Starrolle und Zusammenwachsen der Kulturen in Michael Jacksons "Black Or White"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis/ Gliederung

1. Einleitende Fragestellung

2. Grundlegende Daten und Fakten

3. Zur Konzeption
3.1. Unterschiedliche Figuren- und Bildkonzeptionen der Tänzer und Performer zur Grenzenbildung
3.2. Wie ist Jackson konzipiert? (Starrolle)

4. Die Darstellung der Kulturdifferenzen
4.1. Akustische Aggression (musikalischer Code)
4.2. Visuelle Aggression (visueller Code)

5. Die Kulturen wachsen zusammen
5.1. Die Kumulation der Wahrzeichen
5.2. Das symbolische Grenzensprengen
5.3. Jackson als Bindeglied zwischen den Kulturen
5.4. Musik und Tanz als Bindeglied zwischen den Kulturen
5.5. Die Morphing- Sequenz

6. Der Songtext im Bezug auf den Clip

7. Auswertung

8. Literatur

1. Einleitende Fragestellung

Die Kulturen im Musikvideoclip „Black or White“, von Michael Jackson sind vielfältig gewählt. Man glaubt, eine Reise um den Globus zu machen. Es werden charakteristische Orte dargestellt medial als auch direkt an charakteristischen Orten.

Interessant ist, welche Orte das sind und wie sie Grenzen entstehen lassen.

Ich werde versuchen, sie genauer zu definieren, indem ich die Zusammensetzung der Kulturen und wie diese sich verhalten, betrachte. Wie sind sie zusammengesetzt? Was wird dargestellt und warum (Mentalitäten und Auftreten)? Wie geschieht das auf der Bildebene? Warum wurden welche Kulturen ausgewählt und wie wachsen sie zusammen? Wie nähern sich die Kulturen auf der Bildebene an, nachdem sie erst getrennt vorgestellt werden in der Exposition?

Zusätzlich werde ich darauf eingehen, wie Michael Jackson als Verbindungselement zu dienen versucht, auch auf Bild und Textebene und in der Performance (auch u. a. Tänzer) selbst. Gibt es Oppositionsverbindungen durch Jackson (Starrolle)? Wie ist der Songtext im Bezug auf den Clip zu sehen?

Für mich stellt sich hauptsächlich folgende Frage:

Wie wird der Weg vom, Einzelnen zum Ganzen bestritten und wie funktioniert die Starrolle von Michael Jackson?

2. Grundlegende Daten und Fakten

Die Erstausstrahlung des MVCs „Black or White“, bei der „John Landis“ und „Martin Scorsese“ Regie geführt haben, lief am 14. November 1991. Das dazugehörige Album „Dangerous“ erschien am 26. November 1991 („Epic Records“). Neben anderen Mitwirkenden hat die Tanzgruppe ABC („Another Bad Creation“) eine wichtige Rolle eingenommen, die für den Clip und dessen Verlauf bzw. der Analyse wichtig ist. Die eigentliche Laufzeit beträgt ca. 11 Minuten. Zugrunde legen werde ich allerdings die Fernsehfassung, die eine Laufzeit von sechs Minuten und 23 Sekunden hat. Somit ist sie immer noch länger als viele andere Musikvideoclips.

Der Clip hat ca. 191 Einstellungen, die in ca. 13 Sequenzen eingeteilt werden können. Abgesehen von dem einleitenden narrativen Teil ist der MVC weitgehend Performativ.

Es werden vielfältige Kulturen präsentiert. Michael Jackson ist der singende

Protagonist, der mit den Kulturen und anderen Elementen ein Thema vorstellt.

3. Zur Konzeption

Um nun den Kulturenzusammenwachs zu beschreiben, muss zunächst die Frage der Konzeptionen geklärt werden, um zu ermitteln, von welcher beginnenden Grundkonstellation auszugehen ist. Wie sich Konstellationen bzw. Konzeptionen gegen Ende des MVCs ändern, wird später verhandelt.

3.1. Unterschiedliche Figuren- und Bildkonzeptionen

der Tänzer und Performer zur Grenzenbildung

Wie oben schon erwähnt, sind die Tänzer und „Performer“ (es wird nicht aus- schließlich getanzt) durch ihre verschiedenen Charaktere auffällig und daher sehr wichtig für die Analyse und die Verfolgung meiner Theorie.

Ich werde anhand von ausgewählten Beispielen die Präsentation der menschlichen Kulturteilnehmer darstellen.

In der Afrika-Sequenz werden zunächst Löwen im Bild sichtbar. Da lässt schon erahnen, wo man sich befindet. Danach ist Jackson mit eindeutig afrikanisch gekleideten farbigen Menschen zu sehen. Die Sequenzteilnehmer werden in vielfältigen Einstellungen gezeigt. Total, Halbtotal, Amerikanisch und auch Nah sind die Einstellungsgrößen1, die keinen Zweifel daran lassen, dass es sich um eine afrikanische Kultur handelt. Es ist typische Kleidung und afrikanische Bemalung zu erkennen. Zusätzlich tanzen Jackson und die Tänzer nicht einfach eine einfache Korreographie, sondern (besonders gut in den Einstellungsgrößen Total und Halbtotal zu sehen) afrikanische Rhythmen mit vielen Sprüngen.

Jackson integriert sich in den Tanz und untermalt ihn zusätzlich noch mit einem lauten afrikanischen Schrei, der zusätzlich die Kultur untermauern soll.

In dem darauf folgenden Medialen Raum, der die nächste Sequenz bildet, bildet Jackson mit sechs thailändischen Tänzerinnen eine wieder andere Performance.

Die thailändischen Tänzerinnen sind auch traditionell landestypisch gekleidet und geschminkt worden. (Hier bilden sie einen Gegensatz zu den afrikanischen Tänzern.)

Die Performance ist ebenso abgeändert. Leichte Bewegungen von links nach rechts und wieder zurück werden gepaart mit verhältnismäßig langsamen Armbewegungen.

Die Kultur Asiens/Thailands ist trotz des Medialen Raumes wieder gut zu erkennen. Einstellungen sind wieder in Total, Halbtotal, Amerikanisch und in Nah2, um durch verschiedene Aufnahmen einen eindeutigen Blick auf die abgegrenzte Kultur zu gewährleisten. Sie ist durch die andere Art zu tanzen und die andere Kleidungsart eindeutig zu unterscheiden und somit klar abgegrenzt.

Die Unterschiede durch die vielfältigen Kulturen werden untermauert durch den Sprung von normaler Landschaft in Afrika in den Medialen Raum. Der Verlust des Hintergrundes schafft eine zweite zusätzliche Grenze zwischen den Kulturen. Es ist in der Tat nicht so, dass in Thailand keine Landschaft sei, aber so wird eine noch stärkere optische Unterscheidung vorgeführt, um auf der Bildebene noch mehr zu konkretisieren, dass Grenzen vorhanden sind.

„Faulstich unterscheidet drei Formen der Charakterisierung von Filmfiguren: Erstens die Selbstcharakterisierung durch Stimme und das, was gesagt wird, Handeln, Mimik, Gestik, äußere Erscheinung […]“3

Das Handeln ist bei allen Tänzern gleich. Sie tanzen mit Jackson. Zur Erscheinung ist schon erläutert worden. Sprechen oder singen tun die Figuren hier ja nicht.

Aber bei der Mimik und Gestik gibt es erhebliche Unterschiede. Während die Afrikaner bei ihrem anstrengenden Tanz ein relativ angespanntes Gesicht haben, haben die Thailänderinnen auch auf Grund ihrer leichten Bewegungen ein freundliches Lächeln darzustellen. Das trennt die beiden Kulturen weiter von einander. Hier ist, ohne dass gesprochen oder gesungen wird, ein Mentalitäts- unterschied festzustellen also eine weitere Art von Grenze zu unterscheiden.

Darauf folgt die „Wilder-Westen- Sequenz“. Hier wird wieder ein radikaler Übergang geschaffen. Der Mediale Raum verschwindet plötzlich und im immer größer aufziehenden Bild wird der wilde Westen präsentiert. Der Begriff der „Mise en Scène“

wird hier wichtiger den je. Das in Szene Gesetzte wird in einem noch größeren Umfang präsentiert. Die Kamera fährt rückwärts und zieht ein Bild auf, welches bis in

die Einstellungsgröße Total bzw. Weit reicht.4

„Die Analyse der Mise en Scène fragt letztlich danach, was im Bild zu sehen ist und wie es im Bild präsentiert wird.“5

Dargestellt wird hier nicht wie zuvor nur ein Tanz, sondern eine große Performance. Zum Teil wird auch wieder getanzt, doch es wird in den verschiedensten Einstellungs- größen mit Pistolen geschossen, mit Pferden durchs Bild galoppiert und das Bild zeigt fast ein Durcheinander.

Vorher gab es ästhetische Korreographien. Jetzt wirkt es so als ob jeder performen darf, was er gerade will und wozu er Lust hat. Eine Art Freiheit wird hier vorgestellt. Wieder wird auf der Bildebene abgestuft. Zuvor in eine Korreographie gezwungen, wird jetzt durch Änderung des Konzeptes ein Bruch erzeugt, der die Kulturen wieder von einander trennt. Im wilden Westen geht es nicht geordnet zu und daher entsteht der Bruch zu den freundlich lächelnden langsam tanzenden Thailänderinnen.

Die drei hier vorgestellten Kulturen beruhen auf dem vorhandenen Vorwissen des Betrachters. Die zu sehenden Objekte (Tänzer, Performer) haben die Kontur eines konventionalisierten Wahrnehmungsmusters.6 Die, der breiten Masse bekannten Konventionen, werden im Bild gezeigt. Fast alle Zuschauer des MVCs haben schon mal einen Western gesehen und wissen daher, was ein Indianer oder ein Cowboy ist. Untermalt wird das Dargestellte durch den Ort, der auch im Bild gezeigt wird. In der Sequenz mit den Thailänderinnen wird bewusst kein Hintergrund gezeigt, um eine Trennung zwischen den Kulturen zu signalisieren.

„[…] Durch die Kombination mit anderen Objekten kann die Erscheinung des Objektes weitgehend allgemeinen Wahrnehmungs- standards entsprechen oder gerade gegen diese verstoßen.“7

Hier wird die Frage nach der Bedeutung des fehlenden Hintergrundes durch den

medialen Raum gestellt. Der mediale Raum ist offensichtlich mit Absicht gewählt

worden um die Kulturentrennung auf der Bildebene zu vollziehen.

Die folgenden Kulturen sind ähnlich konzipiert. Sie unterscheiden sich durch ihre erkennbaren konventionalisierten Wahrnehmungsmuster (Kleidung, Tanzstil, etc.). Die Übergänge der Sequenzen sind immer wieder anders und auffällig gewählt.

Die Konventionen werden später sogar gebrochen. In der Industriegebiet- Sequenz ist Jackson mit einer einzelnen Inderin zu sehen. Dies ist so noch kein Konventionsbruch. Er entsteht dadurch, dass Jackson mit der Inderin, die konventionell gekleidet ist, auf einer befahrenen Straße in einem Industriegebiet tanzt. Nach den Erwartungen, die zuvor geweckt wurden, hätte man einen Hintergrund aus Indien erwartet. Man war zuvor schon in Afrika und im wilden Westen, daher hätte man jetzt, in Verbindung mit der Inderin, Indien erwarten können.

Hingegen ist zuvor in der Sequenz, im medialen Raum und den Thailänderinnen auch nicht Thailand zu sehen gewesen. Dort wurde durch den fehlenden Hintergrund ein Bruch erzeugt. Jetzt wird, durch den bewusst falsch gewählten Hintergrund, der Bruch sozusagen verstärkt. Wenn man den Konventionen gefolgt wäre hätte man etwas typisch Indisches zeigen können. Dies ist bewusst vermieden worden.

Hier kommt der Begriff der Ikonografie und der Ikonologie zum tragen:

[...]


1 Vgl. Bienk, Alice: Filmsprache; Einführung in die interaktive Filmanalyse. Marburg 2008. S. 54 – 55.

2 Vgl. Bienk, Alice: Filmsprache; Einführung in die interaktive Filmanalyse. Marburg 2008. S. 54 – 55.

3 Bienk, Alice: Filmsprache; Einführung in die interaktive Filmanalyse. Marburg 2008. S. 31.

4 Vgl. Bienk, Alice: Filmsprache; Einführung in die interaktive Filmanalyse. Marburg 2008. S. 54 – 55.

5 Borstnar, Nils; Pabst, Eckhard; Wulff, Hans Jürgen: Einführung in die Film und Fernsehwissenschaft. Konstanz 2002. S.89.

6 Vgl. Borstnar, Nils; Pabst, Eckhard; Wulff, Hans Jürgen: Einführung in die Film und Fernsehwissenschaft. Konstanz 2002. S.99.

7 eben dort S.100.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Starrolle und Zusammenwachsen der Kulturen in Michael Jacksons "Black Or White"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V153333
ISBN (eBook)
9783640654246
ISBN (Buch)
9783640654666
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmanalyse, Filmsemiotik, Michael Jackson, Musikvideo, Black Or White, Starrolle, Musikvideoanalyse, Einstellungsgrößen, Kultur, Musik, Kameraeinstellungen, Utopie, Morphing, Songtext, Literaturwissenschaft, semantischer Raum
Arbeit zitieren
Markus Stettner (Autor), 2009, Starrolle und Zusammenwachsen der Kulturen in Michael Jacksons "Black Or White", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153333

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