Als Kind bekommt man immer gesagt, wer gut leben will, der muss hart dafür arbeiten. Man wird von Beginn an darauf eingestellt einen Beruf zu erlernen und damit Geld zu verdienen. Dies ist eine Norm unserer Gesellschaft und wer diese nicht erfüllen will oder kann, droht leicht abgegrenzt oder mit Vorurteilen belastet zu werden.
Doch was geschieht, wenn man aufgrund von geistigen oder körperlichen Einschränkungen keine guten Chancen hat, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen? Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es in Deutschland rund 8,6 Millionen Menschen mit amtlich anerkannter Behinderung, das entspricht ca. 10% der Gesamtbevölkerung . Nun stellt sich die Frage, wie all diese Menschen ihr Leben meistern und welche Chancen sie haben, trotz ihrer Behinderung Geld zu verdienen und ein gutes Leben zu führen. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass Geld sicherlich nicht alles im Leben ist, jedoch ist es in unserer Gesellschaft zu einem sozialen Statussymbol geworden. Man muss auch beachten, dass Behinderungen häufig in höheren Altersgruppen auftreten, so sind etwa 71% aller behinderten Menschen 55 Jahre und älter . Viele bekommen also bereits Rente oder Pension.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einer Alternative für diejenigen, welche noch keine Rente oder Pension bekommen, nämlich mit Werkstätten für behinderte Menschen. Öfters findet man im Briefkasten Post von Mund- oder Fußmalern, die ihre Werke vorstellen und um Spenden für die Werkstatt, in welcher sie ihre Bilder und Kunstwerke herstellen, bitten. Eine Werkstatt für behinderte Menschen stellt man sich anhand solcher Beispiele als eine Einrichtung vor, in der behinderte Menschen beisammen sitzen und basteln, malen, zusammen kochen und ähnliche einfache Dinge gemeinsam erledigen. Doch ist das wirklich die Realität oder sind solche Werkstätten viel mehr als das? Aufgrund dieser Überlegung soll die zentrale Frage dieser Arbeit lauten: „Werkstätten für behinderte Menschen – Beschäftigungstherapie oder Eingliederung in das Arbeitsleben?“
Hierbei soll zunächst geklärt werden, was Werkstätten für Behinderte Menschen sind und welche Ziele sie verfolgen. Anschließend soll auf die Organisation und Entlohnung der Beschäftigten eingegangen werden. Mit Hilfe dieser gewonnenen Erkenntnisse sollen dann Auswirkungen auf die berufliche und soziale Teilhabe herausgearbeitet und abschließend ein Fazit gefunden werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Behinderung
3. Gesetzliche Vorgaben: Das SGB IX
4. Die Werkstatt für behinderte Menschen
4.1 Definition
4.2 Zielgruppe/ Kriterien zur Aufnahme
4.3 Organisation und Arbeitsbereiche
4.4 Entlohnung der Beschäftigten
4.5 Die Produktion
5. Auswirkungen auf die berufliche und soziale Teilhabe
6. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Rolle von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) im Kontext des deutschen Sozialsystems, um zu klären, ob diese Einrichtungen primär eine Funktion der Beschäftigungstherapie erfüllen oder tatsächlich eine erfolgreiche Eingliederung in das allgemeine Arbeitsleben ermöglichen.
- Rechtliche Grundlagen und Definitionen von Behinderung und Werkstätten
- Struktur, Organisation und Arbeitsbereiche innerhalb einer WfbM
- Analyse der Entlohnungsstrukturen und deren Vergleich zum allgemeinen Arbeitsmarkt
- Bewertung der Auswirkungen auf die soziale und berufliche Teilhabe behinderter Menschen
Auszug aus dem Buch
4.5 Die Produktion
Auch in der Produktion finden sich Unterschiede. Die Aufgaben, welche die Beschäftigten in Werkstätten erledigen, müssen behindertengerecht sein, dass heißt, dass es sich meist um eher einfache Aufgaben handelt. Aufgrund dieser Einschränkung, ist es den Beschäftigten nicht möglich sich in einem Handwerk ihrer Wahl frei entfalten zu können. Sie müssen sozusagen das machen, was ihnen vorgesetzt wird und wozu sie trotz ihrer Behinderung fähig sind.
Dennoch muss man sagen, dass die Aufgabenbereiche in Werkstätten für behinderte Menschen weit streuen. So gibt es neben den Dienstleistungen für die eigene Einrichtung (zum Beispiel: Arbeiten in der Küche, Waschen, Bügeln und andere Reinigungsarbeiten) auch eine Vielzahl an handwerklichen Möglichkeiten. So bieten viele Werkstätten Textil- und Handarbeiten, Reparaturarbeiten (z.B. an Möbeln), Garten- und Landschaftsarbeiten (z.B. Säuberung oder Mäharbeiten, Verpackungsarbeiten (z.B. von Plastikbesteck) und Herstellungsarbeiten (z.B. Tische oder Stühle) an.
Das allgemeine Bild von Werkstattprodukten beschränkt sich eher auf einfache Dinge wie getöpferte Becher oder andere traditionelle Handwerksarbeiten. Tatsächlich aber, werden heutzutage teilweise in hohen Maß kreative Ideen mit innovativem Design umgesetzt. So setzen viele Werkstätten auf moderne Dekorationsartikel. Die Ergebnisse werden in Werkstattläden, Kunsthandwerkermärkten und (selten) über Onlineshops verkauft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der gesellschaftlichen Bedeutung von Arbeit und Formulierung der zentralen Forschungsfrage, ob Werkstätten eher Beschäftigungstherapie oder Eingliederungsinstrument sind.
2. Definition von Behinderung: Erläuterung des Behinderungsbegriffs anhand gesetzlicher Vorgaben des SGB IX sowie internationaler Klassifikationen der WHO.
3. Gesetzliche Vorgaben: Das SGB IX: Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben.
4. Die Werkstatt für behinderte Menschen: Detaillierte Betrachtung der Definition, der Aufnahmevoraussetzungen, der internen Organisation, der Entlohnung sowie der produktiven Tätigkeit in Werkstätten.
5. Auswirkungen auf die berufliche und soziale Teilhabe: Kritische Reflexion der Vor- und Nachteile der Werkstattarbeit für das Selbstwertgefühl und die Integration der Betroffenen.
6. Resümee: Synthese der Ergebnisse mit dem Fazit, dass Werkstätten für behinderte Menschen eine wichtige Lebensbereicherung darstellen, jedoch den angestrebten Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt kaum leisten können.
Schlüsselwörter
Werkstatt für behinderte Menschen, WfbM, SGB IX, berufliche Teilhabe, soziale Teilhabe, Rehabilitation, Eingliederung, Behindertenrecht, Arbeitsmarkt, Beschäftigungstherapie, Entlohnung, Arbeitsförderung, Inklusion, Werkstattverhältnis, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirksamkeit von Werkstätten für behinderte Menschen im Hinblick auf deren Zielsetzung der beruflichen Eingliederung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen rechtliche Rahmenbedingungen, die Struktur von Werkstätten, wirtschaftliche Aspekte der Entlohnung sowie die Auswirkungen auf die gesellschaftliche Teilhabe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Werkstätten für behinderte Menschen primär als Beschäftigungstherapie fungieren oder eine echte Eingliederung in das Arbeitsleben ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, insbesondere unter Heranziehung des SGB IX, statistischer Daten und Fachpublikationen zur beruflichen Rehabilitation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Definition, Gesetzgebung, Organisationsstruktur, Entlohnungsmodelle, Produktionsarten sowie eine kritische Abwägung der sozialen und beruflichen Wirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen WfbM, berufliche Teilhabe, Rehabilitation, Eingliederung, Inklusion und Arbeitsförderung.
Wie ist das Gehalt in einer Werkstatt im Vergleich zum allgemeinen Arbeitsmarkt einzuordnen?
Das Gehalt ist im Vergleich zum allgemeinen Arbeitsmarkt sehr gering und wird eher als Taschengeld wahrgenommen, wobei Werkstattbeschäftigte durchschnittlich etwa 15-mal weniger verdienen.
Warum fällt ein Übergang vom Werkstattbereich auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schwer?
Es fehlen oft staatlich anerkannte Zertifikate über die Qualifikation, zudem besteht ein psychologischer Faktor der Bindung und eine strukturelle Abhängigkeit, da Werkstätten auf leistungsstarke Mitarbeiter angewiesen sind.
Wird eine Behinderung in der Werkstatt als Hindernis betrachtet?
Die Arbeit zeigt, dass die Werkstatt den Betroffenen hilft, nicht als Pflegefall, sondern als arbeitende Menschen wahrgenommen zu werden, auch wenn die Abgrenzung zum allgemeinen Markt bestehen bleibt.
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- Annika Schalast (Author), 2010, Werkstätten für behinderte Menschen - Beschäftigungstherapie oder Eingliederung in das Arbeitsleben?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153522