Die politische Instrumentalisierung der US-amerikanischen Massenmedien im Rahmen des dritten Golfkriegs


Hausarbeit, 2008

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis / Gliederung

1. Einleitung

2. Der dritte Golfkrieg

3. Die Instrumentalisierung der Medien durch die Bush- 5 Regierung
3.1 Der 11. September 2001
3.2 Saddam Hussein und seine Verbindung zum inter­nationalen Terrorismus
3.3 Die Frage nach den Massenvernichtungswaffen

4. Der Einfluss der Konzerne auf die Berichterstattung
4.1 Das „Proj ect for the New American Century“ (PNAC)

5. Das „Dilemma“ der Journalisten
5.1 Der „eingebettete“ Journalismus

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis / Quellenangaben

1. Einleitung „Niemals wird so viel gelogen wie während eines Krieges“ (Rühl, 1992, S. 217).

Wir, die Menschen der „westlichen“ Welt, leben in einer mediatisierten Gesellschaft. Es gibt kaum einen Ort in unseren Städten, wo wir von dem Einfluss der Medien fern sind. Mögen es Litfasssäulen sein, die uns davon überzeugen wollen, dass uns zu unserem ab­soluten Glück nur noch ein neuer Mercedes fehlt, die Zeitungen, die - bis auf wenige Ausnahmen - nur noch jene Artikel abdrucken, die im Einklang mit ihren Geldgebern stehen, oder das Fernsehen, das genutzt wird, um entweder gesangsunfähige Menschen zur Schau zu stellen oder auf sonstigem Wege die Bevölkerung vor einem langweiligen Abend zu bewahren. Wenn auch dieses Bild ohne Frage ein wenig zu absolut ist - die Tatsache, dass wir die Welt um uns herum nur noch zu einer kleinen Prozentzahl mithil­fe der eigenen Erfahrungen wahrnehmen und erkennen, ist es nicht. Meyn & Chill be­ziffern diese sogar nur auf 20 Prozent (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 24).

Da verwundert es nicht, dass sich auch die Politik mittlerweile der Macht der Massen­medien bedient, wobei sowohl in der öffentlichen als auch in der wissenschaftlichen Diskussion stets die Frage offen ist, welche Partei in der Verstrickung zwischen Politik und Massenmedien nun mehr Einfluss auf die jeweils andere Seite ausübt. Das Geschäft mit den Informationen scheint ein lukratives zu sein, an dem sich beide erfreuen.

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, die Einflussnahme der 43. amerikani­schen Regierung unter Präsident George Walker Bush ausschließlich auf die mediale Darstellung in den amerikanischen Medien im Vorfeld und auch während des dritten Golfkriegs im Jahre 2003 in verschiedenen Teilbereichen aufzuzeigen. Angefangen mit den schicksalsträchtigen Terroranschlägen am 11. September 2001, der „Suche“ nach einem Kriegsgrund gegen den Irak, über die Darstellung der Verstrickung zwischen un­serer Medienwelt und großen Konzernen und dem Dilemma der Journalisten - zentrale Fragestellung dieser Arbeit bleibt stets, wie eine Instrumentalisierung der Medien zum Zwecke politischer Interessen der amerikanischen Regierung vor und während des drit­ten Golfkriegs genau ausgesehen hat und welche Auswirkungen diese auf das Wirklich­keitsbild der amerikanischen Bevölkerung hatten.

2. Der Dritte Golfkrieg

Der dritte Golfkrieg, der einen militärischen Konflikt zwischen der so genannten „Ko­alition der Willigen“ und den Streitkräften des Irak darstellte, begann am 20. März 2003 um 05:34 Uhr Ortszeit durch Bombenabwürfe auf die irakische Regierung. Zu dieser Koalition gehörten unter anderem die Vereinigten Staaten von Amerika, die den größten Pool an Streitkräften stellten, sowie Großbritannien, Spanien, Polen, Australien und die Niederlande. Bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 brachte die amerikanische Regierung unter Präsident George W. Bush den irakischen Diktator Sad­dam Hussein immer wieder in Verbindung mit dem Terrornetzwerk al-Qaida, welches man als hauptverantwortlich für die Terroranschläge betrachtete. Hieraus und aus der Behauptung, das irakische Regime besitze nicht nur chemische Kampfstoffe und andere Massenvernichtungswaffen, sondern sei auch bereit, sie gegen die freie westliche Welt einzusetzen, zogen die beteiligten Staaten eine Berechtigung für ihre militärische Inter­vention. Diese geschah jedoch - den bindenden Regelungen des Völkerrechts widerspre­chend - ohne ein erforderliches Mandat des Weltsicherheitsrates, da es vor allem nicht gelungen war, sowohl die Existenz der vermeintlichen Massenvernichtungswaffen als auch die angeblich vom Irak ausgehende Bedrohung für die Sicherheit der Welt stich­haltig zu beweisen. Die Kampfhandlungen endeten offiziell am 1. Mai 2003 mit der Ka­pitulation der irakischen Streitkräfte.

3. Die Instrumentalisierung der Medien durch die Bush-Regierung „Es wurde von einer Instrumentalisierung der Medien gesprochen, von Zensur und ge­filterten Informationen“ (Mangold & Ultzsch, 2004, S. 14).

Der dritte Golfkrieg war bereits lange vor seinem Beginn ein bestimmendes Thema in den US-Medien. Forster ist sogar der Meinung, dass CNN, FOX und andere Fernsehsen­der die Öffentlichkeit von vorneherein auf die Auseinandersetzung einstimmten (vgl. Forster, 2005, 70). Die mediale Berichterstattung sollte im Vorfeld des Krieges insbe­sondere „die Bevölkerung überzeugen, dass es sich um einen gerechten Krieg handelt“ (Meyn & Chill, 2004, S. 268). Auch Bölsche teilt die Meinung, dass sich ein beträchtli­cher Teil der angloamerikanischen Medien einspannen ließ für die Interessen eines ob­skuren Propagandaapparats (vgl. Bölsche, 2003, S. 3). „Vor allem die angloamerikani­schen Medien, wenige Qualitätsblätter ausgenommen, gaben sich in jenen Wochen ei­nem nationalistischen Taumel hin, in dem die Wahrheit kaum eine Chance hatte“ (Böl­sche, 2003, S. 3). So habe ein Großteil der Berichterstattungen im Einklang mit den Lü­gen gestanden, „die hochrangige Regierungsangehörige wie Verteidigungsminister Do­nald Rumsfeld der Öffentlichkeit wiederholt auftischten“ (Solomon & Erlich, 2003, S. 49). Seit dem Vietnam-Krieg habe es keine so systematische Manipulation der öffentli­chen Meinung mehr gegeben (vgl. Bölsche, 2003, S. 3). Die schweren Anschuldigungen des ehemaligen Regierungssprechers Scott McClellan, dass es stets darum gegangen sei, „Informationen im Interesse des Präsidenten zu manipulieren“ (Spiegel Online (3), 2008, S. 1) fügen sich in dieses Bild nahtlos ein.

Im Folgenden sollen drei Themenfelder aufgezeigt werden, in denen eine Instrumentali­sierung der Medien durch die Regierung Bush möglich und diskutabel erscheint.

3.1 Der 11. September 2001

Die terroristischen Anschläge auf das World Trade Center in New York City und das Pentagon in Arlington, Virginia, am 11. September 2001 versetzte die Vereinigten Staa­ten in einen schockähnlichen Zustand. Der Nimbus der Unangreifbarkeit und Unver­wundbarkeit war gebrochen, die Nation trauerte um tausende Opfer. Dieser Tag verän­derte nicht nur das Bild des internationalen Terrorismus, sondern stellte auch eine Art „Weichenumstellung“ dar, da fortan die militärischen Antworten, mit denen die Bush­Regierung auf die Anschläge reagierte, stets gerechtfertigt blieben, „solange man sie als Reaktion auf den von den Hijackern verübten Massenmord sieht“ (Solomon & Erlich, 2003, S. 68). „Der 11. September gab der Regierung die Macht, fast alles zu tun, was sie will - mit der Entschuldigung, dass sie das Land vor dem Terrorismus retten will“ (Bölsche, 2003, S. 2).

Eben jene Emotionen und insbesondere die Ängste der Bevölkerung, die im Zuge des 11. Septembers 2001 entstanden, wusste die Regierung Bush in den darauf folgenden Monaten und Jahren für sich zu nutzen und zu manipulieren (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 65-66). „Als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 plötzlich die blan­ke Angst in Amerika regierte [...], war aus Sicht der Bushisten die Zeit offenbar reif da­für, auch die alten Irak-Pläne aus der PNAC-Schublade zu holen“ (Bölsche, 2003, S. 2). Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass sich hinter dem steten Wiederaufleben-Lassen der emotionalen Reaktionen auf den 11. September 2001 nichts anderes als der Versuch be­finden könnte, bleibende Erinnerungen in den Köpfen der Bevölkerung zu hinterlassen. Denn „auch wenn Inhalte von Fernsehsendungen längst vergessen sind, bleiben gefühls­mäßige Erinnerungen bestehen“ (Meyn & Chill, 2004, S. 236), die in Verbindung mit einer mehr oder minder direkten Handlungsanweisung mehr Erfolg versprechen, als eine rationale Argumentation (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 230). Der neueste Stand der Forschung belegt hierbei, dass Medien beim Zustandekommen von Angst und Angriffs­lust eine wichtige Rolle spielen (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 244). Emotionen, welche die Bush-Regierung nutzte, um Angst und Wut auf den Irak zu projizieren (vgl. Böl­sche, 2003, S. 2). Auf diese Art und Weise können Medien selbst zum Werkzeug des Terrors werden, indem sie Furcht und Schrecken verbreiten (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 250).

3.2 Saddam Hussein und seine Verbindung zum internationalen Terrorismus

Der ehemalige UN-Chefinspektor Hans Blix verteidigte in seinen Memoiren die An­sicht, „dass die Tatsache, dass das Regime von Saddam Hussein eines der brutalsten war, das die Menschheit je gesehen hatte“, es nicht rechtfertigte, „Beobachtungen zu verdrehen oder vermeintliche Beweise unkritisch hinzunehmen“ (Blix, 2004, S. 2). Da­bei scheint es seit dem Altertum zur psychologischen Kriegsführung, die einen erhebli­chen Teil der politischen Kriegsführung ausmacht (vgl. Mangold & Ultzsch, 2004, S. 33) dazuzugehören, den jeweiligen Gegner als eine Art Dämon hinzustellen (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 270). Einen solchen Dämon hatte die Bush-Regierung - neben den ausführenden Terroristen vom 11. September 2001 - in dem irakischen Diktator Sad­dam Hussein schnell gefunden, der mithilfe der medialen Berichterstattungen als eine Art Schreckgespenst an die Wand gemalt wurde (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 74). Der Großteil der amerikanischen Berichte diente dazu, ihm alles Böse anzulasten (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 97), wie zum Beispiel eine vermeintliche Unterstützung der Terrorzelle al-Qaida. Obwohl sich dies nicht im Geringsten belegen ließ (vgl. Bölsche, 2003, S. 2), wie später auch Spionageorganisationen der USA übereinstimmend fest­stellten (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 64), verbreiteten sich diese unbewiesenen An­schuldigungen mit einer derart starken Dynamik, dass sie kaum aufzuhalten waren (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 65). Immer wieder wurde dabei in der Öffentlichkeit eine Brücke zwischen dem Irak und dem internationalen Terrorismus zu schlagen versucht, wenn zum Beispiel Richard Perle, damaliger Vorsitzender des Defense Policy Board, die Meinung äußerte, dass ein Sieg gegen den Terrorismus unmittelbar an ein Ende des irakischen Regimes unter Saddam Hussein gebunden sei (vgl. Bölsche, 2003, S. 2). Um diese Theorie am Leben zu erhalten, schreckte die Bush-Regierung nicht einmal davor zurück, den landeseigenen Geheimdienst CIA zu diskreditieren und als schlichtweg un­fähig hinzustellen, weil dieser die Propagandathesen des Weißen Hauses nicht mit Be­weisen zu belegen in der Lage war (vgl. Bölsche, 2003, S. 3). Am Ende stand eine be­eindruckende Zahl von 51 Prozent überzeugter Amerikaner, die gemäß einer Umfrage von CBS News im Frühjahr 2002 der Ansicht waren, Saddam Hussein sei tatsächlich in die Attentate vom 11. September 2001 verwickelt (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 64). Dies kann als guter Beleg dafür angesehen werden, dass sich öffentliche Meinungen über Personen mithilfe der Medien gegenüber komplexen Sacherverhalten weitaus leichter verändern lassen (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 230), worin auch die Begrün­dung zu suchen ist, dass der dritte Golfkrieg unterschwellig eher als Krieg gegen den Dämon Saddam Hussein als einzelne Person zu verkaufen versucht wurde. Fraglich bleibt demnach, ob die Bush-Regierung ebenso Zuspruch in der eigenen Bevölkerung für ihren Krieg gegen den Irak bekommen hätte, wenn auch Berichterstattungen gezeigt worden wären, welche die gesamte Komplexität einer Entstehung von Terrorismus un­ter Einbeziehung sämtlicher äußerer Faktoren darlegen, anstatt die in den Medien unun­terbrochen provozierten Emotionen wie Angst, Hass und Rachegelüste gebündelt an ei­ner Person zu entladen. Dies hat sich jedoch zur Steuerung der öffentlichen Kriegsbe­reitschaft gerade in diesem Fall als weitaus effektiver erwiesen.

3.3 Die Frage nach den Massenvernichtungswaffen

Neben der Dämonisierung Saddam Husseins stand vor allem die Verbreitung der Theo­rie vor dem dritten Golfkrieg in den Medien im Vordergrund, der Irak verfüge über un­erlaubte Massenvernichtungswaffen. Da die Bush-Regierung händeringend nach einem Kriegsgrund suchte, bediente sie sich einem, dem - wie Donald Rumsfeld sagte - „alle zustimmen können“ (Forster, 2005, S. 64). „Es galt mithin, einen möglichst populären Kriegsgrund zu produzieren und zu propagieren“ (Bölsche, 2003, S. 3).

Auch hier wurde in der Öffentlichkeit wieder mit einer allgemeinen Angst operiert, in­dem die Regierung Bush ein nukleares, vom Irak ausgehendes Bedrohungsszenarios un­ter Zuhilfenahme bloßer Behauptungen kreierte (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 74). Meyn & Chill vertreten zwar die Ansicht, dass aus dem Grundrecht auf Meinungsfrei­heit im Rahmen einer im öffentlichen Interesse geführten Diskussion auch die Äuße­rung eines unbeweisbaren Verdachts zulässig sein kann (vgl. Meyn & Chill, 2004, S. 26), was aber nicht dazu führen darf, dass der Bevölkerung bewusst kritische Informa­tionen verschwiegen werden. So geschehen im Fall der Aussage des ehemaligen iraki­schen und 1995 nach Jordanien übergelaufenen Generals Hussein Kamil, als die Bush­Regierung dessen Kernaussage, dass alle Waffen, sowohl biologische, chemische und nukleare bereits 1995 gemäß seines eigenen Befehls zerstört worden waren, der Öffent­lichkeit vorenthielt (vgl. Bölsche, 2003, S. 3). Auch fanden Aussagen wie die vom ehe­maligen UN-Chefinspektor Hans Blix, der über den Nahen Osten als Ganzes als einer von Massenvernichtungswaffen freien Zone sprach, oder ebenfalls die des früheren UN­Inspektors Scott Ritter, der 1998 mit Gewissheit sagen mochte, dass sowohl die Infra­struktur zur Herstellung nuklearer Waffen als auch alle Waffen als solche im Irak zer­stört worden waren, in der Berichterstattung der verschiedenen Medien in den USA kei­nen großen Anklang (vgl. Solomon & Erlich, 2003, S. 75).

[...]

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Details

Titel
Die politische Instrumentalisierung der US-amerikanischen Massenmedien im Rahmen des dritten Golfkriegs
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Medien und Politik – Wer führt Regie?
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V153250
ISBN (eBook)
9783640652648
ISBN (Buch)
9783656901143
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung US-amerikanischer Medien während des dritten Golfkriegs hinsichtlich ihrer Objektivität.
Schlagworte
Instrumentalisierung, US-amerikanischen, Massenmedien, Rahmen, Golfkriegs
Arbeit zitieren
Daniel Wehnhardt (Autor), 2008, Die politische Instrumentalisierung der US-amerikanischen Massenmedien im Rahmen des dritten Golfkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153250

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