite 356

[4] Vgl.: Bieling, Hans-Jürgen: Internationale Politische Ökonomie. In: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hg.): Theorien der Internationalen Beziehungen. Opladen ²2006, Seite 391ff

[5] Vgl.: Schirm, Stefan A.: Regionale Wirtschaftskooperation. In: Schirm, Stefan A.: Internationale Politische Ökonomie: Eine Einführung. Baden-Baden 2004, Seite 176

[6] Vgl.: Mattli, Walter: The Logic of Regional Integration. Europe & Beyond. Cambridge 1999, Seite 42

[7] Vgl.: Mattli: The Logic of Regional Integration, Seite 46f

[8] Vgl.: Anderson, Kym/ Blackhurst, Richard: Introduction and Summary. In: Anderson, Kym/ Blackhurst, Richard (Hg.): Regional Integration and the Global Trading System. New York 1993, Seite 7ff

[9] Vgl.: Mattli: The Logic of Regional Integration, Seite 48f

[10] Vgl.: Mattli: The Logic of Regional Integration, Seite 50ff

[11] Siehe hierzu die Überlegungen Moravcsiks am Ende des Abschnitts 2.2.

[12] Vgl.: Mattli: The Logic of Regional Integration, Seite 51

[13] Vgl.: Schirm, Stefan A.: Regionale Wirtschaftskooperation, Seite 173

[14] Vgl.: Schirm, Stefan A.: Regionale Wirtschaftskooperation, Seite 178ff

[15] Vgl.: Srinivasan, T.N./ Whalley, John/ Wooton, Ian: Measuring the effects of regionalism on trade and welfare. In: Anderson, Kym/ Blackhurst, Richard (Hg.): Regional Integration and the Global Trading System. New York 1993, Seite 73

[16] Vgl.: Hindley, Brian/ Messertim, Patrick: Guarantees of market access and regionalism. In: Anderson, Kym/ Blackhurst, Richard (Hg.): Regional Integration and The Global Trading System. New York 1993, Seite 360ff

[17] Vgl.: Srinivasan/ Whalley/ Wooton: Measuring the effects of regionalism, Seite 54

[18] Vgl.: Mansfield, Edward D./ Milner, Helen V.: The New Wave of Regionalism. In: International Organisation 53 (3) 1999, Seite 619ff

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Einrichtung der ASEAN Free Trade Area
Untertitel
Polit-Ökonomische Entwicklungen und der „ASEAN-WAY“
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Internationale Beziehungen)
Veranstaltung
Regionalismus in den internationalen Beziehungen: Ein Vergleich regionaler Kooperation in Europa, Asien, Afrika und den Amerikas
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
29
Katalognummer
V153120
ISBN (eBook)
9783640651009
ISBN (Buch)
9783640651085
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionalismus, Intergouvernementalismus, ASEAN, Südostasien, AFTA, ASEAN Free Trade Area
Arbeit zitieren
Michael Meyer (Autor), 2007, Die Einrichtung der ASEAN Free Trade Area, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153120

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