Im Kontext des Großthemas „Widerstand und Repression in der DDR“ möchte ich mich in meiner Hausarbeit mit der Thematik „Die Flüchtlingsproblematik als Beweggrund für den Mauerbau 1961“ auseinandersetzen. Wie die Formulierung meines Themas bereits andeutet, soll es mir dabei um die Flüchtlingsproblematik als solches gehen und sowohl die Untersuchung verschiedener Fluchtmotive als auch die Charakterisierung der Flüchtlinge umfassen.
Die Flüchtlingsproblematik im Rahmen des Mauerbaus ist meines Erachtens insofern für eine Thematisierung von besonderem Interesse, als es das Leben und individuelle Schicksal tausender Menschen in der BRD und der DDR beeinflusst hat, die entweder geflohen sind und sich sowie ihre Verwandten und Freunde damit einer erheblichen Gefahr ausgesetzt haben oder überraschend durch den Bau der Mauer für viele Jahre gänzlich von Freunden, Verwandten und eventuell dem Arbeitsplatz abgeschnitten wurden. Doch weder mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 und der Wiedervereinigung 1990 noch heute, so viele Jahre später, konnten alle durch die Trennung entstandenen Probleme, sei es politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Art, gelöst werden, denn so sind zum Beispiel immer noch zahlreiche Familien auf der Suche nach Familienangehörigen, zu denen sie aufgrund der Mauer den Kontakt verloren haben. Da viele Menschen durch ihre Flucht in die BRD ihre engsten Freunde und Verwandte in der DDR zurückgelassen haben, halte ich es für äußerst interessant näher auf deren Fluchtmotive einzugehen und zu untersuchen, um was für Menschen es sich dabei handelte, genauer gesagt, welchen Berufssparten, welcher Alters- und Einkommensschicht sie angehörten und welche geschlechtsspezifischen Unterschiede es dahingehend gab. Die Wichtigkeit des Themas wird zudem darin deutlich, dass der Bau der Mauer und die Fluchtbewegung sowohl in der Sekundarstufe I als auch II feste Themen im Lehrplan Geschichte sind. [...]
Da es in der Forschung zahlreiche Werke gibt, die sich getrennt auf die verschiedenen Themen der Flüchtlingscharakterisierung und Fluchtmotivik spezialisiert haben, soll meine Arbeit eher von zusammenfassendem, überblicksartigem Charakter sein. Während ich mich zudem lediglich auf die Flucht in die BRD konzentrieren werde, könnte man ebenfalls die Beweggründe zur Immigration oder Rückkehr in die DDR thematisieren.
Inhaltsverzeichnis
1.) EINLEITUNG
1.1) VORBEMERKUNGEN ZUM THEMA „DIE FLÜCHTLINGSPROBLEMATIK ALS BEWEGGRUND FÜR DEN MAUERBAU 1961“
1.2) ZUR PROBLEMATIK DES BEGRIFFS „FLÜCHTLING“
2.) HAUPTTEIL
2.1) DIE FLUCHTMOTIVE IM EINZELNEN
2.2) DIE EINTEILUNG DER FLÜCHTLINGE NACH BERUF, ALTER UND GESCHLECHT
3.) SCHLUSSTEIL
3.1) REAKTIONEN UND GEGENMAßNAHMEN DER DDR-REGIERUNG
3.2) ZUSAMMENFASSUNG UND BEURTEILUNG
4.) QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
4.1) QUELLEN
4.2) FORSCHUNGSLITERATUR
4.3) INTERNETQUELLEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Flüchtlingsproblematik der DDR als zentralen Beweggrund für den Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961. Ziel ist es, die vielfältigen Fluchtmotive zu analysieren, die Charakterisierung der Flüchtlinge hinsichtlich Beruf, Alter und Geschlecht zu erörtern und die politischen Reaktionen sowie Gegenmaßnahmen der DDR-Regierung kritisch zu beleuchten.
- Analyse verschiedener Fluchtmotive aus der DDR in die Bundesrepublik
- Soziodemografische Charakterisierung der Flüchtlingsgruppen
- Wirtschaftliche und demografische Auswirkungen der Massenflucht
- Untersuchung der Reaktionen und Repressionsmaßnahmen des DDR-Regimes
- Historische Kontextualisierung des Mauerbaus als unmittelbare Reaktion auf den Flüchtlingsstrom
Auszug aus dem Buch
Die Fluchtmotive im Einzelnen
Die Motive der Flüchtlinge sind vielfältig, aber bestimmte kehrten besonders häufig bei Befragungen wieder, wie politische und ökonomische Gründe. Die ständige Verfügbarkeit verschiedener Konsumgüter, insgesamt ein breiteres Warenangebot, höhere Löhne, mehr Urlaub etc. waren in wirtschaftlicher Hinsicht oft ausschlaggebende Gründe. Denn das von der DDR angestrebte Ziel harmonierte zwar mit der ökonomischen Strategie der UdSSR und anderer kommunistischer Länder, die ebenfalls mit einzelnen kapitalistischen Staaten konkurrierten und deren wirtschaftliche Position überholen wollten, aber der Widerspruch zwischen der Rohstoffarmut und dem Industriestandort DDR war zu groß, um ähnliche ökonomische Verhältnisse wie in der BRD zu schaffen.
Außerdem flohen zahlreiche Familien aufgrund der mangelhaften und ideologisierten Kindererziehung. Hintergrund dessen war der Ausschluss vieler Kinder intellektueller Eltern aus erzieherischen Einrichtungen zugunsten der Kinder von Arbeitern und Bauern in den zahlenmäßig geringen Kindertagesstätten. Von vielen Eltern wurden zudem die schlechte Qualität der Einrichtungen und der Mangel an qualifizierten Erziehern und Lehrern angeprangert. Auch für die Jugendlichen selbst, war das oftmals ein Grund abzuwandern, da ihnen teilweise das Abitur oder der Studienplatz verwehrt wurde. Weil nur jeder Sechste der abgewanderten Jugendlichen ein arbeitsloser war, kann Arbeitslosigkeit für diese wie für alle anderen Gruppen kaum das zentrale Motiv gewesen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) EINLEITUNG: Dieses Kapitel erläutert die thematische Relevanz der Flüchtlingsproblematik vor dem Mauerbau und diskutiert die methodischen Herausforderungen der Begriffsdefinition „Flüchtling“.
2.) HAUPTTEIL: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Fluchtmotive sowie die soziologische Zusammensetzung der flüchtenden Bevölkerungsgruppen.
3.) SCHLUSSTEIL: Dieser Abschnitt bewertet die Gegenmaßnahmen des DDR-Regimes und zieht ein Fazit über den direkten Zusammenhang zwischen dem Flüchtlingsstrom und der Entscheidung zum Mauerbau.
4.) QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen Primärquellen, Forschungsliteratur sowie Internetressourcen detailliert aufgeführt.
Schlüsselwörter
DDR, Mauerbau 1961, Flüchtlingsproblematik, Fluchtmotive, Republikflucht, DDR-Regierung, SED, innerdeutsche Grenze, Abwanderung, Sozialismus, Repression, Fachkräftemangel, Ideologie, Berliner Mauer, Grenzsicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fluchtbewegung aus der DDR in die Bundesrepublik und untersucht, inwieweit diese Problematik als entscheidender Beweggrund für den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 fungierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die vielfältigen Fluchtmotive (politisch, wirtschaftlich, familiär), die soziologische Charakterisierung der Flüchtlinge und die politischen Gegenmaßnahmen des DDR-Regimes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine überblicksartige Analyse der Zusammenhänge zwischen den anhaltenden Fluchtzahlen und den darauf folgenden staatlichen Maßnahmen, die schließlich in der Abriegelung der Sektorengrenze gipfelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsbeiträge, wertet statistische Daten aus Notaufnahmelagern und staatliche Dokumente aus, um ein realistisches Bild der Lage zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Motive der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen (Intellektuelle, Bauern, Jugendliche) als auch die statistische Einteilung der Flüchtlinge nach Alter und Beruf analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR, Mauerbau 1961, Republikflucht, Fluchtmotive und staatliche Repression charakterisiert.
Wie reagierte die DDR-Regierung auf die Flüchtlingszahlen?
Die DDR-Regierung reagierte mit einer Mischung aus materiellen Anreizen für bestimmte Berufsgruppen, politischer Diffamierung, strafrechtlicher Verfolgung (Republikflucht als Tatbestand) und schließlich der physischen Abriegelung durch die Mauer.
Warum war der Bau der Mauer für die SED eine "alternative" Lösung?
Die Arbeit argumentiert, dass aufgrund der Stetigkeit der Fluchtbewegung und der daraus resultierenden demografischen sowie ökonomischen Krise, aus Sicht der SED keine andere Möglichkeit mehr blieb, um den Zusammenbruch der sozialistischen Wirtschaft zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Die Flüchtlingsproblematik als Beweggrund für den Mauerbau 1961, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153588