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Das Kulturargument in der Europadiskussion

Título: Das Kulturargument in der Europadiskussion

Trabajo de Seminario , 2008 , 15 Páginas , Calificación: 1,8

Autor:in: Katharina Heinz (Autor)

Sociología - Política, Mayorías, Minorías
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Als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Februar 2008 bei einem Deutschlandbesuch seinen Landsleuten zur Integration riet, Assimilation aber zu „einem Verbrechen an der Menschheit“ (Hermann 2008, faz.net) deklarierte, rief dies europaweite Kritik hervor. Es unterstrich zudem die Ansicht einiger Europäer, die Türkei sei für einen Betritt in die EU (noch) nicht bereit. Die Debatten, die Erdogans Rede ausgelöst hat, lassen schon ahnen von der gewaltigen Macht, die Kultur in der heutigen Europa-Diskussion besitzt. Denn Kultur kann sowohl als Hindernis für eine europäische Integration, als auch als Lösung europäischer Probleme gesehen werden. So ergeben sich anhand unterschiedlicher Auffassungen von Kultur unterschiedliche Konzepte, die entweder für oder gegen eine zunehmende Integration Europas sprechen und aus denen man schließen kann, wie ein zukünftiges Europa aussehen könnte. Mittels einer Interpretation und Analyse ausgewählter Texte werde ich in dieser Arbeit versuchen, die verschiedenen Kulturargumente herauszuarbeiten. In einem weiteren Schritt werde ich aufzeigen, welche Entwicklung sich je nach dem verwendeten Kulturargument für Europa ergeben kann. Anschließend werden die unterschiedlichen Konzepte miteinander verglichen und diskutiert. Zunächst möchte ich aber darstellen, mit welchem Kulturbegriff gearbeitet wird, also was Kultur denn eigentlich bedeutet. Ich verwende den Kulturbegriff der Volkskunde/Europäische Ethnologie, den so genannten erweiterten Kulturbegriff. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem, was traditionell unter Hochkultur oder schöner Kultur, also den bildenden Künsten, verstanden wird. Es geht demnach nicht um Werke der Literatur, des Theaters oder der Musik, die den menschlichen Alltag aufwerten, sondern um die „Gesamtheit menschlichen Symbolschaffens“ (Gerndt 1997, S. 35). Betrachtet wird die „gesamte Wirklichkeit im Spiegel des menschlichen Bewusstseins“ (ebd., S. 35), also alles das, was übrig bleibt, wenn man „Natur“ abzieht. Der erweiterte Kulturbegriff bezieht sich also auf materielle Gegenstände ebenso wie auf Verhaltensformen, Wert- und Normenvorstellungen bis über Glaubensansichten und Sprachmuster und erfasst ebenso traditionelle Kontinuitäten wie auch den Wandel der kulturellen Ausdrucksformen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Das Reizthema „Kultur“ in der aktuellen Debatte um den EU – Beitritt der Türkei

2. „Kultur“ als Mittel zum Zweck: Unterschiedliche Kulturargumente und unterschiedliche Europa - Konzepte

2.1 „Kultur“ als Hindernis für eine europäische Integration – nationalstaatliche Sichtweisen

2.2 Das Kulturargument im Kontinentalstaat

2.2.1 Vergleich der universalistischen mit der nationalstaatlichen Sicht

2.3 Der kosmopolitische Kulturbegriff im europäischen Empire

2.3.1 Vergleich der kosmopolitischen mit der nationalstaatlichen und der universalistischen Sicht

3. Zur kritischen Bewertung der vorgestellten Konzepte

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss von Kulturargumenten auf die europäische Integrationsdebatte, wobei sie insbesondere analysiert, wie unterschiedliche Kulturbegriffe die politische Debatte über den EU-Beitritt der Türkei sowie die Zukunftsfähigkeit Europas prägen.

  • Analyse des "erweiterten Kulturbegriffs" in der sozialwissenschaftlichen Europadiskussion
  • Gegenüberstellung von nationalstaatlichen, universalistischen und kosmopolitischen Integrationsmodellen
  • Untersuchung des Demokratiedefizits der EU vor dem Hintergrund kultureller Heterogenität
  • Diskussion des Konzepts eines "europäischen Empires" als Alternative zum Nationalstaat
  • Kritische Reflexion der Umsetzbarkeit dieser theoretischen Modelle in einem variablen Europa

Auszug aus dem Buch

2.3 Der kosmopolitische Kulturbegriff im europäischen Empire

Auch die abschließend vorgestellte Argumentation erkennt die Realität der kulturellen Entgrenzung an. Die vielleicht einstmals abgegrenzten Kulturräume werden heute in vielfältiger Weise überwunden und es gibt keine Systeme mehr, die geschlossen zu betrachten sind.

„ Durchgängig gilt dementsprechend, dass Handlungs- und Erfahrungsräume nicht länger exklusiv sind. Wir leben (…) im Zeitalter der Ströme: Kapitalströme, kulturelle Ströme, Ströme von Menschen, Informationen und Risiken (…).“ (Beck/Lau 2004, S. 16)

Durch Medien wie Fernsehen oder Internet oder auch die zunehmende Mobilität eines jeden Einzelnen entsteht eine Dynamik, die an den Staatsgrenzen nicht mehr Halt macht. Es folgt nicht nur eine kulturelle Vermischung im europäischen Raum, wie im vorhergehenden Ansatz betrachtet, sondern ein Kulturaustausch, der die ganze Welt erfasst. Die hier behandelte Wirklichkeit sieht also nicht nur die Annäherung von Kulturen, die sich eh schon ähneln, sondern öffnet die Augen für die Transkulturalität von scheinbar unvereinbaren Kulturräumen wie dem der islamischen und der westlichen Welt. Welche Folgen hat es nun für die Gesellschaft, wenn ein fester kultureller Rahmen nicht mehr gegeben ist?

„Richtig ist im Gegenteil, (…) dass Entgrenzung Entscheidung erzwingt: je mehr Entgrenzung, desto mehr Entscheidungszwänge, desto mehr provisorisch-moralische Grenzkonstruktionen, das heißt Grenzpolitik.“ (Ebd., S. 15)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Reizthema „Kultur“ in der aktuellen Debatte um den EU – Beitritt der Türkei: Einführung in die Thematik anhand der Debatte um den türkischen EU-Beitritt und Definition des in der Arbeit verwendeten erweiterten Kulturbegriffs.

2. „Kultur“ als Mittel zum Zweck: Unterschiedliche Kulturargumente und unterschiedliche Europa - Konzepte: Systematische Darstellung der verschiedenen kulturtheoretischen Ansätze, unterteilt in nationalstaatliche, universalistische und kosmopolitische Sichtweisen.

2.1 „Kultur“ als Hindernis für eine europäische Integration – nationalstaatliche Sichtweisen: Analyse, wie kulturelle Homogenität als Voraussetzung für Stabilität im Nationalstaat gesehen wird und warum Transnationalisierung als Bedrohung für diesen Rahmen empfunden wird.

2.2 Das Kulturargument im Kontinentalstaat: Untersuchung eines Konzepts, das Europa als durch gemeinsame Geschichte und westliche Traditionen geeinten Raum begreift, dabei aber Exklusionsmechanismen gegenüber anderen Kulturräumen aufbaut.

2.2.1 Vergleich der universalistischen mit der nationalstaatlichen Sicht: Darstellung der Gemeinsamkeiten beider Ansätze in Bezug auf die Notwendigkeit kultureller Vereinheitlichung und die Ablehnung multikultureller Realitäten.

2.3 Der kosmopolitische Kulturbegriff im europäischen Empire: Vorstellung eines dynamischen Europa-Modells, das kulturelle Differenzen nicht auflöst, sondern als Bereicherung versteht und institutionelle Konzepte jenseits des Nationalstaats vorschlägt.

2.3.1 Vergleich der kosmopolitischen mit der nationalstaatlichen und der universalistischen Sicht: Kontrastierung der verschiedenen Logiken zur europäischen Integration und der jeweiligen Bewertung von kultureller Vielfalt und Souveränität.

3. Zur kritischen Bewertung der vorgestellten Konzepte: Zusammenfassende Einordnung der behandelten theoretischen Modelle und kritische Hinterfragung ihrer praktischen Realisierbarkeit in der politischen Realität.

Schlüsselwörter

Kulturargument, Europadiskussion, EU-Beitritt Türkei, Nationalstaat, Integration, erweiterter Kulturbegriff, Transnationalisierung, Universalismus, Kosmopolitismus, Identität, europäisches Empire, Demokratiedefizit, kulturelle Differenz, Weltbürgertum, Grenzpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Argument "Kultur" in der sozialwissenschaftlichen Debatte über die europäische Integration eingesetzt wird und welche unterschiedlichen Europa-Modelle daraus resultieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen nationalstaatlichen Identitäten und supranationalen Strukturen, die Integrationsfähigkeit von Kulturen sowie die Legitimität europäischer Institutionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die verschiedenen Kulturargumente herauszuarbeiten und aufzuzeigen, welche Konsequenzen die jeweiligen Konzepte für die Entwicklung und zukünftige Form der Europäischen Union haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Interpretation und Analyse ausgewählter soziologischer Texte und politikwissenschaftlicher Ansätze zur europäischen Einigung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Ansätze: das nationalstaatliche Konzept als Bewahrungsmodell, das universalistische Konzept als Kontinentalstaatsmodell und das kosmopolitische Konzept als offenes Empire-Modell.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Kulturargument, Nationalstaat, Kosmopolitismus, Transnationalisierung, europäisches Empire und kulturelle Identität.

Warum wird der Begriff des "Empire" für Europa vorgeschlagen?

Im Gegensatz zum starren Staatsbegriff bietet das Empire-Konzept von Beck und Grande einen Rahmen für asymmetrische Mitgliedschaften und politische Interaktionen, die der kulturellen Vielfalt Europas gerechter werden.

Inwiefern beeinflusst der Kulturbegriff die Debatte über den EU-Beitritt der Türkei?

Je nach Definition von Kultur wird die Türkei entweder als unvereinbarer Kulturraum ausgeschlossen oder als Teil eines kosmopolitischen, transkulturellen Verbundes betrachtet.

Was unterscheidet den kosmopolitischen Ansatz von den anderen Modellen?

Der kosmopolitische Ansatz leugnet kulturelle Unterschiede nicht, sondern betrachtet sie als Bereicherung und setzt auf ein "Sowohl-als-Auch"-Prinzip statt auf Homogenisierung oder Ausschluss.

Wie bewertet die Autorin die praktische Realisierbarkeit dieser Konzepte?

Die Autorin sieht die Konzepte kritisch: Während der Rückzug in Nationalstaaten die Realität ignoriert, erscheinen die kosmopolitischen Ansätze zwar theoretisch innovativ, aber in der politischen Umsetzung als äußerst schwierig.

Final del extracto de 15 páginas  - subir

Detalles

Título
Das Kulturargument in der Europadiskussion
Universidad
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Curso
Nationale, kosmopolitische und imperiale Ordnungen im gegenwärtigen Europa – Zum Experimentalcharakter der Risikosemantiken im sozialwissenschaftlichen Europadiskurs
Calificación
1,8
Autor
Katharina Heinz (Autor)
Año de publicación
2008
Páginas
15
No. de catálogo
V153696
ISBN (Ebook)
9783640659470
ISBN (Libro)
9783640659227
Idioma
Alemán
Etiqueta
Europa Kultur europäische Integration Universalismus Nationalismus Kosmopolitismus Diskurs
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Katharina Heinz (Autor), 2008, Das Kulturargument in der Europadiskussion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153696
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