Durch die zunehmende Inanspruchnahme weltweiter Kapitalmärkte, die fortschreitende Internationalisierung unternehmerischer Aktivitäten sowie die Globalisierung und Dynamisierung des Wettbewerbs entstehen eine Vielzahl von Chancen, aber auch Risiken der unternehmerischen Tätigkeit. Aufgrund dieser Komplexität wird die frühzeitige Erkennung von Risiken erschwert. Oft traten infolge eines unzureichenden oder fehlenden Risikomanagements spektakuläre Unternehmensinsolvenzen auf, wie z.B. bei Enron und der Philip Holzmann AG. Um zu gewährleisten, dass die Unternehmensführung sich systematisch und bewusst mit ihren Risiken auseinandersetzt, hat der Gesetzgeber im Jahr 1998 das „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz“ (KonTraG) verabschiedet. Mit dem KonTraG wurden verschiedene Vorschriften des Aktiengesetzes und des Handelsgesetzbuches geändert. Nach § 91 Abs. 2 AktG wird dem Vorstand die Aufgabe übertragen, „geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden“. Nach § 289 Abs. 1 HGB sollen die Chancen und Risiken der künftigen Entwicklungen im Lagebericht dargestellt werden. Der § 289 Abs. 5 HGB fügt ergänzend hinzu: „Kapitalgesellschaften im Sinn des § 264d haben im Lagebericht die wesentlichen Merkmale des internen Kontroll- und des Risikomanagementsystems im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess zu beschreiben“. In der Gesetzesbegründung stellt der Gesetzgeber ergänzend fest, dass der Vorstand „für ein angemessenes Risikomanagementsystem und für eine angemessene Interne Revision zu sorgen“ hat. Diese Arbeit gibt Auskunft darüber, wie das Risikomanagement und das Controlling zusammen wirken, um diese Anforderungen zu erfüllen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1 Risiko
2.2 Risikomanagement
2.3 Controlling
3. Risikomanagement und Controlling
3.1 Einordnung des Controllings in das Risikomanagement
3.2 Das Risikomanagementsystem
3.2.1 Internes Überwachungssystem
3.2.2 Frühwarnsystem
3.2.3 Risikocontrolling
3.3 Der Risikomanagementprozess
4. Kritische Beurteilung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem systematischen Zusammenwirken von Risikomanagement und Controlling in Unternehmen. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese beiden Bereiche gemeinsam die Anforderungen an eine moderne Unternehmenssteuerung, insbesondere unter Berücksichtigung gesetzlicher Rahmenbedingungen wie dem KonTraG, erfüllen können, um die Existenz des Unternehmens langfristig zu sichern.
- Gesetzliche Anforderungen an das Risikomanagement (KonTraG)
- Grundlegende Begriffsbestimmungen zu Risiko, Risikomanagement und Controlling
- Einordnung und Schnittmengen von Controlling- und Risikomanagementfunktionen
- Bestandteile eines effektiven Risikomanagementsystems (Internes Überwachungssystem, Frühwarnsystem, Risikocontrolling)
- Struktur und Ablauf des Risikomanagementprozesses
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Risikomanagementprozess
Den Mittelpunkt des Risikomanagements bildet der Risikomanagementprozess. Er ist im Kern in der Literatur einheitlich wiedergeben und wird als Regelkreis dargestellt (siehe Abbildung 3), dessen einzelne Schritte ineinander greifen.
Der Umgang mit Risiken und Chancen wird in der Risikopolitik formuliert und sollte mit der Unternehmenspolitik und -strategie korrespondieren. Für die Umsetzung der Risikopolitik steht als Instrument die Balanced Scorecard zur Verfügung, welche durch die Risiken und Risikoindikatoren ergänzt werden kann und somit eine KonTraG-relevante Gestaltung annimmt. Bei der Risikoidentifikation werden anhand der Informationspotenziale des Unternehmens alle relevanten Risiken, die mit der Unternehmenstätigkeit zusammenhängen, ermittelt und festgehalten. Für die Ermittlung der Risiken im operativen Bereich eignen sich Checklisten, die Fehlerbaumanalyse und die Flow-Chart-Methode. Für den strategischen Bereich können die Szenariotechnik, Kreativitätstechniken und die strategische Früherkennung eingesetzt werden. Bei der Risikobeurteilung werden die qualitativen und quantitativen Risiken hinsichtlich ihrer Ursachen-Wirkungsbeziehung bewertet und in Risikoklassifikationen eingeteilt. Ziele und Aufgaben der Risikosteuerung sind bei den ursachenbezogenen Maßnahmen die Risikovermeidung, Risikoverminderung und Risikobegrenzung. Bei den wirkungsbezogenen Ursachen sind es die Risikoüberwälzung und Risikoübernahme. Die Risikokontrolle wird auch als Bestandteil der Überwachung angesehen und dem Aufgabengebiet des Controllings zugeordnet. Für die Risikokontrolle werden die Ergebniskontrolle, Planfortschrittskontrolle, Prämissenkontrolle und die strategische Überwachung und Frühaufklärung eingesetzt. Die Risikodokumentation ist ein prozessabhängiges Kontrollinstrument und wird durch ein Risikohandbuch und das Berichtswesen sichergestellt. Die Prozessüberwachung übernimmt die interne Revision, als unabhängiges Organ. „Die interne Revision führt Ordnungsmäßigkeits-, Sicherheits-, Zweckmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen durch.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die zunehmende Bedeutung des Risikomanagements aufgrund globaler Marktveränderungen und gesetzlicher Anforderungen durch das KonTraG.
2. Begriffsdefinition: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Risiko, Risikomanagement und Controlling definiert und voneinander abgegrenzt.
3. Risikomanagement und Controlling: Hier wird die enge Wechselbeziehung zwischen Risikomanagement und Controlling analysiert, die Komponenten eines Risikomanagementsystems detailliert und der Risikomanagementprozess als Regelkreis beschrieben.
4. Kritische Beurteilung: Das Kapitel kritisiert, dass gesetzliche Regelungen oft nur zur Einhaltung von Mindestanforderungen führen und ein effizientes Risikomanagement vernachlässigt werden könnte.
5. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung unterstreicht die wachsende Bedeutung des Risikomanagements und verweist auf die Rolle des Controllings bei der Installation umfassender Managementsysteme sowie auf die neue ISO 31000.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Controlling, Risikocontrolling, KonTraG, Unternehmenssteuerung, Risikomanagementsystem, Risikoidentifikation, Risikobeurteilung, Risikosteuerung, Risikokontrolle, Frühwarnsystem, Internes Überwachungssystem, Unternehmensführung, Existenzsicherung, ISO 31000
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Risikomanagement und Controlling im Kontext moderner Unternehmensführung und gesetzlicher Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition und Einordnung von Risiken, die Gestaltung eines Risikomanagementsystems und die operative sowie strategische Unterstützung durch das Controlling.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Risikomanagement und Controlling gemeinsam ein effektives System zur Existenzsicherung und Steuerung des Unternehmens bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse zur theoretischen Herleitung der Konzepte sowie die Auswertung relevanter gesetzlicher Vorgaben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der begrifflichen Definition, der Einordnung der Controller-Funktion, der detaillierten Beschreibung der Risikomanagement-Systemkomponenten und der Erläuterung des Risikomanagementprozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Risikomanagement, Controlling, KonTraG, Risikomanagementsystem, Risikoprozess und existenzsichernde Unternehmenssteuerung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen spekulativen und reinen Risiken?
Reine Risiken sind versicherbar, während spekulative Risiken untrennbar mit wirtschaftlichem Handeln verbunden sind und sowohl Gewinnchancen als auch Verlustgefahren beinhalten.
Welche Rolle spielt das KonTraG in diesem Dokument?
Das KonTraG bildet die gesetzliche Grundlage, die den Vorstand zur Einrichtung eines Überwachungssystems verpflichtet, um bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Wie trägt das Risikocontrolling zum Prozess bei?
Das Risikocontrolling unterstützt die Unternehmensleitung durch Identifikation, Beurteilung, Steuerung und Kontrolle von Risiken und sorgt für die Bereitstellung entscheidungsrelevanter Informationen.
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- Arndt Sander (Autor), 2010, Risikomanagement und Controlling, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153620