Alice Salomons Theoretische Gedanken zur Sozialen Arbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsangabe zur Hausarbeit

1. Einleitung Seite

2. Biographischer Abriss zum Leben der Alice Salomon

3. Die Theorie der Sozialen Arbeit nach Alice Salomon

4. Begriff, Aufgaben und Ziele der Staatlichen Wohlfahrtspflege

5. Die Soziale Arbeit und das Geschlecht

6. Soziale Arbeit als Profession

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit entstand im Modul Theorien der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Erfurt.

Das Ziel der Hausarbeit ist es, auf theoretische Gedankengänge zur frühen Entwicklung des Berufsfeldes der Sozialen Arbeit, aus dem Blickwinkel der Alice Salomon einzugehen und biographische Aspekte, welche ihren Weg beeinflussten hervorzuheben..

Für Aussenstehende fast unbekannt, ist Salomon eine der Begründerinnen der Profession Soziale Arbeit und spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Frauenbewegung, sowie der staatlichen Wohlfahrtspflege in zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Theorien legte sie einen Grundstein zur Weiterentwicklung der Profession, als Basis für ein ethisch und fachlich korrektes Handeln im Sinne der Klienten.

Um dieses Thema bearbeiten zu können, wurde Fachliteratur verwendet, welche sich mit den Theorien der Sozialen Arbeit, des Lebens der Alice Salomon, sowie deren Arbeit beschäftigt.

2. Biographischer Abriss zum Leben der Alice Salomon

Alice Salomon wird am 19. April 1872 als viertes Kind in einer jüdischen, Berliner Familie geboren. Ihre Erziehung obliegt weitestgehend der Mutter Anna Salomon, da ihr Vater Albert Salomon durch seine Arbeit als Kaufmann oft auf Reisen ist.

Im Alter von 6 Jahren besucht sie die christliche „Höhere- Töchter- Schule“, darf allerdings den Religionsunterricht nur eingeschränkt besuchen.

Alice Salomon beendet die Schule im Alter von 15 Jahren.

Danach beginnt für sie eine Zeit des, wie sie sagt „unnützen Wartens“, welches sie mit vielen anderen Frauen ihres Alters teilt.(vgl.[1]) So schließt sie sich im Jahr 1893 Jeanette Schwerins „Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeiten“ an.

Sie findet dort ihre Erfüllung in der Betreuung junger Arbeiterinnen und somit wächst ihre Begeisterung für die Ideen der Frauenbewegung. Im Jahr 1899 tritt sie die Nachfolge der verstorbenen Jeanette Schwerin an, mit deren Hilfe sie schon ein Heim für Fabrikarbeiterinnen gegründet und einen Jahreskurs für „ehrenamtliche Arbeit in der Wohlfahrtspflege“ ins Leben gerufen hat. Sie widmet sich von nun an der Wohlfahrtspflege und verzichtet, in diesem Sinne auch auf ein Leben mit eigener Familie. (vgl.[2])

Sie stellt einen Antrag auf Zulassung zu einem Gaststudium und kann sich im Sommer 1902 in den Fächern Sozialwissenschaften und Nationalökonomie, welche zur damaligen Zeit der Fachausbildung für die Soziale Arbeit gleichkam, an der Friedrich- Wilhelm Universität- Berlin einschreiben.(vgl.[3])

Ihre Leitidee zum Studium war der systematische Hintergrund, welcher der praktischen Wohlfahrtspflege voraus ging. Dies beinhaltete, Kenntnisse in Rechtskunde und Ökonomie der Gesellschafts- , sowie der Armutsstrukturen.

1906 schließt Alice Salomon ihr Studium erfolgreich mit dem Themenschwerpunkt der ungleichen Entlohung von Mann und Frau ab.

Nur 2 Jahre später gründet sie in Berlin die Soziale Frauenschule. (vgl.[4])

Im Jahr 1914 konvertiert Alice Salomon zum christlichen Glauben, nachdem sie ihre Mentorin Lady Isabell Aberdeen kennen gelernt hat, welche im internationalen Frauenbund als Schriftführerin fungiert.

In der Zeit des 1. Weltkriegs führt sie, als Humanistin, eine leitende Position in einem Kriegsamt aus.

Drei Jahre später übernimmt sie den Vorsitz der „Konferenz sozialer Frauenschulen Deutschlands“.(vgl.[5])

In den folgenden Jahren erscheinen ihre Bücher „Soziale Frauenbildung und soziale Berufsarbeit“ und „Soziale Diagnose“, in welchem methodische Konzepte auf Basis der Erkenntnisse von Mary Richmond aufgeführt sind.

Im Jahr 1920 beendete Alice Salomon auch ihre Arbeit beim BDF. Ein Jahr zuvor sollte sie den Vorsitz übernehmen, was ihr von Gertrud Bäumer, der ehemaligen Vorsitzenden aus religiösen Gründen verwehrt wurde.(vgl.[6])

Nach der Gründung der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit 1925 schreibt sie den „Leitfaden der Wohlfahrtspflege“. (vgl. [7]) Aufgrund ihrer schlechten Gesundheit übergibt Alice Salomon die Leitung der von ihr gegründeten Schule an Charlotte Dietrich ab.

1932, im Jahr ihres 60. Geburtstages, erhält sie den Ehrendoktortitel der medizinischen Fakultät der Friedrich- Wilhelm- Universität, sowie eine Ehrung durch das preussische Staatsministerium. Die soziale Frauenschule erhält ihr zu Ehren den Namen „Alice- Salomon- Schule für Sozialarbeit“.(vgl.[8])

Bereits ein Jahr später werden ihr aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln alle öffentlichen Ämter aberkannt, die Akademie geschlossen und es werden keine Artikel von ihr mehr veröffentlicht Sie wird 1937 vor die Alternative der Ausreise oder Konzentrationslager gestellt. (vgl.[9])

Sie emigriert in die USA und darf nur 14 % ihres Vermögens mitnehmen. 1939 verliert sie die deutsche Staatsbürgerschaft und den Doktortitel. Allerdings erlangt sie erst im Jahr 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie bekommt keine Chance auf eine Arbeit.

Alice Salomon erhält im Jahre 1945 den Titel der „Ehrenpräsidentin des Internationalen Frauenbundes“, sowie der „Internationalen Vereinigung der Schulen für Sozialarbeit“.(vgl. [10])

Im Alter von 76 Jahren stirbt Alice Salomon einsam in ihrer New Yorker Wohnung an einem Herzschlag, ohne Deutschland je wieder betreten zu haben.(vgl. [11]) Sie wurde ohne Begräbnisfeier in Brooklyn beigesetzt (vgl. [12])

3. Die Theorie der Sozialen Arbeit nach Alice Salomon

„Soziale Arbeit beruht auf dem Grundsatz, dass die Gesamtheit für die schwachen Glieder Verantwortung übernehmen muss. Und die Gesamtheit trägt die Schuld für alle Ungerechtigkeit, Selbstsucht, Rücksichtslosigkeit, die sie im sozialen Kampf zugelassen hat. Sie muss die Schäden, die daraus entstanden, gutmachen, die Leiden der Opfer zu beseitigen versuchen. „ ( Alice Salomon 1930, vgl [13].)

Alice Salomons Theorie erstreckt sich über eine Vielzahl von Schriftsätzen und wurden nie von ihr systematisch zusammengefasst. Das Hauptaugenmerk richtet sich hierbei um die Qualität der Sozialen Arbeit in ihrer Gestaltung und Veränderung. Hierzu schwebte ihr der Nutzen verschiedenster wissenschaftlicher Fachrichtung, wie Geschichte, Philosophie, und Pädagogik, als Lösungsmodell vor, welches nicht nur Ökonomie und Soziologie, beinhalten sollte. Ziel Alice Salomons war es, eine Handlungsbasis zu schaffen, welche sich an der Praxis orientiert und sich durch diese weiter entwickeln kann.

Politikwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Theorie und praktische Soziale Arbeit sollten zukünftig miteinander verknüpft werden.

Die Theorie beschäftigt sich also damit, ein Hilfesystem zu lehren, um fachlich kompetent helfen zu können. Dabei focussiert sie den Mensch in seiner Umgebung und die darin wirkenden Einflüsse und Situationen. (vgl.[14])

Zur Zeit der Jahrhundertwende dominierten die Begriffe Wohlfahrtspflege und Fürsorge (Armenpflege, Krankenpflege, Jugendfürsorge, Gefangenenpflege, Arbeiterschutz), welche durch soziale Hilfstätigkeiten abgedeckt wurden.

Salomon registrierte allerdings ein weit grösseres Arbeitsfeld, welches auch Säuglingspflege, Trinkerfürsorge, Rechtsberatung, Waisenpflege etc. beinhaltete.

Die Hilfe selbst sollte nicht mehr nur als Wohltätigkeit angesehen werden, da diese als eine Gabe von “oben herab” angesehen wurde. Vielmehr sollte sich die Frage nach den Ursachen für die Not gestellt werden und eine kollektive Hilfe, sowie politische Veränderungen angestrebt werden.

Dies sollte sich nicht nur auf finanzielle und praktische Mittel beschränken, sondern auch die Integration von sozial Benachteiligten beinhalten.

Da bedingt durch den Ersten Weltkrieg ein Abstieg in der Klassenstruktur stattfand, gerieten Menschen stärker in die Armut, beispielsweise durch Tod von Eltern, oder Lebenspartnern, Verlust des Vermögens und der Arbeit.

Demzufolge stand nicht nur materielle Not im Mittelpunkt, sondern auch psychische Belastungen, welche nicht außer Acht gelassen werden durften. Es wuchs bzw. veränderte sich auch die Zuständigkeit der Sozialen Arbeit. (vgl [15].)

So unterteilte Salomon die Formen der Not nach deren Ursachen zum Beispiel in Individuelle Not (Verwaisung, Verwitwung etc.), Massenot (Krieg), wirtschafliche Not (schlechte Marktlage), oder gesundheitliche Not etc. und somit benötigte man auch ein individuelles Hilfeangebot. (vgl.[16])

Salomon sah in Sozialer Arbeit die soziale Gerechtigkeit als maßgebliche Grundvoraussetzung für ein professionelles Handeln, welches nicht Güte, sondern gerechtes Handeln verlangte, welches immer, je nach Blickwinkel, unterschiedlich definiert werden kann. Alice Salomon, wollte die Verwirklichung gerechten Handelns durch „religiös-sittliche Verankerung“ vor Missbrauch und falscher Interpretation schützen. (vgl.[17])

Salomon stellte klar, dass alle Aufgaben Sozialer Arbeit nie ganz lösbar sein werden, allerdings kann durch teilweise Umsetzung bereits ein Part des Ziels verwirklicht werden.

[...]


[1] Breuer, Sabrina: Alice Salomon und ihre Bedeutung für die soziale Arbeit, Seite3

[2] Borrmann, Stefan; Engelke, Ernst; Spatscheck, Christian: Theorien der Sozialen Arbeit, Seite 236

[3] Breuer, Sabrina: Titel s.o. , Seite 6

[4] Berger; Manfred: Alice Salomon- Pionierin der sozialen Arbeit und der Frauenbewegung, Seite 35

[5] Breuer: Alice Salomon und ihre Bedeutung für die soziale Arbeit, Seite 7

[6] Berger: Alice Salomon-Pionierin der sozialen Frauenarbeit und Frauenbewegung, Seite 63

[7] Borrmann, Engelke; Spatschek:Theorien der sozialen Arbeit, Seite 237

[8] Breuer: Alice Salomon und ihre Bedeutung für die soziale Arbeit, Seite 8

[9] Borrmann, Engelke, Spatschek: Theorien der sozialen Arbeit, Seite 238

[10] Breuer: Seite 8

[11] Borrmann, Engelke, Spatschek: Seite 238

[12] Berger: Seite 88

[13] Kuhlmann; Carola: Nicht Wohltun, sondern Gerechtigkeit, Seite 38

[14] Kuhlmann: Titel s.o., Seite 39 ff

[15] Kuhlmann; Carola: Nicht Wohltun, sondern Gerechtigkeit, Seite 58 ff

[16] Galuske, Thole, Gängler: Klassikerinnen der Sozialen Arbeit, Seite 131 ff

[17] Kuhlmann: Titel s.o., Seite 67

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Alice Salomons Theoretische Gedanken zur Sozialen Arbeit
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
Theorien der Sozialen Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V153434
ISBN (eBook)
9783640655892
ISBN (Buch)
9783640656172
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit wurde als Prüfungsarbeit im 3.Semester bei Dr. .. eingereicht.
Schlagworte
Alice Salomon, Soziale Arbeit, Theorie Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Janin Seifert (Autor), 2010, Alice Salomons Theoretische Gedanken zur Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153434

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