Diese Arbeit bemüht sich um die Darstellung der Geschichte der Feminisierung des Volksschul- beziehungsweise Grundschullehrerberufs sowie der aktuellen Situation der (zukünftigen) Lehrerinnen in der Grundschule. Die Feminisierung dieser Schulform ist, wie im Laufe der Arbeit deutlich werden wird, kein, wie vielleicht anzunehmen, stetig ansteigender Prozess, sondern fortwährend durch Rückschritte und Stagnation geprägt.
Ein historischer Überblick über die Vorgeschichte der heute zu findenden Feminisierung des Grundschullehrerberufs bildet den ersten Teil dieser Arbeit. Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um die Frage, wie die Feminisierung des Grundschullehrerberufs aus heutiger Sicht zu bewerten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Thema dieser Arbeit
2. Zum Begriff der Feminisierung
3. Faktoren für die entstehende Feminisierung des bisher männerdominierten Lehrerberufes
3.1. Zu den Anfängen der weiblichen Lehrtätigkeit im öffentlichen Schulwesen (19. Jahrhundert)
3.2. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert als Bedingung für eine zunehmende außerhäusliche Tätigkeit der bürgerlichen Frauen
3.3. Die bürgerliche Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts als Bedingung für eine bessere Mädchen- bzw. Frauenbildung
3.4. Die Ausbildung und Einstellung der angehenden Volksschullehrerinnen (19. Jahrhundert bis Ende des Kaiserreiches 1918)
3.5. Einstellung, Gehalt und Existenzbedingungen der Lehrerinnen (19.Jahrhundert bis Ende des deutschen Kaiserreiches 1918)
3.6. Reaktionen auf die zunehmende Etablierung von Frauen im Lehrerberuf
4. Zur Situation der Volksschullehrerinnen im 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts
4.1. Die weibliche Lehrtätigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts
4.2. Die Situation der Volksschullehrerin in der Weimarer Republik
4.3. Die Frau im Nationalsozialismus und dessen Auswirkung auf den Beruf der Volksschullehrerin
5. Die Entwicklung des Volksschullehrerinnenberufs von 1945 bis heute
5.1 Die Situation der Lehrerinnen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts
5.2 Die zunehmende Feminisierung des Grundschullehrerberufs in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts
6. Die Diskussion über die Feminisierung des Grundschullehrerberufs seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und die daraus resultierende Veränderung der Arbeitsbedingungen der (weiblichen) Lehrkräfte
6.1. Die Feminisierung des Grundschullehrerberufes aus quantitativer beziehungsweise qualitativer Sicht
6.2. Die geschlechtsspezifische Lehrtätigkeit von Frauen an Grundschulen
6.3. Kontroversen hinsichtlich der Feminisierung des Grundschullehrerberufs
6.3.1. Doppelbelastung versus Doppelqualifizierung
6.3.2. Segregierung oder weibliche Präferenz?
6.3.3. Die Feminisierung des Grundschullehrerberufs im Hinblick auf die SchülerInnen
6.3.4. Unterschiedliche Berufsbiographien von Lehrerinnen und Lehrern?
6.3.5. Frauen als Trägerinnen von Funktionsstellen
7. Zukunft?
7.1 Frauenfördermaßnahmen und Gender Mainstreaming
7.2 Studierendenzahlen
8. Ausblick
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuelle Situation der Feminisierung des Volksschul- bzw. Grundschullehrerberufs in Deutschland vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wobei insbesondere die sozioökonomischen Bedingungen, Berufsbiografien und die Auswirkungen auf die schulische Praxis analysiert werden.
- Historische Genese der weiblichen Lehrtätigkeit im 19. und 20. Jahrhundert
- Einfluss der Frauenbewegung auf die Professionalisierung und Ausbildung
- Analyse der "Feminisierung" als quantitativer und qualitativer Prozess
- Konfliktfelder wie Doppelbelastung, Doppelqualifikation und Berufsbiografien
- Aktuelle Situation, Fördermaßnahmen und geschlechterbezogene Zukunftsperspektiven
Auszug aus dem Buch
3.1 Zu den Anfängen der weiblichen Lehrtätigkeit im öffentlichen Schulwesen (19. Jahrhundert)
Auch wenn es bereits im 8. Jahrhundert nach Christus vereinzelt Lehrerinnen gab und eine Lehrtätigkeit von Frauen auch vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nachgewiesen werden konnte, insbesondere durch Klosterschulen, wie zum Beispiel des Ursulinenordens, konnte eine Ausbreitung des Lehrerinnendaseins im staatlichen Schulwesen in Deutschland kontrastiv zu anderen europäischen Ländern erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts festgestellt werden.
Durch das „kolossale Anwachsen der großen Städte und Industriezentren“, die „Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht für die Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, [die] Einschränkung der Kinderarbeit“ und die zunehmende Säkularisierung des Schulwesens, stieg der Bedarf an (weltlichen) Lehrkräften und aufgrund der Tatsache, dass im 19. Jahrhundert ausschließlich männliche Lehrpersonen diesen Bedarf nicht decken konnten, sah man die Anstellung der Lehrerinnen „als ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Lehrermangels“. Diese notwendige Maßnahme wurde aber seitens des Schulministeriums und der Lehrerschaft sehr argwöhnisch betrachtet und nur gezwungenermaßen durchgeführt.
Die notgedrungene Einstellung von Lehrerinnen wurde als Vorzeichen einer „Verdrängung der [männlichen] Lehrerschaft“ erachtet. Im Folgenden sollen die einzelnen Faktoren, die zu einem Anwachsen der weiblichen Lehrtätigkeit in den Volksschulen des preußischen Staates führten, näher erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Thema dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der Feminisierung des Volksschullehrerberufs und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellungen.
2. Zum Begriff der Feminisierung: Definition des Begriffs Feminisierung im Kontext der Verweiblichung eines zuvor männlich dominierten Berufsfeldes.
3. Faktoren für die entstehende Feminisierung des bisher männerdominierten Lehrerberufes: Analyse der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die den Zugang von Frauen zum Lehrerberuf im 19. Jahrhundert ermöglichten.
4. Zur Situation der Volksschullehrerinnen im 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts: Untersuchung der spezifischen Arbeits- und Lebensbedingungen der Lehrerinnen sowie der auftretenden Widerstände gegen ihre Etablierung.
5. Die Entwicklung des Volksschullehrerinnenberufs von 1945 bis heute: Darstellung des Wandels des Berufsstandes unter Berücksichtigung von Bildungsreformen und gesellschaftlicher Emanzipation.
6. Die Diskussion über die Feminisierung des Grundschullehrerberufs seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und die daraus resultierende Veränderung der Arbeitsbedingungen der (weiblichen) Lehrkräfte: Kritische Auseinandersetzung mit der qualitativen und quantitativen Entwicklung und deren Auswirkungen auf die heutige Schulpraxis.
7. Zukunft?: Prognose der weiteren Entwicklung des Frauenanteils an Grundschulen unter Berücksichtigung von Fördermaßnahmen und aktuellen Studierendenzahlen.
8. Ausblick: Diskussion über die Attraktivität des Berufs für Männer und die Bedeutung der Grundschularbeit in einem sich wandelnden Bildungssystem.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der historischen Entwicklung und der heutigen Statussicherheit von Lehrerinnen.
10. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Feminisierung, Volksschullehrerin, Grundschullehrer, Frauenbewegung, Berufsbiografie, Lehrerberuf, Lehrermangel, Doppelbelastung, Doppelqualifikation, Gender Mainstreaming, Frauenförderung, Schulleitung, Bildungsreform, Geschlechterrollen, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die soziologische Dynamik der Feminisierung des Volksschul- beziehungsweise Grundschullehrerberufs in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Ursprünge der Lehrerinnentätigkeit, der Einfluss der Frauenbewegung, die sich verändernden Arbeitsbedingungen und die aktuellen Diskussionen um Doppelbelastung versus Doppelqualifikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung zum "Frauenberuf" darzustellen und zu erörtern, warum dieser Beruf eine so hohe Anziehungskraft auf Frauen ausübt und wie sich das Rollenverständnis dabei gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, die historische, sozialgeschichtliche und bildungspolitische Perspektiven integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse vom 19. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus sowie eine Untersuchung der Entwicklung nach 1945, inklusive der spezifischen Diskussionen seit den 60er und 70er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Feminisierung, Volksschullehrerin, Berufsbiografie, Doppelqualifikation und Geschlechterrollen.
Warum wird der Begriff "Doppelqualifikation" anstelle von "Doppelbelastung" diskutiert?
Die Arbeit greift neuere Ansätze auf, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur als Defizit, sondern als Kompetenzgewinn ("doppelte pädagogische Qualifikation") im Sinne von Empathie und differenziertem Umgang mit Schülern interpretieren.
Welche Bedeutung hat das "schulscharfe Einstellungsverfahren" für Lehrerinnen?
Das Verfahren ermöglicht es, Wohnort und Arbeitsplatz flexibler zu wählen, was insbesondere für Frauen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen kann.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Männern in der heutigen Grundschule?
Die Arbeit diskutiert die Notwendigkeit männlicher Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler und reflektiert über Gender-Mainstreaming-Ansätze, um das Berufsfeld auch für Männer attraktiver zu gestalten.
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- Sarah Schramm (Autor), 2007, Feminisierung des Volksschul- bzw. Grundschullehrerberufs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153376