Im Kontext der Onomastik wird die Motivklasse „Geld und materielle Güter“ in die Klasse 5 „Familiennamen aus Übernamen“ Unterpunkt 3 „Psychisch-charakterliche Dispositionen und Gewohnheiten“ eingeordnet. Unterteilt habe ich das Thema noch einmal in folgende fünf thematische Unterpunkte: 1.) Kennzeichnung für Berufe, die mit Geld zu tun haben, 2.) Kennzeichnung für Personen mit Geld und materiellen Gütern, 3.) Kennzeichnung für Geld und materielle Güter sowie Zins- und Naturalabgaben, 4.) Kennzeichnung für Personen, die kein Geld oder materielle Güter besitzen und 5.) Sonstige, unter denen ich Bezeichnungen für abgabepflichtige Personen, geizige Menschen, Betrüger und Geldbußen zusammengefasst habe.
Weiterhin bin ich so vorgegangen, dass ich meine Ergebnisse jeweils in die drei grammatischen Kategorien: Derivation: Stamm und Suffigierung, Zusammenbildung und Zusammenrückung aufgenommen und eingeordnet habe. Meine Namenssammlung habe ich zudem in einer Tabelle aufgeführt, wobei jeweils eine Spalte die Typen der Familiennamen und die Originalschreibungen erfasst. Dazu habe ich die grammatischen Besonderheiten dargelegt und in der Spalte „Bemerkungen“ die Erklärungen verschiedener Begriffe hinzugefügt, falls sie heute nicht mehr erschließbar sind. Aufgeführt habe ich lediglich Namen, die ich mittels des Telefonbuchs nachweisen konnte. Namen, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind, sind im Namenlexikon aufgeführt gewesen, konnte ich jedoch nicht mit dem Telefonbuch belegen, was entweder daran liegen könnte, dass es diese
Namen schlichtweg nicht mehr gibt, sie gewissermaßen ausgestorben sind, oder die Person mit dem Namen einfach nicht im Telefonbuch steht. Des Weiteren habe ich es im Feld „Bemerkungen“ vermerkt, wenn im Anhang zum jeweiligen Namen Karten zur geografischen Verteilung des Namens vorhanden sind. Für die Karten habe ich vorrangig Namen ausgesucht und gegenübergestellt, die grammatische Unterschiede aufweisen, die eventuell auch geografisch nachzuweisen sind, wie beispielsweise die Lautverschiebung oder dialektale Schreibweisen.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
1.1) Vorbemerkungen zur Motivklasse: Geld und materielle Güter (5.3.5)
1.2) Das mittelalterliche Ordnungsgefüge
1.3) Die Entstehung des Münzwesens
2.) Hauptteil: Motivklasse: Geld und materielle Güter (5.3.5)
2.1) Kennzeichnung für Berufe, die mit Geld zu tun haben
2.1.1) Derivation: Stamm und Suffigierung
2.1.2) Zusammenbildung
2.2) Kennzeichnung für Personen mit Geld und materiellen Gütern
2.2.1) Derivation: Stamm und Suffigierung
2.2.2) Zusammenbildung
2.2.3) Zusammenrückung
2.2.3.1) Verb und Substantiv
2.3) Kennzeichnung für Geld und materielle Güter sowie Zins- und Naturalabgaben
2.3.1) Derivation: Stamm und Suffigierung
2.3.2) Zusammenbildung
2.4) Kennzeichnung für Personen, die kein Geld oder materielle Güter besitzen
2.4.1) Derivation: Stamm und Suffigierung
2.4.2) Zusammenbildung
2.4.3) Zusammenrückung
2.4.3.1) Verb und Negationspartikel
2.4.3.2) Adjektiv und Adjektiv
2.5) Sonstige
2.5.1) Derivation: Stamm und Suffigierung
2.5.2) Zusammenbildung
2.5.3) Zusammenrückung
2.5.3.1) Verb und Negationspartikel
2.5.3.2) Verb und Substantiv
3.) Schluss
3.1) Auswertung der Motivklasse: Geld und materielle Güter (5.3.5)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Motivklasse „Geld und materielle Güter“ innerhalb der Familiennamen. Das primäre Ziel ist die linguistische Kategorisierung und Analyse dieser Namen, um den Einfluss der mittelalterlichen Lebenswelt, insbesondere des Abgaben- und Münzwesens, auf die Namensgebung nachzuvollziehen.
- Systematische Einordnung von Familiennamen in grammatische Kategorien (Derivation, Zusammenbildung, Zusammenrückung).
- Analyse von Berufsbezeichnungen in Bezug auf Geld- und Finanzwesen.
- Untersuchung von Namen, die den sozialen Status in Bezug auf materiellen Wohlstand oder Armut widerspiegeln.
- Erforschung von geografischen Verbreitungsmustern und dialektalen Einflüssen mittels Namenskarten.
- Betrachtung von sprachlichen Veränderungen und historischen Kontexten der Namensbildung.
Auszug aus dem Buch
1.2) Das mittelalterliche Ordnungsgefüge
Zur Zeit des Mittelalters war das Ordnungsgefüge durch das Lehnswesen gekennzeichnet. Hierbei handelt es sich um eine hierarchische Abhängigkeit zwischen dem Lehnsherren und seinem Vasallen. Die Vasallen erhielten Land und hatten im Gegenzug verschiedene Dienste und Abgaben an ihren Lehnsherren zu leisten. Früheste Spuren zu den Ursprüngen des Lehnswesens führen in die Umbruchszeit von der Spätantike zum frühen Mittelalter, in der sich Klientelverbände des Adels herausbildeten, weil sich Freie für die Ausstattung mit dem Lebensnotwendigsten in die Obhut von Adligen begaben und dafür als Entgelt verschiedene Dienste wie beispielsweise Heerfolge leisteten. Im 7. und 8. Jahrhundert, so Dendorfer, traten dann allmählich verschiedene Formen des Lehnswesens hervor.
Die mittelalterliche Ständegesellschaft wird generell durch eine Dreiteilung in Klerus, Adel sowie Bürger und Bauern charakterisiert, wenngleich der dritte Stand in einigen Darstellungen noch einmal getrennt in Bürger und Bauern unterteilt ist, sodass es insgesamt vier Stände gibt. An der Spitze der Ständepyramide stand jeweils der König beziehungsweise Kaiser. Während die ersten beiden Stände eher von geringerer Zahl waren, stellte der Dritte die Masse des Volkes dar. Trotz des zahlenmäßigen Ungleichgewichts verfügten der Adel und der Klerus über verschiedene Privilegien, die dem dritten Stand untersagt waren. Aufgrund der großen Lasten, die die Bauern durch die hohen Abgaben zu tragen hatten, gab es oft Auseinandersetzungen und Aufstände zwischen ihnen und den führenden Ständen.
Die von den Bauern zu leistenden Naturalabgaben wurden jeweils vom Lehnsherrn festgesetzt und mussten unabhängig von Missernten, Seuchen oder Dürren geleistet werden, sodass die Bauern einem stetigen Druck hoher Lasten unterlegen waren und oft große Schwierigkeiten hatten, ihre Abgaben zu leisten, ohne dabei in hohe Schulden zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Einordnung der Motivklasse in die Systematik der Familiennamen und beschreibt die methodische Vorgehensweise bei der Datenerfassung.
2.) Hauptteil: Motivklasse: Geld und materielle Güter (5.3.5): Das Kapitel gliedert Familiennamen nach ihrer semantischen Bedeutung und grammatischen Struktur, um historische Berufs- und Statusbezeichnungen aufzuarbeiten.
3.) Schluss: Hier erfolgt eine zusammenfassende Auswertung der Erkenntnisse, wobei insbesondere die Korrelation zwischen historischen Lebensverhältnissen, dialektalen Mustern und der geografischen Namensverteilung reflektiert wird.
Schlüsselwörter
Familiennamen, Motivklasse, Geld, Mittelalter, Lehnswesen, Münzwesen, Sozialstatus, Sprachgeschichte, Derivation, Zusammenbildung, Zusammenrückung, Namengeografie, Geogen, Dialekt, Abgaben
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der Motivklasse „Geld und materielle Güter“ bei deutschen Familiennamen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die soziale Differenzierung durch Namen, Berufsbezeichnungen im Finanzwesen sowie den Einfluss historischer Abgabensysteme auf die Namensgebung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen der mittelalterlichen Gesellschaftsstruktur und der Entstehung spezifischer Familiennamen aufzudecken und zu systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Der Autor verwendet eine kategoriale Einteilung in grammatische Strukturen (Derivation, Zusammenbildung, Zusammenrückung) und nutzt Namenskarten zur geografischen Analyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Unterpunkte, die Namen von Berufen mit Geldbezug, Personen mit materiellem Reichtum sowie solche, die Abgaben leisten mussten, detailliert auflisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Familiennamen, Mittelalter, Münzwesen, Geld, Sozialstatus und Namengeografie.
Warum finden sich Überschneidungen zu anderen Kategorien wie Ortsnamen?
Historische Namensbildungen sind oft vieldeutig, da gleiche Lautungen sowohl als Herkunftsbezeichnung als auch als Berufsbezeichnung in Bezug auf Geld gedeutet werden können.
Welche Bedeutung hat der Tenues-Affrikaten-Wandel für die Analyse?
Dieser lautliche Wandel hilft, geografische Unterschiede und Wanderungsbewegungen von Familiennamen wie Zöllner oder Güldenpfennig zu identifizieren und historisch zu verorten.
Welche Rolle spielen türkische Familiennamen in dieser Untersuchung?
Türkische Namen wie Altun, Sari und Aksoy werden als neuzeitliche Erscheinungen betrachtet, deren Verbreitung vor allem durch Migration nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt ist.
Wie unterscheidet sich die Namensgebung für Reiche und Arme?
Die Arbeit zeigt, dass sowohl besonders wohlhabende Individuen als auch gesellschaftliche Außenseiter oder Schuldner durch charakteristische Übernamen identifiziert wurden, die ihre wirtschaftliche Situation widerspiegeln.
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- Anonym (Autor), 2008, Geschichte der Namen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153602