In dieser Arbeit soll es um die „Darstellung des ersten und zweiten Philippstones unter biografischen und historischen Aspekten“ gehen. Walthers Philippstöne spielen in Hinblick auf seine Biografie und die historischen Ereignisse um den Thronstreit von 1198 insofern eine wichtige Rolle, als sie politischen Inhalts sind und somit Aufschluss über Anstellungen Walthers an verschiedenen Höfen geben. Die historischen Hintergründe des Thronstreits zwischen den Staufern und den Welfen werden in den Tönen Walthers ebenso beleuchtet wie die Beziehung zwischen Walther als Spruchdichter und seinem Herrn Philipp von Schwaben. In der Forschung werden die beiden Philippstöne immer wieder kritisch diskutiert. Besonders hinsichtlich Walthers Wechsel zwischen dem staufischen und welfischen König gibt es unter den Mediävisten verschiedene Auffassungen. Während sich die Forscher bezüglich dem „Kronenspruch“, der „Magdeburger Weihnacht“ und dem „Spießbratenspruch“ weitgehend über politische Aussagen und biografische Hintergründe Walthers einig sind, herrscht über den „Bohnenspruch“ noch große Uneinigkeit. Im Zentrum meiner Hausarbeit soll die Frage stehen, wie hoch der politisch-historische und biografische Informationsgehalt innerhalb des ersten und zweiten Philippstones ist, das heißt welche Informationen sich aus diesen Sangsprüchen hinsichtlich Walthers Biografie und dem Thronstreit von 1198 ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorbemerkungen zur Darstellung des ersten und zweiten Philippstones
1.2 Zur Sangspruchdichtung und zum Tod Heinrichs VI.
2. Hauptteil
2.1 Owê dir, tiusche zunge, wie stêt dîu ordenunge – Der Thronstreit von 1198
2.2 Walther bei Hermann I.
2.3 Die Kritik an Philipp verschärft sich
3. Schluss
3.1 Das Ende des Thronstreits
3.2 Die Agitation, Rezeption und Wirkung der beiden Philippstöne
3.3 Zusammenfassung und Beurteilung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den politisch-historischen sowie biografischen Informationsgehalt der beiden Philippstöne von Walther von der Vogelweide. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Erkenntnisse sich aus diesen Sangsprüchen hinsichtlich der Biografie des Dichters und der historischen Ereignisse rund um den Thronstreit von 1198 gewinnen lassen.
- Politische und biografische Analyse der Philippstöne Walthers von der Vogelweide
- Historischer Kontext des Thronstreits zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig
- Untersuchung der Rolle des Dichters als politischer Agitator an verschiedenen Fürstenhöfen
- Diskussion der Rezeption und literarischen Wirkung der Sangsprüche in Mittelalter und Neuzeit
- Interpretation einzelner Sprüche wie des "Kronenspruchs", "Bohnenspruchs" und "Spießbratenspruchs"
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Kritik an Philipp verschärft sich
Der Ton Walthers wird im Gegensatz zur noch milden dritten Strophe des ersten Philippstones im folgenden zweiten Philippston bedeutend schärfer und letztendlich erreicht Walthers Kritik an Philipps mangelnder Freigebigkeit ihren Höhepunkt im so genannten „Spießbratenspruch“, den ich ebenfalls in diesem Abschnitt thematisieren möchte.
Auch im ersten Spruch des zweiten Philippstones ist die milte der zentrale Begriff. So gesehen handelt es sich um eine thematische Fortführung des dritten Spruches des ersten Philippstones. Auch hier steht ein Beispiel im Mittelpunkt, doch diesmal handelt es sich um Alexander der Große, der durch die Aussage der gap und gap, und gab si im elliu rîche als mildtätig dargestellt wird. Walther erinnert Philipp noch einmal deutlich daran, dass seine Freigebigkeit wie eine Saat aufgehen wird, wenngleich Philipp es historisch gesehen meiner Meinung nach gar nicht nötig hatte, in dieser Zeit mildtätig zu sein. Denn nachdem Papst Innozenz III. zwischenzeitlich einen Ausgleich zwischen beiden Königen gesucht und Philipp einen einjährigen Waffenstillstand einführte hatte, hob der Papst den Kirchenbann vom 3. Juli 1201 über Philipp auf. Dieses Zeichen der Anerkennung stellte dem Staufer die Krone in Aussicht, wenngleich Innozenz III. am 1. März 1201 Otto von Braunschweig als deutschen König anerkannt hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Philippstöne für Walthers Biografie und skizziert die historische Ausgangslage des Thronstreits.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die politischen Aussagen der Philippstöne, die Rolle Walthers am Hof Philipps von Schwaben und dessen Wechsel an den thüringischen Hof.
3. Schluss: Der Schlussteil beleuchtet den historischen Ausgang des Thronstreits, fasst die Agitationsmethoden des Dichters zusammen und diskutiert die langfristige Rezeption der Philippstöne.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, Philipp von Schwaben, Otto von Braunschweig, Thronstreit 1198, Sangspruchdichtung, Politische Agitation, Mildtätigkeit, Milte, Mittelalter, Historische Biografie, Literaturgeschichte, Rezeption, Spießbratenspruch, Bohnenspruch, Kronenspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zwei Philippstönen des Dichters Walther von der Vogelweide und analysiert diese unter historisch-biografischen Gesichtspunkten während der Zeit des Thronstreits.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die politische Rolle des Dichters im Thronstreit zwischen Staufern und Welfen, die Funktion von Sangsprüchen als Mittel der Propaganda und die Bedeutung der fürstlichen Mildtätigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Informationsgehalt der Philippstöne hinsichtlich Walthers Lebensweg und der politischen Ereignisse um 1198 zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine historisch-philologische Herangehensweise, bei der die Texte von Sangsprüchen mit zeitgenössischen chronikalischen Überlieferungen und moderner Forschungsliteratur abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der beiden Philippstöne, die Beleuchtung von Walthers Gönnern wie Philipp von Schwaben und Landgraf Hermann von Thüringen sowie die Interpretation kritischer Passagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Walther von der Vogelweide, politische Agitation, Thronstreit, Milte und Sangspruchdichtung charakterisieren.
Welche Rolle spielt der "Spießbratenspruch" in der Argumentation?
Der "Spießbratenspruch" markiert den kritischen Höhepunkt der Auseinandersetzung des Dichters mit der mangelnden Freigebigkeit Philipps von Schwaben.
Wie wird der "Bohnenspruch" interpretiert?
Es werden verschiedene Interpretationsansätze diskutiert, die von einer Einordnung in den Sängerkrieg auf der Wartburg bis hin zu einer politisch-symbolischen Deutung als Lehnstext reichen.
Gibt es eine abschließende Bewertung zu Walthers politischer Haltung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Walther sein Dichteramt gezielt für politische Agitation einsetzte, wobei die Frage eines Wechsels zum welfischen König kontrovers bleibt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2007, Darstellung des ersten und zweiten Philippstones unter biografischen und historischen Aspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153592