Analyse der Systemtheorie von Talcott Parsons und David Easton


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Methodisches Vorgehen:

3. Das MINK – Schema:

4. Allgemeine Systemtheorie:

5. Funktionalismus:

6. Talcott Parsons:
6.1. Biografie
6.2. Systemtheorie Parsons
6.3. Handlungssysteme
6.4. Soziale Systeme
6.5. Politische Systeme

7. David Easton:
7.1. Biografie
7.2. Systemtheorie Eastons
7.3. Politisches System

8. Schluss:

9. Bibliografie:

1. Einleitung

In der Politikwissenschaft gibt es verschiedene Theorieansätze, die versuchen Politik in ihrem Ablauf und Entstehen zu erklären. Wir haben uns auf zwei dieser Theoretiker beschränkt; einmal David Easton mit seinem systemtheoretischen Ansatz und zum Anderen, Talcott Parsons mit seiner funktionalistischen Rollen- und Sozialisationstheorie. David Easton versucht durch die Übernahme des kybernetischen Denkens und dem interdisziplinär entstandenen Denkschema der Systemanalyse, die Stabilitätsbedingungen von Makro-Gebilden zu ermitteln. Talcott Parsons Probleme sind die Charakterisierung und Erhaltung des Systems, insbesondere des Sozialen Systems. Beide Theoretiker haben die Absicht bzw. den Anspruch, eine generelle Theorie zu formulieren, die aussagen soll, wie Politik funktioniert und existiert. Dieses Ziel zeigen sie an Hand ihrer Systemtheorie auf:

Die Geburtstunde der Systemtheorie liegt in den 30er Jahren. Man suchte nach einer allgemeinen Theorie der Systeme, in der die Ähnlichkeiten bestimmter realer physikalischer und chemischer Systeme herausgearbeitet wurden. In unserer Hausarbeit wollen wir die allgemeine Ordnung der Systeme untereinander aufzeigen. Diese Ordnung besteht aus unterschiedlichen Elementen, die zu einem zusammengesetzten Ganzen werden. Wobei das Ganze entweder von seiner Umwelt streng isoliert ist oder mit ihr in einer Austauschbeziehung steht.

In diesem Zusammenhang werden wir uns mit der Wechselbeziehung zwischen Individuen, Gruppen und Organisationen zum Ganzen beschäftigen. Da es viele Arten von Systemen gibt, z.B. das Ökonomische, das Soziale, das Kulturelle oder das Politische; setzen wir unser Augenmerk, auch im Kontext unseres Seminars „politische Soziologie“, auf das soziale- und das politische System.

Unsere zentrale Fragestellung dieser Arbeit widmet sich der Funktionalität dieser eben genannten Systeme, in Bezug auf die Systemtheorie von Talcott Parsons, sowie von David Easton.

2. Methodisches Vorgehen

Diese Hausarbeit soll die Systemtheorie vom Allgemeinen zum Besonderen aufzeigen: Vorab stellen wir das politikwissenschaftliche Diagnoseinstrument, das MINK – Schema vor. Dieses Schema soll zum besseren Verständnis von Politik im Allgemeinen dienen. Nachdem wir die Grundannahmen der allgemeinen Systemtheorie und ihre wichtigsten Termini dargelegt haben, beschäftigen wir uns mit dem Funktionalismus, der in Verbindung mit Talcott Parsons zu erwähnen ist.

Darauf folgend stellen wir eine kurze Biografie Talcott Parsons dar, bevor wir auf seine Systemtheorie näher eingehen werden, in der wir Bezug nehmen auf die handlungs-, soziale- und politische System.

Der zweite Theoretiker, den wir vorstellen werden ist David Easton. Bevor wir mit seiner Systemtheorie beginnen, werden wir uns kurz mit seinem Leben beschäftigen.

Wir gehen insbesondere auf das politische System mit dem Input-Output-Schaubild und das Persistenzproblem ein.

Abschließend werden im Rahmen eines Resümees, auf einzelnen Kritikpunkte an den Theorien kurz eingehen. Da die Komplexität der gesamten Systemtheorie beider Theoretiker, den Umfang dieser Hausarbeit sprengen würde, gehen wir nur auf die wichtigsten Punkte ein.

3. Das MINK – Schema

Das politikwissenschaftliche Diagnoseinstrument, genannt MINK – Schema, soll an dieser Stelle unserer Hausarbeit dazu dienen, die folgende Thematik unterstützend näher zu bringen: Das MINK – Schema wird verwendet, um die vier Dimensionen von Politik und ihre Wechselwirkungen bildlich darzustellen.

Politik beinhaltet Prozesse, Inhalte und Strukturen. Die zentralen vier Dimensionen des MINK – Schema sind: Macht, Ideologie, Normen und Kommunikation .

Allgemein kann man sagen, dass dieses Schema, als ein erstes Näherungsverfahren zur Betrachtung von politischen Sachverhalten dient (vgl.[1] ).

Die Dimension Macht gibt die Chance den eigenen Willen (auch gegen Widerstreben) in einer sozialen Beziehung durchzusetzen. Diese Dimension steuert Kommunikationsprozesse innerhalb des Schemas und macht Ideologien verbindlich. Macht ist ebenfalls für die Durchsetzung von Normen zuständig (vgl.[2] ).

Die Dimension der Ideologie, gilt allgemein, als Weltbild der politischen Akteure. Diese prägt die Kommunikationsprozesse und legitimiert Macht. Außerdem ist sie zuständig um Normen zu begründen (vgl.[3] ).

Die dritte Kategorie ist die Dimension der Normen, die als Interpretationshilfe für die Beurteilung des Verhaltens Anderer gilt, d.h. Normen sind der spezifische Ausdruck von Werten. Hier werden die Kommunikationsprozesse reguliert und Normen bilden das Fundament der Zuteilung von Macht und ihrer Kontrolle. Ideologien werden durch Normen gefestigt oder verworfen (vgl.[4] ).Die letzte Dimension setzt sich aus der Kommunikation zusammen, die den Austausch von Informationen und Sinndeutungen enthält. Man kann sagen, dass dies der Prozess der Konstruktion politischer Wirklichkeit ist. In dieser Kategorie werden Perzeptionsstrukturen erschaffen und die Machtansprüche zugeteilt. Durch die Kommunikation werden die Normen Realität (vgl.[5] ).Abschließend lässt sich sagen, dass die Inhalte, die Prozesse und die Strukturen der politischen Wirklichkeit im Zentrum der vier Dimensionen (Macht, Ideologie, Normen, Kommunikation) stehen und diese Dimensionen stellen eine Interaktion zueinander dar, denn ohne diesen Austauschprozess könnte die Politik, als Ganzes nicht funktionieren (vgl. Anhang Abb.1).Man kann das System, Politik als geordnetes Ganzes, nur dann richtig verstehen, wenn man das wechselseitige, aufeinander folgende Handeln der Individuen, Gruppen und Organisationen mit einbezieht. Denn ein System kann nur dann nach der Systemtheorie existieren, wenn eben genanntes gewährleistet ist (vgl.[6] ).

4. Allgemeine Systemtheorie

Aus der Kritik der Biologie, an der Newtonschen Physik entstand in den 30er Jahren des 20. Jahrhundert die Systemtheorie: Zuvor dachte man in der Physik, dass es Naturgesetze gibt, die immer Gültigkeit besitzen, also zeitlos sind und die hinter jedem einzelnen Tatbestand zu erkennen sind. Doch die Biologie widersprach, indem sie sagte, dass in „lebenden Gebilden, die Elemente in einer komplexen Wechselwirkung zueinander stehen, die man nicht mit den statischen Newtonschen Gesetzen erklären könne[n]“ 4 (Abels, 2000). Diese Erkenntnis, dass alle Elemente in einer Interaktion untereinander stehen und dass das Verhältnis aller Elemente, sowohl Ursache als auch Wirkung füreinander sind, beschreibt den Begriff des Systems (vgl.[7] ). In der Kybernetik, also der Wissenschaft, der zielgerichteten und selbstregulierten Systeme spielt der Systemgedanke eine zentrale Rolle (vgl.[8] ).

Für die Systemtheorie sind folgende Merkmale fundamental: Die absichtliche und in einer bestimmten Weise geordnete Interaktion zwischen den Elementen ist immer auf ein ganz spezielles Ziel gerichtet. Unter Struktur versteht man die Ordnung der Beziehungen, wobei die Systeme immer darauf bedacht sind, ihre Struktur in einem Gleichgewicht zu halten (vgl.[9] ). Systemtheorien argumentieren nicht von bestimmten Ursachen her, sondern sie beweisen mittelbar. Der Grundgedanke war, dass es Systeme mit Subsysteme gibt, die sich evolutionär weiterentwickeln. Die Basis um eine allgemeine Systemtheorie aufstellen zu können, ist die dynamische Differenzierung in Umwelt und Systeme. In den Systemen selbst, gibt es wiederum Unterscheidungen in soziales- (die Gesellschaft), psychisches- (das Bewusstsein) und organisches System (die Biologie). Damit eine Kommunikation, innerhalb des Systems unter den Elementen stattfinden kann, braucht man so genannte Codes; in der Politik zum Beispiel, ist der Code Macht. Zum Funktionieren eines Systems braucht es Handlungsanweisungen, die Programme genannt werden; zum Beispiel ist das politische Entscheidungs-verfahren, das Programm der Politik (vgl[10] ). Eben aufgezählte Grundannahmen der Systemtheorie sollen in unserer Arbeit ausreichen, um die folgenden Gedanken der beiden Theoretiker, Talcott Parsons und David Easton zu verstehen.

5. Funktionalismus

Da die Thematik des Funktionalismus in einer engen Verbindung mit der Systemtheorie steht, möchten wir an dieser Stelle kurz darauf eingehen. Mit Hilfe von funktionalistischen oder systemtheoretischen Begriffen formuliert man „einerseits eine Reihe von Begriffen zur Erfassung von sozialen Zusammenhängen und andererseits bestimmte theoretische und empirische Aussagen über solche Zusammenhänge“[11] (Reimann / Giesen Goetze / Schmid, 1975: S.146).

Soziale Sachverhalte werden durch eine funktionalistische Analyse beschrieben.

Auch im Funktionalismus ist das System in Elemente und Struktur gegliedert. Der Ausgangspunkt besteht aus einer Absicht, denn die Systemelemente haben innerhalb des Systems eine zweckmäßige Aufgabe zu erfüllen, die zu einem bestimmten Ziel führt. Zum Beispiel ist eine Gesellschaft, eine Art Organismus, indem die Einzelteile eine bestimmte und bestimmbare Funktion für die Erhaltung des Gesamtsystems haben, d.h. dass die sozialen Phänomene die soziale Funktion erklären. Unter der Interdependenz, also der Systemartigkeit einer Gesellschaft, versteht man, dass die Bestandteile, Mitglieder oder sozialen Sachverhalte miteinander auf einer bestimmten Weise verbunden sind. Die Funktionalität einer Gesellschaft besteht vor allem darin, zwei Probleme zu lösen. Das erste Problem, ist „das Problem der Ordnung“7 , das zweite „das Problem der Stabilität“7 (Reimann / Giesen Goetze / Schmid 1975: S.146). (vgl.[12] ).

Hier ist die strukturell-funktionale Systemtheorie Talcott Parsons, die stark von den funktionalistischen Grundzügen geprägt worden ist, zu erwähnen. Er suchte nach den strukturellen Voraussetzungen von Gesellschaft und welche funktionalen Leistungen ein System haben muss, sodass dieses System,mit seinen vorgegebenen Strukturen, weiter existent bleiben kann (vgl.[13] )

6. Talcott Parsons

6.1. Biografie

Talcott Parsons wurde am 13.Dezember 1902 in Colorado Spring geboren und starb am 8.Mai 1979 in München.

Mit achtzehn Jahre begann er das Studium der Wirtschaftswissenschaften in Amherst. Vier Jahre später wechselte er nach London und studierte dort Nationalökonomie an der „London School of Economics and Political Science“ (vgl.[14] ). Nach einem Jahr führte ihn ein Stipendium an die Universität in Heidelberg, dort führte er sein Studium der Nationalökonomie fort. Nach seiner Dissertation 1927 ging er, zuerst als Tutor und dann, ab 1936 bis 1973 als Professor der Soziologie

an die Harvard University in Cambridge, Massachussetts, (vgl.[15] ).

Das Hauptthema seiner Arbeiten ist das systembildende Handeln und Erleben, dass auch in seinem Hauptwerk „The Structur of Social Action“ eine wesentliche Rolle spielt (vgl. 9).

6.2. Systemtheorie Parsons

Talcott Parsons entwickelte in de 40er und 50er Jahren als erster Wissenschaftler eine soziologisch geprägte Systemtheorie, die in ihren Hauptbestandteilen der strukturell-funktionalen Systemtheorie folgt. Die „Untersuchung der Funktionen von Strukturen für das Fortbestehen von Systemen“8 ist der Hauptpunkt der Theorie Parsons. Seine Analysen beruhen auf der Frage, „welche strukturelle Anordnung zur Aufrechterhaltung von Systemen geeignet bzw. notwendig ist“ 8 .

Der Strukturbegriff wird hier dem Funktionsbegriff vorgeordnet. Somit bestehen seine Anfangsfragen sowohl aus den strukturellen Begebenheiten von Systemen, insbesondere von Gesellschaft, als auch von der funktionalen Leistungen, die von einem System erbracht werden muss, damit es mit seinen vorgegeben Strukturen weiter existieren kann (vgl. 7). Dass bedeutet also, dass Strukturen als etwas Gegebenes verstanden und nicht auf ihre Funktion hin hinterfragt werden.

Die Systemelemente, welche von kurzzeitigen Schwankungen im System –Umwelt -Verhältnis nicht abhängig sind, heißen Struktur. Der Begriff der Funktion wird als ein dynamischer Aspekt des sozialen Systems verstanden; d.h. dass die Funktion, die soziale Prozesse bezeichnet, der Stabilität der Systemstrukturen in einer sich ändernden Umwelt gewährleistet (vgl.[16] ).

Dies hat zur Folge, dass wenn man die Struktur eines Systems kennt, eine funktionale Analyse angeben kann, welche die Handlungen für die System-stabilisierung funktional oder nicht funktional aufzeigt.

Parsons strukturell-funktionale Theorie zeigt also den Rahmen der Handlungs-prozesse steuert auf. Folglich werden Handlungen nicht als ein allein stehendes Gebilde gesehen, sondern immer im Zusammenhang des strukturellen und funktionalen Aspekts des jeweiligen Sozialsystems. Aus dieser Erkenntnis heraus, fertigt Parsons ein Schema an, mit dem er die vier elementaren Funktionen zur Strukturerhaltung darstellt. Dieses Schema, auf welches wir im nächsten Punkt eingehen werden, wird kurz AGIL – Schema genannt (vgl.[17] ).

6.3. Handlungssysteme

Parsons Bestandsfunktionalismus geht davon aus, dass Systeme eine feste Struktur und Merkmale besitzen, die die Grundprobleme lösen können. Das AGIL – Schema beinhaltet allgemein die Bestandsvoraussetzungen von Systemen, sodass es als soziales System auf die Gesellschaft angewendet werden kann (vgl.[18] ).

Um diesen Bestand zu sichern braucht ein System die vier Funktionserfordernisse Adaption (Anpassung), Goal-attainment (Zielerreichung), Integration (Integration) und Latent pattern maintenance (Strukturerhaltung) (vgl.[19] ).

Die Funktionskategorie Adaptation sagt aus, dass sich das System an ständig wechselnde Umstände anzupassen hat, um zukünftiges Bestehen zu sichern. Im Goal-attainment versucht das System seine Ziele umzusetzen und eigene Interessen zu verwirklichen. Durch Solidarität muss ein Systemzusammenhalt bewahrt werden, welcher zur Integration aller Systemelemente verpflichtet. Parsons sieht hier die größte Bedeutung der Kultur. Die vierte Funktionskategorie Latent pattern maintenance ist für die Strukturerhaltung verantwortlich, denn das soziale System ist durch Konflikte gefährdet. Diese Kategorie sorgt für die Selbsterhaltung des Systems (vgl.12).

Damit die Systemfunktion erfüllt werden kann müssen diese vier Funktionskategorien im Gleichgewicht stehen. Daraus folgt für das Erfüllen der vier Funktionen, dass vier funktional differenzierte Subsysteme gebildet werden müssen, die auch wiederum dem AGIL – Schema unterliegen (vgl.[20] ). Die Subsysteme eines allgemeinen Handlungssystems sind soziale-, kulturelle- und Persönlichkeitssysteme sowie Verhaltensorganismen. Die Unterscheidung der Handlungssubsysteme, die wir allen Handlungssystemen zuweisen können, ist rein funktionaler Natur: Die Normerhaltung, die Integration, die Zielverwirklichung und die Anpassung (vgl.[21] ).

Das soziale System beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Integrationsproblem der menschlichen Individuen ( Akteure ) im System. Man kann also sagen, dass das soziale System „den Zweck des Zusammenfügens sozialer Beziehungen verfolgt“

(Parsons 2000: 12). Das kulturelle System beschäftigt sich mit der Normerhaltung und dem Normenwandel. Das Persönlichkeitssystem ist für die Umsetzung kultureller Prinzipien und Anforderungen zuständig, also ist die Hauptaufgabe die Zielverwirklichung. Der Verhaltensorganismus, als Ort der primären menschlichen Fähigkeiten, ist das Subsystem der Anpassung. Hier muss sich das Handeln verschiedenen Bedingungen anpassen (vgl.[22].)Parsons geht davon aus, dass die Beziehungen zwischen den Teilsystemen durch integrative Mechanismen gesteuert werden; die so genannten doubles interchanges, die die Interaktionen der Subsysteme beschreiben, werden auf der horizontalen Ebene des AGIL – Schemas angewandt. Hier werden die Austauschbeziehungen durch so genannte symbolisch generalisierte Medien, z.B. Geld gesteuert. Die vertikale Ebene wird von einer „kybernetischen Kontrollhierachie der Funktionserfordernisse“ 7 beeinflusst. Das Subsystem der latent pattern maintenance steht hier auf der höchsten Ebene (vgl.[23] ). Abschließend lässt sich sagen, dass das AGIL – Schema ein Analyseinstrument sozialer Phänomene in ihrem gegenwärtigen Zustand ist, jedoch darf man es nicht als ein Mittel zur Klärung, warum Systeme existieren, verstehen.

6.4. Soziale Systeme

Das soziale System wird als offenes System verstanden, denn es steht durch Informationseingabe und -ausgabe im Austausch mit der Umwelt. Zustände und Prozesse sozialer Wechselbeziehung zwischen Handelnden, bilden das soziale System. Werte, Normen, soziale Gesamtheiten und Rollen spielen bei der Strukturanalyse sozialer Systeme eine wichtige Rolle (vgl.[24] ).

Die Normerhaltung wird durch die Werte gewährleistet, denn durch sie werden erstrebenswerte Modelle sozialer Systeme dargestellt. Die Integration sozialer Systeme ist die Hauptaufgabe der Normen. Die Normen geben nicht nur Wertkomponenten an, die einer bestimmten Ebene in der Struktur des Systems zugeordnet sind, sondern sie geben auch Weisungen und Handlungsmuster vor.

Die soziale Gesamtheit beinhaltet die Strukturkomponenten mit der Hauptaufgabe der Zielverwirklichung (vgl.[25] ). Um von sozialen Gesamtheiten zu sprechen müssen zwei bestimmte Kriterien erzielt werden: Der Mitgliederstatus muss sowohl gut erkennbar sein, als auch eine Unterscheidung von Stellung und Funktionen der Mitglieder und der Gesamtheit muss definiert sein, damit man erkennt welche Mitglieder welche Tätigkeiten ausüben sollen (vgl.[26] )

Die Verbindung zwischen sozialen Systems und der Persönlichkeit des Individuums wird als Hauptinhalt der Rollen zugeschrieben. Die Rolle ist die Strukturkomponente mit der Funktion der Anpassung. Akteure übernehmen bestimmte Rollen, die das System beeinflussen und festigen (vgl.[27] ). Abschließend zu diesen vier Strukturkomponenten lässt sich sagen, dass soziale Systeme immer aus einer Kombination dieser eben genannten Komponenten bestehen und dass jede Einzelne, dieser Strukturkomponenten unabhängig von anderen variabel ist (vgl.[28] )

6.4.1 Das Konzept von Gesellschaft

Der Begriff der Gesellschaft wird als der Typ eines sozialen Systems verstanden, „dessen Kennzeichen ein Höchstmaß an Selbstgenügsamkeit (self-suffisciency) im Verhältnis zu seiner Umwelt, einschließlich anderer sozialer Systeme ist“11

(Parsons 2000: 16). Doch darf man die Selbstgenügsamkeit nicht als Absolute verstehen, denn dann wäre sie widersprüchlich mit der Stellung der Gesellschaft als Handlungssubsystem. Deshalb ist Selbstgenügsamkeit so zu verstehen, dass sie zur Stabilisierung der Austauschbeziehungen beiträgt und dass sie die Fähigkeit besitzt Austauschvorgänge zu überwachen, damit ein gutes Funktionieren der Gesellschaft gesichert ist (vgl. 11).

Die physische Umwelt als direkte Quelle physischer Hilfsmittel hat Anpassungs-beutung für eine Gesellschaft und sie ist für die Zielverwirklichung zuständig.

Eine weitere Komponente der gesellschaftlichen Selbstgenügsamkeit ist die individuelle Persönlichkeit der Mitglieder als Hauptverbindungsglied mit dem sozialen System (vgl.[29] ). Dies bedeutet also, dass eine Gesellschaft nur in sofern selbstgenügsam ist, als dass sie im Allgemeinen auf die zu leistenden Beiträge ihrer „Mitglieder zum Funktionieren der Gesellschaft zählen kann“11 (Parsons 2000: 17). Mitglieder können durch das Zusammenspiel von sozialen und Persönlichkeitssystemen in eine Gesellschaft integriert werden, doch zu dieser Komponente müssen Teile des kulturellen Systems, z.B. die Verinnerlichung sozialer Strukturen in Persönlichkeiten mit einfließen, da diese Teile des kulturellen Systems in der Gesellschaft gefestigt sind (vgl.[30] ). Die Gesellschaft lässt sich in vier primäre Subsysteme teilen: Für die Bedingung der Gesellschaft zum kulturellen System ist das Normenerhaltungs-Subsystem zuständig. Das Zielverwirklichungs-Subsystem (politisches Gemeinwesen) ist für die Persönlichkeit der Mitgliedsindividuen verantwortlich und der Verhaltensorganismus, der auch die physische Welt beinhaltet, wird dem Anpassungs-Subsystem (Wirtschaft) zugeteilt. Das Integrations-Subsystem beinhaltet wiederum, die Einbeziehung der Normen für die gesellschaftliche Gemeinschaft. Dieses Vier-Funktionen-Paradigma ist so zu verstehen, dass die Gesellschaft ein integratives Subsystem eines allgemeinen Handlungssystems ist (vgl.[31]

6.5. Politische Systeme

Parsons sieht das politische System nicht als ein eigenes System, sondern nur im Zusammenhang mit der Gesellschaft und stellt deshalb auch hier das AGIL – Schema auf. Das politische System ist dem Feld des goal-attainment, also der Zielverwirklichung mit den Codes Macht und keine Macht zugeschrieben (vgl.[32] ).Man darf Parsons Begriff von policy nicht mit dem, im Allgemeinverständnis bezogenen Begriff von Politik verstehen. Parsons Verständnis von polity „bezieht sich auf den Prozess des Ausgleichs von Interessen in Kollektiven“13(Jensen 1980:135). Dieser Ausgleich beginnt auf der Ebene von persönlichen Interaktionsprozessen (Familie und andere Kleingruppen), erstreckt sich weiter über die Verwaltungsebene

(formale Organisationen), bis über die Institutionsebene ( Interessen großer gesellschaftlicher Gruppen ), hin zur gesamtgesellschaftlichen Ebene (gesamtes Staatswesen als politisches Kollektiv) (vgl. 13).

[...]


[1] Dieckhoff, Ruben (2005): Topoi Kataloge. Das MINK- und AGIL-Schema.

In: http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/SAPOL/lehress05/MINK-AGIL, 16.03.07

[2] Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/

Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc

[3] Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/

Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc

[4] 2 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/

Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc

[5] 2 Kevenhörster, Paul (1997): Der Politische Prozeß. In: http://www.sai.uni- heidelberg.de /abt/SAPOL /lehress05/

Zusammenfassung%20Hendrik%20K%20Reusch%20Kevenhoerster.doc

[6] Prof. Dr. Boldt, Hans. Prof.Dr. Prehl, Hede. Prof.Dr. Umbach, Dieter C. (1992/3.Aufl.): Schüler Duden. Politik und

Gesellschaft. Ein Lexikon zur Politischen Bildung. Mannheim/Leibzig/Wien/Zürich

[7] Prewo, Rainer. Ritsert, Jürgen. Stracke, Elmar (1973): Systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. Eine kritische Analys

[8] 5 Prewo, Rainer. Ritsert, Jürgen. Stracke, Elmar (1973): Systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. Eine kritische Analyse.

Reinbek bei Hambu

[9] Abels, Heinz (2000): Talcott Parsons. Wie ist soziale Ordnung möglich?

In: http://www.soc.pu.ru/materials/golovin/reader/abels/d_abels2(parsons).htm#b1 (14.03.07)

[10] Weber, Christina: Gesellschaftstheorien 1. Systemtheorie.

In: http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title= Gesellschaftstheorien_1:_Systemtheorie#Talcott_Parsons (14

[11] Reimann, H. Giesen, B. Goetze, D. Schmid, M. (1975): Basale Soziologie. Theoretische Modelle. München

[12] Reimann, H. Giesen, B. Goetze, D. Schmid, M. (1975): Basale Soziologie. Theoretische Modelle. München

[13] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005) In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[14] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005)

[15] Prof.Dr, Morell, Julius.Mag. Bauer, Eva. Prof.Dr. Meleghy, Tamás. Dr. Niedenzu, Heinz-Jürgen. Prof.Dr. Preglau, Max.

Prof.Dr. Staubmann, Helmut (2001/7.Aufl.): Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München

[16] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005).

In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[17] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005).

In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[18] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005).

In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[19] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005).

In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[20] Deutsche Zentrale für Biologische Information (2005).

In: http://www.biologie.de/biowiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28L._von_Bertalanffy.29 (16.03.07)

[21] Minakov, Alexander (2000): Talcott Parsons. Wie ist soziale Ordnung möglich?.

In: http://www.soc.pu.ru/materials/golovin/reader/abels/d_abels2(parsons).htm#b32 (14.03.07)

[22] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[23] Reimann, H. Giesen, B. Goetze, D. Schmid, M. (1975): Basale Soziologie. Theoretische Modelle. München

[24] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[25] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[26] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[27] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[28] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[29] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[30] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[31] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

[32] Parsons, Talcott (2000/5.Aufl.): Das System moderner Gesellschaften. Weinheim/München

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse der Systemtheorie von Talcott Parsons und David Easton
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V153525
ISBN (eBook)
9783640657551
ISBN (Buch)
9783640658121
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systemtheorie, David Easton, T. Parsons
Arbeit zitieren
Sara Bottaccio (Autor), 2007, Analyse der Systemtheorie von Talcott Parsons und David Easton, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153525

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