In dieser Arbeit wird untersucht, wie nah sich Drehbuchautoren und Regisseur an die literarische Vorlage Thomas Manns gehalten haben und welche Änderungen trotz großer zeitlicher Nähe der Entstehungszeitpunkte von Roman und Film im Zuge des Medienwechsels vorgenommen wurden. Zunächst werden dabei auf der makrostrukturellen Ebene von Buch und Film inhaltliche Abweichungen, dramaturgische Veränderungen und Besonderheiten des Erzählverhaltens vergleichend betrachtet, bevor Felix Krulls Techniken der Selbstinszenierung an Hand des detaillierten Beispiels der Musterungsszene untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. STRUKTURANALYSE
2.1 DIE ADAPTION DES INHALTS
2.2 DIE DRAMATURGISCHE FORM
2.3 DAS ERZÄHLVERHALTEN
3. SZENISCHE ADAPTION
3.1 FELIX ALS SELBSTINTENDANT – DIE MUSTERUNGSSZENE
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Grad der Werktreue sowie die künstlerischen Freiheiten von Kurt Hoffmanns Verfilmung "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957) im Vergleich zur gleichnamigen Romanvorlage von Thomas Mann. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der filmischen Umsetzung in Bezug auf inhaltliche Adaption, dramaturgische Struktur und Erzählweise.
- Vergleich von filmischer Struktur und literarischer Vorlage
- Analyse der Transformation und dramaturgischen Anpassung des Stoffes
- Untersuchung des Erzählverhaltens und der Rezeptionssteuerung
- Detailstudie zur Szenengestaltung am Beispiel der Musterungsszene
- Bewertung des Films als "geschaute Erzählung" im Sinne Thomas Manns
Auszug aus dem Buch
2.2 Die dramaturgische Form
Die Betrachtung der dramaturgischen Gesamtstruktur des Romans zeigt, dass die einzelnen Episoden und Erlebnisse einer stark additiven Aneinanderreihung von Exkursen und gedanklichen Essays über die jeweils anklingende Thematik unterliegen. Sie werden einerseits durch philosophische Reflexionen miteinander verbunden, andererseits spannt die logische Reihenfolge der Episoden den dramaturgischen Bogen über das Geschehen. So fällt es Felix zum Beispiel nur deshalb so leicht, Venostas Unterschrift nachzuahmen, weil er früher stets die Unterschrift seines Vaters fälschte, um der Schule fernbleiben zu können. Seine frühe Liebe zu Kostümierungen jeder Art ermöglicht ihm später eine authentische Übernahme der Rolle des Marquis und nicht zuletzt kündigt schon das 'Stibitzen' von Süßigkeiten im heimatlichen Dörfchen seine spätere Benennung als Gott der Diebe durch Diane Houpflé an.
Eine Zuordnung zur geschlossenen Form im Sinne der aristotelischen Dramaturgie ist nicht zu treffen, denn es liegt weder ein homogener, streng begrenzter Raum vor – die Episoden ereignen sich vom Rheingau über Frankfurt am Main und Paris bis nach Lissabon – noch ist ein zeitlich überschaubarer Rahmen gesetzt. Der Anfang ist durch die Geburt des Erzählers zwar klar gekennzeichnet und bedingt keinerlei Vorgeschichte. Doch eröffnet sich durch diverse Vorgriffe auf kommende Entwicklungen des schreibenden Erzählers ein größerer zeitlicher Rahmen, als das Werk ihn einhalten kann. Es fehlen ein stetiger Spannungsaufbau und eine konsequente Konzentration auf einen Fluchtpunkt hin, an dem sich das Blatt für den Helden wenden und er mit der gewonnenen Erkenntnis seinen Platz in der Gesellschaft neu einnehmen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der Literaturverfilmung ein und begründet die Wahl von Kurt Hoffmanns "Felix Krull" als Untersuchungsgegenstand.
2. STRUKTURANALYSE: Dieses Kapitel vergleicht die makrostrukturelle Organisation von Buch und Film hinsichtlich Inhalt, Dramaturgie und der spezifischen Rolle des Erzählers.
2.1 DIE ADAPTION DES INHALTS: Der Fokus liegt auf den inhaltlichen Raffungen und Anpassungen, die aufgrund der begrenzten Laufzeit eines Spielfilms vorgenommen wurden.
2.2 DIE DRAMATURGISCHE FORM: Das Kapitel analysiert den dramaturgischen Aufbau des Romans gegenüber dem Film und diskutiert die Auflösung der fragmentarischen Romanstruktur in eine geschlossene Spannungskurve.
2.3 DAS ERZÄHLVERHALTEN: Hier wird der Unterschied zwischen dem allwissenden, reflektierenden Erzähler im Buch und der kommentierenden Voice-over-Stimme im Film sowie deren jeweiliger Einfluss auf die Rezeptionssteuerung untersucht.
3. SZENISCHE ADAPTION: Dieser Abschnitt widmet sich der szenischen Umsetzung und veranschaulicht anhand eines konkreten Beispiels die Techniken der Selbstinszenierung.
3.1 FELIX ALS SELBSTINTENDANT – DIE MUSTERUNGSSZENE: Eine detaillierte Analyse, wie die für die Charakterentwicklung zentrale Musterungsszene in Buch und Film inszeniert wird.
4. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Verfilmung als eine visuelle, werkgetreue Ergänzung zur literarischen Vorlage.
Schlüsselwörter
Felix Krull, Thomas Mann, Literaturverfilmung, Kurt Hoffmann, Adaption, Dramaturgie, Erzählverhalten, Selbstinszenierung, Filmästhetik, Werktreue, Literaturanalyse, Medienwechsel, Musterungsszene, Voice-over, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis zwischen der Romanvorlage "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann und der filmischen Adaption durch Regisseur Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1957.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die inhaltliche Adaption, die dramaturgische Struktur und das Erzählverhalten beim Transfer eines literarischen Werkes in das Medium Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, wie nahe sich der Film an die literarische Vorlage hält und welche künstlerischen Freiheiten und technischen Veränderungen für die filmische Umsetzung notwendig waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse durchgeführt, die strukturelle und narrative Elemente des Buches den entsprechenden filmischen Umsetzungen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine makrostrukturelle Analyse (Inhalt, Dramaturgie, Erzählverhalten) und eine mikrostrukturelle Fallstudie zur Musterungsszene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Literaturverfilmung, Adaption, Werktreue, Selbstinszenierung, Dramaturgie und die mediale Transformation.
Inwiefern unterscheidet sich der Erzähler im Film vom Buch?
Während im Buch ein reflektierender, schreibender Erzähler das Geschehen direkt kommentiert, fungiert der Erzähler im Film primär als begleitendes Voice-over, das den Zuschauer unterschwellig steuert.
Wie geht die Autorin mit dem Ende des Romans um?
Die Arbeit stellt fest, dass der Film das offene, fragmentarische Ende des Romans durch die Konstruktion einer neuen Liebesbeziehung zwischen Felix und Zaza in einen abgeschlossenen Spielfilm überführt.
- Citation du texte
- Carina Dickhut (Auteur), 2009, "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull": Radikale Werktreue oder filmästhetische Adaption?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153528