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(Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa

Goethe versus Kafka

Title: (Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa

Thesis (M.A.) , 2009 , 101 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Isabel Schmidt (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Goethes Frauenfiguren machen einen erschöpften Eindruck.“ Wer diese Diagnose liest, wird möglicherweise verwundert sein, dass sich eine erneute Beschäftigung mit eben einer dieser Protagonistinnen der Wahlverwandtschaften (1809), namentlich Ottilie, dennoch lohnt. Das Vorhandensein einer beinahe unüberschaubaren Fülle an Forschungsliteratur über Goethes weibliche Figuren, ihre oftmals nur sekundäre werkimmanente Bedeutung, sowie ihre vielfach leidende, sprunghafte Attitüde scheinen sie auf den ersten Blick zu keinem allzu dankbaren germanistischen Untersuchungsgegenstand zu erheben, da das Interesse eigentlich auf den männlichen Personen läge. Dies lässt sich auch anhand einiger Beispiele aus dem Schaffen von Goethe durchaus belegen...

...umso sprechender wird die Sprachlosigkeit Ottilies, wenn sie mit dem kontrastiv offensiven Verhalten des Hungerkünstlers (1922) von Franz Kafka in Relation gestellt wird. Denn auch Kafka lässt seinen Protagonisten ganz bewusst aus freien Stücken hungern, um ihn von der Masse der anderen Menschen abzuheben. Und genau wie Ottilie von der Männerwelt (im Besonderen von Eduard) bewundert wird, so verzichtet der Hungerkünstler vordergründig deshalb auf Nahrung, um ebenfalls Aufsehen zu erregen. Diesbezüglich soll die These aufgestellt und bewiesen werden, dass das Hungern von literarischen Figuren stets eine bestimmte Funktion erfüllt, die weitaus mehr kommuniziert – sowohl an den Leser, als auch an die literarische Umwelt der Figuren – als das Sprechen an sich. So ist die Verweigerung von Nahrung ein zentrales Thema der Literatur. Es ist ein Thema, welches selbst noch in modernster Zeit – beispielweise in Form des Eremitendaseins des Protagonisten aus Süskinds Roman Das Parfum (1985) – überprüft werden kann und selbst Autoren und Werke verbindet, die aufgrund unterschiedlicher Epochen grundsätzlich weniger miteinander verglichen werden. In der vorliegenden Arbeit sollen daher zentrale Texte von Goethe und Kafka in Relation gesetzt werden, wobei davon ausgegangen wird, dass sich klare gemeinsame Figurenintentionen für das freiwillige und eben nicht asketische Verzichten auf Nahrung aufzeigen lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Vorstellung der Thesen und Texte

1.2. Methodische Vorgehensweise

2. Der historische Kontext der Nahrungsverweigerung

2.1. Literarische Einordnung des Hungerns

3. Goethes Wahlverwandtschaften

3.1. Exkurs – Die „schöne Seele“

3.2. Goethes Wahlverwandtschaften – Textinterpretation

3.3. Analyse der Funktion von Sprache in den Wahlverwandtschaften

4. Kafkas Hungerkünstler

4.1. Kafkas Hungerkünstler – Textinterpretation

4.2. Analyse und Funktion der Sprache im Hungerkünstler

5. Generationendiskurs

6. Das Hungern in der Gegenwart

7. Vergleich und Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse

8. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das freiwillige Hungern als zentrales, verbindendes Motiv in der Literatur. Ziel ist es, an zentralen Werken von Goethe und Kafka nachzuweisen, dass dieses Motiv nicht nur epochenübergreifend existiert, sondern als Instrument der nonverbalen Kommunikation fungiert und tiefere Einblicke in die Figurenpsychologie sowie soziokulturelle Generationenkonflikte ermöglicht.

  • Die literarische Funktion des Nahrungsverzichts als nonverbale Ausdrucksform.
  • Die Analyse von Goethes Ottilie und Kafkas Hungerkünstler im Kontext der „schönen Seele“.
  • Die Untersuchung des Generationenkonflikts und der Machtdynamik durch Nahrung.
  • Die Transformation des Motivs von der klassischen Literatur bis in die Gegenwart.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

„Goethes Frauenfiguren machen einen erschöpften Eindruck.“ Wer diese Diagnose liest, wird möglicherweise verwundert sein, dass sich eine erneute Beschäftigung mit eben einer dieser Protagonistinnen der Wahlverwandtschaften (1809), namentlich Ottilie, dennoch lohnt. Das Vorhandensein einer beinahe unüberschaubaren Fülle an literatur über Goethes weibliche Figuren, ihre oftmals nur sekundäre werkimmanente Bedeutung sowie ihre vielfach leidende, sprunghafte Attitüde scheinen sie auf den ersten Blick zu keinem allzu dankbaren germanistischen Untersuchungsgegenstand zu erheben, da das Interesse eigentlich auf den männlichen Personen läge. Dies lässt sich auch anhand einiger Beispiele aus dem Schaffen von Goethe durchaus belegen.

So erscheint Gretchen bei oberflächiger Betrachtung als bloße Ableitung von Faust und Mignon aus Wilhelm Meister als reine Caprice. Auch bei Werther ist es letztlich der männliche Protagonist, dem alle Aufmerksamkeit geschenkt wird, da die weibliche Figur lediglich als Auslöser für dessen titelgebende Leiden erachtet wird. Ebenso scheint Ottilie ein ansehnliches Geschöpf zu sein, das eher als der Grund für die Eheprobleme von Eduard und Charlotte angesehen werden kann, damit aber nicht unbedingt eine nähere Analyse als wahre Protagonistin verdient. Gemessen an ihrer sprachlichen Präsenz – allen weiblichen Figuren dieser Werke ist gemeinsam, dass sie wenig zu sagen haben – stünde ihnen lediglich eine Randexistenz in Goethes narrativem Werk zu. Doch sind es gerade die sparsam ausgesuchten Worte, die kleinen Szenen und ihre Taten, die diese Protagonistinnen umso schillernder erscheinen lassen. Dies soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit belegt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die These auf, dass der Nahrungsverzicht als verbindendes literarisches Motiv fungiert und eine gezielte, nonverbale Kommunikation der Protagonisten darstellt.

2. Der historische Kontext der Nahrungsverweigerung: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss des Hungerns, von religiösen Riten bis hin zur medizinischen Einordnung als Essstörung im gesellschaftlichen Wandel.

3. Goethes Wahlverwandtschaften: Die Untersuchung von Ottilie im Kontext des „schönen Seele“-Konzepts zeigt, wie Nahrungsverweigerung als Ausdruck von Identität und Widerstand gegen gesellschaftliche Normen eingesetzt wird.

4. Kafkas Hungerkünstler: Hier wird Kafkas Hungerkünstler als Gegenentwurf analysiert, bei dem der Nahrungsverzicht als existenzielle, oft unverstandene Kunstform im Vordergrund steht.

5. Generationendiskurs: Dieses Kapitel verknüpft die Nahrungsverweigerung der Protagonisten mit dem familiären Machtgefüge und dem generationenübergreifenden Konflikt um Autonomie.

6. Das Hungern in der Gegenwart: Eine Analyse der Thematik in der zeitgenössischen Literatur, die aufzeigt, wie Essstörungen vom individuellen Schicksal zum gesellschaftlichen Phänomen wurden.

7. Vergleich und Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse: Fazit der Untersuchung, das die zentrale Bedeutung des Hungermotivs für das Verständnis der Werke von Goethe und Kafka unterstreicht.

8. Ausblick: Überlegungen zu weiteren Forschungsansätzen, insbesondere zur psychologischen und interdisziplinären Untersuchung des Motivs in der modernen Weltliteratur.

Schlüsselwörter

Nahrungsverweigerung, Hungerkünstler, Wahlverwandtschaften, schöne Seele, Literaturwissenschaft, nonverbale Kommunikation, Essstörungen, Generationenkonflikt, Goethes Ottilie, Franz Kafka, Identitätsfindung, Körperlichkeit, Sprachlosigkeit, Bildungsroman, Anorexie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des freiwilligen Hungerns und Nahrungsverzichts, primär analysiert an Goethes „Wahlverwandtschaften“ und Kafkas „Hungerkünstler“.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die nonverbale Kommunikation durch den Körper, das Konzept der „schönen Seele“, die Rolle der Sprache sowie der soziokulturelle Generationenkonflikt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der Verzicht auf Nahrung ein verbindendes, tiefgreifendes Motiv ist, das über Epochen hinweg zur Charakterisierung von Figuren und ihrer Rebellion gegen gesellschaftliche Zwänge genutzt wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine streng literaturwissenschaftliche Textinterpretation, angereichert durch interdisziplinäre Exkurse in Sozialgeschichte, Medizin und Psychoanalyse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Textanalyse von Ottilie (Goethe) und dem Hungerkünstler (Kafka), inklusive der historischen Einordnung und der Analyse der Sprach- und Kommunikationsfunktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nahrungsverweigerung, nonverbale Kommunikation, „schöne Seele“, gesellschaftliche Normen und Identitätsfindung charakterisieren.

Warum spielt das Konzept der „schönen Seele“ eine zentrale Rolle bei Ottilie?

Das Konzept hilft, Ottilies Verhalten und ihr bewusstes Entsagen von Nahrung als ästhetisches und moralisches Ideal zu verstehen, das sie aus der patriarchalen Gesellschaft ausklinkt.

Wie unterscheidet sich die Nahrungsverweigerung bei Kafka von der bei Goethe?

Während Ottilie ihr Hungern als bußfertige, eher stille Rebellion gegen gesellschaftliche Erwartungen praktiziert, macht der Hungerkünstler sein Nichtessen zu einer öffentlichen Schau und einer verzweifelten, wenn auch oft missverstandenen Kunstform.

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Details

Title
(Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa
Subtitle
Goethe versus Kafka
College
Free University of Berlin
Grade
2,3
Author
Isabel Schmidt (Author)
Publication Year
2009
Pages
101
Catalog Number
V153370
ISBN (eBook)
9783640657308
ISBN (Book)
9783640658046
Language
German
Tags
Goethe Wahlverwandschaften Ottilie Hungern Askese Kafka Hungerkünstler Süskind Parfüm Nahrung Nahrungsverweigerung Magersucht Eduard
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabel Schmidt (Author), 2009, (Un-) Freiwilliges Verhungern in nicht-asketischer Erzählprosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153370
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