Erwartungen des Publikums an das Drama

Werktreue Inszenierung oder eine freie Interpretation des Dramas im Theater?


Studienarbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Allgemein
1.2 Entwicklungsstufen des Theaters

2. Analyse des Theatertextes
2.1 Drama, Inszenierung und Aufführung
2.2 Konträre Sichtweisen zur Inszenierung
2.3 Wedekind-Drama „Die Büchse der Pandora“
2.3.1 Inhaltliche Ausgestaltung
2.3.2 Hintergrund und gesellschaftlicher Bezug

3. Kritisches Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1 Allgemein

Wenn Theatergäste irritiert aus einer Vorstellung treten, liegt dies häufig an der Inszenierungsart. Wie nämlich ein Werk aufgeführt wird, ist dem Regisseur und seinen Vorstellungen überlassen. Daher obliegt es ihm, ob und wie genau er sich an die Vorgabe des Autoren hält. Die Fragestellung, welche diese Ausarbeitung bearbeiten wird, richtet sich nach dem Gedanken einer werktreuen Inszenierung im Gegensatz zu einem „freien Geist“, welcher für die Aufführung verantwortlich sein könnte. Zur Bearbeitung dieser Fragestellung werde ich Meinungen von Theaterwissenschaftlern sowie Stellungnahmen von Theatergästen heranziehen und meine Ansichten damit in Bezug setzen. Des weiteren soll versucht werden aufzuzeigen, ob es eine werktreue Inszenierung geben kann und wie diese gegliedert sein sollte. Ein weiterer Aspekt, der innerhalb dieser Ausarbeitung angesprochen werden soll, bezieht sich auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die darauf bezogene Freizügigkeit bzw. Zensur, der ein Drama unterliegt. Als Beispiel hierfür dient das Wedekind-Drama „Die Büchse der Pandora“.

Damit jedoch adäquat in die Thematik eingeführt werden kann, müssen einige Begrifflichkeiten definiert und so voneinander abgegrenzt werden. Das Drama bezeichnet nach dem Metzler Literaturlexikon eine der drei literarischen Großformen (neben der Epik und der Lyrik). Die handelnden Personen agieren in Dialogen oder Monologen, ohne dass ein Sprecher das Erzählte kommentiert. Dabei „lebt“ das Drama durch das Aufeinanderprallen konträrer Sicht- und Lebensweisen der Akteure. Ein auffälliger Aspekt bei der Definition des Dramas ist der, dass die Verwirklichung erst durch die szenische Aufführung geschieht. Darunter ist zu verstehen, dass das Drama als Vorlage zur Inszenierung dient, ergo nicht explizit für das Lesen gestaltet wurde.[1] Dagegen steht der Begriff des Theaters. Im gesellschaftlichen Alltag wird häufig vom „Theater“ gesprochen, sei es bei Streitigkeiten in Liebesbeziehungen oder aber in der Fußball-Bundesliga. Der Theaterbegriff stammt ursprünglich aus dem griechischen Sprachgebrauch [gr. Theatron = Schaustätte]. Darunter ist zu verstehen, dass einerseits zum Theater jede sichtbare Handlung auf der Bühne zählt. Andererseits umfasst das Theater weitaus mehr als lediglich die Realisierung auf der Bühne. Auch das Bühnenbild, die Kostüme oder Masken der Schauspieler, die musikalische Untermalung oder das Ziehen des Vorhangs gehören zum Theater und komplettieren das Schauspiel.[2] Zu diesem frühen Zeitpunkt wird ersichtlich, dass das Drama der theatralen Inszenierung als Vorlage dient. Dieser Aspekt sollte nicht aus den Augen verloren werden, dient er doch später als Zentrum innerhalb der Diskussion um eine werktreue Inszenierung. Nachdem die Definitionen der Begriffe Theater und Drama erläutert wurden, wird nun auf die Entwicklungsstufen des Theaters eingegangen.

1.2 Entwicklungsstufen des Theaters

In dieser Ausarbeitung sollen nun für die Ausgangsfragestellung signifikante Entwicklungen innerhalb des Theaters aufgezeigt werden. Veränderungen vor und während des Mittelalters werden dabei außer acht gelassen. Begonnen wird mit der Zeit des Barock (1530-1630)[3]. „Im antikisierenden Renaissance- und Barockdrama (…) war die Bühne eine Stätte rhetorischer Deklamation, auf der alles Wort wurde.“[4] Ersichtlich wird dabei, dass es vielfältige Regieanweisungen nicht gab. Nur das, was die Schauspieler spielten, hatte eine Bedeutung für das Schauspiel. Aufgeführte Dramen beinhalteten deshalb eine Vielzahl von indirekten Bühnenanweisungen, welche in den Dialogen beinhaltet waren und aufgeführt wurden.[5] Eine elementare Entwicklung hin zu vermehrten Regieanweisungen gab es ab dem 18. Jahrhundert. Die Autoren dieser Zeit spielten mit Gefühlsregungen, welche verbalisiert wurden. Der Ansatz, der dahinter stand, war, dass diese Gefühlsregungen nicht eindringlich gespielt werden konnten und deshalb eines Kommentares bedurften. Ergo nahmen die Autoren einen vertiefenden Einfluss auf das Schaupiel, indem sie die zu spielenden Gefühle beschrieben. Diese Entwicklung weitete sich im 19. Jahrhundert aus. „Bei Gerhart Hauptmann erreichen sie teilweise, (…), den Umfang breiter Erzählpassagen.“[6] Etwa bei Beschreibungen des Ortes, der Kleidung oder wiederum der Gefühlslage der handelnden Charaktere wurden die epischen Elemente eingefügt, also Elemente der Erzählliteratur. Hierbei stellt sich mir die Frage, ob der Autor damit bewirken wollte, dass sein Werk auf eine festgelegte Art aufzuführen ist? Eine mögliche Antwort darauf wird im weiteren Verlauf der Autor Rolf Schneider liefern. Asmuth beschreibt weiter die Entwicklung im 20. Jahrhundert, in dem die Erzählpassagen nahezu den Umfang der Dialoge besitzen, also der eigentlichen Handlung. Das Augenmerk der Autoren scheint dadurch auf die Detailtreue der Handlung zu liegen.[7] Dieser Aspekt wird im Abschnitt 2.2 näher erläutert werden. Wie zu erkennen ist, existieren im Bereich des Dramas mehrere Textarten, welche folgend erläutert werden sollen.

2. Analyse des Theatertextes

2.1 Drama, Inszenierung und Aufführung

„Das Wort Analyse bedeutet eigentlich die Zerlegung eines Untersuchungsgegenstandes in seine Bestandteile.“[8] Der Theatergast ist in der Lage, sich explizit über ein Werk zu informieren. Neben dem Drama, welches aufgeführt werden soll, stehen ihm beispielsweise Rezensionen oder das Programmheft zur Verfügung, um sich vorab einen Eindruck über eine Aufführung zu verschaffen. Das Drama ist, wie beschrieben, das aufzuführende Werk. Da jedoch dieses geschaffene Werk häufig sehr umfangreich ist, bedarf es einer adäquaten Kürzung. Diese Kürzung bezeichnet man im Bereich des Theaters als Strichfassung. Die Strichfassung ist das Ergebnis der Überlegungen des Regisseurs, der ein Werk aufführen möchte. Er entscheidet, welche Passagen wichtig sind und welche „gestrichen“ werden, um die zeitliche Gestaltung der Aufführung im Rahmen zu halten. Anhand der Strichfassung wird das weitere Vorgehen geplant. Hinzu kommen spezifische Bühnenanweisungen, die der Regisseur in seine Vorstellung einbeziehen möchte.[9] So lassen sich generell zwei verschiedene Textarten unterscheiden: zum einen der Haupttext und zum anderen der Nebentext. Der Haupttext ist das, was nach der Streichung vorhanden ist, nämlich die aufzuführenden Dialoge der Schauspieler. Der Nebentext enthält alles, was darüber hinaus einen Bezug zur Aufführung besitzt. Dazu zählen z. B. der Titel, das Vorwort, das Personenverzeichnis oder die Akustik.[10] Ob ein Regisseur werktreu agiert oder eine freie Inszenierung wählt, bleibt ihm überlassen. Die unterschiedlichen Reaktionen auf seine Entscheidung werden im Abschnitt 2.2 erläutert werden.

Dass die Inszenierung das Resultat einer Kürzung ist, nämlich der Kürzung des Dramas, welches als Vorlage dient, wurde erläutert. Jedoch lässt sich auch der Inszenierungstext als Vorlage verstehen, denn die Aufführung selbst ist ein eigenständiges Ergebnis.

[...]


[1] Vgl. Metzler Literaturlexikon 1990, S. 108 ff.

[2] Vgl. Metzler Literaturlexikon 1990, S. 460 f.

[3] Vgl. Ebd., S. 40

[4] Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse, S. 51

[5] Vgl. Ebd., S. 52

[6] Vgl. Ebd., S. 53

[7] Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse, S. 53

[8] Balme, Christopher: Einführung in die Theaterwissenschaft, S. 72

[9] Vgl. Ebd., S. 86

[10] Vgl. Platz-Waury, Elke: Drama und Theater, S. 31 f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erwartungen des Publikums an das Drama
Untertitel
Werktreue Inszenierung oder eine freie Interpretation des Dramas im Theater?
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät III)
Veranstaltung
Einführung in die Dramenanalyse
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V153475
ISBN (eBook)
9783640659067
ISBN (Buch)
9783640659135
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wedekind, Büchse der Pandorra, Dramenanalyse
Arbeit zitieren
B.A. Marco Schindler (Autor), 2008, Erwartungen des Publikums an das Drama, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153475

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