Dokumentationen über die Länder des Südens oder auch Entwicklungsländer genannt, sind sehr zahlreich am Markt, in unterschiedlicher Qualität. Wie diese entstehen, welche Inhalte sie beinhalten und welche Techniken angewendet werden, zeigt diese Arbeit. Auch die Einbindung in eine öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag, diese auch einzubinden und damit der Informationspflicht nachzukommen, soll anhand des Österreichischen Fernsehen, auch anhand von Fallstudien, aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTWICKLUNGSARBEIT
2.1. Entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit
2.2. Der Nord/Süd-Konflikt
2.3. Der Süden über sich
2.4. Grundlagen der Nord-Süd- Berichterstattung
2.4.1. Der Zugang des ORF zur Nord/Süd und West/Ost-Berichterstattung
2.4.2. Neue Dokumentationsfilme in Österreich über fremde Kulturen
3. DER DOKUMENTATIONSFILM
3.1. Authentizitätsstrategien
3.1.1. Die öffentliche Meinung
3.1.2. Das „Ich“ des Gestalter
3.2. Dokumentarfilm und Fernsehen
3.2.1. Feature und Dokumentationen
3.2.2. Der Realitätsgehalt von Dokumentarfilmen
3.2.3. Spielfilm versus Dokumentarfilm
3.2.4. Medial aufbereitete Wirklichkeiten
3.2.5. Die filmische Realitätsvermittlung
3.2.6. Featured Documentary
3.3. Die „Software“ des Dokumentarfilms
3.3.1. In Bildern erzählen
3.3.2. Bildgestaltung
3.3.3. Storytelling
3.3.4. Wie kommt das Thema in eine Sendung?
3.3.5. Emotionale Herausforderungen an den Dokumentarfilmer
3.4. Arbeitsbedingungen
3.5. Die Phasen zum fertigen Dokumentationsfilm
3.6. Finanzierung eines Projektes „Dokumentarfilm“
4. DIE PLATZIERUNG VON DOKUMENTARFILMEN IM ÖSTERREICHISCHEN FERNSEHEN
4.1. Der öffentlich-rechtliche Auftrag
4.2. Die Säulen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
4.3. Politikvermittlung im Fernsehen
4.5. Infotainment und die Bedeutung für das Fernsehen
4.6. Die soziale Verantwortung der Fernsehjournalisten
4.7. Die neuen Herausforderungen für die Journalisten
4.7.1. Journalismus im Bereich der Entwicklungspolitik
4.7.2. Campaigning
4.7.3. Licht ins Dunkel
4.7.4. „Nachbar in Not“
5. REDAKTIONEN DES ÖSTERREICHISCHEN FERNSEHENS
5.1. Die Bildungskooperationen des ORF
5.1.1. 3SAT
5.1.2. ARTE
5.1.3. BR-alpha und Alpha Österreich
6. BILDUNGSSENDUNGEN ÖFFENTLICH-RECHTLICH VERSUS PRIVATFERNSEHEN
7. SENDEANALYSEN
7.1. Die ARD und ZDF im Vergleich
7.2. Sendungsanalyse im ORF
7.3. Redaktionen für Dokumentationen
7.3.1. Weltjournal
7.3.2. Vergleich der internationalen Magazine ORF – ARD – ZDF
7.4. Projektarbeit auf einem Spartenkanal
7.5. Orientierung und Kreuz &Quer im Sendeprofil und in der Analyse
7.6. Analyse im aktuellen Dienst
7.7. Weitere Analysen des öffentlich-rechtlichen Österreichischen Fernsehens
8. RESUMÈE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und Gestaltung von Dokumentationen über Länder des globalen Südens im Programm des Österreichischen Rundfunks (ORF). Dabei steht die Frage im Zentrum, wie der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag in diesem Bereich umgesetzt wird, welche redaktionellen Herausforderungen existieren und inwieweit die Berichterstattung den Realitäten in den Entwicklungsländern gerecht wird.
- Analyse des öffentlich-rechtlichen Programm- und Bildungsauftrags des ORF.
- Untersuchung von Authentizitätsstrategien und der filmischen Realitätsvermittlung.
- Betrachtung von Arbeitsbedingungen und Produktionsprozessen für Dokumentationen.
- Vergleichende Sendungsanalysen zwischen ORF, ARD und ZDF.
- Diskussion über Infotainment, Campaigning und entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit.
Auszug aus dem Buch
3.3.1. In Bildern erzählen
Ein Zeitungsjournalist formuliert eine Meldung über einen Volkswandertag so:
Rund 1600 Menschen beteiligten sich am Sonntag am 6. Volkswandertag niederösterreichischen Landesregierung. Ausgangspunkt und Ziel der 30 Kilometer langen Wanderschleife war der Weinort Gumpoldskirchen, wo bereits um 8 Uhr die erste Gruppe Wanderer an den Start ging. An einer Versorgungsstelle auf halber Strecke nahm ein Bus die ersten „Fußkranken „ auf. Die erfolgreichen Teilnehmer erhielten eine Medaille.
Ein Fernsehjournalist beginnt seinen Kommentar mit den folgenden Worten:
Ein Tausendfüßler in Wanderstiefel – der Start zum 6. Volkswandertag in Niederösterreich. Schlag 8 marschierten die ersten Gruppen los – Medaillen im Blickwinkel (Schwenk auf Medaillen). Ausgangspunkt und Ziel: der Weinort Gumpoldskirchen, daher: selig beim Abmarsch, weinselig bei der Ankunft
Der Fernsehjournalist formuliert so, dass sich aus Bild, Originalton und Text eine einheitliche Aussage ergibt – die Fernsehinformation. Inhalt und Form der Bilder sind ein wesentlicher Teil der Gesamtgestaltung eines Fernsehfilms, bei der Bild, O-Ton und Text in fester Beziehung zueinander stehen sollen und Träger einer Information sind. Jedoch sind beim Medium „Fernsehen“ neben Bild und Ton auch verschiedene Codes wirksam, die zur Bedeutungsproduktion beitragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Dokumentationen als wesentliches Element des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags und skizziert die forschungsleitenden Fragen hinsichtlich der Berichterstattung über den globalen Süden.
2. DIE ENTWICKLUNGSARBEIT: Dieses Kapitel definiert entwicklungspolitische Begriffe und untersucht die Rolle der Medien bei der Bewusstseinsbildung für Nord-Süd-Zusammenhänge.
3. DER DOKUMENTATIONSFILM: Hier werden die filmtheoretischen Grundlagen sowie Authentizitätsstrategien und Produktionsbedingungen bei der Erstellung von Dokumentarfilmen analysiert.
4. DIE PLATZIERUNG VON DOKUMENTARFILMEN IM ÖSTERREICHISCHEN FERNSEHEN: Das Kapitel befasst sich mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF, den Herausforderungen durch Infotainment und der sozialen Verantwortung der Journalisten.
5. REDAKTIONEN DES ÖSTERREICHISCHEN FERNSEHENS: Es erfolgt eine Betrachtung der für Dokumentationen relevanten Redaktionen wie Weltjournal und die Religionsredaktion.
6. BILDUNGSSENDUNGEN ÖFFENTLICH-RECHTLICH VERSUS PRIVATFERNSEHEN: Ein Vergleich der Möglichkeiten und Grenzen der Bildungsvermittlung zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und kommerziellem Privatfernsehen.
7. SENDEANALYSEN: Dieses Kapitel präsentiert empirische Daten und Vergleiche der Berichterstattung über den Süden zwischen ORF, ARD und ZDF.
8. RESUMÈE: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer Professionalisierung und Internationalisierung der Dokumentationsarbeit.
Schlüsselwörter
Dokumentarfilm, ORF, Öffentlich-rechtlicher Auftrag, Entwicklungspolitik, Nord-Süd-Konflikt, Bildungsfernsehen, Journalismus, Authentizität, Infotainment, Auslandsberichterstattung, Medienanalyse, Filmförderung, Storytelling, Kamerahandlung, Dritte Welt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und mediale Gestaltung von Dokumentationen über Länder des globalen Südens innerhalb des öffentlich-rechtlichen ORF.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst den Programmauftrag, die Produktionsbedingungen, Authentizitätsstrategien, Sendeplatzanalysen und die mediale Vermittlung von Nord-Süd-Thematiken.
Welches primäre Ziel verfolgt der Verfasser?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag durch das Medium Dokumentarfilm erfüllt wird und wo Defizite in der Berichterstattung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturrecherche, eine qualitative Analyse der Sendungsinhalte und Interviews mit Filmschaffenden und Redaktionsverantwortlichen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Authentizitätsstrategien, die softwareseitige Gestaltung (Bild/Ton/Schnitt) und die Analyse von Sendeformaten und Finanzierungsmöglichkeiten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind hierbei Dokumentationsfilm, Entwicklungszusammenarbeit, Öffentlich-rechtlicher Auftrag, Bildungsfernsehen und Medienanalyse.
Wie bewertet der Autor die Rolle des ORF in Bezug auf Entwicklungspolitik?
Der Autor sieht den ORF als wesentliches Medium mit einem klaren Bildungsauftrag, erkennt jedoch eine zunehmende Unterordnung unter Quotenlogik und eine defizitäre Berichterstattung über den globalen Süden.
Welche Rolle spielen "Einzelkämpfer" bei der Produktion?
Da ganze Aufnahmeteams oft zu teuer sind, sind viele hochwertige Dokumentationen das Ergebnis persönlicher Eigeninitiative einzelner Filmschaffender, die die gesamte Produktion von der Recherche bis zum Schnitt selbst steuern.
- Citation du texte
- Mag. Hannes Naderhirn (Auteur), 2010, Entstehung und Gestaltung von Dokumentationen über Länder des Südens im Rahmen des Bildungsauftrags des Österreichischen Fernsehens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153482