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Die Römische Inquisition und Hexenverfolgung

Titel: Die Römische Inquisition und Hexenverfolgung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 25 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Dipl. Theol. Peter Hubertus Erdmann (Autor:in)

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sowohl in Massenmedien, populärer Literatur als auch bei vielen Fachgelehrten, birgt der Begriff „Inquisition" oftmals eine negative Konnotation: So gelten im gesellschaftlichen Bewusstsein Inquisition und Hexenverfolgung als eng miteinander verbunden. In dem Sinne macht z.B. die Zeitschrift „Spiegel“ die Inquisition verantwortlich für das Blutvergießen an bis zu einer Million Hexen.
Dabei ist gar nicht zutreffend, dass die Hexenverfolgung eine Erscheinung des „finsteren Mittelalters“ darstellt – schließlich begannen die panikartigen Reaktionen auf etwaige Teufelsangehörige und Hexen erst im 15. Jahrhundert und erreichten ihren Höhepunkt etwa zwischen 1560 und 1720. Dies ist insofern nicht unbedeutend, als dass man auf Grund dessen Ecos Darstellung von einem hexenjagenden Inquisitor als fiktiven Anachronismus zurückweisen muss! Der Glaube an Hexen, die als teuflische Sekte Schadenszauber betrieben, entstand erst um 1430, also rund ein Jahrhundert nach der Zeit, in der Eco seine Handlung spielen lässt. Gui verhängte in der Realität niemals ein Todesurteil wegen Zauberei oder Hexerei!
Tatsächlich hören wir von einem anderen Zeitgenossen Positives über inquisitorisches Verhalten: „Jedenfalls sehen die Italiener und Spanier, die anscheinend von Natur aus mehr dazu veranlagt sind, diese Dinge zu bedenken und zu überlegen, welch unzählbare Menge Unschuldiger sie hinrichten müssten, wenn sie die Deutschen nachahmen wollten. Darum lassen sie es mit Recht sein und überlassen dies Geschäft, Hexen zu verbrennen, uns [Deutschen]." Verwirrende Worte, behauptet der Jesuit und Gegner der Hexenprozesse Friedrich von Spee damit, dass ausgerechnet in den von der Inquisition kontrollierten Ländern Spanien und Italien weniger Hexenverfolgungen betrieben würden.
Daraus resultiert die Frage, inwiefern der niemals in Spanien oder Italien gewesene Spee mit seiner Behauptung Recht hatte. Ergo besteht die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit darin, den tatsächlichen Umgang der Römischen Inquisition mit den Hexenvorstellungen und -verfolgungen näher zu beleuchten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Das allgemeine Bild über Inquisition und Hexen

2. Hat die Römische Inquisition vermeintliche „Hexen“ hingerichtet?

3. Warum verurteilte die römische Inquisition so wenige „Hexen“?

4. Wie ging die Inquisition im Vergleich zu anderen Gerichten mit „Hexen“ um?

5. Wie effektiv war die Römische Inquisition mit ihrer Hexeneinstellung?

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den tatsächlichen Umgang der Römischen Inquisition mit Hexenvorstellungen und Hexenverfolgungen in der Neuzeit, um ein historisch differenzierteres Bild abseits gängiger Vorurteile und Mythen zu vermitteln.

  • Kritische Analyse des populären Bildes von Inquisition und Hexenwahn
  • Untersuchung der tatsächlichen Beteiligung der Römischen Inquisition an Hexenhinrichtungen
  • Vergleich der inquisitorischen Prozessführung mit weltlichen Gerichtsverfahren
  • Die Rolle der Rechtsphilosophie und der "Instructio" als Bremse für Verfolgungen

Auszug aus dem Buch

4. Wie ging die Inquisition im Vergleich zu anderen Gerichten mit „Hexen“ um?

Im Spätmittelalter waren für Zauberei einerseits weltliche Gerichte wegen des zugefügten Schadens und andererseits die geistlichen Gerichte wegen des Verdachts auf Ketzerei zuständig. Zu den geistlichen Gerichten zählten bischöfliche und inquisitorische Gerichte, welche nicht deckungsgleich arbeiteten. Zwischen den drei Gerichten taten sich nämlich unterschiedliche Grundsätze des Strafrechts auf. So urteilt Caesar Carena als Ankläger im Inquisitionsgericht von Cremona 1641 in seinem Traktat über die Inquisition: „Jene Hexen, die den christlichen Glauben verleugnen, sind wie die Apostaten zu bestrafen. Sie sollen aber der Inquisition dafür Dank wissen, da sie in den Ländern, wo die weltlichen Richter über die Hexerei zu Gericht sitzen, zum Tode verurteilt werden.“53 Nach dem weltlichen Recht konnte wegen Schadenszaubern bereits über einen Ersttäter die Todesstrafe verhängt werden, selbst wenn sie ihre Schuld bereuten. Anders dagegen das Kirchenrecht: Reuige Sünder hatten einen Anspruch auf Vergebung! Das Ziel des Verfahrens war nicht in erster Linie die Bestrafung, sondern die Besserung des Täters, der zur Einsicht in die Verwerflichkeit seines Denkens und Handelns und damit zur Umkehr bewogen werden sollte.54

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das allgemeine Bild über Inquisition und Hexen: Das Kapitel beleuchtet die weit verbreitete, teils fiktional geprägte negative Wahrnehmung der Inquisition als Hauptakteurin in der Hexenverfolgung.

2. Hat die Römische Inquisition vermeintliche „Hexen“ hingerichtet?: Hier wird verdeutlicht, dass die Römische Inquisition zwar Hinrichtungen vollzog, dies jedoch ein Randphänomen darstellte und keinesfalls dem Ausmaß der Hexenverfolgung in anderen Regionen entsprach.

3. Warum verurteilte die römische Inquisition so wenige „Hexen“?: Dieses Kapitel analysiert die skeptische Haltung der Inquisition, die durch naturrechtliche Überlegungen und eine kritische Einstellung gegenüber magischen Praktiken geprägt war.

4. Wie ging die Inquisition im Vergleich zu anderen Gerichten mit „Hexen“ um?: Die Gegenüberstellung zeigt die Unterschiede zwischen weltlichen Gerichten und inquisitorischen Verfahren auf, wobei Letztere durch höhere rechtsstaatliche Standards gekennzeichnet waren.

5. Wie effektiv war die Römische Inquisition mit ihrer Hexeneinstellung?: Das Kapitel zeigt auf, dass Rom versuchte, Hexenverbrennungen auch außerhalb seines direkten Machtbereichs durch die Verbreitung der "Instructio" zu unterbinden.

6. Fazit: Das Fazit plädiert für eine differenzierte Sichtweise, die sowohl die Fehler der Inquisition als auch deren Rolle als mäßigende Kraft im Hexenwahn würdigt.

Schlüsselwörter

Inquisition, Römische Inquisition, Hexenverfolgung, Hexenprozess, Hexenwahn, Hexerei, Kirchenrecht, Naturrecht, Rechtsgeschichte, Europa, Ketzerei, Protestantismus, Zauberei, Magie, Instructio

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der verbreiteten Vorstellung auseinander, dass die Römische Inquisition die Hauptverantwortliche für die Hexenverfolgungen der Neuzeit war.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Bild der Inquisition in der Öffentlichkeit, der tatsächliche Ablauf inquisitorischer Verfahren, der Vergleich zu weltlichen Hexenprozessen und der Einfluss der römischen Zentralbehörde auf den Hexenwahn.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den historischen Faktenbestand zum Umgang der Inquisition mit Hexereivorwürfen zu klären und die Mythen um eine "inquisitorische Hexenverfolgung" historisch einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Fachliteratur, zeitgenössischen Quellen und der Auswertung der neueren Forschung zur Hexenverfolgung basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Hinrichtungszahlen, den Vergleich zwischen kirchlicher und weltlicher Rechtsprechung sowie die Untersuchung der Rolle der Instruktion des "Sanctum Officium".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Kernbegriffe sind Inquisition, Hexenverfolgung, Rechtsgeschichte, Naturrecht und die Unterscheidung zwischen dem inquisitorischen Verfahren und weltlicher Lynchjustiz.

Welche Rolle spielt die "Instructio" für das Gesamtergebnis der Arbeit?

Sie fungiert als Beleg für die vorsichtige Haltung Roms, da sie versuchte, die Gerichtsverfahren geordneter und fairer zu gestalten, wodurch Todesurteile für Hexerei deutlich erschwert wurden.

Warum betont der Autor die Notwendigkeit einer differenzierten Sicht?

Weil eine rein "schwarze" oder "weiße" Betrachtung der Inquisition der historischen Komplexität nicht gerecht wird; die Inquisition war weder ein monolithischer Block für den Hexenmord noch ein völlig unbeteiligter Beobachter.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Römische Inquisition und Hexenverfolgung
Hochschule
Universität Münster  (Katholische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Dipl. Theol. Peter Hubertus Erdmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V153427
ISBN (eBook)
9783668017580
ISBN (Buch)
9783668017597
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römische Inquisition Hexe Hexenverfolgung Folter Friedrich von Spee Directorium Inquisitorum Scaglia
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dipl. Theol. Peter Hubertus Erdmann (Autor:in), 2007, Die Römische Inquisition und Hexenverfolgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153427
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  25  Seiten
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