In den Jahren 255 bis 256 n. Chr. führten der höchste Vertreter der nordafrikanischen Kirche, Bischof Cacilius Cyprianus, und der römische Bischof Stephanus I. einen brieflichen Disput über die Frage, ob eine in einer häretischen oder schismatischen Gemeinschaft vollzogene Taufe anzuerkennen und damit ein aus einer solchen Gemeinde zu der Katholischen Kirche Konvertierender als bereits getauft zu betrachten sein sollte.
Die Frage nach der Gültigkeit der von nicht-katholischen Gruppierungen gespendeten Taufe (der sogenannten „Ketzertaufe“) entstand zwar bereits zu Beginn des 3. Jahrhunderts, als Anhänger der verschiedenen Häresien um Eintritt in die katholische Kirche baten. Doch hatten sich als Reaktion zwei verschiedene Bräuche entwickelt, die bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts hinein friedlich nebeneinander existierten, ohne dass es zum Streit gekommen war. In Afrika und in den meisten Kirchen des Ostens taufte man die Konvertiten als bisher Ungetaufte. In Rom und Alexandrien dagegen wurde die von Schismatikern vollzogene Taufe als gültig angesehen, da sie im Namen Christi gespendet und empfangen wurde. Man wollte dadurch die Heiligkeit des Sakraments von der Würdigkeit des Spenders trennen. Bei der Aufnahme in die katholische Gemeinde wurde daher lediglich im Rahmen eines Bußakts bzw. zur Mitteilung des Geistes die Hand des Bischofs aufgelegt.
Als jedoch 255 und 266 zwei Synoden unter Cyprians Leitung die Ungültigkeit der Ketzertaufe deklarierten, wogegen Stephan I. die Forderung nach der Aufnahme der römischen Praxis setzte, entbrannte ein heftiger Konflikt, welcher in der Kirchengeschichte als sogenannter „Ketzertaufstreit“ bezeichnet wird.
Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit soll darin bestehen, die Position Cyprians hinsichtlich der „Ketzertaufe“ mittels einer Kurzanalyse eines cyprianischen Briefs aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu den Briefformalia
3. Zum Briefinhalt
4. Historischer Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Position des Bischofs Cyprian von Karthago im sogenannten Ketzertaufstreit des 3. Jahrhunderts anhand einer Analyse seines Briefes an Quintus.
- Hintergründe des Streits um die Gültigkeit von Taufen durch Häretiker
- Analyse der Briefformalia und des Kontextes von Epistula 71
- Theologische Argumentation Cyprians zur Bedeutung des Sakraments
- Auseinandersetzung mit der römischen Tradition und dem Primatsanspruch
- Historische Einordnung des Konflikts zwischen Rom und Karthago
Auszug aus dem Buch
3. Zum Briefinhalt
Direkt zu Beginn des ersten Kapitels beantwortet Cyprian auf umstandslose Weise Quintus Nachfrage. Cyprians Einstellung zur „Ketzertaufe“ ist rundweg ablehnend:
„Ich [Cyprian] verstehe nämlich nicht, wie sich einige unsere Amtsgenossen durch ihre Vermessenheit zu dem Glauben haben verleiten lassen, man brauche die bei den Ketzern mit Wasser Begossenen nicht zu taufen“ (ep.71.1).
Cyprian erklärt, dass Häretiker als Sünder und Feinde Gottes den Heiligen Geist und die Gnade nicht hätten. Folglich könnten sie auch nicht das an andere weitergeben, über sie selbst nicht verfügten: „Denn dort [bei den Ketzern], wo nichts ist, empfangen sie [die Menschen] auch nichts.“ Hierbei vermutet Dr. Thomas, dass sich hier möglicherweise ein montanistischer Einfluss von Tertullian zeige, eine Vermutung, die heutzutage nicht mehr zu verifizieren ist. Zur Pointierung seines Standpunkts verwendet Cyprian eine aus der Heiligen Schrift zitierte, rhetorische Frage: „Wer von einem Toten getauft wird, was gewinnt der durch seine Waschung?“ Festzuhalten gilt damit, dass laut Cyprian eine von der Katholischen Kirche separate Taufe als „schmutzige und unheilige Waschung“ angesehen werden müsse, da es ja schließlich außerhalb der Katholischen Kirche kein Heil zu finden gebe:
„Es ist aber offenbar, dass solche, die nicht in der Kirche Christi sind, zu den Toten zählen und dass einer, der selbst nicht lebendig ist, auch einen anderen nicht lebendig machen kann“ (ep. 71.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den historischen Kontext des Ketzertaufstreits und die gegensätzlichen Positionen von Karthago und Rom.
2. Zu den Briefformalia: Analyse der Struktur, der Datierung und des Entstehungskontextes der Briefe Cyprians, insbesondere von Epistula 71.
3. Zum Briefinhalt: Detaillierte Untersuchung der theologischen Argumentation Cyprians gegen die Gültigkeit der Taufe durch Häretiker.
4. Historischer Epilog: Darstellung der weiteren Entwicklung des Konflikts und des Ausgangs des Streits nach Cyprians Tod.
Schlüsselwörter
Ketzertaufe, Cyprian von Karthago, Bischof Stephan I., Ketzertaufstreit, Sakrament, Epistula 71, Kirchengeschichte, Rom, Karthago, Tradition, Häresie, Taufe, Primat, Bischofsamt, Synode
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen und kirchenhistorischen Auseinandersetzung zwischen Cyprian von Karthago und dem römischen Bischof Stephan I. im 3. Jahrhundert, dem sogenannten Ketzertaufstreit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Gültigkeit von Taufen durch Häretiker, das Verständnis des Sakraments, die Rolle der Tradition sowie die Autoritätsverhältnisse innerhalb der frühen Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel der Hausarbeit ist es, die Position Cyprians bezüglich der Ketzerfrage durch eine tiefgehende Analyse eines spezifischen Briefes (ep. 71) nachzuvollziehen und wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine philologisch-historische Kurzanalyse der primären Korrespondenz Cyprians unter Einbeziehung relevanter kirchenhistorischer Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Form und den Inhalt der Briefe, erläutert Cyprians Ablehnung der „Ketzertaufe“ und untersucht seine Argumentation hinsichtlich der Einheit der Kirche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Ketzer, Taufe, Bischof, Tradition, Sakrament, Einheit der Kirche, Rom, Karthago und Synodalbeschlüsse.
Wie argumentiert Cyprian in Bezug auf die „Ketzertaufe“?
Cyprian argumentiert, dass außerhalb der katholischen Kirche kein Heil und kein Heiliger Geist vorhanden sei, weshalb Taufen, die durch Häretiker vollzogen wurden, ungültig seien.
Welche Bedeutung hat das Primat des Petrus für Cyprians Argumentation?
Cyprian nutzt das Beispiel der Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus, um zu zeigen, dass die Vernunft über das bloße Festhalten an einer Tradition (hier: römische Praxis) zu stellen ist.
- Citation du texte
- Dipl. theol. Peter Hubertus Erdmann (Auteur), 2004, Cyprians Position im Ketzertaufstreit mit Stephan I., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153654