Ziel dieser Arbeit ist es, dem fachkundigen Leser ‒ ausgehend von der theoretischen Motivation passiver Anlagestrategien ‒ einen Überblick über den Aufbau und die Funktionsweise von ETFs und deren Beurteilungs- und Einsatzmöglichkeiten zu geben.
Hierzu werden im ersten Teil zuerst die Grundzüge des passiven Portfoliomanagements beleuchtet und kritisch hinterfragt. Im Anschluss bekommt der Leser einen umfassenden Einblick in die Entwicklung und die wichtigsten Eckdaten von ETFs. Um die verschiedenen Kennzahlen und Ausprägungen von ETFs richtig interpretieren zu können, werden in Kapitel 3.1 die verschiedenen Methoden des Index-Trackings vorgestellt. Auf diese Weise wird das zugrunde liegende Gerüst klar verdeutlicht. Da auch ETFs nicht in einem rechtsfreien Raum existieren, werden in den darauf folgenden Kapiteln die für potenzielle Investoren wichtigsten relevanten Vorschriften des Investmentgesetzes sowie der steuerlichen Gesetzgebung zusammengefasst. Da der Börsenhandel von ETF-Anteilen zu den wichtigsten Unterscheidungskriterien im Vergleich mit klassischen Investmentfonds zählt, vermittelt Kapitel 3.4 mithilfe des eigens für diese Produkte geschaffenen XTF-Segmentes der Deutschen Börse einen detaillierten Einblick in die Handelsmechanismen von ETFs.
Um die Relevanz von Exchange Traded Funds und deren Einsatzmöglichkeiten nochmals klar darzustellen, beschreibt Kapitel 4 zum einen die Marktentwicklung des ETF-Segmentes in Deutschland und liefert zum anderen Informationen über die mit ETFs abbildbaren Asset-Klassen. Die Darstellung der dich daraus ergebenden Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit den verschiedensten Anlagestrategien der Investoren ist allerdings in einer Arbeit wie dieser nicht allumfänglich möglich. Kapitel 5 befasst sich daher allein mit der in der Praxis am häufigsten mit ETFs umgesetzten Core-Satellite-Strategie und erläutert ihre theoretische Fundierung. Die den Investoren bei der Auswahl geeigneter Produkte zur Verfügung stehenden „Wegweiser“ in Form von qualitativen und quantitativen ETF-Ratings werden in Kapitel 6 untersucht und bewertet. In Kapitel 7 werden schließlich die allgemeinen Risiken einer Fondsanlage beleuchtet und das zentrale Managementinstrument in Form des Tracking-Errors vorgestellt. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die zu erwartende Entwicklung des globalen ETF-Marktes.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Exchange Traded Funds
2.2 Passives Portfoliomanagement
2.3 Abgrenzung von ETFs zu konkurrierenden passiven Produkten
2.4 Ursprung von Exchange Traded Funds
2.5 Der Index als Basis jedes ETF-Investments
3 Konstruktion und Handel von Exchange Traded Funds
3.1 Methoden der Indexierung
3.1.1 Anforderungen an Nachbildungsverfahren
3.1.2. Physische Nachbildungsmethoden
3.1.3 Synthetische Nachbildungsmethoden
3.1.4 Angewandte Nachbildungsverfahren und Bewertung
3.2 Rechtliche Rahmenbedingungen von Exchange Traded Funds
3.3 Steuerliche Rahmenbedingungen von Exchange Traded Funds
3.4 Der Handelsmechanismus am Beispiel des XTF-Segmentes der Deutschen Börse
4 Marktüberlick
4.1 Entwicklung des Marktes für Exchange Traded Funds in Deutschland
4.2 Einordnung von Exchange Traded Funds nach abbildender Asset-Klasse
5 Einsatzmöglichkeit für Investoren am Beispiel einer Core-Satellite-Strategie
6 Fondsratings als Auswahlkriterium
7 Risiken von Exchange Traded Funds
7.1 Allgemeine Risiken
7.2 Tracking-Error
8 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anlageklasse der Exchange Traded Funds (ETFs) hinsichtlich ihrer Konstruktion, rechtlichen Rahmenbedingungen und Einsatzmöglichkeiten im modernen Anlagegeschäft, um insbesondere privaten Investoren einen fundierten Überblick zu bieten und Informationsdefizite abzubauen.
- Grundlagen des passiven Portfoliomanagements und Abgrenzung zu anderen Produkten
- Technische Konstruktion und verschiedene Methoden der Indexnachbildung
- Marktentwicklung und regulatorische Rahmenbedingungen in Deutschland
- Einsatzmöglichkeiten im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie
- Bedeutung und Systematik von Fondsratings für die Produktauswahl
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Synthetische Nachbildungsmethoden
Im Gegensatz zur physischen Nachbildung ermöglicht die synthetische Replikation, die Indexrendite unter Zuhilfenahme von Termingeschäften wie Futures, Optionen und Swaps zu erreichen.
Bei der Nachbildung der Benchmark über Index-Futures muss der Portfolio-Manager lediglich Future-Kontrakte im Verhältnis zu seinem Portfoliovolumen erwerben und zusätzlich eine Geldmarktposition bilden. Auf diese Weise muss in dem entsprechenden Tracking-Portfolio nur noch ein Titel – der Future Kontrakt – anstatt einer Vielzahl von Einzeltiteln gehandelt werden. Daraus ergibt sich eine schnellere und einfachere Abwicklung, die sich in einer erheblich geringeren Kostenquote bemerkbar macht.
Eine in der Praxis inzwischen deutlich relevantere Form der synthetischen Nachbildung ist der in der wissenschaftlichen Literatur bisher wenig behandelte, Swap-basierte Ansatz. Die Tendenz zu einer zunehmenden Nutzung von Index-Swaps zum Abbilden von Referenzindizes bei ETFs lässt sich auf verschiedene Einflussfaktoren zurückführen: Zum einen stellen Investoren immer höhere Ansprüche an die Effizienz der Produkte, vor allem im Hinblick auf Abweichungsfehler und Kosten. Zum anderen stoßen die traditionellen Nachbildungsverfahren bei sehr breit gestreuten Indizes wie beispielsweise dem MSCI World mit über 1.800 Unternehmen oder weniger liquiden Indizes, die kleine Unternehmen oder Unternehmen in Schwellenländern beinhalten, an ihre Grenzen.
Diese deutlich komplexere Form unterscheidet sich von klassischen ETFs im Wesentlichen dadurch, dass die Fondsgesellschaft mit ihrem Sondervermögen nicht in die im Index enthaltenen Aktien investiert, sondern ein vom Index unabhängiges alternatives Portfolio erstellt. Die Rendite des Alternativportfolios wird über einen oder mehrere Swap-Verträge mit einem Dritten gegen die Indexrendite getauscht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Aufbau der Arbeit: Diese Einleitung skizziert die wachsende Bedeutung von ETFs sowie das Ziel, dem Leser einen umfassenden Überblick über deren Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten und Beurteilungskriterien zu geben.
2 Grundlagen: Hier werden die Definition von ETFs, die Theorie des passiven Portfoliomanagements und die Abgrenzung zu alternativen Indexprodukten erläutert.
3 Konstruktion und Handel von Exchange Traded Funds: Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Nachbildungsmethoden (physisch vs. synthetisch), die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sowie den Handelsmechanismus am XTF-Segment.
4 Marktüberlick: Der Abschnitt beschreibt die historische Marktentwicklung in Deutschland und kategorisiert ETFs nach ihren zugrunde liegenden Asset-Klassen.
5 Einsatzmöglichkeit für Investoren am Beispiel einer Core-Satellite-Strategie: Es wird erläutert, wie Investoren ETFs effektiv zur Risikodiversifikation in einer Core-Satellite-Struktur einsetzen können.
6 Fondsratings als Auswahlkriterium: Dieses Kapitel untersucht, wie unabhängige Ratings Investoren bei der komplexen Auswahl geeigneter Produkte unterstützen können.
7 Risiken von Exchange Traded Funds: Hier werden allgemeine Anlagerisiken sowie der spezifische Tracking-Error als zentrale Messgröße für die Abbildungsqualität analysiert.
8 Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst den Erfolg von ETFs zusammen und diskutiert zukünftige Herausforderungen im Hinblick auf Anlegerschutz und Markttransparenz.
Schlüsselwörter
Exchange Traded Funds, ETFs, Passives Portfoliomanagement, Index-Tracking, Physische Replikation, Synthetische Replikation, Swaps, XTF-Segment, Core-Satellite-Strategie, Fondsratings, Tracking-Error, Anlegerschutz, Markttransparenz, Asset-Klassen, Finanzmärkte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Exchange Traded Funds als Anlageklasse, ihrer Funktionsweise und ihrer Bedeutung für private sowie institutionelle Anleger im heutigen Anlagegeschäft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Konstruktion und Handelsmechanismen von ETFs, die verschiedenen Methoden der Indexnachbildung, die Einordnung in verschiedene Asset-Klassen sowie Kriterien für die Produktauswahl durch Fondsratings.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem fachkundigen Leser fundiertes Wissen über Aufbau, Risiken und Einsatzmöglichkeiten von ETFs zu vermitteln, um vorhandene Informationsdefizite, insbesondere im privaten Sektor, abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Konzepte zum passiven Portfoliomanagement und kombiniert diese mit einer Darstellung der aktuellen Marktpraxis und regulatorischer Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Konstruktion (Indexierung, Handel), die Marktentwicklung, die Anwendung in Anlagestrategien (Core-Satellite) und die Bewertung mittels Ratings sowie Risikoanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Exchange Traded Funds, Passives Portfoliomanagement, Index-Tracking, Replikationsverfahren, Core-Satellite-Strategie und Fondsratings.
Was unterscheidet synthetische von physischen ETFs?
Während physische ETFs die im Index enthaltenen Wertpapiere direkt erwerben, erzielen synthetische ETFs die Indexrendite durch den Einsatz von Derivaten wie Swaps, wobei sie ein alternatives Portfolio halten.
Welche Rolle spielt der Tracking-Error bei der ETF-Bewertung?
Der Tracking-Error ist ein quantitatives Maß, das die Abweichung der ETF-Rendite von der Rendite des abgebildeten Referenzindex beziffert und somit als wichtiger Indikator für die Qualität der Indexnachbildung dient.
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- Florian Stolzenberg (Author), 2010, Kennzeichen und Einsatzmöglichkeiten von Exchange Traded Funds im Anlagegeschäft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153263